Ein Welpen -Schicksal – wie Lilly doch noch ihre Familie fand

vetevo: Hobbyzucht Labrador Welpe
Alina Küper
Tierärztin bei vetevo

Lesezeit: 25 Min.

Bei dem Kauf eines Welpen ist so Einiges zu beachten. Kann man überhaupt "auf Nummer Sicher gehen", wenn es darum geht ein gesundes neues Familienmitglied bei sich zu begrüßen? Gerade bei Welpen, die aus einer "Hobbyzucht" kommen sollten einige Dinge beachtet werden. Hier erzählen wir wie es unserer kleinen Hundedame Lilly ergangen ist.


Im Leben kommt es manchmal ganz anders, als man das geplant hat. So erging es auch Lydia, einer Pferdeausbilderin, die mit ihrem Partner und ihrem kleinen Sohn in einer beschaulichen Gegend auf dem Land lebt. Zur Familie gehören auch zwei Hunde, eine Rhodesian Ridgeback-Hündin und ein kleiner Mischling. Die beiden sind schon etwas in die Jahre gekommen und Lydia liebäugelte schon eine Weile mit einem dritten, jüngeren Hund, vielleicht sogar einem Welpen. Bei ihrer Recherche im Internet hatte es ihr nun doch der süße, ältere Jack-Russell Rüde im Tierheim angetan – sonderlich zweckdienlich wäre das ja nicht, aber diese süßen Knopfaugen…

Eines Tages klingelt ihr Handy, die Nummer einer Freundin wird angezeigt. Aufgeregt klingt die Stimme aus dem Telefon: „Du suchst doch nach einem Hund! Ich hab‘ da einen!“ ‚Ohje‘, denkt sie sich. Die Freundin hat eine Vorliebe für „hoffnungslose Fälle“.

Am Telefon wird ihr berichtet von einer kleinen Shih-Tzu Hündin. Irgendwas stimmt wohl nicht mit ihrem Beinchen, eine Bekannte hilft bei der Vermittlung der Kleinen. Sie sei zuckersüß, Fotos gäbe es auch schon. Das wäre doch so toll, dann hätte ihr Sohn eine Spielgefährtin – Diese Zukunftsvision zeigt Wirkung.

Lydia verspricht, sich nach Absprache mit Ihrem Partner bei den Leuten, bei denen die Hündin lebt, zu melden. Nach dem Telefonat sitzt sie am Küchentisch und grübelt – eine Spielkameradin für ihren Sohn, das wäre ja schon toll. 12 Wochen ist sie wohl alt. So ein Welpe – sie kriegt bisher alles in den Griff, dann schafft sie das auch. „Shih-Tzu“ googelt sie, von der Rasse hat sie vorher noch nie etwas gehört. Ach, ja. Kleine, flauschige Fellbälle mit kurzen Nasen und Kulleraugen. Nicht unbedingt das, was sie sich als ständigen Begleiter im Reitstall vorstellt.

Lydias Handy vibriert, die ersten Fotos und Videos kommen an. Als sie diesen süßen, kleinen Hundepo durch den Garten watscheln sieht, ist es um sie geschehen. Die Tierliebhaberin erkennt das Problem – eines der beiden Hinterbeine scheint nicht wirklich intakt zu sein, es ist steif und das kleine Fellknäuel schleift es etwas ungeschickt hinter sich her.

Durch den restlichen Tag hindurch denkt sie immer wieder an den kleinen Hund. Soll sie es sein – ihre neue Begleiterin auf Schritt und Tritt? Beim Abendessen erzählt sie ihrem Partner von dem Tier und seinem kleinen Problem. Begeistert ist er nicht davon, einen „behinderten“ Hund aufzunehmen. Das Paar beschließt aber, am folgenden Tag die Züchter zu kontaktieren.

Begrüßt wird sie von einer freundlichen Stimme mit sehr klingendem Dialekt. Die Dame erklärt, dass der kleine Hund wohl mit dem behinderten Bein geboren wäre. Sie käme gut zurecht. Man wäre auch schon beim Tierarzt gewesen, nach dessen Urteil die kleine „Lilly“ keine Schmerzen hat. Normalerweise gäbe man den Welpen keine Namen, sodass die neuen Besitzer die selbst auswählen können. Jetzt wäre die Kleine allerdings schon so lange hier, da brauche sie ja schließlich einen. Langsam aber sicher beginnt Lydia, sich ein wenig zu wundern - ist es denn nicht so, dass der Züchter dem Hund den Namen, der für die Ahnentafel bestimmt ist, grundsätzlich zuweist? Lydia glaubt sich zu erinnern, dass der Anfangsbuchstabe des Hundenamens festgelegt ist und der Nummer des Wurfs entsprechen soll. Die Züchterin berichtet weiter über die “lustigen” Eigenarten der kleinen Hundedame. Sie würde sogar schon die Spaghetti von der Gabel essen, zuckersüß wäre sie!

‚Aha‘, denkt Lydia. Spaghetti von der Gabel essen, das klingt ja vielversprechend. Neben dieser etwas seltsamen Story ist die Dame aber sehr nett. Sie erklärt, dass ihr ihre Hunde am Herzen liegen, aber dass es sich für sie finanziell nicht lohnt, Lilly zu behalten. Sie will ja schließlich mit der Züchterei auch Geld verdienen. Lilly soll so bald wie möglich eine neue Familie finden, da sich Shih Tzus schon sehr früh an ihre Familie binden und sich dann mit einem Umzug sehr schwer tun. Trotzdem will sie Lydia nicht bedrängen und erklärt ihr, sie solle die Kleine erst einmal kennen lernen und sich darüber bewusst werden, dass man in einer Weile eventuell auch eine Amputation in Betracht ziehen muss. Schließlich verabreden sich die beiden Frauen für das folgende Wochenende.

Es ist Samstagmorgen. Eigentlich will sie es sich ja nicht so recht eingestehen, aber Lydia hat die ganze Woche an die kleine Hündin gedacht. Natürlich will sie nichts überstürzen. Was ist, wenn sie dort von einem kleinen Häufchen Elend erwartet wird?

Gemeinsam mit ihrem Partner packt sie den kleinen Sohn ins Auto und sie fahren los. Die Fahrt dauert nur etwas über 45 Minuten, als das Navi schließlich verkündet: „Ihr Ziel befindet sich auf der rechten Seite!“ Die Familie steigt aus und nähert sich einem kleinen Einfamilienhaus. Nett sieht es aus und daran vorbei blickend erkennt man auch schon einen recht großen Garten, der an das Haus anschließt.

Mit einer etwas zittrigen Hand klingelt Lydia an der Haustür. Die Tür öffnet sich und ein breites Grinsen strahlt ihr entgegen. „Schön dass Sie da sind, kommen Sie doch rein!“, wird sie, begleitet von lautem Gebell aus einem an den Flur angrenzenden Raum, begrüßt.

Lilly trifft auf ihre Familie

Schon wieder sind neue Menschen da, wie aufregend! Vielleicht wollen die mich ja mitnehmen. Komischerweise sind alle meine Geschwister schon weg, ich hab‘ ihnen wohl nicht so gut gefallen. Warum weiß ich auch nicht so genau. Jedenfalls erschnüffle ich hier ganz interessante Düfte, ein bisschen Hund ist auch dabei. Und scheinbar ein Mensch, aber der riecht ganz anders als die, die ich bisher kenne. Vor Aufregung verliere ich ein bisschen Pipi. Das ist aber gar nicht so schlimm hier im Wohnzimmer, das ist nämlich nur für uns Hunde bestimmt und Herrchen und Frauchen müssen hier öfter mal putzen.

Frauchen geht mit den Fremden in die Küche. Schnell renne ich an das Gitter, das uns von der Küche abgrenzt und schaue mir die Sache mal an. Da sind zwei normale Menschen, die sehen eigentlich ganz nett aus. Aber eine Sache interessiert mich ganz besonders – da ist ein ganz ganz kleiner Mensch dabei. Ich sag’s Euch, sowas ist mir noch nie untergekommen. Bestimmt ist der das auch, der so komisch riecht. Hoffentlich darf ich den mal kennen lernen. Auch alle anderen Hunde hier sind schon ganz aufgeregt und wollen die Besucher beschnuppern.

Endlich öffnet Frauchen das Gitter und los geht’s: Mama, Papa, mein Onkel und meine Tante, alle rennen los in die Küche. Richtig neidisch werde ich, als die Anderen bei den fremden Menschen auf den Schoß hüpfen. Papa klettert sogar auf den Tisch und schlabbert ein bisschen aus der Kaffeetasse eines Besuchers. Frauchen lacht nur, sie findet einfach alles toll, was wir machen.

Irgendwie werde ich den Eindruck aber nicht los, dass es hier um mich geht – die ganze Zeit starren mich alle an, immer wieder kommt Frauchen und hebt mich hoch. Scheinbar finden sie mein Bein wieder ganz spannend, wieso weiß ich auch nicht. Dieses Bein ist so eine Sache – der Tierarzt fand es auch super interessant und hat die ganze Zeit daran rum gewackelt. Manchmal nervt mich das Bein, es hängt irgendwie so komisch rum. Aber warum alle immer so ein riesen Theater darum machen, verstehe ich trotzdem nicht.

So richtig ran an die Fremden traue ich mich dann doch nicht und als sich Mama wieder ins Wohnzimmer verzieht, tue ich es ihr gleich. Nach einer ganzen Weile kommt plötzlich ziemlich viel Bewegung in unser Haus. Alle Menschen stehen auf und beginnen, Dinge rum zu tragen. Ich sehe, wie Frauchen der fremden Frau eine Tüte mit meinem Essen gibt. Die fremde Frau kommt ins Wohnzimmer und nimmt mich auf den Arm – ich kann es nicht glauben! Wollen die mich etwa mitnehmen? Plötzlich weiß ich nicht mehr ob ich mich freuen oder fürchten soll. Ein letzter Blick auf meine Kumpels – und wir verlassen mein gemütlich-chaotisches zu Hause. Bestimmt war ich noch nie so aufgeregt in meinem Leben, wie in diesem Moment. Wir gehen gemeinsam zum Auto, ich darf während der gesamten Fahrt auf dem Mini-Menschen sitzen. Er streichelt mich viel und scheint so glücklich zu sein! Deshalb entspannt ich mich auch etwas.

Endlich zu Hause

Und so kam die kleine Lilly schließlich auch zu ihrer neuen Familie. Zunächst wollte ihre neue Besitzerin Lydia erst einmal abwarten. Sehen, wie die kleine Dame mit ihrem Bein zurechtkommt. Und sie kommt damit gut zurecht – Lilly rennt mit Lydias anderen Hunden durch den Pferdestall und ist genauso frech und dickköpfig, wie man das als Shih-Tzu-Welpe sein sollte. Sicherlich hat sie ein paar seltsame Eigenarten, die wahrscheinlich auch davon kommen, dass ihre Züchter eine andere Auffassung der Hundeerziehung haben, als Lydia. Aber niemand hat jemals gesagt, dass die Welpenerziehung einfach ist – ob ein bisschen eingeschränkt oder eben nicht, jeder Welpe muss erst mal lernen, was man darf - und vor allem - was man nicht darf.

Um sich davon zu überzeugen, dass die kleine Hündin keine Schmerzen in dem unbeweglichen Bein hat, trat Lydia mit einer befreundeten Tierärztin in Kontakt. Diese stellte zunächst einmal fest, dass alle Gelenke im rechten Hinterlauf missgebildet sind und Lillys Bein ab dem Sprunggelenk komplett gelähmt ist. Ihr Kniegelenk kann Lilly zwar etwas bewegen, allerdings beugt es sich nach hinten, statt, wie es sein sollte, nach vorne. Die neuen Besitzer beließen es zunächst einmal bei einer physiotherapeutischen Behandlung, um die Muskeln im Bein zu stärken und ihm etwas Beweglichkeit zu geben. Das funktionierte unerwartet gut und man hatte den Eindruck, die Kleine würde tatsächlich beginnen, das Bein ein wenig zu nutzen.

Blöderweise, wie das mit kleinen Hunden genauso wie bei kleinen Kindern manchmal ist, passieren Unfälle. So erging es natürlich auch der kleinen Lilly und bei einem Sprung aus Frauchens Armen brach sie sich ihr gelähmtes Bein. Also hieß es wieder: „Auf zum Tierarzt!“ Beim Tierarzt wurde ein Röntgenbild gemacht, das für ein wenig Klarheit sorgte. Nicht einmal der Oberschenkelkopf liegt richtig in der Hüftpfanne, wodurch das Bein recht instabil ist. Die Tierärztin vermutet, dass sich die Kleine entweder bei der Geburt oder kurz danach den Beckenknochen brach. Durch die Fehlbelastung im jungen Alter entstand so eine massive Fehlstellung des gesamten Beines.

Heute ist der Bruch verheilt und die kleine Dame schon sieben Monate alt. Lydia gibt ihr die Zeit, die sie braucht. Sobald deutlich wird, dass das Bein Schmerzen verursacht und mehr Nachteile als Vorteile bringt, wird Lydia andere Maßnahmen und eventuell sogar eine Amputation in Betracht ziehen. Bis dahin bemüht sie sich mit Hilfe ihrer Tierärztin darum, durch Physiotherapie und ähnliche Maßnahmen Lillys Leben so lebenswert wie möglich zu machen.

Und um ehrlich zu sein – der kleine Frechdachs scheint nicht einmal zu bemerken, dass sie anders ist als alle anderen.

Hat der Züchter etwas falsch gemacht?

Grundsätzlich kann man Lillys Züchtern nicht vorwerfen, den Hund absichtlich falsch behandelt zu haben. Eventuell fehlte der nötige Sachverstand und Überblick um die Situation schnell genug zu erkennen und zu handeln. Auch der behandelnde Tierarzt trägt eine gewisse Verantwortung für das Wohl des Tieres. Ob ihm der Welpe nun erst vorgestellt wurde, als das Bein bereits gelähmt war, oder ob es bei der Routineuntersuchung der Welpen nicht auffiel, dass einer verletzt ist, bleibt fraglich.

Tatsache ist, dass Lydia nur ein Zertifikat von ihm erhielt auf dem eine “Fehlstellung am rechten Hinterlauf” diagnostiziert wurde. Eingehender wurde sich also mit Lillys Problem nicht beschäftigt.

Lilly wurde mit Schutzvertrag abgegeben, durch den ihre Impfungen, der Chip, die Wurmkur und die Tierarztbesuche finanziert wurden. Man gab Lydia recht hochwertiges Futter mit, sodass der Welpe keine Futterumstellung durchmachen musste.

Der Kontakt war durchweg offen und ehrlich, Lydia wurde nicht unter Druck gesetzt und es war deutlich, dass den Züchtern ein passendes Zuhause wichtig war. Sie hatten angekündigt, sich noch weiter zu melden und sich nach dem Wohlergehen der kleinen Hundedame zu erkundigen. Das taten sie, waren allerdings nach einer positiven Rückmeldung Lydias auch zufrieden damit, die Verantwortung abgegeben zu haben.

Alles in allem ist diese Geschichte sicherlich kein Paradebeispiel für sachverständige Hundezucht. Was jedoch ganz sicher ist, ist dass niemand dem Tier etwas Böses wollte. Allenfalls fehlte hier der mangelnde Sachverstand.

Doch leider führt genau dieser Wissensmangel in vielen Tausenden Fällen jährlich dazu, dass Hunde mit voraussehbaren gesundheitlichen Problemen zur Welt kommen, die klar zu vermeiden gewesen wären.

Die Sache mit der Hobbyzucht

In vielen Blogs und Foren steht die Hundezüchter-Szene in Deutschland allgemein unter Beschuss. Die Vorwürfe reichen von Qualzucht, über absichtliche Täuschung des Käufers bis hin zu der vorgegebenen Züchter-Allwissenheit, die manche Tierärzte in den Wahnsinn treibt.


Ab wann ist man denn “Züchter” ?

Per Definition ist ein Züchter jemand, der Selektion nach bestimmten Zuchtregeln, die ein Verein aufstellt, betreibt. Dabei verfolgt er meist, durch mehr oder minder sinnvolle Paarung von Genen, ein bestimmtes Ziel mit Hinblick auf das Erscheinungsbild oder die Gebrauchseigenschaften (Jagdhund, Hütehund, etc.) des resultierenden Welpen. Hier scheidet sich der Züchter vom sogenannten Vermehrer. Als Vermehrer bezeichnet man Tierhalter, die ohne Beachtung der genetischen Eigenschaften ihrer Tiere, ohne Untersuchungen auf eventuelle Erbkrankheiten und ohne Kenntnisnahme von Zuchtrichtlinien Hunde vermehren.

Im Grunde benötigt jeder, der Hunde züchtet, eine Genehmigung. Gemäß §11 Abs. 2 des Tierschutzgesetzes muss ein Züchter folgende Anforderungen einhalten, um eine solche Genehmigung zu bekommen:

  • die antragstellende Person muss aufgrund bisheriger beruflicher oder persönlicher Erfahrung die für die Hundezucht notwendigen fachlichen Kenntnisse und Fähigkeiten besitzen. Dass muss, sollten Zweifel vorgebracht werden, in einem Fachgespräch bei der zuständigen Behörde bewiesen werden.
  • möchte man Hundezüchter werden, muss man die erforderliche Zuverlässigkeit, eventuell auch durch ein polizeiliches Führungszeugnis, beweisen können.
  • die Räumlichkeiten, in denen die Zucht betrieben werden soll, müssen Voraussetzung für eine artgerechte Pflege bieten.

Ob diese Voraussetzungen tatsächlich von allen Menschen, die sich “Züchter” nennen, erfüllt werden? Darüber lässt sich, auch im Hinblick auf Lillys Geschichte, streiten. Ein seriöser Züchter, der mit einem Zuchtverband zusammenarbeitet, muss die vom Verband vorgegebenen Richtlinien einhalten. Im Verband urteilt zunächst ein Zuchtwart über die Situation vor Ort, bevor eine Genehmigung erteilt wird.


Was macht den guten Züchter aus?

Haltungsbedingungen

Allem voran steht die artgerechte Haltung der Tiere. Dazu gehören laut Tierschutzgesetz bestimmte Anforderungen. Diese beinhalten ein ausreichendes Maß an Auslauf und eine umfassende Sozialisierung, sowohl mit Menschen als auch mit Tieren. Die entsprechenden Räumlichkeiten, wie ein Welpenzimmer, ein zugänglicher Garten und eine Wurfkiste sollten bereitgestellt werden. Grundlegend muss außerdem für ein hygienisches Umfeld, sowie den Zugang zu Nahrung und Wasser gesorgt werden. Zu den Anforderungen des Tierschutzgesetzes kommen außerdem die Richtlinien der jeweiligen Verbände, ohne die man keine Zuchtgenehmigung erhält.

Dummerweise ist es nicht allzu einfach für Dich, sämtliche Haltungsbedingungen der Welpen zu prüfen.

Um auf Nummer sicher zu gehen, solltest Du Dir die gesundheitlichen Untersuchungen, Zuchteignungsprüfungen oder andere Diplome der Elterntiere bescheinigen lassen. So kannst Du überprüfen, ob der Züchter seine Sache ernst nimmt und Dein Welpe gesund sein wird.

Schließlich soll ein guter Züchter eine ausreichende medizinische Versorgung der Welpen gewährleisten. Dazu gehören eine Grunduntersuchung der Welpen durch den Tierarzt, alle nötigen Impfungen und die Wurmkur. Außerdem sollten die Welpen vorm Verkauf gechippt werden.


Fairness gegenüber Tieren und Käufern

Leider achtet nicht jeder Züchter auf darauf, dass sich eventuelle Erbkrankheiten nicht durch seine Zucht hinweg durchsetzen. Dabei können ganz schwerwiegende Erkrankungen auftreten. Bekannt wurden Fälle von Epilepsie, aber auch anatomische Probleme wie Zahnfehlstellungen, wodurch der Hund zum Beispiel Schwierigkeiten mit der Nahrungsaufnahme haben kann, oder orthopädische Probleme wie die Hüftdysplasie, bereiten vielen gutgläubigen Welpenkäufern Sorge.

Besonders fatal wird dieses Zuchtverhalten, wenn der Züchter dem Käufer verschweigt, dass es solche erblichen Probleme gibt. Noch schlimmer ist, wenn der Hundezüchter wohl die Krankheit anspricht, dem unwissenden Käufer allerdings weis macht, Abwarten und Tee trinken wäre das Mittel der Wahl.

So kommt es nicht selten dazu, dass der frisch gebackene Hundebesitzer nach dem ersten Tierarztbesuch aus allen Wolken fällt. Der Einbiss des kleinen Welpen geht wohl doch nicht von selbst weg, wenn man nur lange genug die Daumen drückt! Und eine ganze Menge Geld kostet es auch noch, wenn man sich darum kümmert!

Im Grunde könnte man diesen Aspekt auch zu den Erbkrankheiten zählen, so sind die überspitzten Ausführungen der Zuchtziele heutzutage auch nichts anderes mehr, als Krankheiten. Die meisten Menschen haben bestimmt schon einmal von dem Begriff “Qualzucht” gehört, aber wem ist bewusst, auf wie viele Rassen sich dieses Problem erstreckt? Neben all den kurzköpfigen kleinen Rassen, die häufig starke Atemprobleme haben, gibt es da den Mastiff. Er wurde zu eine derartigen Masse gezüchtet, dass sein Bewegungsapparat nicht mehr in der Lage ist, ihn zu tragen. Orthopädische Probleme und ein früher Tod sind die Folgen. Oder der Basset, der doch ach so witzig aussieht. Hättest Du gewusst, dass die Rüden, die besonders gut dem Idealbild entsprechen, gerade diese sind, die nicht mehr in der Lage sind, eine Hündin zu besteigen? Um die wunderbaren Gene doch noch weiter geben zu können, ist die künstliche Befruchtung das Mittel der Wahl.

Eine Züchtung in dieser Art und Weise kann kein Merkmal für Tierliebe sein. Der verantwortungsbewusste Züchter sollte darauf achten, dass die Nachkommen seiner Tiere ein lebenswertes Leben führen können. Und genauso sollten Sie als Hundekäufer auch darauf achten, ein solches Handeln nicht zu fördern. Die Nachfrage bestimmt das Angebot! Mit ihrem “Nein” tragen Sie einen aktiven Teil im Kampf gegen Qualzucht bei.


Wie ist die rechtliche Lage beim Hundekauf vom Züchter?

Laut Bundesgesetzbuch wird der Hund im Kaufvorgang als rechtliche Sache behandelt. Dabei greifen die Regeln eines Verbrauchsgüterkaufs. Der Hundekäufer ist ein Verbraucher, das bedeutet, dass er einen Kauf zu rein privaten (und nicht geschäftlichen!) Zwecken abschließt. Hier spielt die Gewährleistungsfrist eine Rolle. Bei gebrauchten Sachen beträgt sie nur ein Jahr, bei neuen Sachen zwei.

Ihnen als Hundeliebhaber/in erscheint der Vergleich Ihres Hundes mit einer Sache vermutlich etwas absurd, dennoch: Kaufen Sie den Hund bis zu einem Alter von etwa 16 Wochen zählt er als Neuware, und nur dann beträgt die Gewährleistungsfrist zwei Jahre. Bei einem älteren Hund dauert sie nur ein Jahr. Danach ist Ihre Handhabe ziemlich limitiert.

Grundsätzlich hat also ein Käufer, der beweisen kann, dass sein Hund zum Zeitpunkt des Kaufes einen “Mangel” aufwies, das Recht auf Nacherfüllung. Das bedeutet zum Beispiel, dass der/die Züchter/in die tierärztliche Behandlung bezahlen muss. Kann die Gesundheit des Welpen dadurch nicht wiederhergestellt werden, können Sie als Käufer/in auch einen Ersatz des Welpen verlangen.

Jedoch muss dazu nachgewiesen werden, dass gesundheitliche Probleme bereits vor der Übergabe vorhanden waren, um Recht auf Nacherfüllung zu haben. Eine Kaufpreisminderung oder der Rücktritt von dem Kaufvertrag ist für Sie nur möglich, wenn keine Nacherfüllung geleistet werden kann!

Das Recht auf Nacherfüllung besteht allerdings nicht, wenn der Züchter gesunde Tiere verpaart hat und dies nachweisen kann. Ist die Gesundheit beider Elterntiere bescheinigt, hat der Züchter sein Möglichstes getan, um die Gesundheit Ihres Tieres zu gewährleisten.

Achten Sie außerdem darauf, was Sie im Kaufvertrag unterzeichnen. Bis auf wenige Ausnahmen gelten die dort unterzeichneten Punkte zusätzlich zu der üblichen Gesetzeslage.


Wie wirkt sich das auf unsere Gesellschaft aus?

Heute kursieren überall schreckliche Geschichten darüber, was man mit den Züchtern so alles erlebt. Ob nun eine verschwiegene Krankheit, schlechte Aufzucht oder eine Qualzucht, die durch das “Idealbild” eines Hundes gerechtfertigt wird - das Vertrauen in den Züchter allgemein ist getrübt.

Es tut sich ein riesiger Abgrund auf: Zwischen den Menschen, die Liebhaber einer bestimmten Rasse sind oder auch einfach den kleinen Welpen haben wollen von dem sie wissen, wer seine Eltern sind und wo er aufgezogen wurde. Sie schätzen die Sicherheit, die ihnen der Züchter mit allen Tipps und Tricks zur Rasse und zum Welpen selbst geben kann. Vielleicht benötigen sie den Hund auch für eine bestimmte Aufgabe, als Jagdhund, Schutzhund oder einfach nur als treuen Begleiter der Familie.

Auf der anderen Seite des Abgrunds stehen die Menschen, die keinem Züchter mehr vertrauen wollen. Sie wünschen sich, einen Hund aus dem Tierheim oder von anderswo zu adoptieren, weil sie so zumindest sicher sein können, dass niemand absichtlichen Schabernack mit der Genetik getrieben hat. Bei jeder Ebay-Anzeige schrillen die Alarmglocken, dass da etwas nicht stimmen kann. Hören sie das Wort “Züchter”, denken sie direkt an Massenzucht und Hundequal, was sicherlich in Fällen guter und verantwortungsvoller Zucht am Ziel vorbei geht.

Sicherlich gibt es auch Menschen, die irgendwo dazwischen stehen - jedenfalls ist für niemanden die Entscheidung leicht.

Der Hund ist seit jeher Begleiter des Menschen und das soll er auch bleiben. Bestimmt ist es sinnvoll, die Rassezucht aufrecht zu erhalten, wenn sie der Gesundheit und Verbesserung erwünschter (und nicht gesundheitlich einschränkender!) Eigenschaften dient. Es gibt nunmal Situationen, da ist es durchaus hilfreich, einen Hund mit bestimmten Eigenschaften einzusetzen. So eignet sich der liebenswerte und ausgeglichene Labrador als Blindenhund oder Familienhund. Genauso kommt die ältere Dame, die sich nach dem Tod ihres Mannes alleine fühlt, besser mit einem entspannten Pekinesen als einem energiegeladenen Jagdhund-Mischling zurecht.

Es gibt aber zwei grundlegende Dinge, die sich ändern müssen:

Die allseits angesprochene Qualzucht muss aufhören. Der lustige Mops wird mit einer etwas ausgeprägteren Nase genauso freundlich und süß sein wie vorher. Das Beste daran: er wird sogar besser atmen können! Genauso ergeht es der Französischen Bulldogge, dem Pekinesen oder dem Boston Terrier.

Die Zucht muss von seriösen und sachverständigen Personen durchgeführt werden. Faux-Pas wie das Verschweigen von Krankheiten oder Aufzucht-bedingte Krankheiten beim Tier können und dürfen nicht an der Tagesordnung stehen. Dazu muss das Kontrollsystem der Hundezucht in Deutschland verbessert werden.

Es spielt keine Rolle, wie sehr man seine Tiere liebt - eine gewisse Bildung auf dem Gebiet der Hundezucht und -haltung muss man sich aneignen, sonst trägt die Hundezucht sicher nicht zum Wohl der Tiere bei.


Wem kann ich vertrauen?

Wem man als Züchter vertrauen kann, ist für Laien nicht so einfach herauszufinden. Hier ergibt es durchaus Sinn, sich an den VDH, den Verband für das Deutsche Hundewesen, zu halten.

Alle Vereine, die diesem Verband unterstehen, müssen sich an bestimmte Regelungen halten, die Haltung und Zuchtweise betreffen. Nur wer eine angemessene Haltung gewährleisten kann und nach Richtlinien der Verbandes gesunde Hunde zur Zucht nutzen kann, erhält die Zuchtgenehmigung.

Der VDH selbst untersteht einer großen internationalen Organisation, der Federation Cynologique Internationale. Nach eigenen Angaben hat sie 94 Mitglieds- und Partnerverbände. Die Kynologie ist die “Lehre von der Zucht, Dressur und den Krankheiten der Hunde”. Sie erkennt 344 verschiedene Rassen und richtet internationale Hundeausstellungen, Arbeits- und Jagdprüfungen, Agility und Obedience-Wettbewerbe und viele weitere Wettkämpfe aus. Auf der nächstniedrigeren Ebene kommt nun der VDH als Dachverband in Deutschland. Er betreut 250 verschiedene Hunderassen und reguliert den Hundesport und die Hundeausbildung. Dem VDH selbst unterstehen 15 verschiedene Landesverbände, die die regionalen Interessen des VDH nach außen tragen. Schließlich gibt es 158 Rassezucht-Vereine, die dem VDH unterstehen und nach dessen Regulationen züchten müssen.

Hundezucht: Organisation der Zuchtverbände

Um in den VDH als Züchter aufgenommen zu werden, muss man zunächst eine Fortbildung absolvieren. Diese sorgt dafür, dass man als angehender Züchter zunächst die Grundlagen der Hundezucht kennt und anwenden kann.

Im nächsten Schritt nimmt ein Zuchtwart des Rassehundezuchtvereins die Zuchtstätte ab und überprüft, ob die Begebenheiten vor Ort dem Tierschutzgesetz und den Regelungen des betreffenden Vereines entsprechen.

Die Elterntiere werden vor Zulassung zur Zucht auf Herz und Nieren geprüft: Nicht nur ihr Verhalten und ihr Aussehen müssen dem Zuchtziel entsprechen, auch ihre Gesundheit muss von einem Tierarzt zertifiziert werden. Auch das Verpaaren von Tieren wird vom Verein überwacht um zu verhindern, dass Tiere verpaart werden, deren Welpen Erbkrankheiten haben können.

Die Würfe können vom Zuchtwart überprüft werden und werden grundsätzlich einem Tierarzt vorgestellt.

Kauft man einen Welpen bei einem Züchter des VDH, erhält man mit dem Kauf eine Ahnentafel. Diese soll als Garantie gelten, dass Wurf- und Zuchtkontrollen durchgeführt wurden.

Sie sehen also, dass Züchter, die dem VDH angehören, in jedem Fall von sachverständigen Seiten überprüft wurden. Das kann Ihnen eine gewisse Sicherheit beim Welpenkauf geben. Jede vom VDH durchgeführte und von Spezialisten analysierte Untersuchung der Elterntiere minimiert die Gefahr der Erkrankung Ihres Welpen.

Diese Garantie können Ihnen nur Vereine geben, die an den VDH angegliedert sind.


Dissidenzzucht

Neben den Vereinen, die dem VDH angehören, gibt es weitere Vereine. Diese werden auch, teilweise etwas abwertend, “Dissidenzzuchtvereine” genannt.

Dissidenz bezeichnet laut Duden eine Widerstandsbewegung oder Opposition, in diesem Fall also gewisse Organisationen, die aus verschiedenen Beweggründen nicht dem VDH beitreten wollen. Grundsätzlich sei gesagt, dass es nicht so ist, dass ein solcher Verein zwangsläufig unseriös ist. Auch außerhalb des VDH beziehungsweise der FCI gibt es Vereinigungen, die Wert auf Gesundheit ihrer gezüchteten Hunde legen. Allerdings kann nicht sichergestellt werden, dass diese Vereine ähnlich strikte und zentralisierte Regelungen wie die des VDH aufweisen und dass die Einhaltung dieser auch derart genau überprüft wird.

Auch wenn “Dissidenzzüchter” zum Beispiel genauso wie der VDH Ahnentafeln bereitstellen, ist das keine Garantie, dass eine genaue und verlässliche Überprüfung der Zucht stattgefunden hat. Während beim VDH spezielle Gutachter eine gesundheitliche Untersuchung der Tiere durchführen, um diese zur Zucht zuzulassen, werden in außenstehenden Vereinen oft die Haustierärzte zu Rate gezogen, die die Gesundheit der Tiere bestätigen sollen. Da diese Tierärzte oft unabhängig voneinander und ohne genaue Regelung Gesundheitszeugnisse verteilen, ist die Verlässlichkeit dieser Gutachten fraglich.

Fest steht, dass der VDH in Deutschland der größte und weitverbreitetste Verband ist. Die positiven Erfahrungen der breiten Masse, sowie die Tatsache, dass im VDH das Wissen und die Meinung vieler verschiedener Menschen kombiniert werden, verleiht diesem Verband eine gewisse Glaubwürdigkeit, die einzelne Vereine so nicht aufweisen können.


Vermehrer

Als letztes gibt es auch noch diejenigen Menschen, die man gerne als Vermehrer betitelt. Nach Lust und Laune werden mehr oder minder gesunde Hunde verpaart und die Welpen für nicht allzu viel Geld auf ebay angepriesen. Werden Rassehundewelpen für 400€ auf dieser Plattform angeboten, sollte man als Hundekäufer aufhorchen. Oft wurde diesen Welpen keine artgerechte Aufzucht zuteil, sie können durch mangelnde medizinische Versorgung oder fehlgeleitete Vererbung krank sein. Sehr selten haben die Tiere Abstammungspapiere und in den seltensten Fällen werden Welpen von seriösen Züchtern auf Plattformen wie ebay verkauft. Möchten Sie einen gesunden und glücklichen jungen Hund aufnehmen, ist ebay nicht unbedingt das Mittel der Wahl.

vetevo Fazit

Augen auf beim Welpenkauf. Vertrauen Sie auf Ihr Bauchgefühl und lassen Sie sich die genannten relevanten Informationen geben. Ihr Züchter beantwortet Ihre Fragen sicher gerne.

vetevo - Aus Liebe zum Tier


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©2018 vetevo GmbH, Torstraße 23, 10119 Berlin

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