Schweifscheuern beim Pferd

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Schweifscheuern beim Pferd: Was sind die Ursachen und wie kannst du deinem Pferd wirklich helfen?

Schweifscheuern ist sowohl für dich als auch dein Pferd ein Problem. Nicht nur sieht der Schweif deines Pferdes unansehnlich aus, das ständige Wetzen ist zudem auf Dauer schmerzhaft und kann zu chronischen Entzündungen und Infektionen der aufgeriebenen Hautpartien führen.

Um deinem Pferd schnell und effektiv zu helfen, solltest du dich auf Ursachensuche begeben. Dem Juckreiz, der das Schweifscheuern auslöst, können ganz verschiedene Auslöser zugrunde liegen. 

Inhaltsverzeichnis:

Ab wann wird das Schweifscheuern zum Problem?

Schweifscheuern kommt häufig und aus den verschiedensten Gründen vor. Manchmal juckt es einfach während des Fellwechsels und dein Pferd reibt seinen Schweifansatz an Bäumen oder Ähnlichem.

In Maßen stellt dieses Verhalten kein großes Problem dar und gehört zum normalen Verhaltensrepertoir eines Pferdes. Wenn es allerdings gehäuft und über längere Zeit auftritt, solltest du der Sache auf den Grund gehen, um eine Erkrankung als Ursache auszuschließen. 

Tipp: Ein Unterbinden des Schweifscheuerns durch spezielle Schoner sollte, wenn überhaupt, nur in Absprache mit dem Tierarzt erfolgen. Oftmals sitzen diese Schoner zu eng und beeinträchtigen die Blutzirkulation. Zudem ist das Scheuern ein Symptom eines zugrundeliegenden Problems und sollte deshalb ursächlich behandelt werden.

Mögliche Ursachen und Ihre Behandlung

Es gibt ganz unterschiedliche Ursachen, die dafür verantwortlich sein können. Dein Pferd versucht in jedem Fall durch Scheuern einen starken Juckreiz zu lindern. In manchen Fällen scheint der Juckreiz so stark zu sein, dass Pferde ihren Schweifansatz sogar blutig scheuern. Da das ein Symptom des eigentlichen Problems ist, hat es oberste Priorität die tatsächliche Ursache ausfindig zu machen.

Neben der medikamentösen Behandlung der verschiedenen Ursachen kannst du dein Pferd auch mit Hilfe der Natur etwas Gutes tun. Da in jedem Fall die Haut deines Gefährten gereizt und in Mitleidenschaft gezogen wird, kann beispielsweise Kokosöl sehr nützlich sein. Dieses Öl pflegt nicht nur die gereizte und trockene Haut, sondern kann auch dabei helfen Parasiten fernzuhalten.  

Parasitäre Ursachen: Würmer, Läuse und Milben

In den meisten Fällen ist ein Parasitenbefall der Auslöser. Hier spielen vor allem Würmer, aber auch Läuse und Milben eine zentrale Rolle.  

Würmer

Pferde haben mit vielen Arten von Wurmbefall zu kämpfen, doch nur eine Art führt zu dem immensen Juckreiz, der sie dazu bringt, sich die Schweifwurzel blutig zu wetzen: Pfriemenschwänze (Oxyuris equi). Sie sind eine Wurmart, die den Dickdarm von vor allem erwachsenen und älteren Pferden befällt.

Die Weibchen der Pfriemenschwänze verlassen, vornehmlich nachts, den Darm des Pferdes und legen ihre Eier mitsamt einer klebrigen Flüssigkeit in der Afterregion ab. Die Flüssigkeit trocknet dort und fällt irgendwann inklusive der darin dann vorhandenen Larven ab. Werden diese dann wiederum von einem anderen Pferd aufgenommen, setzt sich die Infektionskette fort. Durch die Eiablage entsteht ein furchtbarer Juckreiz, den das Pferd durch Wetzen der Schweifregion zu stillen versucht. 

Um herauszufinden, ob dein Pferd an einem Befall durch Pfriemenschwänze leidet, reicht der Wurmtest für Pferde leider nicht komplett aus, da diese Wurmart selten im Kot enthalten ist. Stattdessen bringt ein Test in Form von Klebestreifen oder Hautabschabung Klarheit. Häufig sind die abgelegten Eipakete auch am Anus des Pferdes gut sichtbar. 

Bei positivem Befund kann dann die medikamentöse Behandlung durch Antiparasitika mithilfe einer Wurmkur beginnen. Bei Pfriemenschwänzen haben sich Fenbendazol und Mebendazol sowie Ivermectin und Moxidectin (oral verabreicht) als wirksam erwiesen. Lass dich zu Wahl und Dosierung des Medikaments von deinem Tierarzt beraten. Zudem muss das Pferd regelmäßig am Anus gewaschen und dort abgelagerte Eipakete entfernt werden. 

Achtung: Um die Ausbreitung des Wurmbefalls zu stoppen und eine Wiederansteckung zu verhindern, muss auch unbedingt die Umgebung des bzw. der Pferde gründlich gereinigt, die Einstreu erneuert und aus Raufen gefüttert werden. Desweiteren trägt eine Stärkung des Immunsystem dazu bei, die Parasiten möglichst rasch loszuwerden. Im Sommer kann zusätzlich die Weiderotation eine sinnvolle Maßnahme sein.

Läuse

Auch ein Befall durch Läuse kann zu starkem Juckreiz und daraus resultierendem Schweifscheuern führen. Die bei Pferden am weitesten verbreitete Lausart nennt sich Haematopinus asini. Die Parasiten leben auf der Haut des Pferdes und ernähren sich von Gewebeflüssigkeiten und Blut. Sie kommen vornehmlich in den Winter- sowie Frühlingsmonaten vor, da das Haarkleid der Pferde dann besonders dicht und lang ist und die Tiere auf engerem Raum zusammenstehen.

Die Lauseier werden von den weiblichen Tieren als 1-2 Millimeter große Nissen direkt in das Fell des Pferdes gelegt. Dementsprechend kann die Diagnose recht einfach gestellt werden. Genaue Untersuchung und Auskämmen des Haarkleids reicht meist schon, um diese zu entdecken. 

Achtung: Auch wenn Pferdeläuse vornehmlich ein Pferdeproblem sind, kann der Kontakt mit ihnen sowohl bei Mensch als auch bei Hund zu Juckreiz führen.

Die Behandlung erfolgt durch Insektizide wie Fipronil sowie synthetische Pyrethroide wie Deltamethrin, Permethrin oder Imidacloprid. Auch hier ist es essentiell den Stall sowie sämtliches Zubehör gründlich zu reinigen, um einer Verbreitung oder Wiederansteckung auszuschließen.  

Räude

Bei der Räude handelt es sich um eine durch Milben ausgelöste Hautkrankeit, die mit Hautirritationen, Schuppenbildung, Verkrustungen sowie starkem Juckreiz einhergeht. Der Juckreiz ist dabei die Reaktion auf den Speichel und den Kot der Milben.

Es gibt verschiedene Milbenarten, die alle für das Symptom des Schweifscheuerns in Betracht gezogen werden können. Hierunter fallen die Chorioptesmilbe (schuppenfressende Milbe), die Psoroptesmilbe (Saugmilbe) und die Sarkoptesmilbe (Grasmilbe).

Die Milben haben eine Größe von etwa 0,25 bis 0,7 Millimeter und lassen sich meist sehr einfach im Fell entdecken und damit diagnostizieren. Zudem kann die Untersuchung eines Hautgeschabsels Aufschluss geben. Die Behandlung erfolgt durch Antiparasitika und sollte selbstverständlich immer in Absprache mit dem Tierarzt deines Vertrauens erfolgen. Hierfür kommen sowohl eine systemische (den ganzen Organismus betreffende) Therapie durch die orale Gabe einer Paste als auch lokale Anwendungen in Form von Salben, Ganzkörper-Waschungen oder Sprays zum Einsatz. 

Allergien als Auslöser: Sommerekzem und Futtermittelallergie

Auch eine allergische Reaktion kann bei deinem Pferd zu Juckreiz und damit zum Schweifscheuern führen. Beim sogenannten Sommerekzem handelt es sich um eine Überempfindlichkeit gegen Mückenstiche. Hierbei reagiert der Körper des Pferdes in extremer Weise auf einen blutverdünnenden Stoff im Speichel von Stechmücken. Diese Reaktion führt zu sehr starkem Juckreiz, der wiederum oftmals in Schweifscheuern mündet.

Sollte dein Pferd unter diesem Ekzem leiden, kann eine Behandlung mit Kortikosteroiden, wie zum Beispiel Cortison, Linderung verschaffen. Außerdem ist die Pflege der geschädigten und wundgekratzten Hautpartien wichtig. Nach sorgfältiger Reinigung der wunden Stellen können hierbei beispielsweise Kamillen-Umschläge oder Kokoksöl helfen die wunde Haut zu beruhigen und den Heilungsprozess zu unterstützen.  

Das beste Mittel ist in diesem Fall allerdings die Prävention. Hierzu lohnt es sich die Dämmerungszeiten für Ausritte sowie Offenstallhaltung zu meiden und sowohl spezielle Decken als auch die Behandlung mit Repellentien in Betracht zu ziehen. Zudem ist die Stärkung des Immunsystems deines Pferdes ein wichtiger Schritt, um die Überempfindlichkeit in den Griff zu bekommen.

Auch eine Futtermittelallergie kann Auslöser für heftigen Juckreiz bei Pferden sein. Hierbei reagiert der Körper wegen eines Futterinhaltsstoffes über, was sich in allergischen Symptomen äußert. Eine Diagnosestellung ist über eine Ausschlussdiät möglich, die in Absprache mit dem Tierarzt durchgeführt werden sollte.  

Hinweis zum Thema Ernährung: Auch ein Selenmangel kommt als Ursache des Scheuerns infrage. Da eine Überdosierung von Mineralstoffen allerdings ebenfalls negative Auswirkungen auf die Gesundheit deines Pferdes haben kann, solltest du niemals ohne tierärztliche Rücksprache zufüttern. Anhand eines Blutbildes kann der Arzt einen möglichen Mangel nachweisen und die Nahrungsergänzung unter ärztlicher Aufsicht einleiten. 

Kotwasser

Ein hygienisches Problem kann ebenfalls Auslöser für das Schweifscheuern deines Pferdes sein. So kann beispielsweise Kotwasser dazu führen, dass an After und Beinen deines Pferdes starker Juckreiz entsteht. Meist ist Kotwasser harmlos und wird durch Stress oder eine Futterumstellung ausgelöst. Auch eine sehr eiweißhaltige Fütterung kann zu diesem Leider führen. Nichtsdestotrotz ist eine tierärztliche Abklärung wichtig, da das Symptom auch auf ein Ungleichgewicht der Darmflora oder eine Nierenerkrankung hinweisen kann.

Um Herr über den Juckreiz zu werden, ist es in dieser Situation wichtig, auf eine ausreichende Hygiene zu achten. Da die im Kotwasser enthaltenen Mikroorganismen für die Hautreizung verantwortlich sind, solltest du die After- und Schweifregion sowie die Beine deines Pferdes regelmäßig säubern. Neben dem Abspritzen der Beine empfiehlt sich ein geeignetes Shampoo, um die Schweifregion von allen Rückständen zu befreien und dem Schweifscheuern so vorzubeugen. Über die weitere, ursächliche Behandlung entscheidet dann der Tierarzt. 

Hinweis: Während der Rosse sondern Stuten oft eine Mischung aus Schleim und Harn ab, die den Intimbereich sowie die Beine verklebt und ebenfalls zu Juckreiz führen kann. Hier ist ebenfalls eine gründliche Hygiene oberstes Gebot, um es gar nicht erst zum Schweifscheuern kommen zu lassen. 

Nervenschäden: Das Cauda-Equina Syndrom

Cauda equina (dt.: Pferdeschwanz) wird die Krankheit deshalb genannt, da die Form des betroffenen Nervenareals an einen Pferdeschweif erinnert.

Dieses Syndrom beschreibt eine Erkrankung der Nerven im hinteren Abschnitt des Rückens. Im Speziellen handelt es sich um die Nerven, die für den Darm, die Muskeln der Hinterbeine, die Blase und den Schweif verantwortlich sind. Erkrankt ein Pferd daran, verliert es die Kontrolle über Anus und Blase. So kommt es zu unkontrollierten Entleerungen. 

Zudem kann das Tier seinen Schweif erst eingeschränkt und später gar nicht mehr bewegen. So können Insekten nicht mehr abgewehrt werden und die Schweifunterseite verschmiert. Dies führt zu Entzündungen, Juckreiz und anschließend zu Schweifscheuern . 

Die Ursachen für diese Nervenerkrankung sind nicht abschließend geklärt. Als Auslöser werden Infektionen mit Viren sowie mit dem Parasiten Halicephalobus gingivalis diskutiert. Die Krankheit schreitet immer weiter fort und kann nur symptomatisch behandelt werden.  

Verhaltensstörung

Ein weiterer Grund des Schweifscheuerns kann eine Verhaltensstörung deines Pferdes sein. Solche Störungen sind meist auf Haltungsprobleme zurückzuführen, die für das Pferd Stress und Unausgeglichenheit bedeuten. Hierbei ist es wichtig, sich vor Augen zu führen, dass die Bedürfnisse unserer Pferde immer noch in Teilen die des ursprünglichen Steppentiers sind. Das heißt, dass andauernde ruhige Bewegung sowie ständiges Fressen kleiner Futtermengen das Ideal für dieses Tier darstellen. Ein häufiger Fehler sind dementsprechend zu kurze Fütterungszeiten sowie ein zu kleiner Anteil an Raufutter, worunter z. B. Heu fällt.

Bei der Entwicklung von Verhaltensauffälligkeiten (auch Stereotypien genannt), wie dem Schweifscheuern, dem Weben oder dem Koppen, spielt der Charakter des Pferdes eine entscheidende Rolle. Sensible Tiere reagieren wesentlich schneller auf Umwelteinflüsse wie ihre Haltungsbedingungen, Über- oder Unterforderung im Training oder soziale Probleme innerhalb der Herde. 

Das Schweifscheuern zählt zum sogenannten Komfortverhalten. Unter Stress beruhigt und lenkt sich das Pferd durch das gezeigte Verhalten ab. Auf Dauer wird das Verhalten als Komfortstrategie erlernt und immer häufiger gezeigt. In diesem Fall ist es ratsam einen Verhaltensexperten zu Rate zu ziehen, welcher der Ursache der Störung mit dir zusammen auf den Grund gehen kann. 

vetevo-Fazit

Schweifscheuern ist nicht nur unschön anzusehen, sondern für dein Pferd sehr unangenehm und über längere Zeit durchaus gefährlich. Das ständige Wetzen schädigt Fell und Haut und die aufgekratzten Stellen sind anfällig für Infektionen und Entzündungen. 

Das andauernde Scheuern bei Pferden ist zudem immer Ausdruck eines tiefer liegenden Problems. Deshalb ist es wichtig, dass du dich auf die Suche nach den Auslösern begibst. Meist sind Parasiten (und hier vor allem Würmer) der Grund des Leidens, aber auch Probleme in Bezug auf Ernährung oder Hygiene können das lästige Verhalten hervorrufen. 

Wenn körperliche Gründe tierärztlich ausgeschlossen werden können, kann auch eine Verhaltensstörung Ursache für das Schweifscheuern sein. In diesem Fall lohnt es sich einen Verhaltensexperten um Rat zu bitten, um deinem Pferd so schnell wie möglich zu helfen. 
 
vetevo - Aus Liebe zum Tier.

Quellen:

  1. Infektiöse Hautkrankheiten. In: Brehm W, Gehlen H, Ohnesorge B et al., Hrsg. Handbuch Pferdepraxis. 4., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Stuttgart: Enke Verlag; 2016. doi:10.1055/b-004-129693
  2. Parasitosen. In: Brehm W, Gehlen H, Ohnesorge B et al., Hrsg. Handbuch Pferdepraxis. 4., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Stuttgart: Enke Verlag; 2016. doi:10.1055/b-004-129693
  3. Psoroptesräude (Saugmilbenbefall). In: Brehm W, Gehlen H, Ohnesorge B et al., Hrsg. Handbuch Pferdepraxis. 4., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Stuttgart: Enke Verlag; 2016. doi:10.1055/b-004-129693
  4. Räude. In: Brehm W, Gehlen H, Ohnesorge B et al., Hrsg. Handbuch Pferdepraxis. 4., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Stuttgart: Enke Verlag; 2016. doi:10.1055/b-004-129693
  5. Schieder A. Parasitenmanagement beim Pferd – Was ändert sich?. Pferdespiegel 2019; 22(03): 126 - 136. doi:10.1055/s-0037-1599618
  6. Cauda-equina-Neuritis. In: Baumgärtner W, Gruber A, Hrsg. Allgemeine Pathologie für die Tiermedizin. 3., aktualisierte Auflage. Stuttgart: Thieme; 2020. doi:10.1055/b-006-166359
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