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Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) bei Hunden

Sobald der Frühling beginnt, kursieren auch wieder die Gerüchte über Zecken und die verschiedenen Krankheiten, die durch einen Stich übertragen werden können.

FSME ist bisher eine der weniger ergründeten Erkrankungen unter ihnen. Ihr Träger ist der gemeine Holzbock. Diese Art der Schildzecken bevorzugt besonders Menschen und Hunde. Erfahre in diesem Artikel alle wissenschaftlichen Fakten über die Krankheit, die Symptome und die Diagnose. 

Inhaltsverzeichnis:

Was ist FSME?

FSME steht für die Frühsommer-Meningoenzephalitis und ist eine virale Allgemeinerkrankung des Zentralnervensystems (ZNS). Sie wird bei Menschen auch virale Meningoenzephalitis bezeichnet.

Von der Krankheit sind zwar in erster Linie Menschen betroffen, jedoch kann das so genannte Arbovirus auch Tiere wie Hunde, Pferde und Wiederkäuer infizieren. 

Grundsätzlich tragen zwischen 1% bis 4% der gemeinen Holzbock-Zecken den Erreger in sich. Anders als bei der Borreliose oder Anaplasmose, reicht schon der bloße Zeckenbiss für die Infektion aus. 

Die Viren befinden sich bei infizierten Zecken nicht im Darm, sondern in ihrem Speichel. Deswegen bietet selbst das frühe Entfernen der Zecke keinen Schutz vor FSME

Bei Hunden ist die Wahrscheinlichkeit der Erkrankung relativ gering. Selbst wenn sie Kontakt mit einer infizierten Zecke haben, kann es sein, dass sie niemals Symptome zeigen. Tierärzte gehen davon aus, dass sich viele Hunde anstecken und daraufhin eine natürliche Resistenz entwickeln. 

Die Vermutung ist, dass der Organismus eines gesunden Hundes stark genug ist, um direkt Antikörper gegen die Antigene des Virus zu bilden. Der Körper eines immungeschwächten Hundes dagegen schafft dies nicht. 

Somit erkranken meist Hunde mit einem geschwächten Immunsystem, gestresste Hunde, oder Hunde, die unter einer anderen Vorbelastung leiden, an FSME. 

FSME Risikogebiete

Das Risiko einer Ansteckung ist in bestimmten Gebieten im DACH-Raum wesentlich höher als in Anderen. Für Deutschland veröffentlicht das Robert-Koch-Institut regelmäßig eine aktuelle Liste der Endemiegebiete.

Zu den Bundesländern mit den meisten Risikogebieten zählen Baden-Württemberg, Bayern, Sachsen, Hessen, und Thüringen. 

Beachte aber, dass Hunde neugierige Tiere sind und prinzipiell leichte Opfer für Zecken darstellen. Die Zeckengefahr besteht also nicht nur in den genannten Gebieten, sondern überall. 

Aus diesem Grund sollte der Zeckenschutz deines Hundes an erster Stelle stehen. In unserem Artikel über die Prophylaxe findest du alle Informationen über die verschiedenen Methoden, Anti-Zeckenmittel für Hunde und ihre Wirkung. 

Verlauf und Symptome

Da die Frühsommer-Meningoenzephalitis das komplette Nervensystem angreift, können die Symptome sehr unterschiedlich ausfallen. Die Dauer der Erkrankung beläuft sich auf 4 bis maximal 8 Tage.

Ist dein Vierbeiner infiziert, dauert es circa 1 Woche bis sich die ersten Anzeichen bemerkbar machen. Ausgegangen wird hierbei davon, dass dein Hund ein schwaches Immunsystem hat und sein Körper keine Antikörper gegen den Virus bilden konnte. 

In den meisten Fällen beginnt FSME nach der Inkubationszeit mit einer auffälligen Teilnahmslosigkeit (Apathie), hohem Fieber und möglichen Gleichgewichtsstörungen des Hundes. 

Darauf folgen oftmals Symptome, die auf eine Hirnstammläsion hindeuten:  
  • Probleme bei der Koordination (Ataxie): Hunde wirken dabei unbeholfen und machen unkontrollierte Bewegungen
  • Lähmung der Extremitäten (Parese): Hunde können ihre Gliedmaßen dabei vereinzelt, manchmal sogar gleichzeitig nicht mehr bewegen 
Und auch Symptome, die das Großhirn und Kleinhirn betreffen, sind möglich:
  • Schreckhaftigkeit
  • Sensibilität der Nerven (Tetanie) 
  • Krampfanfälle
  • Störung der Bewegungsabläufe (Hypermetrie) 
Durch die gesteigerte Sensibilität der Nerven im Körper deines Hundes kommt es bei FSME am häufigsten zu:
  • Schmerzen im Hals- und Nackenbereich
  • Schmerzen im Rücken 
  • Überempfindlichkeit bei Berührung, ausgelöst durch Gliederschmerzen 
  • Einschränkung der Reflexe
  • Gangstörungen
Die Symptome können sich bei einem schweren Fall manifestieren und nachhaltigen Schaden anrichten. Veränderungen in der Motorik deines Vierbeiners sollten daher immer umgehend von einem Tierarzt untersucht werden.

Die FSME Diagnose

Die endgültige Diagnose basiert auf reinem Verdacht. Anhand einer Anamnese und der Symptome kann der Tierarzt andere Krankheiten nach und nach ausschließen.

Hat sich dein Vierbeiner in einem Risikogebiet für FSME aufgehalten und wurde er von einer Zecke gestochen, bestärkt dies die Verdachtsdiagnose. 

Blutuntersuchungen sind leider wenig aussagekräftig. Da sich auch bei gesunden Hunden die Antikörper bilden, kann ein positives Testergebnis wertlos sein. Gleichzeitig ist ein negatives Resultat kein eindeutiger Beweis dafür, dass keine Infektion vorliegt. 

Um eine bessere Einsicht in den Körper deines Hundes zu bekommen, muss der Tierarzt Flüssigkeit aus dem Rückenmark und/ oder dem Gehirn entnehmen. Dadurch kann der Anteil an Antikörpern im Liquor getestet werden. Dies findet unter einer Vollnarkose statt. 

Ein hohes Maß deutet auf eine Infektion hin, bei der sich die Antikörper in der Flüssigkeit selbst produzieren. Hierbei wird ebenfalls untersucht, ob sich andere Erreger im Liquor befinden. Wenn nicht, dann ist es sehr wahrscheinlich FSME. 

Zusätzlich kann ein Vergleich zwischen dem Gehalt der Antikörper im Blut und der im Liquor durch einen PCR-Nachweis gezogen werden. Ist die Zahl innerhalb der Flüssigkeit aus Hirn oder Rückenmark höher als die im Blut, kann dies ein weiterer Hinweis auf die Erkrankung sein. 

Ob ein Hund wirklich an FSME erkrankt ist, kann mit Sicherheit erst nach seinem Tod geprüft werden. Die Methode dafür nennt sich Immunzytochemie.

Therapie

Eine wirksame Therapie von FSME gibt es noch nicht. Der Tierarzt wird versuchen die Symptome deines Hundes zu behandeln, sowie die Schmerzen soweit wie möglich zu minimieren.

Es kann sein, dass deinem Hund das Antibiotikum Doxycyclin verschrieben wird. Dies wirkt bei den Zeckenerkrankungen Borreliose und Anaplasmose. Davon müssen 5 mg pro Kilogramm Körpergewicht alle 12 Stunden eingenommen werden. 

Leidet dein Hund unter Krampfanfällen, wird der Tierarzt eine antiepileptische Therapie anstreben. Diese sollte seine Anfälle eindämmen und ihn entlasten. 

Prognose

Wie sich die Erkrankung verhält, hängt vom Schweregrad der Symptome ab. Milde Symptome können durch eine Therapie verschwinden oder eingedämmt werden. Eine vollständige Heilung ist möglich, häufig bleiben allerdings Schädigungen bestehen. 

In schweren Fällen, die mit Krämpfen einhergehen, sind die Überlebenschancen eher gering einzuschätzen. Oftmals muss der Hund von seinem Leiden befreit werden.

Gibt es eine Impfung gegen FSME?

Leider gibt es keine Impfung für Hunde, die gegen FSME schützt. Du kannst ihn jedoch mit verschiedenen Mitteln vor einem Zeckenstich bewahren.

Besonders effektiv sind Spot-On Präparate und Parasitenhalsbänder. Diese bieten deinem Vierbeiner einen oberflächlichen Schutz vor Zecken und auch Flöhen.

Kombinierst du diese Anti-Zeckenmittel mit der Impfung gegen Borreliose, ist dein Hund perfekt vorbereitet auf die Zeckensaison.

Besteht Ansteckungsgefahr?

Sollte dein Hund an FSME leiden, besteht keine direkte Ansteckungsgefahr für dich oder andere Vierbeiner. Die Übertragung der Viren geschieht ausschließlich über den Zeckenstich.

Interessant zu wissen ist aber, dass sich Menschen durch den Verzehr von Rohmilchprodukten infizierter Kühe, Ziegen und Schafe anstecken können.

vetevo-Fazit

FSME ist keine Erkrankung mit der leichtsinnig umgegangen werden sollte. Sie kann schwerwiegende Folgen haben und im schlimmsten Falle tödlich enden.

Fieber, Schmerzempfindlichkeit und eingeschränkte Reflexe sind die häufigsten Anzeichen für FSME. Berichte dem Tierarzt sofort, sollte dir etwas in die Richtung bei deinem Vierbeiner auffallen.

Da es weder eine eindeutige Diagnose, noch wirksame Therapie gegen FSME gibt, wird durch das Ausschlussverfahren vorgegangen und die Symptome so gut es geht behandelt.

Das frühzeitige Entfernen einer Zecke schützt zwar vor vor Vielem, jedoch nicht vor dem Arbovirus. Achte deshalb auf eine ausgiebige Zeckenprophylaxe und schütze deinen Hund besonders in den Risikogebieten.

vetevo - Aus Liebe zum Tier.

Quellen:

  1. Zeckenenzephalitis, Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). In: Kohn B, Schwarz G, Hrsg. Praktikum der Hundeklinik. 12., aktualisierte Auflage. Stuttgart: Enke Verlag; 2017. doi:10.1055/b-004-140269
  2. Frühsommermeningoenzephalitis (FSME). In: Selbitz H, Truyen U, Valentin-Weigand P, Hrsg. Tiermedizinische Mikrobiologie, Infektions- und Seuchenlehre. 10., aktualisierte Auflage. Stuttgart: Enke Verlag; 2015. doi:10.1055/b-003-127007
  3. Zentraleuropäische Zeckenenzephalitis (ZE), Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) (European tick-borne encephalitis, TBE) beim Hund. In: Hundekrankheiten kompakt. 1. Auflage. Stuttgart: Enke Verlag in MVS Medizinverlage Stuttgart GmbH & Co. KG; 2014.
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