Die 5 häufigsten Entwurmungs-Irrtümer beim Hund

vetevo: Wurmkur Mythen und Irrtümer
Svenja Kasselmann
Tierärztin bei vetevo

Lesezeit: 8 Min.

Würmer haben in unseren Vierbeinern nichts zu suchen. Die kleinen bis großen Schmarotzer, die meistens dauerhaft in und von einem Lebewesen leben und dieses dabei zum Teil enorm schädigen, liefern jede Menge Stoff für Irrtümer und Mythen. Hier kommen die Top 5 Irrtümer der Wurmkur!


Fakt ist: Würmer können zu schweren gesundheitlichen Störungen führen. Als Parasiten entziehen sie dem Körper wichtige Nährstoffe, schwächen das Immunsystem und der Hund ist somit anfälliger für verschiedene Krankheiten. Verdauungsstörungen, Darmentzündungen oder sogar ein Darmverschluss können Folgen des Wurmbefalls sein. Aber: Es treten nicht immer Symptome auf und auch gesund erscheinende Tiere können eine Infektionsquelle darstellen. Deswegen sollten Sie über die wichtigsten Mythen und Fakten Bescheid wissen! 

Irrtum Nr. 1: Wurmkuren helfen vorbeugend

Mythosalarm!! Eine Wurmkur kann immer nur die gerade im Hund “aktiven” Würmer bekämpfen und wirkt nicht vorbeugend als Schutz vor einer Infektion! Das unterscheidet sie ganz klar von zum Beispiel der regelmäßigen Impfung, die - wenn sinnvoll verabreicht - als wertvolle Prophylaxe über einen längeren Zeitraum vor schweren Erkrankungen schützt. Eine Wurmkur ist nur für ca. 24 Stunden im Körper des Tieres wirksam, bevor der Wirkstoff abgebaut und ausgeschieden wird. Der Hund kann sich theoretisch bereits am nächsten Tag wieder mit Würmern infizieren oder bereits Eier- und Larvenstadien in sich tragen, die von der bereits ausgeschiedenen Wurmkur nicht mehr bekämpft werden. Aus diesem Grund ist es wichtig Kotuntersuchung oder Entwurmung in regelmäßigen geeigneten Abständen durchführen zu lassen! Eine Entwurmung sollte nach positivem Befund eines Wurmtest gezielt vorgenommen werden.

Tierisch guter Fact!

Die Art des Wurmbefalls ist entscheidend für die Wahl der richtigen Wurmkur! Dazu lässt sich leicht mittels Kotprobenuntersuchung feststellen, ob aktuell ein Wurmbefall mit eierlegenden Würmern vorliegt. 

Mehr zu möglichen Wurmkur- Alternativen finden Sie hier:

Irrtum Nr. 2: Kokosfette ersetzen die Wurmkur

Achtung, Mythos! Die in den Kokosfetten enthaltene Laurinsäure beeinflusst nachweislich den Entzündungsablauf, unterstützt den angegriffenen Darm und kann die Darmgesundheit fördern. Jedoch ist sie nach derzeit gegebenen wissenschaftlicher Studienlage nicht in der Lage, Würmer abzutöten und befreit somit den Darm auch nicht von diesen! Auch eine Infektion kann sie nicht verhindern.

Tierisch guter Tipp!

Kokosöl im Futter kann in geringen Mengen eine sinnvolle und gesunde Ergänzung sein - eine Alternative zur Wurmkur bietet es allerdings nicht. 

Außerdem sollte man immer die Dosierung beachten, denn Kokosprodukte in großen Mengen können bei Ihrem Vierbeiner zu starkem Durchfall führen.

Irrtum Nr. 3: Wenn ich keine Würmer im Kot sehe, hat mein Hund auch keine!

Ganz großer Irrtum! Nur weil man es nicht sieht, heißt es nicht, dass es nicht da ist! Hauptsächlich werden nur Eier und Larven ausgeschieden, welche nur unter dem Mikroskop sichtbar sind. Da einige Würmer einen Wanderzyklus im Körper durchlaufen und sich unterschiedlich schnell vermehren, werden diese Eier unregelmäßig, also nicht täglich, ausgeschieden. Diese Unregelmäßigkeit ist einer der Gründe warum man regelmäßig den Kot untersuchen lassen sollte (mind. 4x im Jahr). Ausgewachsene Würmer werden erst ausgeschieden, wenn der Befall massiv ist und die Infektion schon lange zurückliegt.

Die Entwicklungszyklen der einzelnen Wurmarten sind sehr vielfältig. Lesen Sie hierzu mehr in unserem Artikel: Würmer beim Hund- Das große Who is Who der Parasitenwelt.

Tierisch gute Empfehlung!

Rohes Fleisch kann Ursache für eine Wurminfektion sein. Daher sollten z.B. BARF-Rationen für mindestens 7 Tage bei -17°C oder niedriger eingefroren werden, um eventuelle Parasiten abzutöten. Überprüfen Sie bei Bedarf die Temperatur Ihres Tiefkühlers!

Zum Wurmtest kommen Sie hier

Irrtum Nr. 4: Wurmkuren müssen nicht 4x jährlich gegeben werden

Mythos durch Unwissenheit? Wissenschaftliche Studien haben belegt, dass ein Intervall von 1-2-mal jährlich keinen ausreichenden Schutz bietet. Bei “Entwurmung auf Verdacht” (also ohne regelmäßige Kotuntersuchung) sollte die Entwurmung mindestens 4x pro Jahr fällig sein: Nur so kann das Risiko für Gesundheitsschäden für Tier und Mensch in einem einigermaßen sicheren Rahmen gehalten werden. Aber Achtung! In manchen Fällen kann durchaus nötig sein, den Hund häufiger zu entwurmen. Um das passende Intervall zu finden, müssen Sie die Risikofaktoren im Umfeld Ihres Hundes richtig einschätzen (lassen). Wie hoch ist das Ansteckungsrisiko für meinen Hund? Wie alt und gesund ist er? Und ganz wichtig: Wie groß ist das Risiko für Menschen, die mit meinem Hund in Kontakt kommen?

Erhöhtes Risiko gilt zum Beispiel bei Hunden mit Kontakt zu immungeschwächten Personen und Kindern, Jagdhunden, jungen Hunden und wenn die Aufnahme von Kot, Beutetieren oder Aas nicht ausgeschlossen werden kann. Hier empfiehlt sich eine entsprechende Kotuntersuchung oder alternativ eine monatliche Wurmkur. 

Wie hoch ist das Risiko für meinen Hund?

Haben Sie Schwierigkeiten das Risiko eines Tieres zu bestimmen, bieten die Empfehlungen der ESCCAP einen leicht durchführbaren Selbsttest zur Risikobestimmung an. Die ESCCAP (European Scientific Counsel Companion Animal Parasites) ist eine unabhängige Organisation von tierärztlichen Spezialisten aus ganz Europa in Sachen Parasitologie. Die Experten erarbeiten regelmäßig aktuelle Richtlinien zur Bekämpfung von Parasiten wie Würmern oder Zecken. Ziel der Organisation ist es die Gesundheit von Hunden und Katzen zu erhalten, Menschen vor Zoonosen (Krankheiten, die vom Tier auf den Menschen übertragen werden) zu schützen und damit das Miteinander von Kleintieren und Menschen sicherer zu gestalten.

Wie häufig brauch mein Hund eine Wurmkur?

Irrtum Nr. 5: Wurmkuren fügen dem Darm des Hundes erheblichen Schaden zu

Achtung - Panikalarm. Tatsächlich juckt die Wurmkur bei richtiger Dosierung den Darm eines gesunden Hundes ziemlich wenig. Würmer, die sich in der Darmwand verbeißen oder zu Verstopfungen führen können, allerdings schon. Und zwar unter Umständen gewaltig und operationswürdig. Die einzige Möglichkeit die Parasiten loszuwerden, ist es, sie zu bekämpfen. Ähnlich wie Zecken sind die Schmarotzer nur leider relativ biestig, deswegen führt um eine chemische Behandlung mittels eines geeigneten Medikaments, sprich der Wurmkur, leider kein Weg vorbei (auch wenn das wirklich großartig wäre!). 

Tierisch gute Wurmkontrolle!

Ein Wurmbefall nach positivem Befund muss immer zeitnah mit einer passenden Wurmkur behandelt werden. Das ist nicht nur für den Hund gut: Gezielte Behandlungen vermeiden die immer mehr zunehmende Gefahr von Resistenzen.

Solange die Dosis anhand des Alters, des Körpergewichts und anhand des aktuellen Gesundheitszustandes des Hundes ermittelt wird, ist der Behandlung eines Wurmbefalls mit einer Wurmkur nichts entgegen zu setzen. Ganz im Gegenteil! Denn sie schützt den Darm vor bleibenden Schäden durch den Wurmbefall. Die Wirkstoffe sind für den Angriff auf die Eier, Larven und ausgewachsene Würmer entwickelt worden und geht nur gering auf die Zellstrukturen von Tier und Mensch ein.

Übrigens: Die gleiche Zusammensetzung wie in der Hundewurmkur findet man auch in den Entwurmungsmitteln für Menschen, für die sind diese Wirkstoffe auch ursprünglich entwickelt worden.


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