Durchfall beim Hund - Die häufigsten Ursachen 

Svenja Kasselmann
Tierärztin bei vetevo

Lesezeit: 7 Min.

Immer wieder diese Scheißerei. Du kennst das sicher als Hundebesitzer. Ich jedenfalls kenne keinen Hund, der immer wohlgeformte feste gleichmäßig braune Hundehäufchen hinterlässt. Im Leben eines Hundebesitzers kommt es dann doch mal schnell vor, dass du ganz schnell mit deinem Hund raus musst, bestenfalls noch nachts und am geschicktesten fliegst du mit einem abwaschbarem Latex Batman Cape die Treppe hinunter, damit es ja kein Unglück gibt.

Dein Hund leidet und Du gleich mit! Besonders hartnäckige und wässrige Durchfälle sind nicht zu unterschätzen, denn auch organische Ursachen “außerhalb” des Darms können die Ursache sein. Daher gehen wir hier darauf ein, wodurch dieser ominöse Durchfall entstehen kann? Und Ursachen gibt es viele, aber wie findet man den Grund am besten heraus?


Die Frage der Fragen - ob der Durchfall wohl wieder von alleine verschwindet?

Durchfall sagt erstmal nichts genaues über die Ursache aus, sondern ist das Ergebnis einer gestörten Magen-Darm-Funktion.

Die gute Nachricht als Erstes: Ja es ist möglich, dass sich der Durchfall schnell von alleine erübrigt. Dann sehen die ganzen Hinterlassenschaften mal ein bis drei Tage nicht so schön aus, es nervt immer so flott mit Hund austreten zu müssen, aber ist dann auch wieder gut.
Das nennt man akuten Durchfall. Geht genauso schnell, wie er gekommen ist. Spontanheilung. Perfekt. Schnell überstanden, ohne große Beeinträchtigungen wie Schlappheit und Fieber. Kein Grund zur Sorge.

Anders sieht das mit einer tagelangen Episode von spontanen Kurzausflügen vor die Tür aus. Sobald der Durchfall länger als drei Tage andauert, nicht aufhört und sich das Allgemeinbefinden Deines Hundes nicht bessert, muss schnellstmöglich gehandelt werden. Das ist in keinem Fall normal und bevor du etwas anderes übersiehst, solltest du deinen Hund beim Tierarzt vorstellen und untersuchen lassen. Ab einer Dauer von 14 Tagen sprechen Tierärzte dann von chronischem Durchfall, dessen Ursache womöglich tiefer liegt und schnell gefunden werden sollte.

Was passiert normalerweise im Darm Deines Hundes?

Der Darm bei Hunden ist wie beim Menschen unterteilt in Dünn- und Dickdarm.

Im Dünndarm findet die hauptsächliche Verdauung der Futterbestandteile statt. Es werden die Nährstoffe mit Hilfe von Enzymen aus der Bauchspeicheldrüse zerkleinert und über die Darmschleimhaut aufgenommen (absorbiert). Über die Blutbahn (Pfortader) gelangen sie in die Leber und werden dort verstoffwechselt.

Im Dickdarm wird Wasser entweder aus dem Futter resorbiert (zurückgewonnen) oder sekretiert, wenn der Wassergehalt zu niedrig ist (z.B. bei Trockenfutter). Dort leben sehr viele unterschiedliche Mikroorganismen, vor allem Bakterien, die Futterteile verstoffwechseln, die im Dünndarm nicht verdaut wurden. “Diese Bakterien leben da wie in einer kleinen eigenen Welt, mitten in unserem Bauch” (wie die Autorin Giulia Enders von “Darm mit Charme” gerne sagt) und stellen einige, für uns nützliche Stoffe her. Die Anzahl der verschiedenen Bakterien im Dickdarm sollte für eine gesunde Verdauung immer in einem Gleichgewicht sein. 

Mysterium - Woher kommt der Durchfall?

Je nachdem wie der Kot bzw. Durchfall deines Hundes aussieht, kann auf den Entzündungsort der Darmerkrankung geschlossen werden.

Wenn man dunkles, schon verdautes Blut sieht, ist die Ursache im vorderen Verdauungstrakt von Speiseröhre bis zum Ende des Dünndarms zu suchen. Die Enzyme der Bauchspeicheldrüse verdauen den roten Blutfarbstoff Hämoglobin einfach durch Oxidation, sodass die dunkle Farbe entsteht (Melaena = schwarzer, teerartiger Stuhl). Auch bei einer Gewichtsabnahme deutet dies auf eine fehlerhafte Verdauung im Dünndarmbereich hin.

Sieht man hingegen frisches rotes Blut im Kot bzw. Durchfall, deutet dies auf eine Problematik im Dickdarm hin, denn den Verdauungsenzymen im Dünndarm ist dieses frische Blut nie begegnet (Hämatochezie= frisches, rotes Blut), sonst hätten sie es verdaut. Im Dickdarm kann es auch zu Schleimbeimengungen kommen.

Es gibt viele Tests die bei der Aufklärung eines Durchfalls. Der Tierarzt entscheidet nach einer allgemeinen Untersuchung und Beurteilung des Allgemeinbefindens Deines Hundes, welche weiteren Untersuchungen durchgeführt werden. Das kann je nach Verdacht eine Kotuntersuchung, eine Blutuntersuchung mit einem “Durchfallprofil”, ein Röntgenbild (v.a. wenn der Verdacht auf einen Fremdkörper besteht), eine Ultraschalluntersuchung des Bauches oder sehr spezifische Tests (z.B. Antigentests, ELISA) sein. 

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Die häufigsten Ursachen von Durchfall beim Hund 

Durchfall ist ein Symptom, welches durch die Erkrankung des Darmes oder der Darmanhangsdrüsen Leber und Pankreas hervorgerufen wird.

Alles was im Darm nicht normal funktioniert, kann zu Durchfall führen. Man muss besonders bei Durchfall zwischen akutem Durchfall (1 bis max 3 Tage) und chronischem Durchfall (was darüber hinausgeht) unterscheiden.

Akute Darmerkrankungen entstehen nach dem Motto: “Plötzlich eine Veränderung” - schnell reagieren mit Durchfall!

Hier reagiert das Immunsystem des Darms unserer Hunde mitunter sehr empfindlich. Wer einen Labrador besitzt kennt das Problem wahrscheinlich. Du kannst gar nicht so schnell gucken und schwups die wups ist die Nase im Mülleimer. Der klassische Vertreter des “Magen -Verderbens”, aber auch verdorbenes oder verunreinigtes Futter können die Ursache sein. Bekannte Übeltäter eines akuten Durchfalls ist, ist wie so häufig, eine infektiöse Erkrankung mit Bakterien (z.B. Salmonellen, E.coli, Clostridien) und Viren (z.B. Parvovirose) oder eine akute Dysbakterie im Dickdarm (falsches Zahlenverhältnis von guten und bösen Bakterien).

Häufige Ursachen von akutem Durchfall beim Hund sind:

  • Infektionen mit Magen-Darm-Erregern
  • Falsches Futter oder Nahrung
  • Vergiftung/schädliche Substanzen
  • Poo
    Allergische Reaktionen auf Futter (Futtermittelallergie)
  • Poo
    Plötzliche Futterumstellung
  • Poo
    Medikamente (z.B. Antibiotika, Wurmkuren)
  • Poo
    Organische Erkrankungen (z.B. Leber-/ Pankreaserkrankungen)

Durchfall kann zeitweise auch stressbedingt sein oder durch eine plötzliche Futterumstellung, zu kaltes Futter, aufgenommene Fremdkörper und schlimmstenfalls Gift auftreten. 

Achtung Gift!

Bei dem Verdacht auf Gift ist sofort der Tierarzt aufzusuchen. Es empfiehlt sich, Kohletabletten in der Hausapotheke zu haben, die bei Gabe kurz nach der Giftaufnahme helfen, das Gift im Magen-Darm-Trakt zu binden. Diese Sofortmaßnahme ist kein Ersatz für eine erfolgreiche Behandlung durch Vergiftung.

Akute Erkrankungen anderer Organe wie Leber und der Bauchspeicheldrüse (akute Pankreatitis) verursachen ebenfalls akute Durchfälle, da die Verdauung im Allgemeinen gestört wird und die Nährstoffe unverdaut im Dickdarm landen. Den Hunden geht es hier meist sehr schlecht und sie zeigen Bauchschmerzen und Unwohlsein. 

Und zu guter Letzt dürfen wir nicht die üblichen Verdächtigen, die Parasiten, vergessen. Zum einen gibt es zahlreiche Würmer die zu einer schlechten Futterverwertung führen, die Darmschleimhaut schädigen und damit Durchfall verursachen, zum anderen auch Einzeller wie Giardien und Kokzidien, die es Deinem Hund auf Dauer schwer machen. Gerade Durchfälle durch Giardien treten immer wieder (intermittierend) in regelmäßigen Abständen auf, wenn die Giardien “die Macht an sich reißen” und sich zahlenmäßig vermehren.

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Chronische Dünndarmerkrankungen, die meist schon länger als 14 Tage bestehen und immer wieder Durchfall als Symptom hervorrufen:

Das “Unvermögen zu verdauen” wird Maldigestion genannt. Wenn die Bauchspeicheldrüse nicht richtig funktioniert, fehlen die Enzyme, welche die großen Futterbestandteile in kleine Moleküle aufspalten. Es werden folglich große Futtermoleküle einfach weiter Richtung Dickdarm transportiert. Es entsteht eine schlechte “Futterverwertung”.

Kommt es hingegen dazu, dass die kleinen Futterbestandteile nicht aufgenommen werden können, handelt es sich um eine Malabsorption. Hier liegt eine Störung der Transportzellen der Darmschleimhaut vor, die die Moleküle auf die andere Seite schaffen und weiter über das Blut zur Leber transportieren. Diese Funktionsstörung kann ganz viele Ursachen haben. Alles was die Darmschleimhaut angreift und Entzündungen hervorruft kommt in Frage: Das können immunbedingte Störungen, allergische Reaktionen(z.B. Futtermittelallergie) oder auch Magen- Darm- Infektion mit Bakterien, Viren und Parasiten können schnell die gesamte Funktion des Darms stören und auf lange Sicht außer Kraft setzen. Aber auch Krankheiten einzelner Organsysteme (z.B. Lebererkrankungen) oder Darmkrebs können Durchfälle verursachen.

Chronische Dickdarmerkrankungen, die meist schon länger als 14 Tage bestehen:
Die Wasserresorption aus dem Dickdarm erfolgt normalerweise bis eine typische Festigkeit des Kotes (Konsistenz) erreicht ist. Wenn hier etwas nicht funktioniert, und zuviel Wasser im Inneren des Darms zurückbleibt oder hinein strömt, kommt es zu Durchfall.

Wenn zu viele Nährstoffe im Dünndarm (durch Maldigestion/ Malabsorption) nicht verdaut werden und im Dickdarm plötzlich “anfluten”, ziehen diese Moleküle osmotisch bedingt Wasser ins Innere vom Darm. Das Wasser verflüssigt dann das Innere im Darm, und voila, da haben wir den Durchfall.

Diese übrigen Nährstoffmoleküle werden vermehrt von den Dickdarmbakterien verdaut (fermentiert). Das führt wiederum zu einer Gasansammlung (ergo Blähungen) und es entstehen viele unnütze “Bakterienstoffwechselprodukte”, die die Dickdarmfunktion stören.

Bei einer Infektion durch Magen-Darm-Erreger, also mit “bösen” Bakterien, Viren, Pilzen oder Parasiten, kommt es zu einer “natürlichen Ausspülung” des Darminhaltes. Der Darm wird auf diese weise schneller die Übeltäter los. Im Prinzip ist es ein “gewollter Durchfall”, hervorgerufen durch die Abwehrkräfte des Immunsystems.

Aber auch ähnliche Ursachen wie bei den Dünndarmerkrankungen können im Dickdarm zu chronischem Durchfall führen:

  • Darmkrebs (Darmschleimhaut oder umgebendes Gewebe)
  • Verstopfungen oder aufgenommene Fremdkörper
  • Immunbedingte  bedingte Darmentzündungen
  • Exclamation Circle
    Allergisch bedingt (Futtermittelunverträglichkeit)
  • Exclamation Circle
    Chronische Darmerkrankung IBD (Inflammatory bowel disease)

Bei chronischen Dünndarmerkrankungen erleidet der Hund meist massiven Gewichtsverlust und auch Veränderungen an Haut und Fell sind zu beobachten. Blähungen sind kein seltenes Indiz für chronische Erkrankungen des Dickdarms, oft auch als Folge einer Dysbakterie.

vetevo Fazit

Durchfall beim Hund hält immer wieder viele Hundebesitzer auf Trab und die Ursache bleibt oft ungeklärt. Die Neugier unserer Hunde ist wunderschön, jedoch sammeln sie beim Erkunden und Beschnüffeln auch gerne allerhand Erreger auf. Deinem Hund ist hier kein Vorwurf zu machen, das ist alles ganz natürliches Verhalten. Nichts desto trotz kann man durch regelmäßige Check ups beim Tierarzt, einer Durchfall Episode frühzeitig entgegenwirken und sicherstellen, dass organische Erkrankungen schnell erkannt und behandelt werden.

Auch die regelmäßige Parasitenkontrolle durch Kotuntersuchungen fördert die Darmgesundheit, denn Du als Besitzer weißt was im Darm deines Hundes so alles vor sich geht.

Um das ganze mal auf den Punkt zu bringen: Wenn Du Deinem Hund unnötig Futter vorne reinschiebst und es unverdaut als Durchfall hinten wieder rauskommt, wird dein Geldbeutel leerer, und dein Hund dünner.


Lese hierzu weiter in unserer Durchfallreihe:

Teil 2: Durchfall beim Hund - Symptome richtig erkennen und handeln

Teil 3: Durchfall beim Hund - Was tun?



vetevo - Aus Liebe zum Tier.


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