Vor- und Nachteile: Kastration der Hündin - Neue Studien, alte Mythen!

vetevo: Vor und Nachteile der Kastration


Alina Küper
Tierärztin bei vetevo

Lesezeit: 12 Min.

Ein Thema - Viele Meinungen - Eine heiße Diskussion: Kastration der Hündin - Ja oder Nein? In der Flut aus Halbwissen, Meinungen und Anfeindungen ist es manchmal schwer, eine sachliche Information zu finden.

Welche Vorteile hat eine Kastration? Welche Risiken birgt sie? Und wie treffe ich für meine Hündin die beste Entscheidung?
Wir haben für Dich und Deine Hündin die aktuellen Erkenntnisse aus Praxis und Wissenschaft zusammengefasst.


Kastration - Soll ich oder soll ich nicht?

Spätestens, wenn das bezaubernde Welpen-Mädchen zur Hundedame reift und den Rüden den Kopf verdreht, stellt sich verantwortungsvollen Besitzer/innen die Frage: Kastration ja oder nein?
Und sie wird heiß diskutiert: Ganz oder lieber gar nicht? Gesundheitsvorsorge oder Risiko? Welpenschutz oder Tierschutzrelevant? Kastration mit Bauchschnitt, minimalinvasiv oder doch lieber sterilisieren?
Wir haben für Dich Fragen und Antworten gesammelt. Und klären dabei alte Mythen, festgefahrene Meinungen und falsche Annahmen.

Früh oder später?! Wann eine Kastration sinnvoll ist (und wann nicht)

Kastration ist gut. Punkt. Lange war unter dem Großteil der Tiermediziner an dieser Meinung nicht zu rütteln. Und so wurden frühe Kastrationen über Jahre praktiziert und empfohlen. Grund dafür sind große Studien, die eindeutig gesundheitliche Vorteile für die Hündin zeigen konnten:

1. Gesäugeleistenkrebs:
Für viele Herrchen und Frauchen ist die Sorge vor Gesäugeleistenkrebs (Mammatumoren) der Hauptgrund für eine (Früh-)Kastration, insbesondere wenn vielleicht bereits eine frühere Hündin daran erkrankt war. Tatsächlich entwickeln ungefähr 25% der unkastrierten Hündinnen im Laufe ihres Lebens einen solchen Tumor. 60% der Tumoren sind bösartig und bilden früh Metastasen, vor allem in der Lunge. Durch eine (frühe) Kastration lässt sich die Krankheit fast vollständig ausschließen. Und ist - wenn sie auftritt - häufiger gutartig.

2. Gebärmuttervereiterungen (Pyometra):
Auch hier ist ein Viertel der unkastrierten Hündinnen betroffen. Wird die Krankheit nicht schnell entdeckt, kann sie tödlich enden. Kastration ist hier die beste Vorsorgemaßnahme.
Diese gesundheitlichen Vorteile sind für jede Hündin - neue Erkenntnisse hin oder her - nicht von der Hand zu weisen.

Mittlerweile gibt es da aber ein größeres "Aber". Denn es tut sich viel in der Tiermedizin und es kamen neue Studien auf. Studien die zeigen, dass eine Kastration - besonders vor der ersten Läufigkeit - Risiken birgt.
Soll man also generell doch eher Abstand von einer Kastration nehmen?
Nein. Eine Kastration ist in vielen (medizinisch begründeten) Fällen eine legitime und gute Entscheidung. Wichtig ist aber, die Vor- und Nachteile zu kennen und für die individuelle Hündin (!) richtig (!!) einzuschätzen.

Mythos? Die Kastration sollte immer vor der 1. Läufigkeit stattfinden.

Wenn Du Dich für eine Kastration entschieden hast, folgt zwangsläufig die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt.
Hier wird ein Experte gemeinsam mit Ihnen anhand der Vor- und Nachteile entscheiden, wann der ideale Zeitpunkt der Kastration gekommen ist.
Generell ist von einer Kastration vor der ersten Läufigkeit mittlerweile grundsätzlich abzuraten. Eine Ausnahme ist natürlich, wenn ein medizinischer Grund die Kastration notwendig werden lässt. Das ist allerdings äußerst selten der Fall.
Ansonsten sollte Ihre Hündin in jedem Falle die Möglichkeit bekommen, körperlich auszuwachsen, um späteren Problemen am Bewegungsapparat vorzubeugen. Denn erst mit der Pubertät wird die Ausschüttung bestimmter Wachstumshormone im Gehirn gedrosselt und so die Entwicklung und Ausreifung der Knochen und Gelenke zum Abschluss gebracht. Die Sexualhormone sind an diesen Prozessen als wichtige Regulatoren beteiligt. Hemmt man ihre Produktion durch eine Kastration vor der ersten Läufigkeit, stört man die empfindlichen Gleichgewichte und Erkrankungen am Bewegungsapparat können später leichter entstehen. Bei großen Hunden kann oft auch ein Abwarten der zweiten Läufigkeit sinnvoll sein.

Neben der körperlichen Komponente nehmen die Sexualhormone auch auf die geistige Reifung erheblich Einfluss. Eltern pubertierender Kinder und auch Herrchen und Frauchen pubertierender Hunde können ähnliche Erfahrungen hinsichtlich plötzlicher Rebellionen oder zeitweiser sozialer Einkapselung und (hoffentlich in positive Richtung laufender) geistiger Entwicklungsprozesse machen.
Am Ende der Pubertät - und eben leider meist nicht vorher - steht idealerweise ein gereiftes und selbstsicheres Individuum. Der Wegfall von Sexualhormonen während der Pubertät kann den geistigen Reifungsprozess abrupt zum Stillstand bringen: Wird der Zeitpunkt ungünstig gewählt, kann ein "Steckenbleiben" in angst- oder rebellionsbestimmten Verhaltensmustern langfristig zu einem echten Problem werden.

Du siehst: Ein pauschales Festlegen des "idealen Kastrationszeitpunktes" ist einfach nicht sinnvoll. Hier muss eine individuelle Entscheidung ran: Durch Deine gute Beobachtung in Kombination mit einer sinnvollen medizinischen Beratung kann leicht der richtige Zeitpunkt gefunden werden.

In jedem Fall gilt die Faustregel: Zwischen Ende der Läufigkeit und OP-Termin sollten etwa acht bis zwölf Wochen abgewartet werden. Dann ist Deine Hündin in der sexuellen Ruhephase ihres Zyklus (dem so genannten Anöstrus), in dem die Organe wenig durchblutet sind und die OP-Risiken so gering wie möglich gehalten werden können.


Warum wird die Frühkastration noch empfohlen?
Der Zuwachs an medizinischem Wissen ist immens. Die Stunden, die ein Tierarzt im Durchschnitt pro Woche arbeitet, auch. Leider ist es dementsprechend manchmal schwierig, mit der Geschwindigkeit der sich ändernden Lehrmeinung Schritt zu halten.

Über viele Jahrzehnte wurde die Kastration vor der ersten Läufigkeit, die sogenannte “Frühkastration”, als das Nonplusultra betrachtet. Es wurde an vielen Universitäten gelehrt und damit als allgemeingültige “Regel” von vielen Tierärzten übernommen. Ganz lange wurde die Frühkastration nicht in Frage gestellt, nicht von Tierbesitzern und oft auch nicht von Tierärzten.

Kann man daraus jemandem einen Vorwurf machen? Nicht unbedingt.
Denn es war gemäß dem zur Verfügung stehenden Wissensstand im Sinne der Hündin die beste Entscheidung. Wenn Ihnen ein Tierarzt oder eine Tierärztin heute eine frühe Kastration für Ihre Hündin empfiehlt, wird er oder sie das mit großer Sicherheit machen, weil es nach seinem/ihrem Wissen und Gewissen die beste Entscheidung zu sein scheint.

Sollte Ihnen das passieren, hilft in der Regel ein ruhiges und sachliches Gespräch.
Die richtigen Argumente geben wir Ihnen gern an die Hand!

Unseren Spezialartikel zur Frühkastration finden Sie hier

Mythos oder nicht? Die Kastration hat nur Nachteile und ist tierschutzwidrig.

Nein, das kann so pauschal nicht gesagt werden. Auch nach der aktuellen Rechtsprechung ist eine Kastration im Sinn des Tierschutzgesetzes legitim, wenn ein vernünftiger Grund dafür spricht.
Allerdings ist es sogar für absolute Experten in diesem Gebiet manchmal schwierig, die Risiken und Vorteile für einen speziellen Hund richtig einschätzen zu können und so einen "vernünftigen Grund" festzustellen oder eben nicht. In jedem Falle solltest Du dich bei der Beratung nicht auf dubioses Halbwissen aus diversen Foren und Co. verlassen, sondern sich den Rat von Fachleuten auf dem Kastrationsgebiet einholen.
Generell müssen die folgenden Risiken und Vorteile bedacht und abgewogen werden.

Nachteile der Kastration

Vollnarkose:
Dies ist für eine Kastration notwendig und bedeutet ein gewisses Risiko für die Patientin. Sparen auf Kosten der Sicherheit ist hier absolut nicht angebracht. Eine gute Narkose und ihre Überwachung kostet Personal und Geräte, jedoch sollte hier in keinem Falle gespart werden.
Denn ist die Narkose unbemerkt zu tief, kann es zu ernsten Zwischenfällen kommen. Ist sie zu flach besteht die Gefahr, dass während der Operation der Übergang zurück ins Bewusstsein erfolgt. Gern wird Ihnen Ihre gute Tierarztpraxis all Ihre Fragen zum standardmäßig verwendeten Narkoseprotokoll und den Maßnahmen zur Narkosesicherheit und Co. beantworten.


Inkontinenz:
Hier ist es recht schwierig, genaue Wahrscheinlichkeiten zu benennen. Die Zahlen in den größeren Studien schwanken zwischen 7-14%. Dabei zeigt sich, dass die Wahrscheinlichkeit für Inkontinenz höher ist, je größer die Hündin ist. Kastration vor der ersten Läufigkeit oder aber im hohen Alter lassen das Risiko ebenfalls eher steigen. Ob die Kastrationsmethode (mit oder ohne Entfernung der Gebärmutter) Einfluss auf die Inkontinenz-Zahlen hat, ist nicht sauber geklärt.

In vielen Fällen ist die Inkontinenz mehr ein "Harnträufeln" als ein regelrechtes "Auslaufen". Achtung: Sollte Ihre Hündin Harn verlieren, sollte zunächst die Ursache "Blasenentzündung" sauber abgeklärt werden, ehe eine Inkontinenz beschlossene Sache wird. Diese äußert sich ebenfalls durch Harntröpfeln, muss aber völlig anders und vor allem nicht dauerhaft behandelt werden.
Glücklicherweise lässt sich die Inkontinenz nach Kastration häufig mit gut verträglichen Medikamenten in den Griff bekommen. Neuere Erkenntnisse aus der Humanmedizin zeigen, dass besonders auf eine ausreichende Vitamin-D-Versorgung geachtet werden sollte. Der Blick auf den Vitamin-D-Gehalt der Futterration darf also bei kastrierten Hündinnen ruhig ein wenig genauer ausfallen.

Gewichtszunahme:
Nach einer Kastration verbrauchen Hunde weniger Energie. Das Gewicht musst Du also im Auge behalten. Nimmt das kuschelige Hüftgold zu, helfen extra Sporteinheiten - wenn notwendig in Kombination mit ein bisschen weniger Füllung im Futternapf. Besonders bei BARF- oder Prey-Fütterung (Rohfleisch-Fütterung) muss dabei unbedingt auf die Anpassung der Mineralstoff- und Spurenelementeversorgung geachtet werden.

Schilddrüsenunterfunktion:
Eine Unterfunktion der Schilddrüse äußert sich beim Hund ähnlich wie bei Frauchen oder Herrchen: Müdigkeit, Gewichtszunahme und Probleme mit Haut und Fell fallen meistens als erstes auf. Richtig erkannt, lässt die Unterfunktion mit Medikamenten sehr gut behandeln. Von 1000 unkastrierten Hunden bekommen etwa 2 eine Schilddrüsenunterfunktion. Von 1000 kastrierten Hunden sind es etwa 6.

Knochentumor:
Besonders Frauchen und Herrchen großer Hündinnen werden bei diesem Thema oft hellhörig. Knochentumoren sind in den meisten Fällen bösartig (= Osteosarkome) und der Hauptgrund, warum eine Kastration vor der ersten Läufigkeit nicht empfohlen wird. Warum? Weil die Sexualhormone, die erst mit der Läufigkeit/Pubertät gebildet werden, wichtige Signale an das Ausreifen der Knochen geben. Sie sagen quasi: "Stop, Zeit erwachsen zu werden und nicht weiter zu wachsen!"
Gerade bei großwüchsigen Rassen und Rassen, die per se schon häufig an Knochentumoren leiden (Deutsche Doggen, Irish Setter, Dobermänner, Deutsche Schäferhunde, Golden Retriever, Greyhounds, Rottweiler, Great Danes), sollte eine Kastration - wenn triftige Gründe dafür sprechen!! - frühestens nach der 2. Läufigkeit angedacht werden.
Übrigens kamen die meisten Studien zu dem Ergebnis, dass männliche Hunde häufiger Knochentumoren entwickeln, als weibliche. Für die Rüdenkastration sollten hier entsprechend die gleichen Überlegungen getroffen werden.

Milztumor:
Milztumoren bestehen in der Regel aus blutbildenden Zellen. Sie wachsen teilweise sehr rasch und haben ein recht hohes Risiko für starke Blutungen im Bauch. Werden sie früh erkannt, kann die Erkrankung durch operative Entnahme der Milz oft geheilt werden.
Bestimmte Rassen, wie Rottweiler und Retriever, haben ein vergleichsweise höheres Risiko für Milztumoren. Eine Studie hat gezeigt, dass kastrierte Hunde deutlich häufiger Milztumoren bekommen, als unkastrierte. Eine regelmäßige Ultraschalluntersuchung hilft, mögliche Knoten schon früh zu finden und rechtzeitig zu entfernen.

Orthopädische Erkrankungen:
Erkrankungen des Bewegungsapparates wie Hüftdysplasie (HD), Patellaluxation und Kreuzbandriss scheinen bei kastrierten Tieren häufiger aufzutreten. Nicht zu unterschätzen ist dabei aber, dass kastrierte Hunde vermehrt zum Fettansatz neigen. Höheres Gewicht geht immer mit höherem Risiko für Probleme mit dem Bewegungsapparat einher.

Verhalten:
Rüpeliger Rüde? Dominante Hündin? Leider wird die Kastration immer noch viel zu oft für ein Allheilmittel für Probleme mit Verhalten, Erziehung und Co. gehalten. Genauso oft ist dann im Anschluss die Enttäuschung groß, wenn sich Verhaltensauffälligkeiten nicht bessern oder - gar nicht so selten - auch verschlimmern.

Vorteile der Kastration

Höhere Lebenserwartung:
Groß angelegte Datenerhebungen konnten feststellen, dass kastrierte Hunde eine deutlich höhere durchschnittliche Lebenserwartung haben als nicht kastrierte Hunde.

Sichere Nachwuchsverhütung:
„Upps-Welpen“ kommen häufiger auf die Welt, als man glaubt. Nach der Kastration besteht kein Risiko mehr – unter Umständen kann hier durch Kastration aktiver Tierschutz betrieben werden. Auch sexuell übertragbare Infektionen sind nach Kastration kein Thema mehr. Häufig tragen nicht regelmäßig für den Zuchteinsatz geprüfte Rüden und Hündinnen Keime in sich, die durch den unkontrollierten Deckakt leicht übertragen werden.

Stress lass nach:
Besonders Hündinnen, die durch ihre Hormone oder aufdringliche Rüden sehr gestresst sind, können mental von der Kastration profitieren. In Stadtgebieten oder gemischten Rudeln ein mitunter relevanter Faktor.

Gesäugeleistenkrebs:
Oben schon erwähnt, aufgrund der Relevanz hier nochmals wiederholt: Ca. 25% der unkastrierten Hündinnen erkranken im Laufe ihres Lebens. 60% der Tumoren sind bösartig und bilden früh Metastasen, vor allem in der Lunge. Häufig ist eine große, komplikationsbehaftete und schmerzhafte Operation für die Therapie notwendig. Durch (frühe) Kastration lässt sich die Wahrscheinlichkeit für die Krankheit stark absenken.

Gebärmuttervereiterung (Pyometra):
Auch auf die Pyometra (Gebärmutterentzündung, Gebärmuttervereiterung) sei nochmals verwiesen. Die Erkrankung entsteht, wenn durch den zyklusbedingt geöffneten Muttermund Bakterien in die Gebärmutter eindringen und dort eine stark eitrige Entzündung hervorrufen. So lange der Muttermund geöffnet ist, kann der Eiter gut abfließen und Ihnen fällt der eitrige, oft übelriechende Ausfluss auf.

Schließt sich der Muttermund nach der Läufigkeit, kann der Eiter nicht mehr über die Scheide abfließen und die Gebärmutter schwillt ballonartig an und kann sogar bei kleinen Hündinnen schnell 2kg schwer werden. Besonders heimtückisch ist das, weil von außen kein Ausfluss zu entdecken ist und die Hündinnen oft wenig eindeutige Symptome wie Appetitlosigkeit, vermehrten Durst und Lustlosigkeit zeigen. Sollten Ihnen diese Symptome auffallen gilt: Sofort zum Tierarzt! Bei solch einer Gebärmuttervereiterung ist eine Notoperation unausweichlich, um ein Zerreißen der Gebärmutter im Bauch der Hündin zu vermeiden.
Etwa ein Viertel der unkastrierten Hündinnen entwickelt im Laufe ihres Lebens mindestens eine Gebärmutterentzündung. Da die Krankheit manchmal nicht schnell genug entdeckt wird, endet sie für etwa 4% der Hündinnen tödlich. Kastration ist eine effektive Vorsorgemaßnahme.

Scheinträchtigkeit:
Etwa ein Drittel der intakten (= nicht kastrierten) Hündinnen leiden unter den Hormonen in der Scheinträchtigkeit/Scheinmutterschaft. Heikel wird es, wenn die Hündin entweder Entzündungen der Milchdrüsen entwickelt oder das Körbchen mit den „Ersatzwelpen“ aggressiv gegen Kind und Co. verteidigt. Hormonelle Therapien können kurzfristig Abhilfe verschaffen. Langfristig ist die Kastration Option der Wahl, besonders weil die Hündinnen oft mit dem Älterwerden zunehmend unter dem Zustand leiden.

Hormonbedingte Aggression:
Teilweise zeigen Hündinnen während der Läufigkeit ein auffallend aggressives Verhalten gegen Artgenossen. Wenn dieses Verhalten ganz eindeutig nur während der Läufigkeit auftritt, ist eine Kastration therapeutisch sinnvoll.

Wann wird eine Kastration medizinisch notwendig?

Es gibt Situationen, in denen eine Kastration medizinisch notwendig wird. Hier bleibt Ihnen eigentlich im Sinne Deiner Hündin nur noch wenig Entscheidungsfreiheit. Das gilt vor allem in den folgenden Fällen:

Geschlossene Gebärmuttervereiterung (Pyometra):
Wie bereits unter "Vorteile" erwähnt, ist die Pyometra bei geschlossenem Muttermund ein akut lebensgefährdender Zustand. Ist der Entzündung mit Medikamenten nicht sehr schnell beizukommen, darf die Entscheidung für eine Kastration mit Entnahme der Gebärmutter nicht weiter aufgeschoben werden.

Diabetes mellitus:
Diabetes mellitus ist eine schwere Erkrankung, die entsteht, wenn das blutzuckerregulierende Hormon Insulin entweder nicht mehr produziert wird oder nicht mehr dort Wirken kann, wo es wirken soll: An den Körperzellen. Insulin ist dafür zuständig, dass der Zucker aus dem Blut in die Zellen aufgenommen wird und dort lebenswichtige Energie liefert. Funktioniert das Insulin nicht mehr, bleibt der Zucker im Blut und die Zellen “verhungern”. Das ist als erstes für das Gehirn, im weiteren Verlauf auch für alle weiteren Organe fatal.

Was hat das mit der Kastration zu tun?
Im Verlauf des weiblichen Sexualzyklus wird das Hormon Progesteron ausgeschüttet. Dieses vermindert die Wirksamkeit des Blutzucker regulierenden Hormons Insulin an den Zellen: Eine Diabetes-Erkrankung kann entstehen und zu akut lebensgefährlichen diabetischen Krisen führen.
In diesen Fällen ist - gegebenenfalls nach lebensrettenden Sofortmaßnahmen (Insulingabe, Infusion etc.) - die Kastration umgehend durchzuführen.

Achtung! Oft ist nach der Kastration die Insulingabe schnell nicht mehr nötig, der Diabetes geht in die so genannte "Remission" und das körpereigene Insulin kann seine natürliche Wirkung wieder störungsfrei entfalten. Weitere Insulingaben sollten also nach Kastration nur unter Überwachung der Blutzuckerwerte stattfinden, um nicht durch Überdosierung eine lebensgefährliche Unterzuckerung zu riskieren.

Krebserkrankung an Eierstock oder Gebärmutter:
Umfangsvermehrungen der Geschlechtsorgane, die im Verdacht stehen, bösartig zu sein, sollten durch Kastration entfernt werden.

Mammatumoren:
Mammatumoren (Milchleistentumoren) sind oft Tumoren aus "gemischten" Krebszellen, also Zellen mit unterschiedlichem Ursprung (z.B. aus den Drüsenzellen und den Muskelzellen). Bei manchen davon befeuern („triggern“) die Sexualhormone das Krebswachstum und verschlechtern die Prognose. In diesen Fällen ist eine Kastration therapeutisch sinnvoll - in allen weiteren nicht. Ob die Tumoren unter dem Einfluss der Sexualhormone stehen, kann durch eine Laboruntersuchung rasch festgestellt werden.

Übergangene Geburten:
Verbleiben Welpen zu lange in der Gebärmutter, können durch das absterbende Gewebe lebensgefährliche Giftstoffe gebildet werden. In diesen Fällen ist eine Kastration mit Entnahme der Gebärmutter zur Sicherheit der Hündin medizinisch notwendig.

Ovarialzysten/Östrogenüberproduktion:
Werden diese hormonellen Störungen nicht durch Hormontherapie in den Griff bekommen, kann eine Kastration notwendig werden.

Mythos oder Wahrheit? Die Gebärmutter sollte bei einer Kastration immer entnommen werden.

Hier gibt es mittlerweile ein - bis auf Ausnahmefälle - recht klares "Nein" zur Antwort. Lange herrschte hier die Lehrmeinung, dass die Gebärmutter zum Schutz vor einer Gebärmutterentzündung (Pyometra) besser mit entfernt würde. Ähnlich wie bei der Frühkastration gab es hier aber einen Wandel in der Studienlage:
Es wurde verglichen, wie groß das Risiko für eine Gebärmutterentzündung nach Kastration mit Entnahme der Gebärmutter (Ovarhysterektomie), sowie nach Kastration ohne Entnahme der Gebärmutter (Ovariektomie) ist. Das Ergebnis: Das Risiko ist in etwa gleich groß.
Du magst dich nun sicher fragen, wie denn eine Gebärmutterentzündung entstehen soll, wenn die Gebärmutter entnommen wurde? Die Lösung liegt in der Tatsache, dass durch das "Abtrennen" der Gebärmutter in der Körperhöhle ein kleiner "Stumpf" verbleibt. Dieser kann sich leicht entzünden, es kommt zu einer so genannten "Stumpfpyometra". Und das Risiko, eine solche Stumpfpyometra zu entwickeln, ist ungefähr genauso groß - oder eher gesagt genauso klein - wie das Risiko für eine Pyometra nach alleiniger Entnahme der Eierstöcke.

Da jedoch der operative Eingriff durch die Gebärmutterentnahme deutlich verlängert und verkompliziert wird, hat dieses Vorgehen für Ihre Hündin nur Nachteile. Ausnahmen gibt es wie immer auch hier: Zeigt die Gebärmutter bereits krankhafte Veränderungen, so sollte sie entfernt werden. Eine gesunde Gebärmutter darf allerdings in der Hündin verbleiben und verkümmert durch den Wegfall der Sexualhormone auf Fadengröße.

Mythos? Sterilisation oder Halb-Kastration haben weniger Risiken

Zunehmend wird die Möglichkeit diskutiert, die Hündin nicht kastrieren (= Entnahme der Eierstöcke) sondern nur sterilisieren (= Unterbindung der Eileiter) zu lassen, um ungewollten Nachwuchs zu verhindern.
Für dieses Ziel ist die Sterilisation technisch eine wirksame Methode. Die Eileiter werden im Rahmen einer Bauch-OP unter Vollnarkose mit Hilfe von Fäden oder Metall-Clips unterbunden oder es wird ein kleines Stückchen der Eileiter entfernt. Letztere Methode ist "sicherer", weil in der Regel nicht durch Loslösung von Clip oder Faden eine Wieder-Fruchtbarmachung erfolgen kann (soll alles schon vorgekommen sein). Analog zur Kastration wird Ihre Hündin hier ebenso wie bei der Kastration dem allgemeinen und speziellen Narkoserisiko ausgesetzt.

Nach der Sterilisation kann Ihre Hündin keine Welpen mehr bekommen, der Zyklus und somit die Läufigkeiten bleiben jedoch aufrechterhalten. Vorteile wie der Schutz vor Mammatumoren und Gebärmuttervereiterungen sind bei dieser Operation nicht gegeben, im Gegenzug dazu bleiben die Risiken für andere Erkrankungen ebenfalls unverändert. In jedem Fall sollte eine Sterilisation nicht als "Freifahrtsschein" für Deckorgien mit interessierten Rüden interpretiert werden, da hier für Ihre Hündin Infektions- und Verletzungsrisiken lauern.
In der Humanmedizin wird die Sterilisation statt der Kastration gern zur dauerhaften Verhütung verwendet, weil bei der Frau durch den Wegfall der Sexualhormone nach Entnahme der Eierstöcke gesundheitliche Probleme entstehen. Die Hormone müssten in Form von Tabletten o.ä. zugeführt werden. Allerdings bestehen zwischen den Hormonzyklen von Frau und Hündin entscheidende Unterschiede. So ist der Körper der Hündin durch die lange Phase der sexuellen Ruhe zwischen zwei Läufigkeiten (= Anöstrus) auf lang andauernde Phasen mit kaum messbaren Hormonspiegeln ausgelegt und trägt dadurch keine Schäden davon.
Im Gegenteil zeigen vergleichsweise viele Fallberichte (gemessen an der Seltenheit des Eingriffs) hohe Risiken dafür, dass die Eierstöcke der Hündin nach der Sterilisation zur Bildung von Zysten und Tumoren neigen. Diese können oft mit Medikamenten nur schwer behandelt werden und enden in der Regel in einer weiteren Operation mit regelrechter Kastration. Allerdings ist die Studienlage hier recht dünn. Solltest Du den begründeten Wunsch nach einer Sterilisation hegen und im Bewusstsein der möglichen Risiken durchführen lassen wollen, unterstützen wir Dich gern bei der Suche nach dem passenden Tierarzt.

Anders bei der Halbkastration, bei der nur ein Eierstock und die Gebärmutter entnommen wird und der zweite Eierstock in der Hündin verbleibt: Hier gibt es durchaus zahlreiche Studien und Fallberichte, die ein gehäuftes Vorkommen von Eierstockzysten, -tumoren und Stumpfpyometren (Vereiterungen des nach der Operation verbleibenden Gebärmutter-Stumpfes) nachweisen. So schön die Idee dahinter sein mag - aus medizinischer Sicht hat diese Operationsmethode zurecht bereits vor vielen Jahren schnell nach ihrer erstmaligen "Entdeckung" ihre Legitimation verloren. Diverse Maßnahmen, die diese veraltete OP aktuell aus der Versenkung erwecken möchten, sollten sehr kritisch geprüft werden und nach dieser Prüfung meist nur eines: Verleugnung medizinischer Erkenntnisse auf Kosten Ihrer Hündin.
Sie haben Ihre Hündin sterilisieren oder halb kastrieren lassen und dabei besonders gute oder schlechte Erfahrungen gemacht? Wir schließen gerne unsere Wissenslücken und freuen uns über Ihren Fallbericht! Schicken Sie ihn am besten per Email an die info@vetevo.de

vetevo Fazit: Kastration für Ihre Hündin - Ja oder nein?

Bei aller Überlegung: Studien sind oft mit Vorsicht zu lesen und bleiben am Ende doch was sie sind: Statistik. Wenn eine dreißigjährige, sportliche junge Nichtraucherin mit gesunder Ernährungsgewohnheit einen Herzinfarkt bekommt ist das extrem unwahrscheinlich - ändert aber für die betroffene Person nicht viel an der Tatsachenlage. Niemand kann genau voraussagen, welche Erkrankung Deine Hündin ausbildet, natürliche Variationen sind nicht beeinflussbar.

Das heißt nicht, dass man sich die Entscheidung völlig ignorant leicht machen sollte, im Gegenteil. Aber pauschale Pro- und Anti-Kastrations-Dogmen, Anfeindungen oder Verunsicherungen sind weder für Dich noch für Deine Hündin zielführend und lassen in ihrer Schwarz-Weiß-Zeichnerei oft keinen Raum für Ihre persönlichen Lebensumstände.

Deswegen solltest Du relevante Risiken und Vorteile in Ruhe mit einem Experten abwägen und dann zusammen mit den Bedürfnissen von Ihrer Hündin und Ihnen bewerten. So wirst Du zu einer für Bauch und Kopf gleichsam guten Entscheidung finden. Ein ruhiges Umfeld, transparente und verständliche Infos rund um die OP sollten dabei selbstverständlich sein

Gerne unterstützen wir Sie dabei, unabhängig zur besten Entscheidung zu finden!

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