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©Erik Karits

Ehrlichiose bei Hunden

Die Ehrlichiose ist weit verbreitet und wird häufig bei Hunden aus dem Ausland diagnostiziert. Ihr Träger ist die braune Hundezecke, die zur Art der Schildzecken gehört.

Besonders verbreitet ist die Zecke in tropischen und subtropischen Gebiete wie Afrika, dem Mittelmeerraum und Südostasien. Heutzutage ist es aber auch möglich, dass sich ein Hund innerhalb Deutschlands infiziert.

Alle Informationen rund um die Ehrlichiose, ihre Symptome und die Therapie bei Hunden findest du in diesem Artikel. 

Inhaltsverzeichnis:

Was ist Ehrlichiose?

Die Canine Monozytäre Ehrlichiose (CME) ist eine Infektion, die durch das Ehrlichia Bakterium übertragen wird. Diese Bakterien befallen die weißen Blutkörperchen. Ehrlichiose ist im DACH-Raum als “Mittelmeerkrankheit” bekannt, allerdings dringt ihr Überträger in den letzten Jahren immer weiter nach Norden vor.

CME wird über den Biss der braunen Hundezecke übertragen. Sie hält sich besonders gerne in den Tropen und Subtropen auf, wo das Klima warm und trocken ist. Das bedeutet aber nicht, dass sie in Europa nicht anzutreffen ist. 

Durch den Klimawandel hat sich das Revier dieser Zeckenart durchaus verändert. In vereinzelten Fällen wurde sie nun schon in Deutschland gesichtet. Bei uns hält sie sich dann unter geeigneten Bedingungen in Wohnungen und Häusern, oder in Hundezwingern auf. 

Ein Zeckenbiss ist nicht zu unterschätzen. Neben der Ehrlichiose kann sie deinen Hund auch mit Erkrankungen wie Anaplasmose, Hepatozoonose, Babesiose, und Rickettsiose anstecken. Die Zecke trägt somit einen regelrechten Erreger-Pool in sich. 

Interessant sind auch die Unterschiede zum gemeinen Holzbock: Zum Einen saugt nicht nur die weibliche, sondern auch die männliche braune Hundezecke Blut. Zum Anderen springen circa 35% der Zeckenart von Hund zu Hund - besonders, wenn die Hunde im gleichen Haushalt leben. 

In der Tiermedizin wird sie das erste Mal im Jahr 1935 in Algerien entdeckt und ab den 1970er-Jahren erforscht. 

Übertragung der Krankheit auf den Hund

Nach dem Zeckenstich wandern die Ehrlichien über den Stechrüssel ins Blut des Wirts. Die Inkubationszeit beträgt 8 bis 20 Tage. Während dieser Periode gelangen die Erreger final in den Organismus.

Einmal im Blut befallen die Bakterien die Zellen besonders in der Milz und der Leber. Dort greifen sie Bestandteile der weißen Blutkörperchen (Leukozyten) an, sogenannte Monozyten und Makrophagen. Monozyten sind zirkulierende Zellen, Makrophagen sind sogenannte Fresszellen der Leukozyten. 

Beide sind wichtiger Bestandteil eines funktionstüchtigen Immunsystems. Sie sind unter anderem für die Bekämpfung von Fremdkörpern verantwortlich, beispielsweise Bakterien, Viren und Giften. 

Die Ehrlichien vermehren sich rasant und setzen sich nach einer kurzen Zeit schon an den Organen fest. Am stärksten besetzt werden die Lungen, Nieren, Hirnhäute und das Herz. Dort verursachen sie Entzündungen und Blutungen. 

Ehrlichiose vorbeugen

Gegen die Ehrlichiose gibt es keine Impfung. Du solltest also auf die bewährten Zeckenschutzmittel wie Tabletten, Spot-On Präparate und Parasitenhalsbänder zurückgreifen.

Wenn du vorhast mit deinem Vierbeiner ins Ausland zu reisen, empfehlen wir dir Spot-Ons oder Halsbänder einzusetzen. Diese haben eine repellierende Wirkung und sie dienen dazu, einem Zeckenbiss vorzubeugen. Tabletten haben keine repellierende Wirkung. In diesem Fall würde die Zecke deinen Hund stechen und erst dann käme sie mit dem Wirkstoff in Berührung, der sie unschädlich macht. 

Die Stadien der Ehrlichiose

Je schwächer das Immunsystem vor dem Zeckenbiss gewesen ist, desto schwerer ist der Verlauf der Ehrlichiose. Die Erkrankung kann in drei Stufen gegliedert werden:
  • Akut
  • Subklinisch
  • Chronisch

Die akute Ehrlichiose

Diese Phase beginnt direkt nach der Inkubationszeit und hält zwischen 1 bis 4 Wochen an. Eine akute Ehrlichiose geht entweder ohne oder lediglich mit leichten Symptomen einher. Sie geht direkt in das subklinische Stadium über.

Die subklinische Ehrlichiose

Die zweite Phase kann Monate bis Jahre in einem Hund schlummern. Die Ehrlichien halten sich währenddessen hauptsächlich in der Milz und ihren Makrophagen auf.

Tierärzte bestätigen, dass eine Spontanheilung der akuten und auch der subklinischen Ehrlichiose möglich ist.

Die chronische Ehrlichiose

Aus der subklinischen Ehrlichiose muss nicht zwingend eine chronische Form werden. Erfolgt eine spontane Regeneration der Zellen während der ersten zwei Phasen, wird die Ehrlichiose keinesfalls chronisch. 

Im chronischen Stadium bauen sich die Blutzellen stetig ab (Panzytopenie). Noch dazu steigert sich die Konzentration von Globulineiweißen (Hyperglobulinämie) im Blut und die Menge der Blutplättchen verringert sich (Thrombozytopenie). 

In einer Studie wurden Hunde im Alter zwischen 2 Monaten bis 14 Jahren getestet. Der Durchschnitt ergab, dass eine chronische Ehrlichiose meist bei Hunden im Alter von circa 5 Jahren ausbricht. 

Dobermänner und Deutsche Schäferhunde zählen zu den zwei Rassen mit einer erhöhten Anfälligkeit für die chronische Form der Krankheit. Bei ihnen kann sich ein besonders schwerer Verlauf zeigen. 

Symptome

Die Symptome für Ehrlichiose treten nur in zwei der drei Phasen auf. Diese unterscheiden sich augenscheinlich nicht voneinander. Den genauen Unterschied der Form der Ehrlichiose erkennt man erst bei einer Untersuchung im Labor.

Die typischen Allgemeinsymptome, welche in beiden Phasen auftreten können, sind  
  • Fieber 
  • Teilnahmslosigkeit (Apathie) 
  • Blutungen und kleine Blutergüsse in der Haut 
  • Kurzatmigkeit (Dyspnoe) 
  • Appetitlosigkeit (Anorexie)
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Zu den allgemeinen Anzeichen können sich neurologische Symptome einstellen. Diese werden häufig durch eine entstandene Hirnhautentzündung (Meningitis), oder von anderen Störungen des Zentralnervensystems (ZNS) hervorgerufen. Bei einer akuten Ehrlichiose treten sie weniger häufig auf. Eine Meningitis, beziehungsweise eine Störung des ZNS, äußert sich besonders durch:
  • epileptische Anfälle
  • Regungslosigkeit / Körperstarre (Stupor) 
  • Koordinationsstörung der Muskeln (Ataxie) 
Bei einer chronischen Ehrlichiose schließen sich noch weitere Symptome an, die aufgrund der Panzytopenie, der Hyperglobulinämie und des Mangels an Thrombozyten (Blutplättchen) verursacht werden.

Anschließend findest du die häufigsten Anzeichen. Diese können, müssen aber nicht zutreffen und werden mit geringer Wahrscheinlichkeit allesamt gleichzeitig auftreten: 
  • Augenentzündung (Uveitis)
  • Schwellung der Lymphknoten (Lymphadenopathie)
  • Niereninsuffizienz
  • erhöhter Proteinanteil im Urin (Proteinurie) 
  • Entzündung der Gelenke (Polyarthritis) 
  • Blutungen der Netzhaut (Retinablutung) 
  • Schwellungen im Körpergewebe (Ödeme) 

Diagnose

Um eine eindeutige Diagnose stellen zu können, ist es wichtig, dass dein Tierarzt über Auslandsaufenthalte Bescheid weiß. Selbst wenn diese schon mehrere Jahre zurückliegen, kann sich in der Zwischenzeit aus einer akuten Ehrlichiose eine chronische Erkrankung gebildet haben.

Durch die allgemeine Symptomatik im akuten Stadium, wird dieses eher selten als Teil der Ehrlichiose erkannt. Die Symptome fallen entweder gar nicht auf, oder werden anderen Krankheiten zugeschrieben. 

Gehst du mit deinem Vierbeiner aufgrund der beschriebenen Anzeichen zum Tierarzt, musst du ihn über kürzliche und auch länger zurückliegende Auslandsaufenthalt unterrichten. Ohne Bericht über diese Aufenthalte, wird der Arzt so gut wie kaum eine Ehrlichiose dahinter erkennen können. 

Die Ehrlichien im Organismus können mit Hilfe eines direkten Erregernachweises entdeckt weden. Der Beweis für ihr Dasein zeigt sich durch Zellhaufen innerhalb des Zytoplasmas der Monozyten und Makrophagen. 

Dies kann erstmals 1 bis 2 Wochen nach der Infektion durch eine PCR (Polymerase-Kettenreaktion) aus dem Blut, oder dem Knochenmark getestet werden. Die PCR ist im Frühstadium nicht immer eindeutig. Es kann zu falsch negativen Ergebnissen kommen, da sich die Zellhaufen in nur 4% aller Fälle schon so früh entwickeln. 

Eine zweite Möglichkeit zur Feststellung ist der Antikörpernachweis. Dabei wird auf das Vorhandensein von Antikörpern getestet. Diese entstehen nachdem der Hund in Kontakt mit Fremdkörpern, wie Bakterien oder Viren, gekommen ist. Die Antigene des Erregers lösen dann eine Infektion im Organismus aus. 

Der Standardtest auf Antikörper ist der IFAT. Ab der zweiten Woche nach Infektion, kann dieser das erste Mal positiv sein. Zur Sicherheit kann der Test nach weiteren 2 bis 3 Wochen wiederholt werden. 

Sind die Antikörper mindestens 4 Mal höher als der Durchschnitt, handelt es sich um eine akute Infektion. Bei einer chronischen Ehrlichiose würde der Wert weit über dem 4-fachen Anstieg liegen. 

Dieser Wert zeigt nicht wie schwer der Hund erkrankt ist. Außerdem sollte noch auf weitere Erreger getestet werden, um Kreuzungen mit anderen Zeckenkrankheiten auszuschließen.  

Behandlung

Die Ehrlichiose wird normalerweise mit einem Antibiotikum behandelt. Am häufigsten wird einem infizierten Hund vom Tierarzt Doxycyclin oder Chloramphenicol verschrieben.

Beide Mittel müssen über einen Zeitraum von 28 Tagen verabreicht werden. Pro Kilogramm Körpergewicht muss dein Hund 5 mg Doxycyclin 2 Mal täglich zu sich nehmen. Die Dosis von Chloramphenicol liegt bei 15-25 mg pro Kilogramm, 3 Mal am Tag. 

Zusätzlich dazu wird zu einer unterstützende Therapie aus Infusionen und Bluttransfusionen geraten. Bei starker Thrombozytopenie kann eine Therapie mit Glukokortikoiden helfen, da die Zerstörung der Blutplättchen oft autoimmun bedingt ist. 

Prognose

Hunde mit einer akuten Ehrlichiose können durch die Behandlung mit Antibiotika und der Therapie wieder vollständig geheilt werden. In den Fällen einer Doppelinfektion, beispielsweise mit Babesien, ist die Genesung ungewiss.

Hunde können bei chronischen Krankheiten seltenst wieder ganz gesund werden. Bei der chronischen Ehrlichiose ist möglich durch eine lebenslange Therapie die Symptome einzudämmen. Trotzdem hinterlässt sie erhebliche Spuren im Organismus. 

Ansteckungsgefahr

Für Menschen im Umfeld eines infizierten Hundes droht keine Ansteckungsgefahr. Die Ehrlichiose ist eine Infektionskrankheit, die nur den Endwirt betrifft. Allerdings wenn eine Zecke einen Menschen beißt, kann er sehr wohl an Ehrlichiose erkranken.

Eine Übertragung des Erregers auf einen anderen Hund ist dann möglich, wenn beide Tiere direkten Blutkontakt hatten. Dies passiert meist bei einer Auseinandersetzung.

Außerdem sollte nicht außer Acht gelassen werden, dass die braune Hundezecke von Wirt zu Wirt springt. Das bedeutet bei mehreren Hunden in einem Haushalt, dass du nicht nur mit einem, sondern direkt mit Allen zum Tierarzt gehen solltest. 

vetevo-Fazit

In 90% der Fälle trifft die Ehrlichiose Hunde, die sich im Ausland aufgehalten haben. Das bedeutet, dass du besonders nach eurem Urlaub oder nach der Adoption von ausländischen Tieren ein Auge auf ihr Verhalten und die oben genannten Symptome haben solltest. 

Bei Verdacht ist es wichtig frühestmöglich die Ursache zu bestimmen. Denn je früher die Krankheit entdeckt wird, desto höher sind die Heilungschancen. Die chronische Form der Ehrlichiose kann nicht mehr vollständig geheilt werden. 

Die Symptome der Erkrankung variieren stark und werden teilweise gar nicht als solche erkannt. Durch die symptomlose Phase wird die Diagnose zwar erschwert, trotzdem kann sie auch eine positive Auswirkung haben: eine Spontanheilung. 

Damit dein Hund aber gar nicht erst von einer Zecke im Ausland gestochen wird, ist ein ausreichender Schutz extrem wichtig. In unserem Artikel über den effektiven Zeckenschutz findest du alle Details über die verschiedenen Anti-Zeckenmittel und ihre Wirkung. 

vetevo - Aus Liebe zum Tier.

Quellen:

  1. Bakterielle Infektionen. In: Kohn B, Schwarz G, Hrsg. Praktikum der Hundeklinik. 12., aktualisierte Auflage. Stuttgart: Enke Verlag; 2017. doi:10.1055/b-004-140269
  2. Pantchev N. Zeckenübertragene Reiseinfektionen beim Hund: Ehrlichiose und Babesiose. Veterinärspiegel 2012; 22(04): 162 - 170. doi:10.1055/s-0032-1327972
  3. Canine monozytäre Ehrlichiose. In: Kohn B, Schwarz G, Hrsg. Praktikum der Hundeklinik. 12., aktualisierte Auflage. Stuttgart: Enke Verlag; 2017. doi:10.1055/b-004-140269
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