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©Jennifer Regnier

Clickertraining für den Hund - was bringt es mir und meinem Vierbeiner?

Clickertraining ist ein Alleskönner in der Hundeerziehung: Es eignet sich für die Erziehung genauso wie für Kunststückchen und das Training von Hundesportarten. Aber auch Problemverhalten kann damit angegangen und selbst verhaltensgestörte oder scheue Hunde erreicht werden.

Inhaltsverzeichnis:

Clickertraining ist eine einfache, auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhende Methode, einem Hund erwünschte Verhaltensweisen beizubringen und unerwünschte Verhaltensweisen abzugewöhnen. Durch die gezielte Anwendung eines akustischen Signals („Click“) in Verbindung mit einem Leckerli wird positives Verhalten belohnt und verstärkt. Das klingt zwar einfach, muss aber geübt werden - von dir und deinem Vierbeiner. Und zwar immer wieder und wieder.

Was brauche ich fürs Clickertraining?

Als Utensilien brauchst du nur einen Clicker und die Belohnung. Dazu kannst du einen klassischen Clicker (oder auch einen Knackfrosch) verwenden. Andere Geräusche wie ein Pfiff oder das Klicken eines Kugelschreibers funktionieren aber auch. Wichtig ist, dass das Geräusch immer gleich klingt und punktgenau erfolgt, was zum Beispiel mit der menschlichen Stimme nicht immer klappt. Bei einem tauben Hund kannst du übrigens auch Lichtsignale wie von einer Taschenlampe einsetzen.

Die drei Phasen des klassischen Clickertrainings

Phase 1: Konditionierung

Ein zunächst neutraler Reiz wie das Clicken eines Knackfrosches wird durch das zeitgleiche Geben eines Leckerlis zum konditionierten Reiz. Nach 20–40 Wiederholungen wird dieser Reiz für den Hund zum positiven Geräusch, das ein angenehmes Ereignis – ein Leckerli – ankündigt. Das Geräusch ist also das Bindeglied zwischen der erwünschten Handlung und nachfolgender Belohnung. Deshalb solltest du in der Konditionierungsphase niemals clicken ohne eine Belohnung parat zu haben. Wiederhole die Übung so oft, bis dein Hund verstanden hat, was der Click bedeutet. Wenn dein Hund den Clicker erwartungsvoll anschaut oder sich nach dem Click sofort in die Richtung orientiert, aus der die Belohnung kommt, dann kannst du sicher sein, dass der Hund so weit ist. Wenn du denkst, dass die Konditionierung sitzt - und das kann je nach Hund wenige Minuten, aber auch Tage dauern - kannst du den Clicker direkt für eine Übung einsetzen. Kommandos und Verhaltensweisen formst du dabei auf unterschiedliche Art und Weise.

Beim Clickertraining ist der sekundengenaue Zeitpunkt sehr wichtig. Der Click muss so gut wie zeitgleich mit dem von dir gewünschten Verhalten deines Hundes erfolgen. Einen Click, der 3 Sekunden danach erfolgt inklusive der Belohnung, verbindet ein Hund nicht mehr mit dem vorher gezeigten Verhalten. Nicht nur dein Hund muss also Clickertraining lernen, sondern auch du. Das präzise Timing übst du am besten mithilfe eines Tennisballs oder Flummis, den du auf den Boden wirfst und zeitgleich mit jedem Aufprallen clickst.

Phase 2: Verhalten, Clickgeräusch und Leckerli verbinden

Nach der Konditionierung setzt du den Clicker nun als punktgenaue positive Bestätigung für ein Verhalten und Vorankündigung für die nachfolgende Belohnung ein. Jetzt gilt es, dem Hund etwas beizubringen. Positive Signale bieten sich dabei an. Zum Beispiel Sitz machen, wenn er neben dir selbst oder einem anderen Menschen steht. Macht der Hund dies rein zufällig, clickst du sofort und belohnst deinen Vierbeiner. Das wiederholst du einige Male und schon weiß dein Hund, dass das Sitzmachen Vorteile bringt.

Stell dir den Click wie einen Schnappschuss vor, der das gewünschte Verhalten präzise auf die Sekunde genau festhält. Der Vorteil ist zudem, dass der Clicker auch auf größere Entfernung funktioniert.

Phase 3: Shaping - die Optimierung des gewünschten Verhaltens mit einem Signalwort

Ab nun kannst du mit Clickertraining praktisch arbeiten. Shaping bedeutet, dass ein bestimmtes Verhalten langsam und schrittweise geformt wird, indem du bei deinem Hund anfangs bereits für den allerkleinsten richtigen Ansatz belohnst. Aus diesen Ansätzen werden nach und nach nur noch die besseren durch Clicken und eine Belohnung beachtet. Die weniger guten ignorierst du. Und das so lange, bis die Übung oder Verhaltensabfolge bei deinem Hund komplett ist. Beispiel: Abwarten bis sich der Hund von alleine hinsetzt – click – Belohnung. Die Fortsetzung: du clickst nur noch, wenn er sich superschnell oder besonders hübsch hinsetzt.

Ab diesem Zeitpunkt kannst auch ein passendes Signalwort, in diesem Beispiel “Sitz”, anwenden. Dieses Signal wird nun unmittelbar vor der jetzt schon verlässlich durchgeführten Übung gesagt: Signal Sitz – Hund setzt sich – click – Belohnung.

Kann ich Welpen mit Clickertraining erziehen?

Auch bei der Welpen-Erziehung ist Clickertraining wunderbar einsetzbar. Vom Prinzip her musst du gar nichts anderes machen als bei einem ausgewachsenen Hund. Vielleicht musst du nur ein bisschen länger warten, bis dein Welpe etwas ganz Tolles macht, wie etwa angelaufen kommen, wenn er gerufen wird oder brav an der Tür warten, bevor es endlich zum Gassigehen rausgeht. Clickertraining kann dir auch helfen, Welpen zur Stubenreinheit zu erziehen, wenn du immer clickst und belohnst, wenn dein Welpe draußen sein Bächlein oder Häufchen macht. Und zwar exakt in der Sekunde, wenn er fertig ist.

Wann ist für meinen Hund Clickertraining nicht geeignet?

Bei mehreren Hunden zugleich ist die Anwendung des Clickers unterwegs eher schwierig, da ja auch von dir höchste Konzentration gefordert ist. 

Bei länger andauernden Übungen wie am Rad laufen oder etwa Slalom auf einem Agility-Parcours ist eine Belohnung am Ende der Übungsstrecke besser. Mittendrin bricht der Clicker die eigentliche Übung ab und dein Hund wird trotzdem belohnt. Das ist natürlich nicht der Sinn der Sache.

Vor- und Nachteile auf einen Blick

Vorteile: 
  • Einfach zu erlernen
  • Stimmungs- und personenunabhängige Belohnung
  • Belohnung auf Entfernung sehr gut möglich
  • Eignet sich zum Erlernen von Tricks, aber auch zum Abgewöhnen komplexerer Unarten, wie etwa Kot vom Boden zu fressen
Nachteile: 
  • Eher zeitaufwendig
  • Es ist je nach Hund mitunter viel Geduld erforderlich
  • Der Clicker muss immer dabei sein
  • Sekundengenaues Timing muss vom Halter geübt werden
Als Belohnung eignen sich am besten eher kleine Leckerlis. Diese verschlingt der Hund meist schnell verschlungen und er wird nicht zu lange vom Training abgelenkt. Das Leckerli sollte also nicht zu interessant sein. Das Training mit einem Leckerli ist normalerweise am einfachsten. Wenn deinem Hund Leckerlis aber eher wurscht sind, sind Streicheleinheiten oder ein Spielzeug als Belohnung bestimmt willkommen. Einfach je nachdem, wie dein Hund drauf ist.

Die häufigsten Fehler beim Clickertraining

Falscher Zeitpunkt
Ist der Clicker einmal konditioniert, so wird damit das Verhalten, das zum Zeitpunkt des Clicks gezeigt wird, verstärkt. Dies ist beispielsweise beim Üben des Hinsetzens exakt die Sekunde, in der das Hinterteil den Boden berührt und nicht, wenn das Tier schon wieder aufspringt.

Falsche Belohnung
Achte darauf, dass die verwendete Belohnung sehr attraktiv ist, aber nicht so extrem, dass keine Konzentration auf die Übung mehr möglich ist.

Falsche Koordination
Clickgeräusch und anschließende Belohnung solltest du aus dem Effeff beherrschen. Situationen wie Clicken und dann erst nach dem Leckerli in der Jackentasche suchen, sind definitiv Fehlversuche von deiner Seite.

vetevo-Fazit

Clickertraining lohnt sich und ist ein super Beispiel für gewaltfreie Hundeerziehung. Es ist wie eine Allzweckwaffe für Erziehungsprobleme mit dem Hund, aber auch viel Spaß für deinen Hund und dich beim Training täglicher Verhaltensweisen und beim Beibringen kleiner und großer Kunststückchen. Je nach Hund ist vielleicht viel Geduld und Zeit gefragt, aber wenn sich die ersten Erfolge einstellen, ist dies sicher schnell vergessen. Habe also deshalb immer einen Clicker und kleine Leckerlis dabei. Man weiß ja nie, wann dein Hund wieder etwas Sensationelles macht, das nach Wiederholung und Belohnung schreit.

vetevo - Aus Liebe zum Tier.
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