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Sommerekzem bei Pferden - 5 Behandlungsmethoden, die helfen

Für dich gibt es nichts Schöneres, als im Sommer mit deinem Pferd auszureiten? Verständlich. Doch was ist, wenn dein Pferd plötzlich gar nicht mehr zur Ruhe kommt, ständig Schweif und Mähne hin- und her wirft und sich so extrem schubbert, dass schon wunde Stellen auf der Haut zu sehen sind? Vermutlich leidet dein Pferd dann am Sommerekzem.

Inhaltsverzeichnis:

Was ist ein Sommerekzem und wie entsteht es?

Das Sommerekzem, auch als “Sweet itch” oder “Summer itch” bekannt, ist eine weitverbreitete Hautkrankheit bei Pferden, die im Sommer auftritt. Es ist im Grunde eine Allergie auf Insektenstiche, genauer gesagt auf den Speichel von Culex-Stechmücken, Gnitzen und Kriebelmücken. Ein geschwächtes Immunsystem begünstigt dabei die allergische Reaktion.

Meist tritt ein Sommerekzem an Schweifrübe, Mähnenkamm und Bauchnaht auf. Aber auch Ohren und Nase können betroffen sein. Zudem gibt es eine rassespezifische Empfindlichkeit der nordischen Rassen. Insbesondere importierte Islandpferde sind anfällig, da es dort beispielsweise keine Kriebelmücken gibt und die armen Pferde genetisch bedingt nicht immun gegen die Plagegeister sind.

Die Offenstallhaltung ist ein weiterer Faktor, der dem Sommerekzem im wahrsten Sinne Tür und Tor öffnet, da wenig Schutz vor Insektenstichen gegeben ist. Weitere Rollen bei der Erkrankung spielen eine zu reiche Ernährung, Bewegungsmangel und ein gestörtes Immunsystem.

Wann beginnt und endet die Sommerekzem-Zeit?

Meist beginnt die Sommerekzem-Saison mit dem Auftauchen der ersten beißenden Insekten im Frühsommer und dauert bis zum Herbst. Ein schöner Mist für Pferd und Reiter. Umso mehr gilt es für dich, dein Pferd vor den lästigen Insekten zu schützen.

Wie erkenne ich die Symptome?

Am Anfang sind es nur kleine Pusteln, die durch die Insektenstiche entstehen, die du kaum siehst. Doch dann beginnt unübersehbar der starke Juckreiz (Pruritus), der dein Pferd regelrecht quält. Mit Schubbern an Bäumen oder an der Stalltür versucht es, sich Linderung zu verschaffen. Selbstredend, dass das die Sache nur schlimmer macht. Im weiteren Verlauf kommt es an den betroffenen Stellen zu Haarausfall mit eitrigen Wunden, die noch mehr Insekten anlocken. Kein Wunder also, wenn dein Pferd kurz vorm Ausflippen steht. Und es weiß genau, wer der Auslöser der Pein ist: Nicht selten geraten Pferde in Panik bei anfliegenden Kriebelmücken.

Wenn du also den Verdacht auf Sommerekzem hast, wende dich auf jeden Fall an einen Tierarzt, um sicherzugehen. Er wird Untersuchungen von Blut und Haut durchführen und die Allergie diagnostizieren. Das ist notwendig, denn im Allgemeinen werden zu diesem Zeitpunkt ursprüngliche Hautveränderungen wie Pusteln und Bläschen nicht so einfach gefunden, weil sich die Haut an der entsprechenden Stelle durch Kratzen (Selbsttrauma) verändert hat.

Sommerekzem-Symptome auf einen Blick:
  • Starker Juckreiz an Schweif- und Mähnenansatz, aber auch am Bauch
  • Juckende kleine Papeln und Bläschen
  • Wunden an den Scheuerstellen
  • Entzündete eitrige Hautbereiche
  • Haarverlust an den befallenen Stellen
  • Schuppen in den Langhaarbereichen
  • Weißlicher Nasenausfluss[1]
  • Unruhe

Wie kann ich Sommerekzem verhindern?

Stelle dein Pferd am besten in einem dunklen und sauberen Stall unter. Hygiene ist hier das A und O. Die Hinterlassenschaften deines Pferdes solltest du also immer so schnell wie möglich entfernen, da gerade Pferdeäpfel Insekten anziehen. Zudem hilft deinem Pferd eine Schutzdecke gegen Insektenstiche - die sogenannte Ekzemer-Decke. Manche Pferdehalter schwören dabei auf Decken mit Zebra-Muster, das die Insektenplage zusätzlich in Schach hält. Wenn du abschreckende Mittel (Repellentien) wie Mücken- und Fliegensprays oder Insektizide einsetzen möchtest, achte unbedingt darauf, dass sie ätherische Öle enthalten.

Hat das alles funktioniert, ist der Juckreiz nach etwa 2–4 Wochen verschwunden und die Haut abgeheilt[2]. Dennoch solltest du weiter in Alarmbereitschaft bleiben, da Sommerekzem eine chronische Hautkrankheit ist. Ist ein Pferd nämlich Ekzemer, ist es hochwahrscheinlich, dass der nächste Kontakt mit Gnitzen (Culicoides) oder Kriebelmücken die Symptome erneut auslöst.

Der permanente Schutz vor Insektenstichen ist daher extrem wichtig. Du kannst selber mitwirken und die Gefahr drosseln. Bringe deine Pferde beispielsweise zu Zeiten auf die Weide, wenn die Insekten weniger aktiv sind: tagsüber an heißen Tagen oder bei starkem Wind.

Achte bei der Fütterung deines Pferdes immer auf eine ausreichende Versorgung mit Mineralstoffen. Frage deinen Futterhändler nach Mineralfutter, das speziell auf Hautprobleme wie Sommerekzem abgestimmt ist.

Wie wird das Sommerekzem behandelt? Die 5 Behandlungsmethoden

Wurde ein Sommerekzem bei deinem Pferd diagnostiziert, werden die betreffenden Stellen mit juckreizstillenden Salben versorgt. Entpuppt sich die Reizung als besonders schwerer Fall, verschreibt der Tierarzt wahrscheinlich eine Kortisonsalbe. Zur Reinigung der befallenen Hautstellen und zum Entfernen des Wundsekrets nimmst du außerdem am besten ein mildes Shampoo. Frage deinen Tierarzt nach einer Empfehlung.

Antibiotika oder Pilzpräparate kommen zum Einsatz, wenn das Sommerekzem deines Pferdes eine Sekundärinfektion ist. Sekundärinfektion, manchmal auch Superinfektion genannt, bedeutet, dass dein Pferd bereits infiziert ist (Primärinfektion) und oftmals auch das Immunsystem geschwächt wurde.

Du kannst dein Pferd auch gegen Sommerekzeme impfen lassen. Der Impfstoff kann zwar zu Reaktionen an der Injektionsstelle führen[3], dennoch kann die Impfung das Sommerekzem verhindern oder zumindest lindern.

Begleitende Maßnahmen aus der Tierhomöopathie

Sulfur

Sulfur das wichtigste Mittel, um ein reaktionsfähiges Immunsystem wieder herzustellen. Sulfur reinigt, entlastet den Stoffwechsel, mobilisiert Abbauprodukte und führt sie zur Ausscheidung.

Reißblei (Graphites)

Reißblei kommt zum Einsatz beispielsweise nach langem und intensivem Kratzen. Die Haut ist dann besonders empfindlich für das Wundwerden. Gerade beim Pferd gibt es solche Scheuerstellen, die tendenziell verhornen. Graphites wirkt dann wie ein „Weichmacher“ und ist eines der wichtigsten Mittel für Verhärtungen von Narben oder Drüsen.

Herzsamen (Cardiospermum)

Die ätherischen Öle in den Samen der Herzsamen vertreiben Insekten. Cardiospermum wird bei den typischen Symptomen des Sommerekzems in Form von Globuli oder Tropfen verabreicht.

Apis mellifica (Bienengift)

Apis mellifica ist ein Bienengift und gilt in der Tierhomöopathie als eines der wichtigsten Mittel für allergische Reaktionen auf Insektenstiche und kann das Fortschreiten der Entzündung verhindern.

Sumpfporst, wilder Rosmarin (Ledum)

Wilder Rosmarin kommt bei Insektenstichen mit starkem Juckreiz zum Einsatz, insbesondere, wenn die Stellen sich durch Kratzen infizieren und eitern.

Rote Waldameise (Formica rufa)

Rote Waldameise ist bekannt für die heilende Wirkung bei Gelenkproblemen. Gerade bei Pferden hilft sie bei Immunschwächen, Allergien und juckenden Hautekzemen wie dem Sommerekzem.

Pflanzenheilkunde (Phytotherapie) mit der Kraft der Kräuter

Eichenrinde

Eichenrinde wird zur Wundbehandlung eingesetzt und fördert die Schorfbildung bei entzündlichen Hauterkrankungen.

Brennesselkraut

Die Brennessel ist schon seit der Antike als Heilkraut bekannt. Beim Sommerekzem wirkt Brennesselkraut entzündungshemmend.

Knoblauch

Der Knoblauch zählte schon in der altindischen Heilkunde zu den bei Hauterkrankungen eingesetzten Arzneipflanzen. Mit Wasser verdünnt wird er bei eitrigen Geschwüren angewendet.

Ringelblume

Die Ringelblume gehört zu den Arzneipflanzen, die bei Hautinfektionen wie dem Sommerekzem eingesetzt werden und ist daher auch einer der Inhaltsstoffe von PhlogAsept®.

Salbei

Salbei wirkt antibakteriell und trägt so zur Wundheilung bei.

Ackerschachtelhalm

Der Ackerschachtelhalm hilft bei großen und frischen Wunden, regt den Hautstoffwechsel an und wirkt bindegewebsfestigend.

Akupunktur bei Sommerekzemen

Eine weitere Möglichkeit, ein Sommerekzem zu behandeln, kommt aus der chinesischen Heilmedizin: die Akupunktur. Laut der TCVM (Traditionelle Chinesische Veterinär-Medizin) handelt es sich beim Sommerekzem um Wind-Hitze der Haut. Durch das Eindringen von äußeren Faktoren, wie dem Stich, entsteht ein Kampf mit der Wei-Qi-Hitze (Immunsystem-Hitze). Das Immunsystem wird geschwächt und das Gift des Stichs kann nicht aus der Haut entfernt werden. In der Folge wird auch das Lungen-Qi geschwächt, und es findet zudem keine adäquate Befeuchtung der Haut mehr statt. Trockene Hitze verstärkt sich und führt zu Schuppenbildung und Haarverlust. Akupunktur an den richtigen Stellen sorgt dann wieder für die Balance. Der Heilungsprozess beginnt.

Hausmittel bei Sommerekzemen

Kokosöl

Kokosöl wirkt heilend und lindert den Juckreiz auf den befallenen Stellen. Die im Kokosöl enthaltene Laurinsäure schreckt zudem Kriebelmücken ab. Stelle deshalb sicher, dass dein Kokosöl biologisch und kaltgepresst ist, denn dieses enthält einen besonders hohen Anteil an Laurinsäure. Trage das Kokosöl einfach wie eine Salbe auf die befallenen Stellen auf.

Teebaumöl

Teebaumöl wirkt desinfizierend, entzündungshemmend und kann Hautprobleme lindern. Der starke Geruch hält zudem Insekten fern. Das klingt super, allerdings solltest du sicher sein, dass dein Pferd Teebaumöl auch verträgt, da es die Haut stark austrocknen kann. Ist alles in Ordnung, tupfst du es ganz einfach mit einem sauberen Tuch auf die Stellen auf.

Kamille

Kamille ist bekannt als Heilpflanze bei Magen-Darmbeschwerden, aber auch bei Problemen mit der Haut. Gieße dazu ganz einfach Kamillenteebeutel auf, nehme die Beutel wieder raus und tupfe mit dem erkalteten Beutel die angegriffenen Hautpartien deines Pferdes ab.

vetevo-Fazit

Keine Frage: Ein Sommerekzem ist nicht nur lästig, sondern auch die reinste Qual für das Pferd. Die gute Nachricht: Du hast viele Möglichkeiten, um dein Pferd davor zu schützen: Von der schnellstmöglichen Beseitigung von Pferdeäpfeln, Insektenschutz-Maßnahmen im Stall bis zu Weidegängen am Mittag oder auch bei Wind. Nicht zu vergessen die Ekzemer-Decke und die Option, dein Pferd impfen zu lassen.

Ist dein Pferd erst mal infiziert, gibt es eine Reihe von Behandlungsmöglichkeiten, die (richtig eingesetzt) den Juckreiz lindern. 

Bei kleinstem Verdacht auf Sommerekzem lass dich umgehend von deinem Tierarzt beraten.

vetevo - Aus Liebe zum Tier.

1. Sommerekzem. In: Rakow M, Hrsg. Pferde - gesund durch Homöopathie. 7., aktualisierte Auflage. Stuttgart: Sonntag Verlag; 2017. [zurück]
3. Impfungen. In: Hanbücken F, Dahmen D, Hrsg. PferdeSkills. 3., vollständig aktualisierte Auflage. Stuttgart: Schattauer; 2018. [zurück]
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