Wunder Hündin: Faszinierende Fakten zu Zyklus, Trächtigkeit und Geburt (Teil 1)

Alina Küper
Tierärztin bei vetevo

Lesezeit: 5 Min.

Biologisch gesehen sind Hormonzyklus, Trächtigkeit und Geburt wahre Wunder. Unsere vetevo-Spürnase Kayla nimmt Sie mit auf einen spannenden Exkurs und zeigt, wie am Ende des Zusammenspiels von komplexen Hormonzyklen, Geschlechtsorganen und ein bisschen tierischer Amore kleine Hundekinder das Licht der Welt erblicken.
Los geht es im ersten Teil mit den Basics.

Viel Freude beim Lesen! Kayla & Das Team von vetevo


Liebes Frauchen!

Bestimmt hast Du auch schon bemerkt, dass meine Freundin Luna in letzter Zeit ziemlich zugelegt hat. Ich meine klar, sie isst schon ziemlich gerne aber mal ehrlich – man muss ja auch ein bisschen auf sich achten! Gestern habe ich es nicht mehr ausgehalten und, frech wie ich bin, habe ich Luna mal gefragt, was mit ihr los ist.

Tja, da hätte ich mich wohl vorher mal ein wenig besser informieren sollen. Luna ist trächtig! Wie peinlich das war, mitten auf der Hundewiese vor allen Leuten hat sie mir das Ganze mal erklärt. Naja, ich bin ja auch nur ein Hund, man kann nicht alles wissen. Aber mit diesem Trächtig-Sein, das habe ich nicht direkt verstanden. Luna meinte, es würden irgendwann kleine Hundewelpen aus ihr raus flutschen. Da musste ich erst einmal ziemlich laut lachen – weil die Vorstellung, wie das funktionieren soll, doch irgendwie ziemlich absurd ist. Allerdings ist mir nach dem Gespräch so einiges klar geworden über mich und die Veränderungen, die im Laufe des Zyklus in mir vorgehen.

Natürlich weiß ich, dass Du während wir spielen ab und zu ein Pläuschchen mit Lunas Frauchen hältst. Um Dir gewisse Peinlichkeiten zu ersparen, werde ich Dir gerne ganz genau erklären, was es mit der Trächtigkeit auf sich hat. Und was es da eigentlich für spannende Unterschiede zwischen uns Hündinnen und euch Zweibeinerinnen gibt!

Der Geschlechtsapparat der Hündin

Lass uns mit den Basics beginnen. Du weißt ja, ich habe da – ähnlich wie Du als Frau - so ein paar Bauteile, die hat mein Kumpel Oscar nicht. Das sind:


Die Eierstöcke

Die Eierstöcke sind zwei relativ kleine, rundliche Gebilde rechts und links in meinem unteren Bauch. Man nennt sie auch Ovarien. Die Eierstöcke sind so etwas wie die „Wiege des Lebens“: In ihnen reifen nach Einsetzen der Geschlechtsreife regelmäßig Eizellen heran und sie geben Hormone wie Östrogen in den Körper ab. Um Eizellen bilden zu können, sind in den Eierstöcken sogenannte „Follikel“ gespeichert. Die Follikel reifen später zu einer Eizelle heran, aber das erkläre ich Dir noch.

Übrigens sind die Eierstöcke das, was während der Kastration entnommen wird. Deswegen besteht danach keine Chance mehr auf Welpen und alles, was mit den Hormonen zusammenhängt (also Läufigkeit, Scheinträchtigkeit und Co.) ist kein Thema mehr.

Der Eileiter

An die Eierstöcke schließt sich der Eileiter an. Er kann die Eizelle zur Gebärmutter transportieren. Dazu „springt“ die Eizelle in den Eileiter, deshalb nennt man den Vorgang auch „Eisprung“. Der Tierarzt würde den Eisprung vermutlich „Ovulation“ nennen, falls Du mal mit ihm über sowas reden willst. Die Eizelle bleibt einige Tage im Eileiter. Etwa zwei bis drei Tage lang reift sie noch, dann bleibt sie drei bis fünf weitere Tage dort und kann befruchtet werden. Befruchtet bedeutet übrigens, dass ein Spermium zur Eizelle schwimmt und in sie eintritt.


Die Gebärmutter

Der Eileiter mündet in die Gebärmutter. Auf schlau sagt man dazu „Uterus“ oder „Metra“, das könnte Dir mal bei Worten wie „Pyometra“ oder anderen medizinischen Begriffen über den Weg laufen. Man nennt die Gebärmutter auch „keimbewahrendes Organ“, denn in ihr entwickelt sich der Embryo - so nennt man Hundewelpen ganz am Anfang ihrer Entwicklung im Bauch der Mutter.

Die Gebärmutter besteht aus zwei „Hörnern“, also zwei Schenkeln, die vom Gebärmutterhals zu den beiden Eierstöcken führen. Das ist ein kleiner Unterschied zu Menschen-Frauen: bei euch haben sich die beiden Hörner zu einer Gebärmutterhöhle fusioniert!

Am Gebärmutterhals verbinden sich die beiden Hörner. Er liegt etwa auf Höhe meiner Harnblase. Direkt an den Gebärmutterhals, auch Cervix genannt, schließt die Vagina an. Am Übergang zwischen Cervix und Vagina ist ein sehr schmaler Kanal, er bildet den Muttermund. Der Muttermund ist ziemlich wichtig. Wenn eine Hündin läufig ist, ist der Muttermund weit geöffnet und ermöglicht den Spermien den Weg in Richtung Eizelle. Während der Trächtigkeit und außerhalb der Läufigkeit ist er sehr fest verschlossen und schützt die Gebärmutter und die heranwachsenden Welpen vor Keimen. Erst mit den Wehen öffnet sich der Muttermund wieder.


Die Vagina

Die Vagina schließt an den Gebärmutterhals an. Sie ist mit einer sehr faltigen Schleimhaut ausgekleidet und kann sich bei der Geburt stark weiten. Man nennt die Vagina auch Begattungsorgan, weil Rüden beim Deckakt den Penis in die Vagina einführen. Das klingt nun wirklich nicht so lustig. Aber zurück zum Thema. Bei uns Hunden (ebenso wie bei ein paar anderen Haustierspezies) gibt es eine Besonderheit: Der Rüde kann das Sperma direkt in die Gebärmutter abgeben.


Die Vulva

Woran Du von außen ziemlich schnell erkennen kannst, ob ich ein Junge oder Mädchen bin, ist die Vulva. (Aber mal ehrlich – kein Rüde der Welt hat so wunderbar seidiges Fell wie Luna und ich, wieso du da noch so ne Vulva sehen musst, versteh‘ ich nicht.) Die Vulva besteht aus den beiden Schamlippen und schwillt zum Beispiel während der Läufigkeit an.

So mein liebes Frauchen, damit du Dir noch ein wenig besser all die Dinge vorstellen kannst, von denen ich Dir erzählt habe, habe ich eine Skizze für Dich in Auftrag gegeben:

Die Follikel


Beim Thema Eierstock habe ich sie schon erwähnt: Die Follikel als Funktionsgebilde des Eierstocks. „Follikel“ ist der Name für eine Eizelle, die von einer dünnen Zellschicht (die heißt „Epithelhülle“) umgeben ist. Im Eierstock sind mehrere hunderttausend Follikel auf Vorrat gespeichert und nur vergleichsweise wenige von ihnen werden im Laufe eines Hundelebens durch verschiedene Hormone dazu veranlasst, sich weiter zu entwickeln. Wenn die Follikel reifen, durchlaufen sie verschiedene Phasen, die ich Dir einmal erklären werde...

Primärfollikel

Ein Follikel, der wie alle anderen im Eierstock gespeichert ist, nennt man Primärfollikel.

Sekundärfollikel
Sobald der Follikel beginnt, zur Eizelle heran zu reifen, nennt man ihn Sekundärfollikel. Von außen würdest Du keine maßgebliche Veränderung erkennen. Nur die Schutzhülle um die Eizelle ist etwas dicker geworden.

Tertiärfollikel

Jetzt würdest Du den Follikel von außen erkennen, denn er drückt sich als kleine Blase in die Oberfläche des Eierstocks. Der Follikel ist sehr groß und die Eizelle macht sich bereit für den Eisprung.

Beim Eisprung verlässt die Eizelle ihre „Follikelhöhle“ und wandert in den Eileiter. Übrigens bekommen wir Hündinnen ja in der Regel mehr Nachwuchs auf einmal, als ihr Zweibeinerinnen. Damit das funktioniert, reift bei uns in jedem Zyklus nicht nur ein Follikel bis zum Eisprung heran, sondern – je nach Größe und Rasse – drei bis acht!

Nach dem Eisprung wird es eigentlich erst richtig spannend: die ehemalige Schutzhülle aus dem Follikel entwickelt sich weiter und spielt eine wichtige Rolle im Zyklus. Was der Zyklus ist, erkläre ich Dir nachher noch.


Der Gelbkörper

Verschiedene Hormone aus dem Gehirn bringen die leere Follikelhöhle dazu, sich zu einem „Gelbkörper“ zu entwickeln. Der Gelbkörper erhält seine gelbe Farbe dadurch, dass sich viele kleine Fetttröpfchen in ihn einlagern. Dadurch wird er viel größer als der Tertiärfollikel.

Ist der Gelbkörper fertig entwickelt beginnt er das Hormon Progesteron zu entwickeln. Progesteron verhindert, dass neue Follikel reifen und bereitet die Wand der Gebärmutter darauf vor, die befruchteten Eizellen aufzunehmen.

Normalerweise ist die Gelbkörperphase- wenn keine Befruchtung stattgefunden hat- nur recht kurz. Bei der Frau dauert die beispielsweise 12-14 Tage und wird nur dann verlängert, wenn ein Kind im Bauch heranwächst.

Wir Hündinnen haben hier eine riesen Besonderheit im Tierreich: Denn unsere Gelbkörper produziert, völlig unabhängig davon, ob eine Trächtigkeit da ist oder nicht, ca. 60 Tage lang Progesteron. Das ist etwa die normale Dauer einer Trächtigkeit. Hormonell betrachtet sind wir also im Anschluss an die Eisprünge immer trächtig: Man spricht dann von „Scheinträchtigkeit“. Tierärzte mögen diesen Begriff irgendwie nicht so sonderlich und sagen lieber medizinisch richtig „Lactatio falsa“, weil nach der Scheinträchtigkeit oft eine Aktivität der Milchdrüsen mit einer "falschen Milchproduktion" startet.


So viel zu den anatomischen Grundlagen. Damit Follikel reifen und Welpen heranwachsen können, sind die Hormone das A und O. Deswegen erkläre ich Dir die ganz genau in Teil 2 von "Wunder Hündin"!

Teil 2 von "Wunder Hündin"
Teil 3 von "Wunder Hündin"

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