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Gewicht beim Pferd

Viele Haustiere in Deutschland leiden unter Gewichtsproblemen: Am häufigsten handelt es sich dabei um Übergewicht. Auch Pferde sind von diesem Phänomen betroffen - mit dem Ergebnis, dass man sich weitestgehend an den Anblick übergewichtiger Tiere gewöhnt hat.
Das ist auch der Grund, wieso selbst Experten das Gewicht von Pferden oftmals falsch einschätzen.

Zudem werden gerade bei Pferden die rasseabhängigen Unterschiede im Idealgewicht oftmals nicht berücksichtigt, was zu weiteren Fehleinschätzungen führt. Übergewicht stellt ein großes Gesundheitsrisiko dar und sollte nicht auf die leichte Schulter genommen werden.

Um dir einen Überblick über rassetypische Gewichtsempfehlungen, gesundheitliche Folgen von Übergewicht sowie gesunde Möglichkeiten der Gewichtsabnahme beim Pferd zu geben, haben wir dir hier die wichtigsten Informationen zusammengestellt.

Inhaltsverzeichnis:

Wie viel sollte mein Pferd wiegen?

Ganz einfach ist diese Frage nicht zu beantworten. Trotzdem kannst du bereits durch einen einfachen Test feststellen, ob dringender Handlungsbedarf besteht.

Bei einem normalgewichtigen Pferd kann man die Rippen zwar im aufrechten Zustand nicht sehen, aber durch geringen Druck ertasten. Gleiches gilt für die Hüfthöcker des Pferdes. Alle anderen Attribute, wie beispielsweise Kruppe, Hals oder Rücken unterscheiden sich zu stark zwischen den Geschlechtern sowie Rassen und können dementsprechend sehr schlecht für eine optische Einschätzung zu Rate gezogen werden.

Generell sagt man, dass Zuchtpferde einen Körperfettanteil von 18-20 % aufweisen sollten, Reit- und Rennsportpferde von unter 18 %. Diese Angabe ist vielleicht interessant, aber sie hilft dir als Halter erstmal nicht wirklich weiter.

Dementsprechend haben wir dir zusammengetragen, wie viel das durchschnittliche Gewicht einzelner Pferderassen betragen sollte. Behalte trotzdem im Hinterkopf, dass es sich hierbei um Richtwerte handelt und sowohl das Geschlecht als auch der individuelle Körperbau das Gewicht deines Vierbeiners beeinflusst.
  • Shetland Pony: etwa 100 - 200 Kilo
  • Deutsches Reitpony: etwa 320 - 330 Kilo
  • Welsh Pony: etwa etwa 345 - 355 Kilo
  • Isländer: etwa 300 - 500 Kilo
  • Vollblut Araber: etwa 380 - 450 Kilo
  • Andalusier: etwa 390 - 490 Kilo
  • Haflinger: etwa 450 - 600 Kilo
  • Paint Horse: etwa 470 - 600 Kilo
  • Hannoveraner: etwa 530 - 760 Kilo
  • Friese: etwa 500 - 750 Kilo
  • Shire Horse: etwa 700 - über 1000 Kilo

Wie wiege ich mein Pferd?

Ein Pferd zu wiegen ist gar nicht so einfach. Die genaueste Methode sind selbstverständlich spezielle Großtierwaagen, die du nun aber nicht unbedingt immer ‘zur Hand’ haben wirst. Allerdings gibt es hier Services, die mit mobilen Pferdewaagen zu euch in den Stall kommen. Zudem lassen sich Fahrzeugwaagen recht gut für dieses Unterfangen nutzen.

Eine weitere Möglichkeit sind entweder ganz normale oder aber spezielle Maßbänder. Mit Ersteren misst du Brustumfang und Körperlänge deines Pferdes. Wendest du die Formel “Pferdegewicht (kg) = Brustumfang (cm) * Brustumfang (cm) * Körperlänge (cm) / 11.900” an, bekommst so einen Näherungswert.

Den Brustumfang misst du, indem du das Maßband am hinteren Ende des Widerristes rund um den Körper legst - dort, wo der Longiergurt angelegt wird. Bei der Körperlänge benötigst du die Hilfe einer zweiten Person. Gemessen wird dann vom Buggelenk (dem vordersten Punkt der Schulter) bis zum Sitzbeinhöcker.

Mit speziellen Gewichtsmaßbändern kannst du das Gewicht deines Pferdes direkt “messen” und ablesen. Beide Methoden liefern selbstredend keine exakten Ergebnisse und sind eher für eine sehr grobe Ersteinschätzung geeignet.

Body Condition Score (BCS)

Da es bei der Frage nach Über- oder Untergewicht nicht nur um das tatsächliche Gewicht, sondern auch um den Körperfettanteil geht, ist der Body Condition Score (BCS) deines Pferdes eine hilfreiche Größe. Dabei ermittelst du das Verhältnis von Fett zu fettfreier Körpermasse. 

Hierfür beurteilst du an 6 unterschiedlichen Körperbereichen ausschließlich die Fettschicht deines Vierbeiners auf einer Skala von 1 (“sehr mager”) bis 9 (“sehr adipös”). Der Normalwert liegt bei 5. Leichte Schwankungen sind normal, da Pferde im Winter natürlicherweise abnehmen, in der Weidesaison dafür wieder zulegen.

Die 6 Körperstellen, die du abtastest und beurteilst, sind: Nacken, Widerrist, Schulter, Rücken, Rippen und Kruppe. Jede Stelle wird mit einer Zahl zwischen 1 und 9 bewertet, auch halbe Werte sind zugelassen. Wenn du alle 6 Körperpartien bewertet hast, zählst du die Werte zusammen und bildest den Durchschnitt.

Hinweis: Um ein genaueres Ergebnis zu erhalten, empfehlen wir dir das Body Scoring 3 Mal zu wiederholen und dann wiederum den Durchschnittswert der drei Messungen zu berechnen.

Generell wirst du schnell lernen zu ertasten, ob es sich um Fettpolster, Knochen oder Muskeln handelt. Fettpolster fühlen sich weich und bei starkem Übergewicht auch “schwabbelig” an, Muskelgewebe hingegen glatt und fest. Wenn es sich um Knochen handelt spürst du einen harten Widerstand. 

Gesundheitliche Folgen der Abmagerung und des Übergewichts bei Pferden

Natürlich stellt auch die Abmagerung ein großes Gesundheitsrisiko deines Pferdes dar. In diesem Fall sind Wirbelsäule, Rippen und Beckenknochen im aufrechten Zustand deines Vierbeiners deutlich sichtbar.

Gefährliches Untergewicht kann die Folge von Wurmbefall, Borreliose, Schilddrüsenüberfunktion sowie Herz-, Leber- oder Nierenerkrankungen sein. Magen-Darm-Krankheiten oder Krebs zählen ebenfalls zu möglichen Auslösern. Auch Erkrankungen der Maulhöhle, die das Fressen erschweren, können dahinter stecken, genauso wie Stress oder Vernachlässigung.

Ein wesentlich häufiger anzutreffendes Phänomen ist aber das Übergewicht bei Pferden. Viele Tiere werden einerseits überfüttert, andererseits mangelt es in vielen Fällen an ausreichender Bewegung und Auslastung. Zu viel Gewicht und damit Fett hat jedoch schwerwiegende Folgen für den Organismus deines Vierbeiners und führt zu:
  • Sehnen-, Bänder- und Gelenkproblemen
  • Hufrehe
  • Diabetes
  • Equines Metabolisches Syndrom (EMS)

Sehnen-, Bänder- und Gelenkprobleme

Diese Problematiken liegen auf der Hand: Wenn dein Pferd zu viel eigenes Gewicht tragen muss, leiden auf Dauer Sehnen, Bänder und Gelenke. Durch die ständige Überstrapazierung lastet zu viel Druck auf den empfindlichen Partien und Probleme sind in vielen Fällen vorprogrammiert.

Hufrehe

Auch die gefürchtete Hufrehe, auch Laminitis genannt, kann durch die zu große Belastung der Hufe bei Übergewicht entstehen. Sehr kohlenhydratreiche Nahrung spielt ebenfalls eine entscheidende Rolle.

Bei der Hufrehe handelt es sich um eine (akute oder auch chronische) Entzündung der Huflederhaut, bei der sich die Hufkapsel von der Lederhaut ablöst. Diese Erkrankung ist für dein Pferd sehr schmerzhaft.

Bei der chronischen Hufrehe kann es zudem zu einer Hufbeinrotation kommen, die zur Überlastung der Hufbeinaufhängung führen kann. Im schlimmsten Fall bohrt sich das Hufbein durch Senkung durch die Hufsohle.

Die akute Hufrehe ist ein tiermedizinischer Notfall, der sofort behandelt werden muss. Im Extremfall kann die Hufrehe zum Ausschuhen führen. Hierbei verliert das Pferd die gesamte Hornkapsel, der Huf löst sich vollständig.

Diabetes

Auch Pferde können im Laufe ihres Lebens Diabetes entwickeln, ganz ähnlich zu uns Menschen. Hierbei handelt es sich um die sogenannte Typ-2-Diabetes, also eine Insulinresistenz. Übergewicht ist hierfür - ebenfalls wie bei uns - ein nicht zu unterschätzender Risikofaktor.

Bei dieser Krankheit ist das Zusammenspiel von Glukose und Insulin gestört: Normalerweise schüttet der Körper Insulin als Reaktion auf Glukose aus: Je mehr Glukose über das Futter aufgenommen wird, desto mehr Insulin wird ausgeschüttet. So signalisiert das Gehirn dem Körper, dass der Zucker aus dem Blut von Muskulatur, Leber, Fettgewebe usw. aufgenommen werden muss und der Zuckerspiegel im Blut sinkt.

Durch die langfristig hohe Aufnahme von Glukose kann dieses System aus dem Gleichgewicht geraten. Aufgrund der Überdosis Zucker produziert der Körper über eine längere Zeit sehr viel Insulin. So werden die Körperzellen weniger empfänglich für diesen Stoff, was schlussendlich zu einer Insulinresistenz führt. Dann leidet dein Pferd unter einem ständig erhöhten Blutzuckerspiegel, der vom Körper nicht mehr reguliert werden kann.

Typische Symptome einer Diabeteserkrankung sind gesteigerter Durst und häufiges Wasserlassen, Leistungsabfall, erhöhte Anfälligkeit für Infektionen sowie die Neigung zu Entzündungen (z. B. Hufrehe).

Equines Metabolisches Syndrom (EMS)

Das Equine Metabolische Syndrom ist eine Stoffwechselerkrankung bei Pferden. Die häufigste Ursachen dieser Erkrankung sind Übergewicht und Bewegungsmangel. Es handelt sich dabei um einen Symptomkomplex, der sich vor allem durch Adipositas, Insulinresistenz und ein stark erhöhtes Hufrehe-Risiko auszeichnet.

Achtung: In diesem Fall ist die Insulinresistenz ein Symptom, nicht die gesamte Erkrankung, wie bei der Diabetes.

Leidet dein Vierbeiner an EMS ist sein Stoffwechsel gestört und das Immunsystem geschwächt, wodurch Entzündungsprozesse im Körper begünstigt werden. Die Krankheit weist vielfältige Symptome auf und beginnt meist schleichend, was dazu führt, dass sie oft erst spät erkannt wird.

Zu den gängigen Symptomen zählen Leistungsabfall, erhöhte Infektanfälligkeit, unter Umständen auch Herzinsuffizienz, starker Durst sowie vermehrtes Wasserlassen, Hufrehe sowie bei Stuten das Ausbleiben der Rosse. Zudem sind die Blutzuckerwerte erhöht.

Typische sichtbare Anzeichen für EMS sind Fettpolster im Nacken und am Gesäuge, eine charakteristische Beule über der Augengrube und Muskelabbau.

Wie können Pferde gesund abnehmen?

Für das gesunde Abnehmen sind zwei Dinge essentiell: die Kalorienaufnahme muss reduziert und die Bewegung (immer im Rahmen des gesundheitlich Möglichen) gesteigert werden. Wie viel Energie in Form von Futter du deinem Pferd dabei zukommen lässt, hängt sowohl vom Zielgewicht als auch vom Energieverbrauch ab. Im Klartext heißt das: Führe deinem Vierbeiner so viel Energie zu, wie er bei dem von dir festgelegten Zielgewicht durch seine “Arbeit” verbrennen würde.

Die gesunde Futterreduktion

Der erste große Hebel beim Abnehmen ist das Kraftfutter. Übergewichtige Pferde brauchen in der Regel entweder gar nichts davon oder nur kleine Mengen. Das Futter der Wahl ist in diesem Falle nämlich Heu. Dieses sollte energiearm und faserreich sein. Am besten verfütterst du das Heu in engmaschigen Heunetzen, so frisst dein Pferd langsamer und kaut die Nahrung vernünftig durch.

Tipp: Als Snack eignet sich Futterstroh - in etwa 0,5 Kilogramm pro 100 Kilo Körpergewicht ist hier allerdings ausreichend.

Von jeglicher Form der “Radikal-Diät” können wir nur dringend abraten: Hierbei riskierst du die Gesundheit deines Tieres. In einem solchen Hunger-Notfall setzt der Pferdekörper große Mengen Fett ins Blut frei, was zu ernsthaften Gesundheitsschäden führen kann.

Abnehmen in der Weidesaison

Wahrscheinlich hast du dir schon die Frage gestellt, wie eine Futterreduktion in der Weidesaison funktionieren soll. Normalerweise grast dein Vierbeiner dann nach Lust und Laune - wie sollst du so kontrollieren, wieviel Energie er sich selbst zuführt?

Eine Möglichkeit ist in diesem Fall der Weide-Maulkorb. Diesen solltest du aber wirklich nur stundenweise benutzen, da er dein Pferd in seiner Kommunikationsfähigkeit einschränkt und es zudem zum Scheuern kommen kann. Außerdem sollte dein Pferd langsam an dieses Accessoire gewöhnt werden.

Ansonsten kannst du auch einfach die Weidezeit beschränken und dein Pferd nur eine begrenzte Zeit auf einer mageren Weide grasen lassen. Die dritte und sportlichste Möglichkeit ist es allerdings, die Bewegung des Pferdes soweit zu erhöhen, dass die höhere Futtermenge wieder ausgeglich wird.

Tipp: Ähnlich wie bei uns Menschen gilt prinzipiell - langsames Abnehmen ist gesundes Abnehmen.

vetevo-Fazit

Halter unterschätzen sehr oft die teils schwerwiegenden Gesundheitsfolgen des Übergewichts: Neben Bändern, Gelenken und Sehnen leidet das Herz-Kreislauf-System des sowie der gesamte Bewegungsapparat. Krankheiten wie Diabetes, Hufrehe oder das Equine Metabolische Syndrom sind in vielen Fällen direkt auf das Übergewicht des Tieres zurückzuführen.

Kontrolliere deshalb regelmäßig das Gewicht sowie den Körperfettanteil deines Pferdes, um Übergewicht von vorneherein zu vermeiden - das geht ganz einfach mit unserer vetevo App. Sollte dein Vierbeiner bereits etwas zu viel auf den Rippen haben, beherzige gerne unsere Tipps und hilf deinem Pferd durch mehr Bewegung sowie angepasste Futterrationen zurück zum gesunden Idealgewicht.

vetevo - Aus Liebe zum Tier.

Quellen:

  1. Abmagerung. In: Vormwald K, Hrsg. Praxisbuch für Tierheilpraktiker. 2., aktualisierte und erweiterte Auflage. Stuttgart: Georg Thieme Verlag ; 2020. doi:10.1055/b-007-168896
  2. Beurteilung des Ernährungszustands. In: Fritz C, Maleh S, Hrsg. Zivilisationskrankheiten des Pferdes. 2., aktualisierte Auflage. Stuttgart: Thieme; 2020. doi:10.1055/b-006-166356
  3. Equines Metabolisches Syndrom (EMS). In: Gehlen H, Hrsg. Differenzialdiagnosen Innere Medizin beim Pferd. 1. Auflage. Stuttgart: Enke Verlag; 2017. doi:10.1055/b-004-140271
  4. Körperzusammensetzung und Verteilung der Gewebe und Organe. In: Coenen M, Vervuert I, Hrsg. Pferdefütterung. 6., aktualisierte Auflage. Stuttgart: Thieme; 2019. doi:10.1055/b-006-161670
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