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©David Mark

Welche Impfungen brauchen Pferde?

Wie bei allen unseren Haustieren sind auch bei Pferden Impfungen ein unabdingbarer Schutz vor gefährlichen und potentiell tödlichen Infektionskrankheiten. Durch die Injektion des Impfstoffes unter die Haut oder in einen Muskel kannst du verhindern, dass dein Pferd an verschiedensten Erregern erkrankt.

Doch nicht nur für dein eigenes Pferd ist es wichtig diesen Schutz aufrecht zu erhalten. Durch die flächendecke Impfung vor bestimmten Krankheiten wird die Ausbreitung von Infektionen verhindert, um so auch noch ungeimpfte Tiere wirksam schützen zu können. Damit du den Überblick behältst, welche Impfungen dein Pferd zu welchem Zeitpunkt benötigt, haben wir dir hier das Wichtigste zusammengefasst.  

Inhaltsverzeichnis:

Welche Impfungen sind beim Pferd unbedingt notwendig?

Grundsätzlich kannst du dein Pferd gegen eine Vielzahl von Krankheiten impfen lassen. Da jede Impfung jedoch auch eine Belastung für den Körper deines Pferdes darstellen kann, empfiehlt es sich die Impfungen an die Lebensumstände deines Pferdes anzupassen.

Ausgenommen hiervon sind allerdings die wichtigen Basis-Impfungen, auch Core-Komponenten genannt: 
  • Tetanus
  • die equinen Herpesviren (EHV) vom Typ 1 und 4 
  • die Pferdegrippe (equine Influenza oder EIV)
Wichtig: Dein Pferd sollte nur geimpft werden, wenn es gerade gesund ist. Bei bestehender Vorerkrankung oder Parasitenbefall kann eine Impfung sogar gefährlich für deinen Vierbeiner werden. Besprich deshalb vor jeder Impfung den aktuellen Gesundheitszustand deines Pferdes mit deinem Tierarzt und ziehe ggfs. eine Entwurmung vor der Impfung in Betracht.  

Tetanus

Tetanus ist eine durch Bakterien verursachte Erkrankung, die auch Wundstarrkrampf genannt wird. Gerade Pferde sind, im Gegensatz zu z. B. Hunden, sehr anfällig für diese Infektion. Nur etwa ein Drittel der an Tetanus erkrankten Pferde überlebt - ein Impfschutz ist somit unumgänglich. 

Die Krankheit wird durch das Bakterium Clostridium tetani verursacht. Diese Bakterien werden über Wunden in den Organismus aufgenommen und befallen das zentrale Nervensystem. Nach der Inkubationszeit von wenigen Tagen bis zu mehreren Wochen zeigen sich die ersten Symptome: Steifheit, Koordinationsschwierigkeiten bis hin zu der charakteristischen krampfhaften Muskelstarre. 

Die auslösenden Bakterien kommen nahezu überall vor, was einen umfassenden Impfschutz der Pferdepopulation unumgänglich macht.

Equines Influenzavirus (EIV)

Eine Erkrankung durch das equine Influenzavirus führt zur sogenannten Pferdegrippe, auch infektiöse Tracheobronchitis genannt. Es handelt sich um eine Erkrankung der oberen und unteren Atemwege, die hochansteckend ist und dementsprechend oftmals ganze Pferdepopulationen betrifft. 

Zu den Hauptsymptomen zählen hohes Fieber, Appetitlosigkeit, trockener Husten, Nasenausfluss, beschleunigte Atmung und starker Leistungsabfall. Da es sich um eine virale Erkrankung handelt, sind der Behandlung deutliche Grenzen gesetzt. Vor allen Dingen müssen bakterielle Folgeinfektionen verhindert und für absolute Schonung gesorgt werden. 

Um nicht nur dein eigenes Tier, sondern auch den seuchenhaften Ausbruch dieser Erkrankung zu verhindern, zählt die Impfung gegen das equine Influenzavirus zu den wichtigen Grundimpfungen deines Pferdes.  

Equine Herpesviren

Die equinen Herpesviren vom Typ 1 sowie 4 sind ebenfalls gefährliche Erreger, die deinem Pferd ernsthaften Schaden zufügen können. Eine Infektion führt in den meisten Fällen zu Atemwegserkrankungen. Bei trächtigen Stuten kann es durch den Virus Typ 1 zu einem sogenannten Virusabort kommen. Dabei wird das ungeborene Fohlen durch den Virusbefall nicht mehr ausreichend mit Nährstoffen versorgt und stirbt. 

In seltenen Fällen kann es durch die Herpesinfektion zu neurologischen Erkrankungen kommen. Hierbei entzündet sich das Rückenmark des Pferdes, wodurch es zu neurologischen Ausfällen wie Lähmungserscheinungen oder Koordinationsproblemen kommen kann, die oftmals schlecht bis nicht ausheilen. 

Impfschema für Pferde

Die beschriebenen Krankheiten sind nicht nur gefährlich, sondern auch sehr verbreitet. Die Ständige Impfkommission der Veterinärmedizin empfiehlt ein klares Impfschema für diese wichtigen Grundimmunisierungen, die regelmäßig wiederholt werden müssen.
 mit 6 Monaten 
 mit 7 - 7.5 Monaten 
 mit 12 - 14 Monaten 
 mit 19 - 21 Monaten 
 Tetanus, EIV, EHV 
 Tetanus, EIV, EHV 
 EIV, EHV 
 Tetanus
Danach sollten die Wiederholungsimpfungen gegen die Pferdegrippe alle 6 - 12 Monate (je nach Haltungs- und Lebensbedingungen), gegen das equine Herpesvirus alle 6 Monate sowie gegen Tetanus alle 3 Jahre erfolgen. Auch bei älteren Tieren, bei denen der Impfstatus nicht klar ist, wird dieses Schema angewandt.

Für die jährlichen Impfkosten solltest du in etwa 120 Euro einkalkulieren. Bei der Nutzung von Kombinationsimpfstoffen kann der Preis unter Umständen auch etwas geringer ausfallen. 

Wichtig: Jede Impfung kann den Körper deines Pferdes belasten. Deshalb ist es wichtig, deinen Vierbeiner in den Tagen nach der Impfung genau zu beobachten, um unwahrscheinliche, aber mögliche, Nebenwirkungen schnell zu bemerken und behandeln zu können.
Wann ist die nächste Impfung fällig? Lade dir deinen digitalen Impfpass herunter und werde immer rechtzeitig erinnert.
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Mögliche Nebenwirkungen nach der Impfung

Die Impfungen, die dein Pferd vom Tierarzt erhält, sollten wissenschaftlich geprüft und zugelassen sein. Nichts desto trotz treten leider in einzelnen Fällen Nebenwirkungen auf. Daher kann es nicht schaden zu wissen, wie sich Unverträglichkeiten oder Impfreaktionen äußern, um im Fall der Fälle doch den Tierarzt zu rufen.

Ein leichter Temperaturanstieg (38 - 38.5 Grad) nach einer Impfung ist erstmal kein Grund zur Sorge. Das Immunsystem deines Pferdes reagiert auf das verabreichte Mittel. Sollte die Temperatur allerdings über 38.5 steigen und/oder über mehrere Tage nicht sinken, solltest du zur Sicherheit den Tierarzt rufen. 

Um die Einstichstelle der Impfung kann es zudem zu Hautirritationen, Schmerzempfindlichkeit oder auch leichten Schwellungen kommen. Auch hier solltest du darauf achten, ob es sich lediglich um eine leichte Rötung handelt oder ob sich eine ausgewachsene Schwellung bildet. In letztem Fall oder falls die Hautveränderung oder Schmerzhaftigkeit nach 3 Tagen nicht besser wird: Ruf am besten den Tierarzt. 

Wesentlich seltener kommen Symptome wie Abgeschlagenheit, Appetitlosigkeit oder Leistungsschwäche vor. In diesem Fall handelt es sich häufig um eine sehr abgeschwächte Form der Erkrankung, gegen die geimpft wurde. Bleiben diese Symptome länger als 3 Tage bestehen, solltest du auch hier den Tierarzt zu Rate ziehen. 

Generell solltest du darauf achten, dass dein Pferd nach einer Impfung etwa 3 Tage lang geschont wird. Auch wenn dein Pferd fit wirkt braucht sein Körper etwas Zeit, um die Impfung zu verarbeiten.  

Impfung vergessen - und nun?

Solltest du die regelmäßigen Auffrischungsimpfungen vergessen haben, ist der Impfschutz deines Pferdes reduziert oder sogar gar nicht mehr vorhanden. Unter Umständen ist auch eine erneute Grundimmunisierung nötig.

In jedem Fall solltest du schnell handeln und deinen Tierarzt konsultieren, um den Impfschutz deines Pferdes schnellstmöglich wieder zu sichern. 

Welche zusätzliche Impfungen können sinnvoll sein?

Natürlich gibt es noch viele weitere Impfungen, die dein Pferd vor möglichen Erkrankungen schützen können. Hierzu zählen beispielsweise folgende Impfungen gegen: 
  • das equine Rotavirus
  • Tollwut
  • Borreliose
  • Druse
Der Nutzen einer Impfung hängt jedoch von verschiedenen Faktoren ab. Hierzu zählen unter anderem der Lebensraum, die Haltungsbedingungen sowie die Verwendung deines Pferdes. Nicht jede Impfung ist für dein Pferd nötig und sinnvoll. Dementsprechend raten wir dir dich bezüglich weiterer Impfungen vom Tierarzt deines Vertrauens beraten zu lassen.

Equines Rotavirus

Die equine Rotavirus-Infektion ist eine Erkrankung, die Fohlen in den ersten Lebensmonaten betreffen kann. Bei Rotaviiren handelt es sich um Erreger, die den Darm deines Pferdes befallen. Hier lösen sie schwere Durchfälle aus, die im schlimmsten Fall zur Austrocknung des Jungtieres führen können.

Die Erreger werden oral über durch Kot verunreinigtes Futter aufgenommen. Dementsprechend ist eine ausreichende Hygiene, gerade in Abfohlbereichen, oberstes Gebot. Um die neugeborenen Fohlen zu schützen, wird eine Impfung für die tragende Stute angeboten. So werden Antikörper über die Muttermilch an das Neugeborene abgegeben.  

Tollwut

Während die Tollwut-Impfung bei Hunden und Katzen zur Basisimmunisierung gehört, herrscht für Pferde ein deutlich geringeres Infektionsrisiko in Deutschland. Die virale Infektion (Lyssa-Viren) wird vor allen Dingen durch Bisse infizierter Tiere (vor allem Füchse) übertragen und schädigt das zentrale Nervensystem des erkrankten Tieres. In Deutschland kommen die Lyssa-Viren allerdings offiziellen Angaben zufolge nicht mehr vor. 

Die Krankheit greift das Gehirn an und führt zu Nervenausfällen, bei denen das Pferd die Kontrolle über seine Muskulatur verliert. Durch diesen Kontrollverlust werden die Tiere zunehmen scheu oder aggressiv. Die Erkrankung verläuft bei Pferden in den meisten Fällen tödlich und ist mit großen Schmerzen verbunden. Stirbt das Tier nicht von alleine ist eine muss der Tierarzt das Pferd von seinem Leid erlösen. Die Krankheit ist als Zoonose zudem anzeigepflichtig und darf aufgrund der Ansteckungsgefahr nicht vom Arzt behandelt werden. 

Ob eine Tollwutimpfung für dein Pferd sinnvoll (oder sogar verpflichtend) ist, hängt also von eurem Standort, möglichen Reiseplänen und einer persönlichen Risikoabwägung ab. Wir raten dir, dich vom Tierarzt deines Vertrauens hierzu ausführlich beraten zu lassen. 

Borreliose

Hierbei handelt es sich um eine bakterielle Infektion mit Borrelien, bei Pferden vorwiegend mit Borrelia burgdorferi. Die Ansteckung erfolgt über Zeckenbisse. Oftmals wird eine Infektion erst sehr spät entdeckt, da Zecken im Fell des Pferdes häufig schwer zu erkennen sind und die typische kreisförmige Rötung um den Zeckenbiss nicht auffällt. 

Erschwerend kommt hinzu, dass die Borreliose sich durch sehr unspezifische Symptome äußert, die von Headshaking über Muskelverspannungen bis zu unspezifischen Lahmheiten oder Verhaltensänderungen reichen können. Die Diagnose ist nicht einfach zu stellen und zudem recht kostenintensiv. Auch die anschließende Behandlung gestaltet sich langwierig und leider kann nicht immer mit einer vollständigen Heilung gerechnet werden. 

Ob eine Impfung gegen Borreliose für dein Pferd sinnvoll ist, hängt wieder stark von seinen Lebensumständen ab. Lebt ihr in einem Borreliose-Gebiet und handelt es sich bei deinem Vierbeiner um einen Weidegänger, der häufig mit Zecken in Kontakt kommt, kann eine Impfung durchaus ein sinnvoller Schritt sein. Lass dich am besten direkt von deinem Tierarzt beraten, um die passende Lösung für dich und dein Pferd zu finden.  

Druse

Auch gegen die häufig auftretende Pferdekrankheit Druse gibt es eine Impfung. Druse ist eine Atemwegserkrankung, die durch den Erreger Streptococcus equi ausgelöst wird. Typische Symptome umfassen Husten, hohes Fieber, Anschwellen der Lymphknoten sowie eitriger Nasenausfluss. 

Besonders gefährdet sind junge Pferde und Fohlen. Allerdings stellen auch Pferde, die in großen Beständen leben sowie Turnierpferde, die großen Belastungen ausgesetzt sind und mit vielen anderen Pferden in Kontakt kommen, Risikogruppen dar. 

Ob eine Impfung für dein Pferd Sinn macht, hängt selbstverständlich davon ab, ob dein Tier zu einer Risikogruppe gehört. Sollte es einen Ausbruch der Infektion bei einem Tier geben, müssen selbstverständlich alle Tiere der zusammenlebenden Population geimpft werden. Gleiches gilt bei einem infizierten Neuzugang im Stall. Jungtiere können ab dem vierten Lebensmonat geimpft werden. 

Wenn dein Pferd keiner Risikogruppe angehört und kein akuter Ausbruch unter den Pferden eines Stalles herrscht, wird generell nicht zu einer Impfung geraten. Ob sie sich für dein Tier trotzdem lohnt, besprichst du am besten mit dem Tierarzt deines Vertrauens. 

Wichtig: Seit 2018 ist das West-Nil-Virus nördlich der Alpen angekommen und es wurden einige wenige Fälle bei Pferden in Deutschland festgestellt. Der Erreger wird über Stechmücken (die zuvor Vögel gestochen haben) übertragen und führt zu einer Entzündungsreaktion des Körpers, die im schlimmsten Fall das Gehirn angreift. Viele Infektionen verlaufen allerdings asymptomatisch. Lass dich zur Sinnhaftigkeit dieser Impfung am besten von deinem Tierarzt beraten.    

vetevo-Fazit

Der Impfschutz deines Pferdes ist sowohl für dein Tier als auch für andere (unter Umständen noch nicht geimpfte) Pferde enorm wichtig. Durch ihn wird verhindert, dass dein Pferd sich mit gefährlichen Krankheiten infiziert, die sich im schlimmsten Fall auf viele andere Tiere übertragen können. Neben den unumgänglichen Core-Impfungen (Tetanus, Pferdegrippe sowie die equinen Herpesviren) gibt es weitere Möglichkeiten dein Pferd vor anderen Erregern zu schützen, deren Nutzen stark von individuellen Faktoren deines Vierbeiners abhängt. Ob diese Impfungen für dein Pferd sinnvoll sind, solltest du mit dem Tierarzt deines Vertrauens besprechen. 

Um einen sicheren Impfschutz zu gewährleisten, müssen die regelmäßigen Auffrischungen eingehalten werden. Damit du keinen Impftermin mehr vergisst, kannst du dich von unserer vetevo App an anstehende Impfungen erinnern lassen. 
  
vetevo - Aus Liebe zum Tier.

Quellen:

  1. Impfungen beim Pferd – Allgemeines. In: Brehm W, Gehlen H, Ohnesorge B et al., Hrsg. Handbuch Pferdepraxis. 4., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Stuttgart: Enke Verlag; 2016. doi:10.1055/b-004-129693 
  2. Impfung bei Pferden. In: Halbmayr E, Hrsg. Dosierungsvorschläge für Arzneimittel bei Pferden und Eseln. 4., vollständig aktualisierte und erweiterte Auflage. Stuttgart: Schattauer GmbH; 2018. doi:10.1055/b-005-149006 
  3. Impfungen gegen virale Krankheitserreger des Pferdes. In: Brehm W, Gehlen H, Ohnesorge B et al., Hrsg. Handbuch Pferdepraxis. 4., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Stuttgart: Enke Verlag; 2016. doi:10.1055/b-004-129693
  4. Impfungen gegen bakterielle Krankheitserreger bzw. Toxine des Pferdes. In: Brehm W, Gehlen H, Ohnesorge B et al., Hrsg. Handbuch Pferdepraxis. 4., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Stuttgart: Enke Verlag; 2016. doi:10.1055/b-004-129693 
  5. Ständige Impfkommission Veterinärmedizin (StIKo Vet): Leitlinie zur Impfung von Pferden. Stand 01.02.2019.  
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