Wunder Hündin: Trächtigkeit und Geburt (Teil 3)

vetevo: Wunder Hündin- Geburt
Alina Küper
Tierärztin bei vetevo

Lesezeit: 12 Min.

​Biologisch gesehen sind Hormonzyklus, Trächtigkeit und Geburt wahre Wunder. Unsere vetevo-Spürnase Kayla nimmt Sie mit auf einen spannenden Exkurs und zeigt, wie am Ende des Zusammenspiels von komplexen Hormonzyklen, Geschlechtsorganen und ein bisschen tierischer Amore kleine Hundekinder das Licht der Welt erblicken.
Weiter geht's hier im dritten Teil mit der Trächtigkeit und der Geburt der Kleinen.
Viel Freude beim Lesen! Kayla & Das Team von vetevo


Liebes Frauchen!

Endlich geht es los! Die kleinen Welpen wachsen in Lunas Bauch heran. Während wir im ersten Teil besprochen haben, welche wichtigen Organe eigentlich an so einer Trächtigkeit beteiligt sind und im zweiten Teil die taktgebenden Hormone kennengelernt haben, erzähl ich Dir jetzt alles, was ich von Luna über Trächtigkeit und Geburt gelernt habe!

Die Trächtigkeit

Trächtigkeit- wie kommt das nun? Etwas peinlich berührt hat Luna mir erzählt, was passiert ist. Eines schönen Tages im Wald traf sie auf Hugo, einen schwarzen Riesenschnauzer. Offenbar ein sehr charmanter Kerl. Du weißt ja, Frauchen, normalerweise ist Luna eine ganz brave, deshalb darf sie ja auch immer ohne Leine durch den Wald laufen! Aber an diesem Tag war alles anders. Mit seinen großen, dunklen Augen hat Hugo Luna den Kopf verdreht und- was dann passiert ist, kannst Du Dir ja denken. Hier wäre es bestimmt besser gewesen, wenn Lunas Frauchen von der Sache gewusst hätte!

Denn grundsätzlich sind Welpen natürlich etwas Schönes. Allerdings sollte man das mit dem Züchten nur dann in Angriff nehmen, wenn man sich über die Risiken und Aufgaben, die da so auf einen zukommen, im Klaren ist. Und sich professionelle Hilfe dazu holen, um in der Aufregung nicht etwas Wichtiges zu verpassen.

Sonst kann das Ganze für Hündin und/ oder Welpen wirklich schnell dramatisch enden.

Die Trächtigkeit dauert etwa 64-66 Tage. Dabei ist der Beginn dieses Zeitraums der LH-Peak um den Zeitpunkt des Eisprunges und das Ende die Geburt. Leider kann man bei ungeplanten Würfen immer nur schwer voraussagen, wann der Geburtstermin ist. Besonders gefährlich kann es werden, wenn nur ein Welpe im Bauch heranwächst! Wenn er sich Zeit lässt und gemütlich den Weg nach draußen einschlägt, kann er schnell mal zu groß für den dafür nicht ausgelegten Geburtsweg werden.

Deswegen sollte man sich, wenn man gerne Welpen hätte, auf jeden Fall eine Tierarztpraxis suchen, die sich mit Züchterbetreuung auskennt! Erster wichtiger Schritt nach der Auswahl eines geeigneten vierbeinigen Partners ist eine Deckterminbestimmung.

Wie funktioniert eine Deckterminbestimmung?

Wir haben ja bereits über den LH-Peak gesprochen. Du erinnerst Dich?! LH ist eines der wichtigen zyklusregulierenden Hormone. Ungefähr zwei Tage nach dem Peak findet der Eisprung statt. Diesen Zeitpunkt kann man durch Messen von LH und Progesteron während der Läufigkeit ziemlich genau bestimmen und daraus einen genauen Geburtstermin berechnen.

Während der Trächtigkeit kann man einen Ultraschall machen, um den Geburtstermin voraussagen zu können. So können sich alle ausreichend auf die Geburt vorbereiten.

Die Entwicklung des Welpen im Mutterleib

Die Tatsache, dass aus einer Eizelle und einer Samenzelle ein kleiner perfekter Welpe heranwächst ist schon ein ziemliches Wunder. Der Welpe durchläuft dabei zwei Entwicklungsphasen:


Embryonale Phase

Mit der sogenannten „Ovulation“ springt die Eizelle in den Eileiter. Nachdem sie dort noch zwei Zellteilungen durchleben muss, bevor sie reif ist, kann sie befruchtet werden. Frühestens ab dem dritten Tag nach dem Eisprung kann ein Spermium in die Zelle eindringen. Die Spermien können ganze sieben Tage in der Gebärmutter überleben, bis es zur Befruchtung kommt. Eine echte Leistung!

Nach der Befruchtung bleiben die Eizellen etwa acht bis neun Tage im Eileiter und beginnen die Zellteilung. Schließlich wandert der entstandene Zellkomplex in die Gebärmutter. Da eine Hündin meist mehrere Welpen gebärt, verteilen sich einige befruchtete Eizellen auf die beiden Uterushörner.

Etwa am 14. Tag nach der Empfängnis findet die Einpflanzung des Embryos in die Gebärmutter statt: Die Fruchthüllen, die die sogenannte Fruchtblase bilden, verschmelzen mit der Gebärmutterwand. Nun entwickelt sich der Embryo immer weiter und die ersten Organe bilden sich aus. Um den Embryo bildet sich die Plazenta. Die Plazenta wird auch Mutterkuchen genannt und sorgt dafür, dass der Embryo ständig mit Nährstoffen versorgt wird.

Übrigens: Schon ab dem 23. Trächtigkeitstag nach dem LH-Peak kann man den Herzschlag der Welpen im Ultraschall sehen.


Fetale Phase

Am 30. Tag der Trächtigkeit sind alle Organe entwickelt und die sogenannte Fetale Phase beginnt. Wir nennen den Embryo jetzt „Fötus“.

Die Föten nehmen deutlich an Gewicht zu und Lunas Bauch wird kugelrund werden. Die Hörner der Gebärmutter schwellen an und haben einen Durchmesser von etwa 3cm.

In den letzten Tagen entwickelt sich der Fötus noch einmal enorm weiter und die Organe werden fast vollständig ausgebildet.

Das Wunder der Geburt

Irgendwann ist es dann endlich soweit... Lunas Welpen werden bereit sein, das Licht der Welt zu erblicken. Wahrscheinlich wird Lunas Frauchen die anstehende Geburt schon an ihrem nervösen Verhalten erkennen können: Sie hechelt, scharrt oder beginnt in einer ruhigen Ecke ein Nest zu bauen. Besonders viel Appetit wird Luna vermutlich nicht haben, stattdessen wird sie zu diesem Zeitpunkt recht viel Zuwendung von ihrem Frauchen brauchen. Schließlich hat die "Werdende Mama" so eine Situation ja noch nie erlebt!

Sollte Lunas Frauchen Dich anrufen, weil sie sich unsicher ist, ob es schon losgeht, dann kannst Du ihr ganz souverän folgenden Tipp geben: Die Bauch- und Beckenmuskulatur der Hündin erschlafft kurz vor der Geburt, das kann sie ertasten. Ziemlich sicher kann sie sich auch daran orientieren, ob sich kleine Milchtröpfchen an Lunas Zitzen bilden. Dann ist es wahrscheinlich wirklich höchste Eisenbahn, sich auf die kleinen Welpen vorzubereiten. Eine weitere Methode, mit der man die Geburt vorhersagen kann, ist das Messen der Körpertemperatur der trächtigen Hündin. Ab dem 50. Tag der Schwangerschaft kann man damit beginnen, zweimal täglich ein Fieberthermometer anzulegen. 24 Stunden vor der Geburt sinkt die Körpertemperatur um ein bis zwei Grad ab, um dann während der Geburt auf bis zu 40°C anzusteigen.

Gut ist, sich bei einem ersten Wurf immer wirklich eng von einer Tierarztpraxis betreuen zu lassen und vorher abzuklären, ob und wie die Geburtshelfer im Zweifelsfalle zu erreichen sind!

Der Ablauf der Geburt

Die Eröffnungs- und Vorbereitungsphase

Die erste Phase der Geburt dauert zwischen sechs und 36 Stunden.

Beim Beginn der Geburt hat das Prostaglandin 2-alpha eine wichtige Rolle. Es ist ein körpereigener Botenstoff, ähnlich wie ein Hormon, und ist nur während der Trächtigkeit bzw. Geburt aktiv. Wenn die Konzentration dieses Prostaglandins ansteigt, wird der Progesteron-produzierende Gelbkörper abgebaut. Durch den plötzlichen Progesteronabfall und den Anstieg von Prostaglandin 2-alpha wird die Plazenta abgelöst. Außerdem bewirkt Prostaglandin 2-alpha starke Anspannungen in der Muskulatur der Gebärmutter.


Die Austreibungsphase

Diese Phase dauert je nach Größe des Wurfs etwa 24 Stunden.

Wenn die Gebärmutter und die Vagina durch die austretenden Welpen gereizt werden, wird Oxytocin ausgeschüttet. Dieses Hormon löst anschließend die „Bauchpresse“ aus. Bei der Bauchpresse spannt die Hündin das Zwerchfell, die Becken- und die Bauchmuskulatur fest an und presst so die Welpen raus. Ihr Menschen nennt das auch gerne „Wehen“.

Sobald die Welpen geboren sind, wird Luna die Fruchthülle aufbeißen, sodass die Welpen atmen können. Auch die Nabelschnur wird von Luna durchgebissen, oder ihr Frauchen wird ihr dabei helfen, indem sie die Nabelschnur abklemmt. Aber erst, wenn Luna selbst keine Anstrengungen unternimmt!


Die Nachgeburtsphase

In der Nachgeburtsphase wird die abgelöste Plazenta von der Hündin ausgestoßen und anschließend gefressen. Wichtig ist, dass für jeden Welpen eine Nachgeburt den Geburtsweg verlässt! Sonst können die zurückgebliebenen Plazentateile, durch Fäulnisprozesse, schwere Vergiftungen im Körper auslösen. Eine gut vorbereitete Protokollierung des Geburtsverlaufs hilft, um in der Aufregung nicht den Überblick zu verlieren.

Die Welpen kommen als Nesthocker auf die Welt. Das bedeutet, dass sie nackt und blind sind. In dieser Zeit werden die Babys voll und ganz auf Luna angewiesen sein. Sie werden gesäugt und von ihr im Nest gewärmt. Es ist extrem wichtig, dass es in der Wurfkiste muckelig warm ist. Besonders in den ersten Tagen nach der Geburt darf die Körpertemperatur der Welpen nicht absinken, um Krankheiten zu vermeiden! Das muss besonders dann beachtet werden, wenn die Welpen zum Tierarzt fahren müssen.

Erst ab der 3. Lebenswoche ist das Nervensystem des Welpen voll ausgereift. Ab jetzt kann er hören, sehen und riechen. Er kann selbstständig Kot und Urin absetzen und seine Körpertemperatur aufrechterhalten. Jetzt geht es also langsam richtig rund in Lunas Zuhause. Bestimmt können wir dann auch mal zu Besuch kommen und uns das Ganze ansehen.

Also liebes Frauchen, jetzt weißt Du Bescheid und kannst Lunas Frauchen zusammen mit den Tierärzten eures Vertrauens mit Rat und Tat zur Seite stehen. Ich bin ganz aufgeregt und freue mich auf die Kleinen!

Tierische Grüße, Deine Kayla

vetevo – Aus Liebe zum Tier


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©2018 vetevo GmbH, Torstraße 23, 10119 Berlin

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