Hund bellen - wann ist es Aggression?

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Wenn Hunde bellen: Wann ist es Aggression und wie gehe ich damit um?

Manche Hunde bellen wegen jeder Kleinigkeit. Weil sie allein sind, weil Besuch kommt, weil etwas vom Tisch gefallen ist und vieles mehr. Das kann furchtbar nerven. Dich, dein Umfeld und vermutlich ist dein Hund auch nicht gerade ausgeglichen. Doch wann ist es wirklich Aggression und worauf sollte ich achten?

Inhaltsverzeichnis:

Bellen als Warnung

Hat ein Hund sich erschrocken, fühlt sich gestört oder mag er jemanden nicht, möchte er diesen Menschen oder auch anderen Hund auf Abstand halten. Er bellt dann. Wird seine Warnung ignoriert, kann der Hund aggressiv werden und angreifen. Das Bellen klingt dann sehr tief und der Hund bellt oft nur wenige Male. Kurz bevor er wirklich angreift, hört er mit dem Bellen auf. Aber es gibt noch andere Gründe, als einfach nur gerade schlecht gelaunt sein, warum ein Hund bellt.

Schmerzen können Hunde aggressiv machen

Ist ein Hund erkrankt oder auch verletzt, kann seine Reizschwelle geringer sein und er kann schneller aggressiv reagieren, wenn man ihm zu Nahe kommt. Insbesondere orthopädische Probleme wie etwa eine Hüftgelenksdysplasie können hierfür die Ursache sein. 

Aber auch die Angst vor dem Schmerz kann einen Hund aggressiv werden lassen. Das kann gegenüber dem Menschen oder auch andere Hunden gegenüber sein und ist oftmals auf schlechte Erfahrungen mit Mensch oder Tier zurückzuführen. Manchmal genügt schon eine bestimmte Bewegung oder ein bestimmtes Kleidungsstück, die den Hund an vergangene Schmerzen erinnern und schon ist er in Habachtstellung.

Wichtig!

Wenn beim Spiel der Spaß aufhört und einer heult: Schmerzen können auch während des Spiels entstehen. Wenn der andere Hund zu stürmisch spielt oder ein Hund deutlich schwerer als der andere ist, kann dies zu Bellen und aggressivem Verhalten führen.

Lautstarker Beschützerinstinkt

Viele Hunde haben den Drang, ihr Herrchen oder Frauchen und die ganze Familie zu beschützen. Befindet sich der Hund in seinem Zuhause, teilt er seiner Familie, seinem Rudel, zuerst durch ein leises Wuffen mit, dass etwas nicht stimmt. Vielleicht steht ein Fremder vor der Tür? Mit dem Wuffen fordert er Unterstützung an, damit er sich der Bedrohung nicht alleine stellen muss. Passiert nichts, folgt dem Wuffen ein Bellen, das immer wieder durch ein warnendes Knurren unterbrochen wird. Diese Aufmerksamkeit ist zwar durchaus lobenswert und tendenziell auch oft gewünscht, doch wenn die Fellnase beim kleinsten Geräusch im Treppenhaus oder am Gartenzaun außer sich gerät, dann besteht Handlungsbedarf. 

Wenn der Hund einen für ihn wertvollen Gegenstand hat, den er mit niemandem teilen möchte, warnt er erst einmal mit einem leisen Wuffen und geht dann in ein drohendes Bellen über.

Scheinträchtigkeit bei Hündinnen

Es ist ein Drama der Verwirrungen und Irrungen: Bei einer Scheinschwangerschaft benimmt sich eine Hündin als ob sie trächtig sei. Sie baut ein Nest für ihre Welpen, die es nicht gibt. Und sie verteidigt ihre Welpen, die es nicht gibt. Dies kann nervenaufreibend für den Hundehalter und natürlich auch die Hündin werden. Nicht selten ist deshalb eine Scheinschwangerschaft Auslöser für Aggressionen und Bellen bei der Hündin, weil sie ihren Phantom-Wurf beschützen will. Lese mehr dazu in unserem Beitrag Scheinträchtigkeit der Hündin.

Aggressives Bellen bei Menschen und Kindern

Es ist natürlich unangenehm für alle Beteiligten, wenn ein Hund schlichtweg nicht gesellschaftsfähig ist und Menschen oder auch Kinder offensichtlich aggressiv anbellt. Er macht dies aber nicht, weil er einfach ein Stinkstiefel ist. Im Gegenteil. Meistens hat er Angst und/oder er will sein Territorium beschützen. Hat er Angst, so hat er vermutlich in der Vergangenheit wiederholt schlechte Erfahrungen mit Menschen oder mit Kindern gemacht und will sie fernhalten. Gerade Kinder gehen ja gerne auch mal ruppig mit Tieren um. Aber auch insbesondere Hunde, die aus prekären Verhältnissen gerettet und nach Deutschland gebracht wurden, legen oft ein aggressives Verhalten an den Tag. Wer sich eines solchen Hundes annimmt, muss wissen, was er tut. Denn oftmals liegt eine mangelnde Sozialisation vor, sei es mit Menschen oder auch mit anderen Tieren. Vom Hundehalter ist dann viel Geduld, Liebe und Einfühlungsvermögen gefragt. Der Ursache für die Aggression muss unbedingt professionell auf den Grund gegangen werden, um mit einer Therapie Abhilfe für den Hund und allen anderen Beteiligten zu schaffen.
Hund aggressiv gegen Kinder und Menschen

@dahancoo

Wichtig!

Der Besitzer muss den Hund immer unter Kontrolle haben, denn es ist essenziell, dass für die Sicherheit der Menschen gesorgt wird. Die Therapie muss der Ursache für das aggressive Verhalten gegenüber den Menschen entsprechend angepasst werden.

Hund gegen Hund

Auf die Hundewiese zu gehen kann in echten Stress für dich und deinen Hund ausarten oder sogar fast unmöglich werden, wenn der Hund schon beim Anblick eines anderen Hundes ausflippt. Aber auch das macht ein Hund nicht aus einer Laune heraus. Es gibt mit Sicherheit einen Grund und der kann territorial-, hormonell-, schmerz- oder auch angstbedingt sein. Wenn ein Hund beispielsweise schlechte Erfahrungen oder nicht genügend positive Erfahrungen mit anderen Hund gemacht hat, kann dies die Ursache für aggressives Verhalten und Bellen gegenüber anderen Hunden sein.
Hunde aggressiv auf Artgenossen

@Ulrike Mai

Ein Hund kann auch reizbarer gegenüber anderen Hunden sein, wenn er schlichtweg krank ist oder Schmerzen hat. Insbesondere bei Muttertieren und scheinträchtigen Hündinnen kann es zudem zu Aggression gegenüber Artgenossen kommen. Dieses Brutverteidigungsverhalten beobachtet man mitunter aber auch bei Rüden und kastrierten Hündinnen.

Wenn Freund plötzlich Feind wird

Wenn ein Hund auf einmal einen anderen Hund im Haushalt anbellt und Aggressionen zeigt, kann es sich dabei um Rangkämpfe handeln, weil die Stellung innerhalb des Rudels instabil geworden ist. Nun gilt es die Hunde genau zu beobachten, wann und warum es zu diesen kämpferischen Auseinandersetzungen kommt. Ist es mal wieder so weit, muss der Hundehalter klar demonstrieren, dass er der Herr im Haus, der Rudelführer, ist. Basta! Dann gilt es herauszufinden, welcher Hund nun wirklich der ranghöhere und der rangniedrigere ist.

Als Chef musst du dich dann auch entsprechend verhalten, auch, wenn es manchmal schwerfällt. Du darfst die Hunde nicht verwirren, indem du den ranghöheren Hund beispielsweise in Anwesenheit des rangniedrigeren Hundes maßregelst oder gar bestrafst. Deine Aufgabe als Rudelführer ist es jetzt, die Beziehung der beiden Hunde zu stabilisieren. Wenn es Zoff gibt, führe beispielsweise den rangniedrigeren Hund aus dem Raum, auf keinen Fall den ranghöheren. Wenn du gar nicht weiter weißt, wende dich an deinen Tierarzt. Er wird wissen, was dann zu tun ist und ob professionelle Hilfe gebraucht wird. Denn oft muss hier über einen längeren Zeitraum an Feinheiten gearbeitet werden.

Wichtig!

Bei aggressiven Auseinandersetzungen zwischen zwei Hunden auf keinen Fall mit bloßen Händen eingreifen, da dies zu schlimmen Verletzungen führen kann. Besser ist es, die Hunde mit einem Wasserstrahl aus dem Gartenschlauch zu trennen, oder auch einem Brett oder Ähnliches.

Wie gewöhne ich meinem Hund das Bellen ab?

Das Bellen kann einem Hund also nur abgewöhnt werden, wenn man weiß, warum er das tut. Dazu muss oft der Rat eines Tierarztes oder Verhaltensexperten gesucht werden. Folgende Maßnahmen helfen und sollten grundsätzlich von Hundehaltern stets berücksichtigt werden:
  • In der Sozialisierungsphase sollten Hunde von Anfang an viele positive Erfahrungen mit vielen unterschiedlichen Hunden wie auch Menschen machen.
  • Die Hunde sollten geistig und körperlich ausgelastet werden.
  • Liegen körperliche Erkrankungen vor, müssen diese diagnostiziert und behandelt werden.
  • Wenn der Hund sich aggressiv gegenüber Familienmitgliedern verhält, muss unbedingt der Rat eines Experten eingeholt werden.
  • Der Hundehalter muss eindeutig die Führungsrolle im Rudel haben, egal ob ein Hund oder mehrere Hunde. Souveränes Auftreten, konsequentes Handeln und konsequente Umsetzung von Alltagsregeln sind die Schlüssel.
  • Gewünschtes Verhalten, also Ruhe und Gelassenheit, immer mit einem Leckerchen oder einer Schmuseeinheit belohnen.

vetevo-Fazit

Wenn ein Hund bellt und Aggressionen zeigt, sollte der Angelegenheit mithilfe von Experten auf den Grund gegangen werden. Die Auslöser reichen von schlechten Erfahrungen in der Vergangenheit über Krankheiten und Schmerzen bis zu Unstimmigkeiten in der Rangordnung. Wichtig ist, dass du von Anfang an dafür sorgst, dass dein Hund möglichst viele positive Erfahrungen mit anderen Tieren und Menschen macht. Stelle aber vor allem immer sicher, dass deine Stellung als Rudelführer von deinem Hund oder deinen Hunden stets akzeptiert wird. Genauso wichtig ist es, dass du dich auch entsprechend der Rangordnung im Rudel verhältst und nicht böses Blut aufkochen lässt.

vetevo - Aus Liebe zum Tier.
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