Die Katze kastrieren

Kastrationen bei Katzen gehören zur Routine eines Tierarztes. Sowohl bei Wohnungs- als auch bei freilaufenden Katzen ist eine Kastration in den meisten Fällen sinnvoll. Welche Vor- und Nachteile der Eingriff mit sich bringt, zeigen wir dir in diesem Beitrag.

Inhaltsverzeichnis:

Warum werden Katzen und Kater kastriert?

Kastrationen bei Katzen gehören zu einem Routineeingriff, der in erster Linie der Verhütung und Stressreduktion dienen soll.

Während der OP werden die Keimdrüsen der Katzen (Eierstöcke oder Hoden) entfernt, sodass keine weiteren Geschlechtshormone produziert werden können. Mit dem Ausbleiben der Geschlechtshormone gehen auch Rolligkeit und Markierverfahren zurück. Die natürlichen Triebe und der einhergehende Zyklus-Stress bleiben erspart.

Das Schicksal ungewollter „Ups-Kätzchen“ ist leider selten rosig. Kitten, die kein Zuhause finden, werden vielfach ausgesetzt, getötet oder müssen im Tierheim auf eine Familie warten. Eine Kastration bedeutet also auch Tierschutz, da den Kätzchen solche Schicksale erspart bleiben.

Der richtige Zeitpunkt für die Kastration

Bei Wohnungskatzen ist das Risiko einer ungewollten Trächtigkeit geringer als bei Freigängern. Deshalb eignet sich der Zeitraum rund um den Eintritt der Geschlechtsreife für die Kastration. Zeigt deine Katze erste Anzeichen für Rolligkeit (seltsame Rufe, Unruhe, Rollen auf dem Boden, Reiben, Einnehmen von Paarungspositionen etc.), solltest du einen Termin mit deinem Tierarzt vereinbaren.

Der genaue Zeitpunkt der Geschlechtsreife unterscheidet sich je nach Rasse und Geschlecht. Im Durchschnitt werden Katzen jedoch mit 6–9 Monaten und Kater mit 5–7 Monaten geschlechtsreif. Junge Kater sollten mit 9 Monaten kastriert werden, da sie sonst damit beginnen, ihr Revier in der Wohnung mit Urin zu markieren.

Mit Beginn der Geschlechtsreife kann somit der Termin zur Kastration vereinbart werden. Viele Tierärzte empfehlen bei Freigängern die Frühkastration im Alter von 5–6 Monaten (optimaler Zeitpunkt ist rasse- und geschlechtsabhängig). Dadurch können die Wahrscheinlichkeit einer Trächtigkeit und das relative Tumorrisiko weiter verringert werden.

Während sexuell intakte Katzen ein relativ hohes Risiko für die Entwicklung von Mammatumoren haben, konnte in medizinischen Tests eine Verringerung des Risikos um 91 % bzw. 86 % bei kastrierten Tieren beobachtet werden. Kastrierte Kater werden seltener in Revierkämpfe verwickelt und bleiben eher in der Nähe ihres Zuhauses.

Der Sexualzyklus der Katze

Der Zyklus einer Katze ist saisonal polyöstrisch und hängt u. a. von der Tageslichtdauer ab. Die meisten europäischen Freigänger-Katzen werden deshalb von Februar bis Juli rollig, können aber auch eine zweite Paarungssaison erleben, wenn z. B. ein Wurf nicht überlebt. Wohnungskatzen können mitunter auch in der zweiten Jahreshälfte sexuell aktiv werden, die normalerweise die Ruhephase zwischen den Brunstphasen darstellt.

In der ersten Phase des Zyklus (Proöstrus) wächst der Follikel im Eierstock heran. Nach ca. 7 Tagen hat er sein Maximum erreicht (Östrus). Katzen haben eine sogenannte induzierte Ovulation. Das bedeutet, dass es nur im Falle der Paarung zu einer Ovulation (Eisprung) kommt – ausgelöst durch eine unmittelbare neuroendokrine Reaktion auf den vaginalen Reiz. Die Follikelphase findet unabhängig vom Deckakt statt.

Kommt es zum Deckakt, dauert es ca. 24–48 h bis zum Eisprung. Im Falle einer Trächtigkeit folgt eine Lutealphase, in der die Katze ca. 64 Tage tragend ist.

Findet trotz Deckakt keine Befruchtung statt (pseudogravider Zyklus), schließt sich eine 5- bis 6-wöchige Lutealphase an, in der sich der Gelbkörper abbaut.

Kommt es gar nicht erst zum Deckakt und bleiben sowohl Ovulation als auch Gelbkörperbildung aus, bezeichnet man dies als anovulatorischen Zyklus. Nach einer Phase der sexuellen Ruhe (Interöstrus) folgt eine kurze Proöstrus-Phase (max. 1–2 Tage). Die Katze ist dann für 2–6 Tage wieder fruchtbar und paarungsbereit (Östrus).

Kurz und knapp: Lässt du deine Wohnungskatze nicht kastrieren, musst du davon ausgehen, dass sie im Frühjahr und Sommer ca. alle 3 Wochen rollig wird.

Vorteile der Kastration

Deine Katze kastrieren zu lassen hat mehrere Vorteile. Der markanteste Vorteil für Freigänger ist vor allem, dass du keine Angst vor „Ups-Kätzchen“ haben musst. Die chirurgische Kastration ist die effektivste Methode der Fortpflanzungsunterdrückung. Im Gegensatz zur hormonellen Kastration mit Gestagen weist sie deutlich weniger Nebenwirkungen auf. Weitere Vorteile sind:

  • Weniger Stress
  • Gesundheitsvorsorge
  • Angenehmerer Umgang mit Katern

Weniger Stress

Rollige Wohnungskatzen, die ihren Sexualtrieb nicht ausleben dürfen, stehen häufig unter Stress. Mitunter kommt es vor, dass sie in dieser Zeit deutlich weniger essen und zu Aggressionen neigen. Durch die Kastration hingegen suchen Katzen häufiger die Nähe zu Menschen und auch Scheinträchtigkeiten kommen nicht mehr vor. Die typischen Verhaltensmuster der Rolligkeit (wie Herumwälzen und Schreien) bleiben aus und deine Miez ist entspannt.

Hinweis: Eine Scheinträchtigkeit erkennst du daran, dass deine Katze Spielzeug oder Kuscheltiere bemuttert, für diese ein Nest baut und sie gründlich putzt. Häufig sind auch ihre Milchdrüsen vergrößert.

Krankheiten vorbeugen

Lässt du deine Katze kastrieren, minimierst du somit das Risiko für bestimmte Erkrankungen des Reproduktionstrakts (wie Metropathien oder Ovarerkrankungen). Wird deine Katze vor ihrem 1. Lebensjahr kastriert, sinkt auch die Wahrscheinlichkeit für Mammatumore um 86 %.

In der Tiermedizin spricht man häufig von einer höheren Lebenserwartung kastrierter Katzen. Diese geht auf das verminderte Risiko für übertragbare Krankheiten (wie Katzenaids oder Leukose) und das geringere Unfallrisiko beim Streunen zurück.

Angenehmerer Umgang mit Katern

Wer einen intakten Kater hat, weiß wie unangenehm Kater zuweilen riechen können, wenn sie paarungsbereit sind. Durch das Ausbleiben der Geschlechtshormone verschwindet der strenge Geruch und auch das Markier- und Dominanzverhalten nimmt ab.

Nachteile der Kastration

Wenn du deine Katze kastrieren lassen willst, kommst du um die Operation unter Vollnarkose nicht herum. Diese belastet den Organismus zwar, verläuft jedoch in den meisten Fällen für junge, gesunde Katzen ohne Komplikationen. Dennoch besteht bei jedem chirurgischen Eingriff ein Restrisiko für Folgeschäden. Leider steigt die Wahrscheinlichkeit von Übergewicht bei einer kastrierten Katze um mehr als das Dreifache. Diese Nebenwirkung lässt sich auf hormonelle und metabolische Veränderungen zurückführen.

Werden alle Katzen dick nach der Kastration?

Östrogen hat bei Katzen einen appetitmindernden und aktivitätssteigernden Effekt. Die appetitmindernde Wirkung wird unter anderem über das Sättigungshormon Leptin vermittelt, das nach Östrogenverabreichung vermehrt aus den Fettzellen freigesetzt wird. Da das Östrogen nach der Kastration ausbleibt und bei kastrierten Katzen häufig eine verringerte Leptinsensitivität nachzuweisen ist, haben sie mehr Appetit.

Gleichzeitig werden kastrierte Katzen oftmals ruhiger und inaktiver, sodass sich ihr Gesamtumsatz um ca. 30 % verringert. Wird nun die Futtermenge nicht angepasst, ist Übergewicht die Folge. Im Umkehrschluss bedeutet das für dich: Deine Katze nimmt nicht zwangsweise zu. Sie wird nur übergewichtig, wenn du die Fütterungsmenge nicht an ihren gesunkenen Gesamtumsatz anpasst. Versuche Bewegung in den Alltag deiner Katze zu bringen (z. B. durch Spielen) und reduziere ihre Futtermenge.

Kastration oder Sterilisation – wofür sollte ich mich entscheiden?

Eine Alternative zur Kastration ist die Sterilisation deiner Katze. Während eine Kastration die komplette Entfernung der hormonproduzierenden Organe (Hoden und Eierstöcke) beinhaltet, werden bei der Sterilisation lediglich die leitenden Organe (Ei- und Samenleiter) durchtrennt oder verödet. Der Transport der Samen- und Eizellen ist somit nicht mehr möglich und eine Trächtigkeit dadurch ausgeschlossen.

Da Eierstöcke und Hoden jedoch im Körper bleiben, produzieren sie weiterhin Sexualhormone. Somit bleiben auch die typischen Verhaltensweisen (Rolligkeit, Markierverhalten, Scheinträchtigkeit etc.) erhalten. Da deine Katze im Falle einer Sterilisation trotzdem rollig wird und das Risiko für Genitaltumore weiter besteht, führt man diesen chirurgischen Eingriff eher selten durch. Eine kastrierte Katze produziert nahezu keine Sexualhormone, sodass unerwünschtes Dominanz- oder Markierverhalten und auch die Rolligkeit ausbleiben.

Wie läuft die Kastration ab?

Vor dem Eingriff sollte deine Katze 9–12 Stunden nichts mehr essen. Bis zu 2 Stunden vor der OP darf sie aber noch trinken. Die Operation dauert im Durchschnitt etwa 30 Minuten, in denen deine Katze unter Vollnarkose gesetzt wird. Während des Eingriffs steht dein Tier unter ständiger Beobachtung. Bevor die Haare rund um das Operationsgebiet rasiert und das Areal desinfiziert wird, erhält deine Katze noch eine Augensalbe, damit diese nicht austrocknen.

Bei einem Kater ist die Kastration in der Regel einfacher als bei einer Katze. Der Hodensack wird mit zwei Schnitten geöffnet, sodass die Hoden freiliegen. Im Anschluss werden sie mit einem sterilen Faden abgebunden, vollständig entfernt und vom Samenstrang getrennt. Das war’s! Die kleinen Wunden heilen meist schnell von allein und müssen nicht genäht werden. Der Hodensack bildet sich schrittweise zurück.

Im Gegensatz dazu muss bei einer Kätzin die Bauchdecke unterhalb des Nabels oder der linken Flanke geöffnet werden. Der Schnitt ist dennoch nicht größer als 1–2 cm. Ist der Tierarzt im Bauchraum angelangt, greift er mithilfe des Operationsbesteckes die Eierstöcke, bindet sie mit einem sterilen Faden ab und entfernt sie vollständig. Die Wunde wird im Anschluss vernäht und die Kastration ist abgeschlossen. Kommt es während der OP zu keinen Komplikationen, ist eine stationäre Aufnahme über Nacht nicht notwendig, sodass du deine Katze noch am selben Tag abholen kannst.

Nach der OP

Nach der Kastration muss sich deine Katze auf jeden Fall ausruhen und das Narkosemedikament verarbeiten. Auch Freigänger-Katzen sollten nicht draußen herumlaufen, bevor die Wunden verheilt sind. Am besten bereitest du zu Hause einen ruhigen, warmen Rückzugsort für sie vor und stellst frisches Wasser bereit. Platziere deine Katze bitte nicht auf einer Erhöhung (Couch, Bett, Kratzbaum), da sie sich im Falle eines Sturzes verletzen könnte. Durch das Narkotikum kann es zu unkoordinierten Bewegungen und Geräuschen kommen, die sich von allein legen. Während Kater das Medikament oft schon am Tag nach der OP verarbeitet haben, kann dies bei Katzen einige Tage dauern.

Katzen sollten ihre Wunden nicht lecken, da sich sonst die Fäden lockern können oder die Wunde infiziert wird. Der Tierarzt legt ihr meist einen Halskragen um, den deine Katze einige Tage tragen muss. Da der Halskragen bei Katzen recht unbeliebt ist, stellt der Katzenbody eine gute Alternative dar. Am besten ist es, wenn du deine Kätzin schon vor der OP an diesen gewöhnst.

Was kostet der Eingriff?

Die Kosten einer Kastration sind von mehreren Faktoren abhängig und können deshalb nicht pauschal bestimmt werden.

Da der operative Eingriff bei einer Kätzin komplexer ist als bei einem Kater, sind die Kosten für weibliche Katzen meist etwas höher. Während du für die Kastration eines Katers im Durchschnitt zwischen 60 € und 110 € zahlen würdest, läge der Eingriff bei einer Kätzin bei 90 € bis 150 €.

vetevo Fazit

Katzen, die sich draußen frei bewegen können, sollten grundsätzlich kastriert werden, um eine ungewollte Trächtigkeit zu vermeiden. Aber auch Wohnungskatzen leiden häufig unter dem Stress, den die Rolligkeit mit sich bringt. Eine Kastration verhindert somit nicht nur die Befruchtung: Durch die fehlenden Hormone wird deine Katze auch deutlich entspannter und hat ein geringeres Tumorrisiko.

Nach der Kastration könnte deine Katze unter Umständen an Gewicht zunehmen – jedoch nur, wenn du ihre Futterration nicht an ihren gesenkten Gesamtumsatz anpasst. Ob und wann genau deine Katze kastriert werden kann, solltest du individuell mit deinem Tierarzt besprechen.

vetevo - aus Liebe zum Tier.

Quellen:

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Code: NEU20