Hunde-Wurmmittel und Wirkstoffe

Wurmmittel schützten Hund und Mensch vor Schäden durch Darm- und andere Parasiten, meistens ohne dabei große Nebenwirkungen zu zeigen. Doch was steckt eigentlich darin? Gegen welche Würmer wirken die Medikamente, welche Wirkstoffe gibt es und wie sollte man diese am besten einsetzen? Wie wirken sie und warum werden Wurmmittel zunehmend als “Chemiekeule” abgelehnt? Wir liefern die Antworten.

Inhaltsverzeichnis:

Die Vorstellung, dass vielleicht hunderte schlängelnde Schmarotzer im Inneren unseres Hundes ein geheimes Dasein führen, lässt sogar hartgesottenen Tierbesitzern einen Schauer über den Rücken laufen. Nicht zu Unrecht. Ein Wurmbefall kann zu ernsten gesundheitlichen Problemen führen.

Zur Bekämpfung stellt die Pharmaindustrie eine mittlerweile schier unüberschaubare Produktpalette an Wurmmitteln bereit, die so genannten Anthelminthika (von Anti = Gegen und Helminthes = Würmer): Ob Kau- oder Filmtabletten, Pasten, Spot-ons, Injektionslösungen - für jeden Wurm findet sich schnell das passende Mittelchen.

Doch was steckt eigentlich drin? Wie wirkt es? Wieso gibt es so viele Irrtümer bei der Wurmkur?

Wurmmittel verlieren ihre Wirkung, weil sie falsch eingesetzt werden

Es ist Zeit umzudenken. Da die verschiedenen Würmer auch verschiedene Lebensweisen und Fortpflanzungen haben, können nicht alle Wurmmittel universell eingesetzt werden. Die weit verbreitete Taktik, drei- bis zwölfmal jährlich eine Tablette mit gleichbleibendem Wirkstoff in den Vierbeiner zu werfen, stellt die Tiermedizin - ähnlich wie bei den Antibiotika - besonders im Großtierbereich mittlerweile vor ernstzunehmende Resistenzprobleme.

Gerade bei Pferden wirken leider viele Mittel jetzt schon nicht mehr zuverlässig. Es ist also an der Zeit, der Frage auf den Grund zu gehen: “Wie kann ich mein Tier sinnvoll vor Würmern schützen?” Und nach guten Alternativen zur Entwurmung auf gut Glück zu suchen. Eine der Alternativen ist unser Wurmtest für den Hund.

Welche Wirkstoffe gibt es und wo liegen die Unterschiede?

Tatsächlich gibt es eine ganze Reihe unterschiedlicher Wurmarten, die sich im Innern unserer vierbeinigen Lieblinge "pudelwohl" fühlen. Die Parasiten haben zwar grundsätzlich einen ähnlichen Lebenszyklus (Ei - Larve(n) - geschlechtsreifer Wurm), unterscheiden sich aber teilweise deutlich in ihrem Stoffwechsel. Deswegen ist es auch wichtig vor einer Entwurmung zu wissen, um welche Würmer es sich handelt: Denn der Wirkstoff greift an sehr spezifischen Stellen in den Stoffwechsel der verschiedenen Parasiten ein.

Die Alternative ist der Einsatz von Kombinationen aus mehreren Wirkstoffen, um die weite Bandbreite von möglichen Würmern abzudecken. Wir haben für Dich hinter die kryptischen Wirkstoffnamen geschaut und verständliche Infos für die gängigen Wurmmittel erstellt.

Praziquantel

Das derzeit wahrscheinlich am meisten verbreitete Wurmmittel auf dem Markt. Praziquantel führt beim Parasiten zu starken Muskelkontraktionen bis hin zur spastischen Paralyse. Diese extreme Überstimulierung des Nervensystems führt zur Bewegungslosigkeit und somit zur Ausscheidung mit dem Kot. Es ist vor allem bei ausgewachsenen (geschlechtsreifen) und larvalen Stadien der Hundebandwürmer (Echinococcus, Taenia und Dipylidium) wirksam. Ebenso wird es bei beim Hakenwurm des Fuchses (Uncinaria stenocephala) sowie des Hundes (Ancylostoma caninum) und dem Peitschenwurm (Trichuris vulpis) eingesetzt.

Pyrantel und Febantel

Diese Wirkstoffe greifen in das Nervensystem der Parasiten ein. Da sich die ungewollten Gäste nun nicht mehr bewegen können werden sie durch die Eigenbewegung des Magen-Darm-Traktes raus befördert. Die Wirkweise entspricht somit dem Praziquantel allerdings führt es beim Befall von Peitschenwürmern und Bandwürmern nicht zum Erfolg.

Fenbendazol und Flubendazol

Diese Wirkstoffe sind in der Regel hoch wirksam gegen adulte und larvale Stadien von vielen unterschiedlichen Würmern.Durch Schädigung des “Zell-Kraftwerkes” kann keine Energie mehr bereitgestellt werden und die Parasiten sterben ab.

Milbemycinoxim

Milbemycinoxim wirkt sowohl gegen Milben sowie Larven- und Erwachsenenstadien von Magen-Darm- und auch von Lungennematoden (Fadenwürmern). Ebenso wird es bei der Reduzierung des Infektionsgrades durch den Herzwurm (Dirofilaria immitis) eingesetzt. Das Wirkungsprinzip ist dem von Praziquantel gleichzusetzen.

Die Mechanismen der Abtötung hören sich ziemlich brutal an. Jedoch hält sich das Mitleid für die Quälgeister meist spätestens dann in Grenzen, wenn man sich vor Augen führt, dass eine Wurmbesiedlung für uns und unsere Lieblinge ein echter Gesundheitsschädling sein kann.

Jedoch stellt sich immer häufiger (und meist ziemlich laut) die Frage auf die vermeintlich auch negative Auswirkung der Mittel auf die Gesundheit des Hundes.

Sind Wurmmittel pures Gift für den Hund?

Nein, Wurmmittel sind im Normalfall sowohl für uns (zuerst wurden sie für Menschen entwickelt) als auch für unseren geliebten Vierbeiner nicht giftig. Zwar wirkt das Wurmmittel auf das Nervensystem der Würmer, aber hier ist ganz klar die Menge (Dosis) der relevante Faktor. Außerdem ist unser Nervensystem als auch das der Hunde und anderer hoch entwickelter Tiere wesentlich komplexer und somit in diesen Maßen nicht durch die Wirkstoffmenge angreifbar. Natürlich muss man sich strikt an die Mengenangaben (Dosierung) und Gabe (Darreichungsformen) halten. Teilweise kann es in Ausnahmen zu Unverträglichkeiten kommen. Jedoch ist das nicht der Regelfall. Nebenwirkungen laut Packungsbeilage: “In sehr seltenen Fällen kann es zu leichten, vorübergehenden gastrointestinalen Beschwerden (wie z. B. Erbrechen) kommen.” Sehr selten wird hier mit weniger als 1 von 10.000 behandelten Tieren definiert. Das ist schon sehr selten.

Jedoch gibt es eine sehr wichtige Ausnahme. Hunde mit so genanntem MDR1-Gendefekt haben eine mangelhafte Schutzfunktion des zentralen Nervensystems vor Medikamenten. Dadurch gelangen die Wirkstoffe ungehindert ins Gehirn und können hier neurologische Symptome auslösen (Übelkeit, Anfälle…).

Es ist naheliegend zu vermuten, dass eine hohe Zahl der "Horrorgeschichten" über Wurmmittel und Co. auf der überempfindlichen Reaktion von MDR1-Gendefektträgern beruht. Wer sicher gehen will, kann seinen Liebsten auch mit Hilfe einer Blutuntersuchung auf den Defekt testen lassen. Besonders als Halter von gefährdeten Rassen und Mischlingen sollten über den MDR1-Test ernsthaft nachdenken, so kannst Du dich und Deinen Vierbeiner auch beim Einsatz von Zeckenmitteln, Narkosen, etc. absichern.

Nebenwirkungen und Gegenanzeigen von Wurmmitteln

Im Zusammenhang mit der Entwurmung kann es bei den behandelten Tieren zu leichten Störungen des Verdauungsapparates wie z. B. Speicheln, Erbrechen, Durchfall kommen. Hier ist allerdings zu erwähnen, dass diese Nebenwirkungen absolut individuell vorkommen. Deswegen ist es wichtig den Hund nach der Gabe zu beobachten.

In Betracht auf die große Gesamtpopulation der Hunde sind Gegenanzeigen dennoch wirklich selten. Die erste Ausnahme - den MDR1-Gendefekt - haben wir schon vorgestellt. Auch bei trächtigen Hündinnen sollte man besser auf eine Entwurmung verzichten, da es meistens keine Studien bezüglich Trächtigkeit und Gefährdung der ungeborenen Welpen gibt. Deswegen wird angeraten die Hündin bereits vor der Belegung zu entwurmen. Viel wichtiger jedoch ist die Entwurmung der Welpen. Das sollte regelmäßig passieren, da bereits im Mutterleib und über die Muttermilch Wurmeier aufgenommen werden können. Die Hündin darf nach der Geburt der Welpen dabei jedoch nicht ausgelassen werden, da es sonst zum "Ansteck-Ping-Pong" kommt.

Warum gibt es so viele Horrorgeschichten?

Trotz des geringen Nebenwirkungsfaktors 1 von 10.000 scheint es so, als ob das ganze Internet voll von Hunden mit Nebenwirkungen ist! Doch woher kommt das?

Den Gedanken, dass möglicherweise eine hohe Anzahl unerkannter MDR1-Gendefektträger unter den betroffenen Patienten zu finden sind, haben wir bereits aufgegriffen. Hier müssen zum Schutz der besonders sensiblen Hunde weitere Untersuchungen stattfinden und das Wissen um die MDR1-Defekt-Problematik verbreitet werden.

Aber ein wichtiger Faktor ist: Wir Menschen haben leider die besondere Angewohnheit eher etwas Schlechtes zu teilen. Selten schreibt man gern wie super die im letzten Winter genommenen Lutschtabletten gegen Halsschmerzen gewirkt haben? Viel größer ist der Impuls zur öffentlichen Bewertung, wenn die Sorte "Blau von Bloona" mal wieder nicht gewirkt hat. Fakt ist: Damit ein Medikament auf dem Markt eingesetzt werden darf, müssen unzählige von Versuchen und Studien durchgeführt werden, die die Unbedenklichkeit des Mittels beweisen. Nur wenn der Nutzen verhältnismäßig über dem Risiko steht, darf ein Medikament rechtmäßig eingesetzt werden.

Trotzdem sollte man sicherlich skeptisch hinterfragen, ob eine vermeintliche Belastung durch prophylaktische Medikamente nötig ist. Also warum nicht über Alternativen nachdenken? Nur so kommt es zum Fortschritt und Umdenken.

Was tun als verantwortungsvoller Hundehalter?

Ganz klar: Oberste Priorität hat die Gesunderhaltung deines Hundes. Leider können Würmer massive gesundheitliche Probleme verursachen. Deswegen muss ein Befall mit geeigneten Medikamenten bekämpft werden.

Im Idealfall sollte man nicht auf "Gut Glück" entwurmen. Die ideale Lösung bietet dabei die regelmäßige Kotuntersuchung. Dabei werden die Ausscheidungen des Vierbeiners über mehrere Tage (wichtig: Würmer scheiden Eier immer nur etappenweise aus) gesammelt und im Labor auf vorhandene Eier untersucht. Wer ganz sicher gehen möchte, sollte die Untersuchung in einem kurzen Zeitintervall (1-2 Wochen) wiederholen, da auch bei Sammelkotproben ein Risiko besteht, dass gerade in einer längeren Ei-Ausscheidungs-Pause gesammelt wurde.

Fällt die Untersuchung negativ aus, kann eine unnötige Medikamentengabe gespart werden. Fällt sie positiv aus, kann der Wurmmittel-Wirkstoff passend zum Befall ausgewählt werden und auf Breitband- oder Mischpräparate gegebenenfalls verzichtet werden.

Das ist nicht nur für den einzelnen Hund gut, sondern liefert einen tollen Beitrag für die langfristige Gesundheit der Hundeschaft. Denn ähnlich wie bei den Bakterien (z.B. MRSA, ESBL), zeigen auch erste Würmer so genannte "Resistenzen" gegen die Wirkstoffe. Resistenz bedeutet, dass ein Organismus (hier der Wurm) nicht mehr auf die Medikamentengabe anspricht sondern eine Strategie entwickelt hat unempfindlich zu werden. Nach häufiger oder wiederholter Anwendung von dem gleichen Wirkstoff kommt es also zur Unwirksamkeit gegen die gesamte Substanzklasse. Derzeit sind offiziell in hobbymäßiger Kleintierhaltung noch keine Resistenzen bekannt. Dennoch sollte nicht mutig drauflos gewartet werden, sondern nach Absicherung der Wirksamkeit in regelmäßigen Abständen das Wurmmittel ausgetauscht werden, um nicht über kurz oder lang vor großen Wirksamkeitsproblemen zu stehen.

vetevo Fazit

Würmer sind eine oft unterschätzte Gefahr für die Gesundheit von Tieren und Menschen. Besonders Kinder und geschwächte Personen sind sehr anfällig! Die regelmäßige Einnahme von Wurmmitteln oder alternativ die Kotuntersuchung, ggf. kombiniert mit unterstützenden Maßnahmen, ist also absolut sinnvoll! Die Vorteile überwiegen die relativ geringen Risiken. Hier findest du mehr Informationen, wann und wie oft dein Haustier eine Entwurmung braucht.

vetevo - aus Liebe zum Tier.


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