Hund im Auto - Wenn der Hitzschlag zum Verhängnis wird 

Hund im Auto- Hitzschlag
Svenja Kasselmann
Tierärztin bei vetevo

Lesezeit: 6 Min.

Auch unsere Hunde sollen den Sommer in vollen Zügen genießen, doch die Gefahr des Hitzschlags ist nicht zu unterschätzen. Daher haben wir hier ein paar wichtige Tipps zusammengestellt, um Ihren Hund vor zu großer Hitze zu schützen. So wird der Sommer auch für Ihre Hunde zum tierisch guten Erlebnis!


Dieser Sommer wirkt wie aus dem Bilderbuch: sehr warm, sehr trocken und sehr sehr sonnig. Während wir Menschen freudig den Feierabend im Freibad genießen, haben unsere lieben Hunde teilweise ziemlich mit der Hitze zu kämpfen.

Die Sonne knallt und die Hunde würden am liebsten den Tag im kühlen Inneren der Wohnung verbringen. Als beschuhter Zweibeiner spürt man meist nicht wie sich der Asphalt aufheizt und die Pfoten verbrennt. Erst abends macht das Leben wieder Spaß, da geht’s ab zum Hundestrand und rein ins kühle Nass.

Viele Hundebesitzer unterschätzen die Gefahren, die diese warmen Temperaturen mit sich bringen. Sowohl bei zu hoher körperlicher Belastung, als auch beim Klassiker “Hund im Auto” besteht die Gefahr des Hitzschlags! 

Wie reguliert der Hund seine Körpertemperatur?

Hunde können ihre Normaltemperatur durch verschiedene Mechanismen auf den physiologischen 37,5-38,5°C halten.


Angepasstes Verhalten

Normalerweise zieht sich ein Hund bei warmen Temperaturen in kühle, schattige Ecken zurück und wartet ab, bis es in den Abendstunden etwas abkühlt. Erst dann wird die Energie auch darauf verwandt, sich körperlich zu betätigen. So achtet der Hund instinktiv darauf, seine Körpertemperatur auf einem Level zu halten.
Diese sehr wichtige Möglichkeit nimmt man dem Hund, wenn man ihn im Auto zurücklässt. Er kann sich aus eigenen Stücken nicht aus dem „Backofen“ befreien und ist der Hitze gnadenlos ausgeliefert.


Wie schwitzen Hunde?

Jeder, der im Hochsommer Bus fahren muss, weiß ganz genau, wie wir Menschen unsere Körperkerntemperatur regulieren. Wir schwitzen, und zwar manchmal richtig viel! Dabei bilden sich kleine Wassertröpfchen auf unserer Haut. So kann die Wärmeenergie aus dem Körperinneren über die Haut in die Schweißtropfen geleitet werden. Durch das Verdunsten dieser Tropfen wird die Wärmeenergie dann an die Umwelt abgegeben.
Da stellt sich zwangsläufig die Frage – haben Sie Ihren Hund schon einmal schwitzen sehen? Hunde besitzen nur sehr wenige Schweißdrüsen, die vor allem an der Nase und an den Pfoten zu finden sind. Diese reichen nicht aus, um die Körpertemperatur bei erhöhter Außentemperatur konstant zu halten. Wie machen unsere Vierbeiner das also? 

Die Lösung ist: Hecheln

Bei Hitze oder Anstrengung nutzt der Hund das “Hecheln” zum herunterregulieren der Körpertemperatur. Was zunächst einfach nur wie beschleunigtes Ein- und Ausatmen aussieht, ist bei näherer Betrachtung ein sehr ausgeklügeltes System!
Beim Hecheln atmet der Hund nicht wirklich, sondern belüftet den sogenannten anatomischen Totraum. So nennt sich der Abschnitt der Atemwege, der nur Luft leitet und wo kein Austausch von CO2 und O2 stattfindet. Er reicht von den Nasenlöchern, über die Luftröhre, bis hin zu einem bestimmten Abschnitt der Bronchien. Dabei wird die Körperwärme auf die Luft in den Atemwegen übertragen und einfach abgeatmet.

Wichtig! Auch Wasser geht dabei durch Verdunstung verloren.

Bei den sogenannten brachyzephalen Rassen, wie Mops, französische Bulldogge und Co. sollte besonders viel Wert darauf gelegt werden, die Hunde bei heißem Wetter zu schonen und aktiv zu kühlen. Durch den missgebildeten Mund- und Rachenraum ist der Luftfluss und somit die Effektivität des Hechelns stark eingeschränkt! Dadurch sind sie besonders anfällig für Überhitzungen und im Ernstfall schneller tot, als ein langnasiger Schäferhund.

Was ist ein Hitzschlag?

Der Hitzschlag ist nicht zu verwechseln mit dem Fieber beim Hund. Das Fieber entsteht, wenn der Körper eine Erkrankung bekämpfen muss und das Immunsystem auf Hochtouren läuft. Vorsicht ist geboten, wenn die 40°C Marke überschritten wird!

Beim Hitzschlag aber kommt es zur lebensgefährlichen Überhitzung des gesamten Körpers, ohne dass die Regelkreise im Körper eine Erhöhung der Körpertemperatur “planen” (wie bei Fieber). Dabei steigt die Körperkerntemperatur auf über 41°C an. Der Hund ist nicht mehr in der Lage, durch die ihm angeborenen Mechanismen die Körpertemperatur abzusenken. Folgen davon sind Übelkeit, Erbrechen, Apathie, Herz-Kreislauf-Kollaps und schließlich Organversagen und der Tod des geliebten Vierbeiners. 

Wie kommt es zum Hitzschlag?

Körperliche Überlastung 

Bei vielen Hundebesitzern ist es sehr beliebt, den Hund am Fahrrad mitlaufen zu lassen. An sich eine schöne Sache – dabei sollte man allerdings immer bedenken, dass der angeleinte Hund nicht alleine anhalten und eine Pause einlegen kann. Am Besten verschiebt man die Fahrradtouren mit Hund auf kühlere Jahreszeiten und begrenzt die körperliche Belastung auf die kühlen Morgen- und Abendstunden. Dasselbe gilt für Joggen, wildes Bällchen Spielen oder Ähnliches.


Die große Gefahr der Hitzefalle- Hund im Auto

Wir sagen hier ganz klar NEIN zum Hund im Auto bei sommerlichen Temperaturen! Vielen Menschen ist nicht bewusst, wie schnell das Auto zur tödlichen Hitzefalle für die Hunde wird.
Durch mangelnde Luftzirkulation und die starke Sonneneinstrahlung kann es im Inneren des Fahrzeugs innerhalb kürzester Zeit zu extrem hohen Temperaturen kommen.
Man möchte vielleicht nur kurz in den Supermarkt gehen, die fünf Minuten wird der Hund wohl überleben. Sicher, fünf Minuten überlebt der Hund im Auto mit geöffneten Fenstern und im Schatten eventuell. Was passiert aber, wenn die Schlange an der Supermarktkasse länger ist als erwartet? Oder man die alte Bekannte trifft, die dringend noch ein paar Worte wechseln möchte? So werden aus 5 Minuten 20, noch ein blöder Zufall und es werden 40. Im schlimmsten Fall ist die Sonne nun gewandert und prallt auf das Auto.

Die Dauer bis zum Hitzetod eines Hundes im Auto: 15 Minuten reichen bereits aus.


Es ist schwer zu erahnen, wie schnell sich das Innere des Autos tatsächlich erhitzt. Schließlich nimmt man sich selten die Zeit und setzt sich alleine und ohne Klimaanlage ins stehende Auto. Diese Tabelle zeigt, dass sich bereits bei 34°C Außentemperatur (ohne direkte Sonneneinstrahlung!) die Luft im Auto nach 10 Minuten auf ganze 41°C erhitzt! Sie erinnern sich – eine Körpertemperatur über 41 °C ist für den Hund lebensbedrohlich! Diese Fakten sind nicht zu unterschätzen. Zu groß ist die Gefahr, dass der beste Freund durch einen unglücklichen Zufall den Hitzetod erleidet.
Daher die klare Aufforderung: Lassen Sie Ihren Hund bei derart warmer Außentemperatur zu Hause, statt im Auto. Wer einen fremden Hund bei hohen Temperaturen im Auto hecheln sieht, sollte nicht zögern. Im ersten Schritt kann man versuchen, den Hundehalter durch Ausrufen im Supermarkt o.ä. ausfindig zu machen. Ist dies nicht möglich, sollten Polizei oder Feuerwehr gerufen werden, um die Situation zu entschärfen. 

Der kleine Unterschied zum Hitzschlag - Sonnenstich beim Hund

Der Sonnenstich ist die Überhitzung ausschließlich des Kopfes und entsteht durch starke Sonneneinstrahlung. Die Körpertemperatur des Hundes bleibt beim Sonnenstich normal. Besonders gefährlich dabei ist, dass es auch bei angenehmer Außentemperatur zum Sonnenstich kommen kann. Es liegt nahe, für welches Organ der Sonnenstich am gefährlichsten ist: Das Gehirn des Hundes. Um langfristige Schäden zu vermeiden gilt: Sofort handeln, durch Abkühlen der Körpertemperatur und Anbieten von Wasser (siehe Therapie Hitzschlag).
Die ersten Anzeichen sind ein erhöhter Puls und die Atmung wird schnell und flach. Treten Krämpfe, Gleichgewichtsstörungen oder Bewusstseinsverlust auf, dann heißt es: Ab zum Tierarzt! 

Die Symptome- Wie erkenne ich einen Hitzschlag beim Hund?

Anhand des Allgemeinzustandes des Hundes kann man erkennen, ob eine kritische Situation vorliegt. Ist der Hund erschöpft und nimmt seine Außenwelt nur noch wenig wahr? Reagiert er auf Ansprache?

Wie stark hechelt der Hund? Kritisch ist die Überhitzung dann, wenn beim Hecheln die Lefzen so weit nach hinten gezogen werden, dass der zweite hintere Backenzahn sichtbar wird. Dies ist natürlich in Gefahrensituationen ein wenig umständlich zu überprüfen, kann aber in minder dramatischen Situationen hilfreich sein. Weiterhin streckt ein stark überhitzter Hund seinen Kopf nach vorne, um die Atemwege möglichst gut zu weiten.

Besonders kritisch wird es, wenn folgende Symptome auftreten: 

  • eine dunkelrote - blaue Zunge
  • flache Atmung
  • vermehrter Speichelfluss
  • Exclamation Circle
    erhöhter Puls
  • Exclamation Circle
    Erbrechen und Krämpfe

Um die Kreislaufstabilität des Hundes zu überprüfen, kann man die kapilläre Füllzeit am Zahnfleisch des Hundes untersuchen. Dazu drückt man mit dem Finger auf das Zahnfleisch, sodass ein weißer Fleck entsteht. Nach zwei bis drei Sekunden sollte sich das Zahnfleisch wieder rot anfärben. Dauert es länger, hat der Hund bereits ernstzunehmende Kreislaufprobleme.

Therapie- Wie helfe ich meinem Hund bei einem Hitzschlag? 

Die Antwort ist: Schnelle aktive Abkühlung. Studien belegen, dass für das Überleben nach einem Hitzschlag die schnelle Absenkung der Körpertemperatur (auf Normaltemperatur innerhalb 1 Std), als Notfallmaßnahme, die höchste Priorität hat. Anschließend gilt es die Wasserspeicher im Körper wieder aufzufüllen.

  • Kaltes, aber nicht eiskaltes Wasser muss her. Eiskaltes Wasser kann den Kreislauf noch mehr belasten
  • Der Hund sollte auf ein kaltes nasses Tuch gelegt werden und langsam von den Beinen aufwärts, bis über den gesamten Körper, mit nassen Tüchern bis auf die Haut durchnässt werden (aktive Kühlung)
  • Noch besser ist fließendes Wasser, um den Hund bis auf die Haut zu durchnässen und aktiv runter zu kühlen. Ganz wichtig ist dabei aber, nicht einfach eiskaltes Wasser über den Hund zu gießen
  • Ein Luftstrom, zum Beispiel durch Wedeln kann zusätzlich den Kühlprozess beschleunigen.
  • Weiterhin soll dem Hund nicht allzu kaltes Wasser in kleinen Portionen angeboten werden. Ist der Hund schon in einem schockartigen Zustand, macht es Sinn, ihn in die stabile Seitenlage zu bringen

ACHTUNG! Es ist besser, das kalte Tuch unter – und nicht über – den Hund zu legen. Wird ein Tuch über dem Hund ausgebreitet, kann die gesteigerte Körperwärme und Verdunstung nicht entweichen und sammelt sich unter dem Tuch.

Sobald der Hund transportfähig ist, muss umgehend ein Tierarzt aufgesucht werden. Die Situation beim Hitzschlag kann sich auch nach Abkühlung drastisch verschlechtern, gerade wenn die Organe Schaden genommen haben. Das Überleben ist zu 50% nämlich nicht in trockenen Tüchern, wie manch ein Hundebesitzer vermuten würde.

vetevo Fazit 

Auch unsere Hunde sollen den Sommer in vollen Zügen genießen. Allerdings ist es bei Ihnen als Hundehalter, den Hund vor zu großer Hitze zu schützen. Daher haben wir hier ein paar wichtige Tipps zusammengestellt, damit der Sommer auch für eure Hunde zum tierisch guten Erlebnis wird!

  • Lassen Sie Ihren Hund niemals im Auto. Auch offene Fenster schützen nicht vor Überhitzung
  • Achten Sie darauf, dass Ihr Hund nicht zu viel Sonne abbekommt
  • Bieten Sie Ihrem Hund einen ständigen uneingeschränkter Zugang zu frischem Wasser
  • Halten Sie “den Ball flach”, um einen Erschöpfungszustand durch hohe körperliche Belastung zu vermeiden
  • Es empfiehlt sich, die Gassirunden auf morgens und abends zu beschränken, um den Hund vor der starken Mittagshitze zu schützen
  • Chevron Circle Right
    Alte Hunde und kurznasige Rassen sind besonders gefährdet. Bei starkem und ständigem Hecheln, heißt es ab ins Kühle: Schattige Plätze, ins kühle Nass oder kühle Räume

​Mit ein wenig Umsicht steht dem entspannten Sommer mit dem Vierbeiner nichts im Wege!

vetevo – aus Liebe zum Tier.


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©2018 vetevo GmbH, Torstraße 23, 10119 Berlin

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