Headshaking beim Pferd - Titelbild

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Headshaking beim Pferd: Symptome, Ursachen und Behandlung

Headshaking beim Pferd kann dich und dein Tier zur Verzweiflung treiben. Etwa 1-2 Prozent aller Pferde leiden darunter, wobei die Erkrankung meist zwischen dem 6. und 10. Lebensjahr erstmals auftritt.

Das unkontrollierte Kopfschütteln ist mit steigender Intensität sowohl für dich als Reiter als auch dein Tier gefährlich. Es gibt verschiedene Ursachen dieses Verhaltens und nicht immer ist eine Heilung möglich. 

Damit du die Symptome frühzeitig erkennst und herausfinden kannst, was dem zugrunde liegt, haben wir dir hier alle wichtigen Informationen übersichtlich zusammengestellt. 

Inhaltsverzeichnis:

Symptome des Headshakings bei Pferden

Auch wenn das häufig auftretende Kopfschütteln gleichzeitig das auffälligste Symptom ist, gibt es eine Reihe von Anzeichen, durch die eine Erkrankung beim Pferd erkannt werden kann:
  • wiederkehrendes, unkontrolliertes Schütteln oder Auf- und Abschlagen des Kopfes
  • häufiges Schnauben oder Niesen 
  • Zuckungen der Gesichtsmuskeln 
  • Reiben der Nase (beispielsweise mit den Hufen oder an den Beinen) 
  • Meidung von Helligkeit, Sonne, Wind und Wärme
  • vermehrter Nasenausfluss 
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Die Symptome nehmen in der Regel unter Stress oder körperlicher Anstrengung zu. Interessanterweise treten sie gehäuft im Trab, jedoch seltener im Schritt oder Galopp auf. Warum das so ist, konnte bislang nicht geklärt werden.

Headshaking Schweregrade

Das Headshaking kann in unterschiedlichen Stärken auftreten. Oftmals fängt die Erkrankung schleichend an und steigert sich im Laufe der Zeit. Man unterscheidet 5 Schweregrade des Headshakings, die sowohl die Häufigkeit der Symptome als auch die Auswirkungen auf die Reitbarkeit deines Tieres mit einbeziehen.
  1. Dein Pferd zeigt ab und an Symptome, lässt sich aber weiterhin reiten und trainieren
  2. Die Häufung der Symptome ist noch moderat und auf bestimmte Situationen begrenzt. Mit leichten Schwierigkeiten lässt sich dein Pferd immer noch reiten.
  3. Dein Pferd lässt sich nur schwer reiten und das Reiten wird zunehmend unangenehm. Auch das Training wird immer schwieriger.
  4. Du kannst dein Pferd nicht mehr reiten oder trainieren, da es unkontrollierbar geworden ist.
  5. Die Verhaltensmuster deines Pferdes werden gefährlich, völlig unkontrolliert und ggfs. selbst- oder fremdverletzend.

Formen und Ursachen

Generell unterscheidet man zwei verschiedene Formen dieser Erkrankung: Einerseits kann das krankhafte Kopfschütteln als symptomatisches Headshaking auf eine tiefer liegende Krankheit zurückzuführen sein. 

Auf der anderen Seite lässt sich in vielen Fällen keine körperliche Ursache feststellen, was idiopathisches Headshaking genannt wird. Auch die vermutlich durch Reizung des Trigeminusnerven hervorgerufene Form des Headshakings wird hierunter eingeordnet, da die tatsächliche Ursache der Reizung bis heute nicht geklärt werden konnte. 

Von symptomatischem Headshaking spricht man, wenn das Kopfschütteln als Symptom einer nachweisbaren Erkrankung auftritt. Die Liste der infrage kommenden Grunderkrankungen ist allerdings sehr lang. Oftmals betreffen die Erkrankungen den Kopf des Pferdes, im Speziellen die Maul- oder Nasenhöhle, die Zähne, den Hals oder die Ohren. Aber auch Augen- oder Hauterkrankungen, Rückenprobleme, Erkrankungen des Atem- oder Verdauungsapparats sowie diverse Allergien können das Headshaking auslösen. 

Auch Probleme des Nervensystems kommen als Auslöser infrage. Genauer gesagt werden die allermeisten Fällen von Headshaking auf den Gesichtsnerv von Pferden zurückgeführt: Den sogenannten Trigeminusnerv. Er ist unter anderem mit den Drüsen der Gaumen- und Nasenschleimhaut, den Nasennebenhöhlen, den Tränendrüsen sowie den Zähnen im Oberkiefer verbunden. Durch eine Überreizung dieses Nervs kommt es zu teils starken Schmerzattacken, zu Jucken oder Kribbeln und so zum Headshaking deines Pferdes. 

Woher oder wie der Nerv genau überreizt wird, ist nicht vollständig geklärt. Sonneneinstrahlung kann allerdings ein auslösender Faktor sein, was dann als photosensitives Headshaking bezeichnet wird. Da der Mechanismus hinter der Nervenreizung nicht sicher erklärbar ist, wird die durch den Trigeminusnerv ausgelöste Form des Headshakings oft als idiopathisch bezeichnet. 

Das idiopathische Headshaking beschreibt das Kopfschütteln deines Pferdes ohne eine zugrundeliegende Erkrankung, also nicht als Symptom. Wenn keinerlei körperliche Ursache gefunden werden kann, bleiben wenige Therapiemöglichkeiten und die Heilungschancen stehen leider nicht besonders gut. 

Die Behandlung des symptomatischen Headshakings richtet sich selbstverständlich nach der auslösenden Erkrankung und eine Besserung tritt oft sehr langsam ein. Dementsprechend ist eine ausführliche Untersuchung durch den Tierarzt unumgänglich, um deinem Pferd schnellstmöglich helfen zu können. 

Hinweis: Die Annahme, dass das krankhafte Kopfschütteln eine reine Verhaltensauffälligkeit darstellt, wird mittlerweile wissenschaftlich ausgeschlossen.     

Diagnose

Die Diagnose hat natürlich das Ziel, symptomatisches von idiopathischem Headshaking zu unterscheiden und dann die richtige Therapie einzuleiten. Da das Headshaking beim Pferd Symptom verschiedenster Grunderkrankungen sein kann, muss eine ausführliche Diagnostik erfolgen, um deinem Tier im symptomatischen Fall sinnvoll gegen die Grunderkrankung helfen zu können. Zuallererst zählt hierzu die ausführliche Anamnese durch den Tierarzt.

Damit du auf die Fragen des Tierarztes vorbereitet bist, solltest du dein Pferd genau beobachten:  
  • Wann tritt das Kopfschütteln auf?  
  • Gibt es bestimmte Situationen, in denen das Verhalten gehäuft gezeigt wird? 
  • Wie lange fällt dir das Headshaking bereits auf? 
  • Wie stark ist das krankhafte Verhalten ausgeprägt? 
  • Gibt es bekannte Vorerkrankungen deines Pferdes? 
  • Welche Ausrüstung (z. B. Geschirr oder Trense) wird verwendet? 
  • Ist dein Pferd noch reitbar? 
Nach der Anamnese führt der Tierarzt eine ausführliche körperliche Untersuchung deines Lieblings durch. Hier werden zuerst alle Strukturen des Kopfes untersucht, deren Erkrankung die Ursache für die Headshaking-Symptomatik sein können. Dabei achtet der Arzt vor allem auf Fremdkörper, Ausfluss, Parasiten oder Entzündungszeichen. 

Gerade bei deutlich licht- bzw. sonnenempfindlichen Tieren muss eine Erkrankung von Haut und Augen ausgeschlossen werden. Neben der normalen Untersuchung vor Ort können hier auch endoskopische oder bildgebende Untersuchungen (wie z. B. Röntgen oder eine Computertomografie) notwendig sein.  

Zusätzlich ist es sinnvoll, wenn der Tierarzt dein Pferd unter Belastung (z. B. an der Longe) und in verschiedenen Umweltbedingungen (im Stall, auf der Koppel, bei Sonneneinstrahlung etc.) sehen kann, um Rückschlüsse auf die Ursachen und den Schweregrad des Headshakings ziehen zu können. 

Um Erkrankungen des Nervensystems zu untersuchen, kommen diagnostische Anästhesien zum Einsatz: Hierbei werden z. B. verschiedene Teile des Trigeminusnerven betäubt, um festzustellen, ob die Anästhesie Auswirkungen auf das Kopfschütteln hat. Sollte der betäubte Nerv ursächlich für die Symptomatik sein, kann diese Untersuchungsmethode den nötigen Nachweis erbringen. 

Therapiemöglichkeiten

Je nachdem welche Form der Erkrankung beim Pferd diagnostiziert wurde, bekommt der Vierbeiner eine spezifische Behandlung. 

Behandlung bei symptomatischem Headshaking

Die Möglichkeiten und Erfolgschance der Behandlung richten sich vorrangig danach, ob eine zugrundeliegende Erkrankung gefunden werden konnte oder nicht. Ist das Headshaking lediglich ein Symptom eines körperlichen Leidens, bringt die Therapie der entdeckten Erkrankung mit ein wenig Geduld auch eine Besserung des Kopfschüttelns mit sich.

Einen besonderen Fall stellt die häufige Beteiligung des Trigeminusnervs dar. In diesem Fall ist eine Behandlung nicht einfach und muss oftmals sowohl medikamentös als auch chirurgisch erfolgen. Als Medikament wird in diesem Fall eine Kombination von Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmern und Antiepileptika verwendet, die bei Nervenschmerzen eingesetzt werden. 

Eine im Jahr 2019 veröffentlichte Studie kam zudem zu dem Ergebnis, dass Magnesiumsulfat-Injektionen zu einer deutlichen Besserung des nervlich bedingten Headshakings führen. Die Forscher gehen davon aus, dass das Magnesium die Nervenübertragung hemmt und somit die Überreizung des Gesichtsnervs verhindert. 

Behandlung bei Idiopathischem Headshaking

Sollte keine körperliche Ursache gefunden worden sein, bleibt erst einmal nur eine Vermeidung der Triggerfaktoren - also liegt der Fokus nicht auf Heilung, sondern Verbesserung der Symptomatik. Das bedeutet, dass du sehr genau beobachten musst, wann und in welchen Situationen dein Pferd das krankhafte Kopfschütteln zeigt. 

So kannst du herausfinden, was das Verhalten auslöst und diese Situationen in Zukunft vermeiden oder neu gestalten. Dabei solltest du beachten, dass alle möglichen Umwelteinflüsse zu diesen auslösenden Faktoren zählen können: Hierzu zählen Haltungsbedingungen, Trainingsmethoden oder dein Reitstil genauso wie die Tageszeit, Sonneneinstrahlung oder die Dauer und Qualität der Auslastung deines Tieres. 

Wichtig: Bei vielen (insbesondere lichtempfindlichen) Pferden können Gesichtsmasken oder Nasennetze das Headshaking während des Reitens deutlich verbessern.  

Alternative und unterstützende Behandlungsmöglichkeiten

Neben den schulmedizinischen Behandlungsmöglichkeiten kannst deinem Liebling oftmals mit natürlichen Mitteln helfen. Selbstverständlich kannst du hier nicht mit einer Heilung rechnen, allerdings kann es gerade bei idiopathischem Headshaking auf jeden Versuch der Besserung ankommen. 

Eine sehr einfach Methode, zumindest potentiell allergene Ursachen auszuschließen, liegt in einer Änderung der Fütterung. Hier solltest du darauf achten, dass schimmel- und möglichst staubfreies Heu gefüttert wird. Zudem solltest du ein Auge auf mögliche Ernährungsmängel haben. Der gestresste Pferdekörper braucht alle Kräfte, um sowohl die unbekannten Ursachen als auch die Folgeerscheinungen des ständigen Kopfschüttelns zu bearbeiten. 

Omega-3- sowie Omega-6-Öle können ebenfalls eine sinnvolle Ergänzung darstellen. Da die enthaltenen Fettsäuren Entzündungsprozessen entgegenwirken, kann sich die Zufütterung positiv auf gereizte Nerven auswirken.  
Zur Stresslinderung deines Pferdes kannst du ebenfalls auf Massagen zurückgreifen. Im Falle des Headshakings empfiehlt sich beispielsweise eine Gesichtsmassage mit beruhigendem Lavendelöl. Gerade die Innenseiten der Ohren (vor allem ganz in der Spitze) gelten als wichtig Akupunkturpunkte, deren manuelle Berührung für deinen Vierbeiner sehr entspannend sein kann. 

Hinweis: Bitte spreche jegliche Zufütterung mit deinem Tierarzt ab. Mehr hilft nicht immer mehr und auch natürliche Substanzen können überdosiert zu gesundheitlichen Schäden bei dem Pferd führen.

vetevo-Fazit

Headshaking beim Pferd ist ein lästiges, unangenehmes und kompliziertes Krankheitsbild. Bei der symptomatischen Variante besteht durch Behandlung der Grunderkrankung eine mehr oder weniger erfolgversprechende Therapieaussicht. Die häufigste Form ist hier allerdings nervlich bedingt. In diesem Fall kommt eine unter Umständen langwierige und kostenintensive Behandlung auf dich und dein Pferd zu. Kann keine körperliche Ursache ausfindig gemacht werden, müssen Schritt für Schritt mögliche Triggerfaktoren des idiopathischen Headshakings getestet und ausgeschlossen werden. 

Solltest du Anzeichen der Krankheit feststellen, ist es ratsam, direkt den Tierarzt deines Vertrauens zu Rate zu ziehen. Durch ausgiebige Untersuchung und Beobachtung deines Vierbeiners könnt ihr dem krankhaften Kopfschütteln so zusammen auf die Spur kommen und deinem Pferd frühzeitig und helfen. 
  
vetevo - Aus Liebe zum Tier.

Quellen:

  1. Headshaking. In: Brehm W, Gehlen H, Ohnesorge B et al., Hrsg. Handbuch Pferdepraxis. 4., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Stuttgart: Enke Verlag; 2016. doi:10.1055/b-004-129693
  2. Headshaking. In: Vormwald K, Hrsg. Praxisbuch für Tierheilpraktiker. 2., aktualisierte und erweiterte Auflage. Stuttgart: Georg Thieme Verlag ; 2020. doi:10.1055/b-007-168896 
  3. Headshaking. In: Gehlen H, Hrsg. Differenzialdiagnosen Innere Medizin beim Pferd. 1. Auflage. Stuttgart: Enke Verlag; 2017. doi:10.1055/b-004-140271 
  4. Idiopathisches Headshaking. In: Gehlen H, Hrsg. Differenzialdiagnosen Innere Medizin beim Pferd. 1. Auflage. Stuttgart: Enke Verlag; 2017. doi:10.1055/b-004-140271 
  5. Symptomatisches Headshaking. In: Gehlen H, Hrsg. Differenzialdiagnosen Innere Medizin beim Pferd. 1. Auflage. Stuttgart: Enke Verlag; 2017. doi:10.1055/b-004-140271 
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