Wunder Hündin: Faszinierende Fakten zu Zyklus, Trächtigkeit und Geburt
(Teil 2)

Alina Küper
Tierärztin bei vetevo

Lesezeit: 12 Min.

Biologisch gesehen sind Hormonzyklus, Trächtigkeit und Geburt wahre Wunder. Unsere vetevo-Spürnase Kayla nimmt Sie mit auf einen spannenden Exkurs und zeigt, wie am Ende des Zusammenspiels von komplexen Hormonzyklen, Geschlechtsorganen und ein bisschen tierischer Amore kleine Hundekinder das Licht der Welt erblicken.
Weiter geht's hier im zweiten Teil mit den Hormonen und dem weiblichen Zyklus.
Viel Freude beim Lesen! Kayla & Das Team von vetevo


Liebes Frauchen!

Im ersten Teil haben wir besprochen, welche wichtigen Organe eigentlich an so einer Trächtigkeit beteiligt sind. Damit diese ihre Aufgaben erfüllen können, müssen sie "angeleitet" werden. Das übernehmen die weiblichen Geschlechtshormone, die ich Dir in diesem zweiten Teil gerne vorstellen möchte!

„Horror“-mone: die weiblichen Geschlechtshormone

Kommen wir jetzt also zu den Hormonen. Es sind die Stoffe, die alle Vorgänge im Zyklus, in der Schwangerschaft und während der Geburt regeln. Ich habe gehört, Ihr Menschen schiebt eure miese Laune manchmal gerne auf die Hormone, deshalb glaube ich, dass ich manchmal auch solche Dinger habe. Ganz besonders wenn Du mich mal wieder baden willst, kriege ich ganz schlechte Laune. Bestimmt sind das "Bade- Hormone".


Progesteron – zum Schutz der Schwangerschaft

Progesteron ist ein wichtiges Hormon im weiblichen Körper. Übrigens in allen weiblichen Körpern, das gibt’s bei Dir auch, Frauchen! Es wird im Gelbkörper produziert und im späteren Verlauf der Schwangerschaft auch im Mutterkuchen- der Plazenta.

Progesteron erhält die Trächtigkeit aufrecht. Außerdem bereitet es die Milchdrüsen auf das Säugen vor. Es verändert die Oberfläche der Schleimhaut in der Gebärmutter und entspannt die Muskeln in ihrer Wand, sodass sich der Embryo gut einpflanzen kann. Erinnerst Du dich noch daran, wo der Muttermund ist? Progesteron bewirkt, dass er während der Trächtigkeit fest verschlossen bleibt.


Östrogen – DAS weibliche Geschlechtshormon

Östrogen hast Du bestimmt auch mal gehört, oder? Aber weißt du auch, wo es produziert wird? Ich sag’s Dir zur Sicherheit: Im Eierstock, in der Plazenta und in der Nebennierenrinde. Die Hormone FSH ("Follikel- stimulierendes- Hormon"= für die Anregung des Wachstums) und LH ("luteinisierendes- Hormon"= für die Anregung zum Eisprung) aus dem Gehirn steuern die Östrogenfreisetzung, aber das erkläre ich Dir gleich noch genauer.

Östrogen sorgt für die Ausprägung von weiblichen Geschlechtsmerkmale, wie das Wachstum der Milchdrüsen oder generell für ein weibliches Erscheinungsbild. In meinem Falle wären das das wunderbar seidig-glänzende Fell und meine süßen Kulleraugen.

In der Gebärmutter fördert Östrogen den Aufbau der Schleimhaut und stärkt die Muskulatur. Vor dem Eisprung öffnet es den Muttermund, sodass die Spermien im Falle eines Deckaktes durch die Gebärmutter zum Eileiter wandern können.

Östrogen bewirkt während der Läufigkeit, dass die Vulva sichtlich anschwillt und wir Hündinnen ganz verrückt nach den Rüden werden.


FSH (Follikel stimulierendes Hormon) und LH (Luteinisierendes Hormon)

FSH und LH werden im Gehirn produziert, genauer in der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse). Sie wirken auf die Geschlechtsorgane. FSH bewirkt die Follikelreifung im Eierstock und startet die Bildung von Östrogen. LH sorgt für den Eisprung und die Entwicklung des Gelbkörpers. Während der Follikelreifung steigt die LH-Konzentration im Körper immer mehr an, bis es schließlich zum sogenannten „LH-Peak“ kommt. Das ist ein plötzlicher und sehr starker Anstieg der LH-Konzentration, der am Ende für den Eisprung sorgt.

Fun-Fact: Genauso wie Östrogen gibt es auch die Hormone FSH und LH im Körper von Rüden. Bei ihnen wirken sie natürlich nicht auf die Follikelreifung, sondern auf die Bildung von Testosteron und Spermien!


Prolaktin – die Milch macht’s

Auch Prolaktin hat eine wichtige Funktion und wird ebenfalls von der Hypophyse ausgeschüttet. Dabei ist es sehr spannend, wann und wieso Prolaktin ausgeschüttet wird. Die Ausschüttung von Prolaktin wird vom Schlaf-Wach-Rhythmus gesteuert, Wissenschaftler nennen ihn auch den „circadianen Rhythmus“. Auch wenn Welpen beginnen, an den Zitzen einer Hündin zu säugen, wird Prolaktin ausgeschüttet.

Prolaktin bewirkt das Wachstum der Milchdrüsen und ganz wichtig: Die Milchproduktion! Außerdem steuert Prolaktin das Brutpflegeverhalten und bringt Hündinnen dazu, sich gut um ihre kleinen Welpen zu kümmern. Aber nicht nur Hündinnen produzieren Prolaktin. Das Hormon ist auch im Körper von Rüden zu finden, wodurch auch ihr Brutpflegeverhalten gefördert wird. Der Sexualtrieb wiederum wird von Prolaktin herabgesetzt.


Oxytocin – das Kuschelhormon

Die wichtige Funktion von Oxytocin kommt vor allem zum Zeitpunkt der Geburt zum Tragen: Es löst die Wehen aus und sorgt dafür, dass sich die starken Muskeln in der Gebärmutter anspannen, um die Welpen herauszupressen. Weiterhin leitet Oxytocin das Säugen ein, indem es die Milchdrüsen dazu veranlasst, Milch freizugeben.

Oxytocin hat außerdem noch eine ganz besondere Aufgabe: Es sorgt zum einen für die Bindung zwischen Hundemama und Welpen. Zum anderen bewirkt es auch die Paarbildung, also wahrscheinlich auch dass Du und Herrchen Euch gefunden habt. Man nennt es lustigerweise deshalb auch „Kuschelhormon“.

Richtig schlaue Menschen haben etwas ganz Spannendes über Oxytocin herausgefunden... Du schüttest es aus, wenn Du einem anderen Menschen ganz lange in die Augen siehst. Wie das auf Dich wirkt, kannst Du Dir sicher vorstellen. Jetzt kommt aber der Clou – auch wenn wir beide uns ansehen, schütten wir Oxytocin aus. Das ist also einer der Gründe, wieso wir uns so liebhaben!

Der Zyklus der Hündin

Zyklus, davon hast du sicher mal etwas gehört, oder Frauchen? Manchmal fühle ich mich etwas seltsam, ich bekomme Bauchschmerzen und bin furchtbar schlecht gelaunt. Komischerweise drehen die Jungs im Wald dann total durch und verfolgen mich die ganze Zeit. Das ist ziemlich nervig, kann ich Dir sagen. Aber was ist eigentlich dieser Zyklus?

Hunde haben einen monöstrischen Zyklus, das bedeutet, dass die Eisprünge nur etwa ein- bis zweimal im Jahr stattfinden. Im Zyklus unterscheidet man vier Phasen:


Proöstrus

Die erste Phase des Zyklus dauert etwa neun Tage an (bei ganz jungen Hündinnen durchaus auch mal länger). Die Vulva ist angeschwollen und ich bekomme diesen blutig-gefärbten Ausfluss. Und fange an, verdammt verführerisch zu riechen.

Deswegen rennen mir die Jungs die ganze Zeit hinterher und machen mir Komplimente. Mich nervt das aber ordentlich, deshalb bin ich ihnen ziemlich zickig gegenüber.


Östrus

Diese Phase wird auch Duldungsphase genannt und dauert im Durchschnitt auch etwa neun Tage. Der Ausfluss ist dann nicht mehr blutig, sondern eher verwaschen-rosa, ein bisschen wie das Schnitzelwasser unten in der Schnitzelpackung. Die Vulva ist deutlich vergrößert.

In dieser Phase wirst du den anderen Hundebesitzern im Wald erzählen, dass ich „heiß“ bin. Was Du damit meinst, verstehe ich nicht. Allerdings verstehe ich in dieser Zeit generell nicht so viel, ich habe nur Augen für die schönen Männer, die wir im Grunewald treffen. Hast Du diesen schmucken Spinone Italiano - Rüden gesehen? Wie wär‘s?! Du hältst hier ein kleines Pläuschchen über was-auch-immer und ich gehe mit dem Süßen ein bisschen den Wald erkunden?


Metöstrus

Der Met-Östrus dauert etwa 90-120 Tage. In dieser Zeit wird die Schleimhaut der Gebärmutter wieder in ihre Ausgangsverfassung zurückversetzt. Diese Phase tritt nur ein, wenn man nicht befruchtet wird. Bei Luna gibt’s den Metöstrus für eine Weile also nicht mehr. Allerdings werden meine Hormonwerte in dieser Zeit ähnlich wie die von der trächtigen Luna sein. Dadurch kann es dazu kommen, dass ich Anzeichen einer Scheinschwangerschaft zeige.


Anöstrus

Etwa 60-90 Tage sind wir Hündinnen „sexuell inaktiv“ und die Gebärmutter befindet sich quasi in der Ruhephase.

Endlich kann ich mich den wichtigen Dingen widmen – spielen, schnüffeln und Vögel jagen. Die Jungs benehmen sich wieder normal und wir können gemütlich durch den Wald spazieren. Sollten wir uns für eine Kastration entscheiden, wäre jetzt der richtige Zeitpunkt dafür.

Wie es mit Luna im Rahmen von Trächtigkeit und Geburt weitergeht, erzähle ich Dir in Wunder Hündin Teil 3 - Trächtigkeit und Geburt!

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