Zum Warenkorb hinzugefügt

Weiter einkaufen

Mein Hund frisst nicht

Zuletzt aktualisiert:
Verschmäht dein Hund sein Fressen, gibt es dafür vielerlei Ursachen. Während uns die Situation zunächst alarmiert, steckt oft eine einfache Appetitlosigkeit dahinter. Aber wie unterscheidet man zwischen unbedenklicher und besorgniserregender Nahrungsverweigerung? In diesem Artikel schauen wir uns das Thema genauer an, gehen auf die wichtigsten Arten der Nahrungsverweigerung ein und beleuchten die Ursachen, die dahinter stecken können. So kannst du in Zukunft besser einordnen, ob du zunächst abwarten kannst und wann du besser tierärztlichen Rat einholen solltest.

Inhaltsverzeichnis:

Ursachen weshalb ein Hund nicht mehr frisst

Bei der Verweigerung der Nahrungsaufnahme unterscheidet man grob drei Arten, die sich durch unterschiedliche Verhaltensweisen deines Hundes auszeichnen:

  1. Dein Hund kann fressen - möchte aber nicht.
    • Dies kann an einer Inappetenz liegen - sprich, dein Hund hat ein fehlendes Verlangen nach Futter, frisst nicht so viel wie sonst oder beendet das Fressen frühzeitig. Vielleicht möchte er auch ausschließlich sein Lieblingsessen zu sich nehmen.
  2. Etwas anders ist es bei einer Anorexie.
    • Hier ist es egal, was du deinem Hund vorsetzt - er interessiert sich kaum für das Futter und nimmt nichts zu sich.
  3. Dein Hund möchte fressen - kann aber nicht.
    • Dein Hund zeigt Interesse am Futter, hat aber Schmerzen bei der Nahrungsaufnahme oder kann aufgrund einer funktionalen Störung nicht fressen. In diesem Fall spricht man von einer Pseudoanorexie.

Die Futterverweigerung ist ein sehr häufiges Symptom. Fast jede systemische Erkrankung sowie Schmerzen und psychische Faktoren können es auslösen.

Umso wichtiger ist es, anhand der Verhaltensweisen deines Hundes oder den Umgebungsbedingungen grob einschätzen zu können, ob eine vergleichsweise harmlose Inappetenz oder eine Form der Anorexie vorliegt.

Die nachfolgenden Ursachen der jeweiligen Art der Nahrungsverweigerung sollen dir die Einordnung erleichtern. So hast du mögliche - mehr oder weniger ernsthafte - Ursachen im Blick und kannst souveräner damit umgehen, wenn dein Hund nicht mehr frisst.

Inappetenz

Bei der Inappetenz steckt oft eine vorübergehende und harmlose Ursache dahinter, dass dein Vierbeiner sein Futter nicht anrührt. Ursache dafür können folgende Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten sein:

  • Gibt es beispielsweise viele Leckerlis zwischen den Mahlzeiten oder steht Futter stets verfügbar am Boden? Dann kann es sein, dass dein Hund zu den Mahlzeiten schlichtweg satt ist.
  • Hast du die Futtermarke gewechselt oder eine neue Zutat in sein Futter gemischt? Vielleicht bedingt das ungewohnte Futter die vermeintliche Appetitlosigkeit und dein Hund muss sich erst daran gewöhnen. Möglicherweise schmeckt es ihm auch einfach nicht.
  • Gehst du regelmäßig mit ihm spazieren und lastest ihn körperlich und geistig aus? Falls nein, kann auch der geringere Energiebedarf auslösen, dass dein Hund nichts fressen mag. Dies ist besonders häufig bei älteren Hunden der Fall - oder generell bei hohen Temperaturen, wenn auch wir Menschen uns kaum bewegen möchten.

Anorexie

Auch die Anorexie ist eine Form der Nahrungsverweigerung, die zeitlich begrenzt auftreten kann. Je nach zugrundeliegender Ursache kann der Zustand jedoch auch anhalten und einer Behandlung bedürfen.

  1. Vor allem psychische Faktoren wie andauernder Stress, (Trennungs-) Angst, Depression oder Trauer können eine Anorexie begünstigen.
  2. Dabei spielt auch die Umgebung deines Hundes eine große Rolle. So können Änderungen in der Familie, Umzug, wiederkehrendes dominantes Verhalten eines anderen Tieres, eine Futterumstellung oder Reisen diese Form der Nahrungsverweigerung auslösen.
  3. Nicht nur Verletzungen im Mundraum, Zahnschmerzen oder der Zahnwechsel - generell ist jede Form von Schmerz als Auslöser möglich.
  4. Auch Hormone können einen Einfluss auf das Fressverhalten haben. So kann bei Läufigkeit nicht nur die Hündin selbst Anzeichen einer Anorexie zeigen - sie werden sogar bei Rüden, die ihren Geruch wahrnehmen, beobachtet. Zudem können eine Scheinträchtigkeit oder die Pubertät ein Auslöser sein.
  5. Ist die Anorexie krankheitsbedingt, so ist sie ein sehr unspezifisches Symptom, da sie ein Hinweis auf zahlreiche Krankheiten sein kann. Oft ist es sogar schon die mit Krankheiten einhergehende Schwäche, Übelkeit oder allgemeines Unwohlsein, das die Anorexie verursacht.
    • Eine Anorexie wird häufig von Übelkeit und Erbrechen begleitet. Liegen Magen-Darm Erkrankungen wie Verdauungsstörungen, Durchfall sowie gut- oder bösartige Tumore vor, sind sie daher meist ein Auslöser der Nahrungsverweigerung.
    • Eine Herz- oder Atemwegserkrankung kann ebenso eine Ursache sein. Um nur ein paar Beispiele zu nennen, bringen z. B. eine Mitralklappenerkrankung, bei der die Herzklappe nicht mehr richtig schließt oder Wasseransammlungen in der Lunge das Symptom mit sich. Verursacht wird es oft durch Atemprobleme oder das Völlegefühl, das durch die einhergehende Flüssigkeitsansammlung im Körper entsteht.
    • Erkrankungen des zentralen Nervensystems können dazu führen, dass die entsprechenden Signale des Gehirns nicht verarbeitet werden und das Hungergefühl gestört wird. Dies kann aufgrund von Verletzungen oder Störungen des Großhirns sowie Erkrankungen des Vestibularsystems (bestehend aus Teilen des Innenohrs und des Gehirns) geschehen.
    • Eine Schilddrüsenunterfunktion kann durch die vermindert ausgeschütteten Schilddrüsenhormone die Stoffwechselaktivität und damit den Appetit senken.
    • Bei Patienten mit Diabetes Mellitus kann (neben vermehrtem Wasserlassen) eine Anorexie auch auf einen erhöhten Blutzuckerspiegel hinweisen.
    • Wenn der Geruchssinn deines Hundes erblich oder durch eine Krankheit in Nase, Nasennebenhöhlen oder im Riechhirn abhanden kommt (Anosmie), so kann er sein Futter möglicherweise nicht finden oder der verminderte Geschmack macht das Futter für ihn unschmackhaft.
    • Eine fehlende oder fehlerhafte Sensorik kann auch ältere Hunde betreffen, bei denen sich das Geruchsempfinden verändert, oder durch eine Infektion der oberen Atemwege bedingt sein.
    • Auch ein Kalziumüberschuss (Hyperkalzämie) kann mit einer Anorexie einhergehen, da dieser unter anderem Übelkeit und Erbrechen verursachen kann.
  6. Auch Toxine können eine Anorexie auslösen, indem sie beispielsweise das Hunger- und Sättigungszentrum im Gehirn stören oder auf die inneren Organe deines Vierbeiners einwirken. Dabei können nicht nur Fremdstoffe wie Umweltgifte oder Medikamente, die beispielsweise bei einer Vollnarkose gegeben werden, die Ursache sein. Auch körpereigene Giftstoffe, die beispielsweise aufgrund einer Leber- oder Niereninsuffizienz entstehen, kommen hier infrage.

Pseudoanorexie

Die Ursachen der Pseudoanorexie sind stets ernst zu nehmen. Ihr liegen meist behandlungsbedürftige Entzündungen, Infektionen oder Dysfunktionen zugrunde. So wird die Futteraufnahme erschwert oder unmöglich gemacht. Typische Ursachen der Pseudoanorexie sind:

  • Zahn- und Kieferveränderungen
  • im Mundraum eingezogene Fremdkörper
  • Infektionen im Hals-Nasen-Rachenraum
  • Gesichtsschmerz
  • Kehlkopf- oder Speiseröhrenverengungen
  • Erkrankungen der Speiseröhre
  • Zwerchfellbruch

Appetit beim Hund anregen

Beobachtest du, dass dein Hund weniger frisst oder sein Futter gänzlich verweigert, so solltest du diesen Zustand zunächst beobachten. Durch ein paar Tricks kannst du auch versuchen, seinen Appetit anzuregen und ihm das Futter zu den Mahlzeiten schmackhaft zu machen:

  • Verzichte darauf, deinem Hund zwischen den Mahlzeiten zu viele Leckerlis zu geben. So hat er bestenfalls zu den eigentlichen Mahlzeiten genügend Hunger.
  • Stellst du sein Futter um, so versuche langsam, ihn an die neue Nahrung zu gewöhnen.
  • Gib einen Löffel Joghurt in sein Futter, um es ihm schmackhafter zu machen.
  • Erwärme sein Futter oder gib ein wenig lauwarmes Wasser hinzu, um den Geruch zu intensivieren.
  • Bring etwas Abwechslung in den Essensplan. Bereite deinem Hund sein Lieblingsessen zu, falls er eins hat.
  • Werde nicht nervös, wenn dein Hund sein Fressen nicht anrührt. Strahle Ruhe aus und lass ihn ohne Ablenkung fressen.
  • Manchmal hilft es schon, einen neuen Futterplatz oder einen neuen Futternapf auszuprobieren.
  • Biete ihm Futter aus deiner Hand an.

Wann zum Tierarzt?

Eine vorübergehende Inappetenz gilt zwar als unbedenklich und auch eine Anorexie bedeutet nicht zwangsläufig, dass ihr ein schwerwiegendes Problem zugrunde liegt. Doch wie kannst du herausfinden, ob die Lage ernst ist und Handlungsbedarf besteht?

Als Faustregel gilt: Wenn dein Hund nicht frisst, solltest du ihn unbedingt tierärztlich untersuchen lassen, wenn dich die Futterverweigerung besorgt. Außerdem besteht die Notwendigkeit, wenn dein Hund neben der Nahrungsverweigerung folgende Symptome zeigt:

  • Übelkeit
  • Speicheln
  • Erbrechen
  • Durchfall
  • Husten und Atembeschwerden
  • Futterverweigerung mehr als 2 Tage

Blasse Schleimhäute und ein aufgeblähter Bauch können zudem auf eine akut lebensbedrohliche Magendrehung hinweisen.

Behandlung

Wenn eine Anorexie oder Pseudoanorexie festgestellt wird, forscht dein Tierarzt zunächst nach der Ursache für die Futterverweigerung, um diese behandeln zu können. Je nachdem, wie lange dein Hund schon kein Futter zu sich genommen hat, muss zudem sichergestellt werden, dass eine adäquate Fütterung, unter Umständen auch durch eine Sonde, gewährleistet ist.

Um den Appetit anzuregen gibt es leider wenige medikamentöse Behandlungsmöglichkeiten. Meist werden hier Glukokortikoide (ein Steroid-Hormon), B-Vitamine, Antihistamine oder Antidepressiva wie Mirtazapine verschrieben. Außerdem kann Cannabidiol (CBD) als nicht psycho-aktiver Bestandteil der Cannabispflanze dazu beitragen, das körpereigene Hungergefühl zu stärken.

vetevo Fazit

Die Futterverweigerung ist ein Symptom, das mit vielen Faktoren zusammenhängt und dem vielerlei Ursachen zugrunde liegen können. Während eine Inappetenz ein meist unbedenklicher und vorübergehender Zustand ist, solltest du Anzeichen der Anorexie und Pseudoanorexie genau im Auge behalten und deinen Hund im Zweifel tierärztlich untersuchen lassen. Hält die Futterverweigerung mehr als 2 Tage lang an oder kannst du noch andere Begleitsymptome beobachten, so zögere den Besuch beim Tierarzt nicht länger hinaus.

Bis dahin kannst du versuchen, deinem Hund sein Futter schmackhaft zu machen und seinen Appetit anzuregen. Achte außerdem darauf, ihm nicht zu viele Leckerlis “zwischendurch” zu geben und sorge für Ruhe während den Mahlzeiten.

vetevo - aus Liebe zum Tier.

Quellen:

  • Anorexie. In: Differenzialdiagnosen Innere Medizin bei Hund und Katze. Neiger R, Hrsg. 3., aktualisierte und erweiterte Auflage. Stuttgart: Georg Thieme Verlag ; 2019. doi:10.1055/b-006-163281.
  • Anorexie, Inappetenz und mangelnde Fresslust beim Hund. In: Hundekrankheiten kompakt. 1. Auflage. Stuttgart: Enke Verlag in MVS Medizinverlage Stuttgart GmbH & Co. KG; 2014.
  • Allgemeine und spezielle Diätetik. In: Ganzheitliche Ernährung für Hund und Katze. Bolbecher G, Hrsg. 1. Auflage. Stuttgart: Thieme; 2020. doi:10.1055/b-006-161675.
  • Herzerkrankungen des Hundes. In: Praxis der Kardiologie Hund und Katze. Kresken J, Wendt R, Modler P, Hrsg. 2., aktualisierte Auflage. Stuttgart: Thieme; 2019. doi:10.1055/b-006-166351
  • Hypoglykämie. In: Notfallmedizin für Hund und Katze. Sigrist N, Hrsg. 1. Auflage. Stuttgart: Enke Verlag; 2017. doi:10.1055/b-004-129977
  • Magendrehungskomplex (Dilatatio et Torsio ventriculi), akuter Magenblähungs-Magendrehungs-Komplex. In: Praktikum der Hundeklinik. Kohn B, Schwarz G, Hrsg. 12., aktualisierte Auflage. Stuttgart: Enke Verlag; 2017. doi:10.1055/b-004-140269
  • Schilddrüse. In: Praxis der endokrinologischen Krankheitsbilder bei Hund und Katze. Hämmerling R, Hrsg. 1. Auflage. Stuttgart: Thieme; 2009. doi:10.1055/b-004-129745
  • Symptomatische Behandlung der Anorexie. In: Praktikum der Hundeklinik. Kohn B, Schwarz G, Hrsg. 12., aktualisierte Auflage. Stuttgart: Enke Verlag; 2017. doi:10.1055/b-004-140269

Kennst du schon unsere App?

Entdecke viele praktische Funktionen für den Alltag mit deinem Vierbeiner:

  • Tagebuch für Alltag & Training
  • Impfpass
  • Planung von Wurmvorsorge & Entwurmung
  • Terminkalender
  • Akademie voller Hundewissen