Pferdefütterung mit Heu

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Wie du dein Pferd gesund fütterst

Pferdefütterung ist ein äußerst komplexes Thema. Denn Pferd ist nicht gleich Pferd. Die richtige Fütterung hängt stark von der genetischen Disposition der Rasse und der individuellen Haltung ab. Wir haben hier für dich jede Menge Wissenswertes zusammengestellt, damit du die optimale Ernährung deines Pferdes sicherstellen kannst.

Inhaltsverzeichnis:

Grundlagen der Pferdefütterung

Das Pferd ist aufgrund seiner ursprünglichen Herkunft als Steppentier mit einer lang andauernden Futtersuche über weite Strecken darauf angewiesen, dass ihm möglichst häufig kleinere Futterportionen vorgesetzt werden. Kontinuierliche Futteraufnahme ist also bei der Pferdefütterung das A und O. Mindestens drei Fütterungen pro Tag solltest du sicherstellen. Und das ist wirklich das Minimum. Die Pausen zwischen den einzelnen Fütterungen sollten maximal 6-7 Stunden am Tag und 10 Stunden in der Nacht betragen[1].

Achte auf genügend RohfaserDein Pferd hat zwar einen kleinen Magen, aber dafür große und lange Därme. Damit der Nährstoffbrei problemlos transportiert werden kann, sind Rohfaseranteile im Futterbrei wichtig. Bei mangelnder Rohfaserfütterung kann es sogar zu Verhaltensstörungen des Pferdes aufgrund mangelnder Beschäftigung kommen, da sie von Natur aus den ganzen Tag über Rohfaser fressen.
Deinem Pferd müssen immer genügend Rohfasern (Heu, Stroh, Heulage usw.) zur Verfügung stehen. Als Faustregel gilt hier mindestens 0,5 kg Rohfaser pro 100 kg Körpergewicht des Pferdes pro Tag.

Dein Pferd satt machen durch leistungsgerechte Fütterung

Das Sättigungsgefühl deines Pferdes hängt zum einen vom Futtervolumen und vom Nährstoffangebot ab. Das Futtervolumen ist die Gesamtmenge des Futters, die ein Pferd braucht, um das Sättigungsgefühl zu erreichen. Es ist unabhängig von der Leistung, die das Pferd zu erbringen hat und muss dem Pferd in jedem Fall zugeführt werden. Du kannst dabei von 1,5 bis 2,0 kg Futter pro 100 kg Körpergewicht deines Pferdes pro Tag ausgehen. Wird diese Menge unterschritten, kann es beim Pferd durch das permanente Hungergefühl zu Verhaltensauffälligkeiten wie Nervosität, Koppen und Weben (Öffnen von Maul und tiefes Einatmen von Luft mit anschließendem Rülpsen) kommen.

Wie auch beim Menschen setzt sich der Nährstoffbedarf bei deinem Pferd aus dem Grundumsatz und dem Leistungsbedarf des Pferdes, dem Nährstoffumsatz, zusammen. Eine gute Pferdefütterung ist eine leistungsgerechte Fütterung. “Mehr” ist also auch bei einem Pferd nicht gleich besser! 

Eiweiß-Überfütterung beim Pferd vermeiden

Folgende Futtermittel enthalten viel Eiweiß (Protein):
  • Sojaschrot
  • Leinsamen
  • Junges Weidegras
  • Klee und Luzerne
  • Grassilage
  • Weizenkleie
  • Getreide
Steht dein Pferd auf einer Weide mit jungem eiweißreichem Gras, solltest du ihm zum Ausgleich eiweißarmes, rohfaserreiches Futter wie Stroh anbieten.

Deutliches Symptom einer Eiweißüberfütterung ist weicher, stark riechender Kot.

Tipps zu Futter, Wasser und Lagerung

1. Kontrolliere vor jeder Fütterung deines Pferdes die Qualität des Futters und die Sauberkeit der Futtergefäße. Gefrorenes, verschmutztes oder sogar schimmeliges Futter darf auf keinen Fall gegeben werden, da Koliken ausgelöst werden könnten.

2. Gerade bei Selbsttränken wird das Überprüfen der einwandfreien Funktion und Sauberkeit oft vergessen. Stelle also sicher, dass dein Pferd jederzeit Zugang zu frischem und sauberem Trinkwasser hat.

3. Ein sehr großer Futtervorrat macht keinen Sinn. Lange Lagerzeiten, insbesondere bei schlechten Lagermöglichkeiten, wirken sich negativ auf die Futterqualität aus. Der Lagerraum sollte kühl und trocken sowie geschützt vor Ungeziefern und Nagern sein. Futter niemals auf Beton lagern, da Beton Feuchtigkeit leitet. Verschimmeltes Futter ist die Folge.

Ein bis zweimal jährlich eine Zahnkontrolle bei den Pferden ist unerlässlicher Bestandteil einer erfolgreichen Fütterung. Fehlverhalten bei der Futteraufnahme kann auf mögliche Erkrankungen oder Probleme mit dem Futter hinweisen. Deshalb solltest du auch auf die regelmäßige Wurmvorsorge achten. Denn Parasiten können besonders bei jungen Pferden erheblichen Schaden anrichten.

Raufutter und Kraftfutter - was ist der Unterschied?

Die Ernährung deines Pferdes sollte überwiegend aus Raufutter bestehen. Raufutter ist nährstoffarm und stängelig und durch den hohen Rohfaseranteil langsam verdaulich. Die Basis der Fütterung stellt daher beispielsweise eine ausreichende Menge von qualitativ einwandfreiem, strukturreichem und nährstoffarmem Heu dar. Optimal bei gesunden Pferden ist die Fütterung bis zur Sättigung (ad libitum).

Pferde mit Stoffwechselproblemen sollte die Menge 2–3 kg Heu pro 100 kg (Ziel-)Körpergewicht betragen. Damit ist der tägliche Energiebedarf für ein Freizeitpferd mit mittlerer Arbeitsbelastung problemlos gedeckt.

Stelle außerdem sicher, dass das Raufutter von deinem Pferd über 24 Stunden verteilt aufgenommen werden kann. Pferde sind von Natur aus Dauerfresser und keine Mahlzeitenfresser. Es sollten keine längeren Fresspausen entstehen. Biete deinem Pferde das Raufutter deshalb einfach in engmaschigen Heunetzen an. Bei einer Gruppe sollte jedes Pferd jederzeit Zugang zum Raufutter haben.

Als Raufutter (auch als Pellets oder Silage) gelten:
  • Weidegras
  • Heu
  • Stroh

Weidegras und Weidegänge deines Pferdes

Passe den Zugang deines Pferdes zu Weidegras dem Wachstumsstand an. Denn: Je jünger die Pflanzen, desto weniger Rohfaseranteil. Junges Gras sollte deinem Pferd nur eingeschränkt zur Verfügung stehen. Je älter das Gras auf der Weide, je stängeliger der Pflanzenbestand und je weniger Grün, desto höher der Rohfaseranteil und geringer der Nährwert. Also ideales Raufutter. Solcher Weidegang ist die natürlichste Form der Futteraufnahme für dein Pferd und kommt damit der Gesunderhaltung am meisten entgegen. Dein Pferd sucht sich sein Futter am Boden und nach Bedarf (ad libitum), und es bewegt sich dabei zudem den ganzen Tag innerhalb seines sozialen Verbands mit anderen Pferden vorwärts.

Eingeschränkter Weidezugang bedeutet Stress für dein Pferd

Eingeschränkter Weidezugang, beispielsweise auf 1 Stunde, verursacht mehr Stress bei Pferden als ein längerer oder durchgehender Weidegang. Stressbedingte Stoffwechselstörungen können die Folge sein. Kurze Weidezeiten stören die Darmflora wesentlich mehr als längere Weidezeiten. Die Pferde fressen bei eingeschränktem Weidezugang hastig und nehmen in der Zeit weit mehr Gras auf, als das bei längeren Weidezeiten der Fall ist. Dieses Gras ist dann schlecht gekaut und kann zu Darmstörungen führen.

Was tun, wenn nur eine kurze Weidezeit möglich ist?

Halte dein Pferd auf kurz gefressenen Weiden und gleiche den fehlenden Bewuchs mit Zufütterung von Heu aus. Der Ausgleich durch Heu ist wichtig, da die Pferde sonst die kurzen Graspflanzen zusammen mit der Wurzel ausreißen und fressen. Das kann zu großen Mengen Sand im Darm und zu Sandkoliken führen. Auch Giftpflanzen werden häufiger aufgenommen, wenn der Grasbewuchs abgeweidet ist.

Wichtig!

Eine von uns Menschen als optisch schöne und satt empfundene Weide ist nicht pferdegerecht.

Heu als Raufutter

Raufutter kannst du auch in Form von Heu deinem Pferd anbieten. Und zwar nicht portioniert (ad libitum) und möglichst am Boden. Für den gesunden Stoffwechsel deines Pferdes ist es wichtig, dass dieses Heu von einwandfreier Qualität, stängelig und artenreich ist.

Eine Einschätzung der Heuqualität liefern Heuanalysen hinsichtlich Nährstoffgehalt, Mikrobiologie und botanische Zusammensetzung. Die Investition in gute Heuqualität zahlt sich in Bezug auf die Gesundheit deines Pferdes aus.

Ist keine sogenannte Ad-libitum-Fütterung möglich, sollte dein Pferd 2–3 kg Heu je 100 kg Körpergewicht erhalten, und zwar so, dass dein Pferd über 24 Stunden freien Zugang zum Heu hat. Als weitere Rohfaserquelle fügst du 1–2 kg Stroh in sehr guter Qualität hinzu. Heunetze mit engen Maschen verlängern die Fresszeit bei besonders gierigen Pferden, sodass die Versorgung mit Raufutter rund um die Uhr gewährleistet werden kann.

Das Umgewöhnen von Heumahlzeiten auf die Heufütterung ad libitum

Bei der Umstellung von Heumahlzeiten zur Heufütterung ad libitum kommt es oft vorübergehend zu gierigem Verhalten und sogenannten Heubäuchen. Kaum verwunderlich, denn wenn ein Pferd, das rationierte Raufutter-Mahlzeiten gewohnt ist, endlich einmal Heu satt bekommt, nutzt es das natürlich aus. Es hat schließlich gelernt, dass es wieder hungern muss, sobald das Raufutter aufgefressen ist. Aber keine Angst: Es dauert in der Regel 2 Wochen bis 3 Monate, bis ein Pferd umlernt und versteht, dass Raufutter immer zur Verfügung steht. Das übermäßige Fressen reguliert sich aber bei den meisten Pferden, da sie trotz anfänglicher Gier wieder ein natürliches Hunger-/Sattgefühl entwickeln. Pferde, die dieses Gefühl nicht entwickeln, haben in der Regel Stoffwechselstörungen und sollten entsprechend therapiert werden.

Wie viel Raufutter fressen Pferde bei ständig freiem Zugang?

Durchschnittlich etwa 19–29 g Heu pro kg Körpergewicht. Das entspricht bei einem 500 kg schweren Pferd 9,5–14,5 kg Heu, also 2–3 kg Heu je 100 kg Körpergewicht. Die Aufnahme schwankt mit dem Nährstoffgehalt des Heus: Je reichhaltiger das Heu an leicht verfügbaren Nährstoffen ist, desto weniger wird gefressen.

Können Pferde übermäßig viel Raufutter fressen?

Ja, das können sie. Und sie verfetten. Der Grund ist komplex: Fettgewebe gibt ein Hormon namens Leptin ab, welches das Hungergefühl eigentlich unterdrückt. In dem Moment, in welchem aber mehr Energie aufgenommen als verbraucht wird, kommt es zum Aufbau von Fett und einem Stopp der weiteren Energieaufnahme. Je größer die Fettpolster werden, umso mehr Leptin wird abgegeben und das Pferd entwickelt eine Leptin-Resistenz. Die Hungerbremse fällt weg und das große Fressen startet.

Was tun, wenn das Pferd übergewichtig wird?

Bei übergewichtigen Pferden muss über engmaschige Heunetze und vermehrte Bewegung der Fettabbau angeregt werden. Sobald die Pferde die Fettreserven abbauen, reguliert sich die Leptin-Resistenz und die Pferde entwickeln wieder ein gesundes Hungergefühl.

Wann füttere ich am besten Trockengrünfutter wie Luzerne?

Trockengrünfutter wird aus grünen Pflanzen wie etwa Luzerne durch schonende Trocknung mittels Warmluft hergestellt. Wird Grünfutter nach dem Trocknen fein gemahlen, entsteht sogenanntes Grünmehl. Der Nährstoffgehalt ähnlich wie im Ausgangsmaterial, da durch die Trocknung kaum Verluste entstehen. Zudem bietet Luzernegrünmehl einen hohe Karotin-, aber auch Vitamin-E- und Vitamin-B-Gehalt.

Vermahlenes Trockengrünfutter kann die Raufutterfunktion nicht ersetzen.

Luzerne-Trockengrünfutter wir gerne als Futterergänzung bei laktierenden Stuten (1–2 kg pro Tag) sowie bei wachsenden Fohlen (0,5–1 kg) eingesetzt.

Was ist Kraftfutter?

Hafer kann als ganzes Korn gefüttert werden. Er ist weich und kann gut gekaut werden. Wird Hafer gequetscht, sollte er sofort verfüttert werden, weil er schon nach 1–2 Tagen ranzig ist. Ranzige Öle sind unverträglich für Pferde. Hafer ist ein hervorragendes Kraftfutter für Warm- und Vollblüter: Pferde, die im Ur-Steppenpferde-Typus stehen. Er wird aber von einigen Robustrassen, Barockpferden, Arabern und Kaltblütern unsauber verstoffwechselt. Bei allen Pferden, die genetisch einen hohen Anteil des Ur-Pony-Typs, Ur-Tundrenpferdes oder Ur-Arabers tragen, sollte Hafer nur mit großer Vorsicht gegeben oder auf Gerste ausgewichen werden.

Gerste darf nicht als ganzes Korn, sondern nur gequetscht gefüttert werden. Gelangen ganze Gerstenkörner in den Dünndarm, können sie Krampfkoliken oder Hufrehe auslösen. Da Gerstenstärke langsam verdaut wird, sollte sie nur in kleinen Portionen bis maximal 0,5 Liter pro Mahlzeit gegeben werden. Werden pro Mahlzeit zu große Mengen an gequetschter Gerste gefüttert, dann wird die Gerstenstärke im Dünndarm unvollständig abgebaut und gelangt in den Dickdarm. Auch dies kann zu Hufrehe führen.

Wieviel Kraftfutter sollte ich meinem Pferd geben?

Kraftfutter darf nur strikt der Leistung angepasst gefüttert werden. 

Die meisten Pferde haben heutzutage schon bei reiner Raufutter-Fütterung einen Energieüberschuss und einen Mangel an Energieverbrauch durch fehlende Bewegung. Kraftfutter sollte deshalb immer so gegeben werden, dass es möglichst langsam gefressen wird. Das führt zu besonders gründlichem Kauen, besserer Speichelbildung und damit auch besserer Verwertung.

Kraftfutter über das Heu gestreut, oder mit 2–3 großen Steinen als Hindernis in der Futterkrippe dargereicht, sorgt für eine langsame Aufnahme und gründliche Verwertung. Gleichzeitig vermindert es das Risiko für Schlundverstopfung bei gierigen Pferden.

Der zusätzliche Energiebedarf richtet sich auch nach Pferde-Rasse

Der zusätzliche Energiebedarf über das Raufutter hinaus richtet sich nicht nur nach der geforderten Arbeitsleistung, sondern auch nach der genetischen Prädisposition. Ein Pferd, das im Urpony- oder Ur-Tundrenpferd-Typ steht, wird sein Raufutter effektiver verwerten und weniger Kraftfutterbedarf haben als ein Pferd, das im Ur-Steppenpferde- oder Ur-Araber-Typ steht. Letztere haben in der Regel auch im Winter bei Kaltstallhaltung einen höheren Bedarf an schneller Energie, da sie weniger Winterfell bilden. Hier muss die Fütterung entsprechend individuell angepasst werden.

Kann ich meinem Pferd auch Mais füttern?

Rein theoretisch ja, wenn es zu den individuellen Ansprüchen deines Pferdes passt: Mais ist mit ca. 60% Stärke energiereicher als Hafer. 1 kg Hafer entspricht im Energiewert etwa 0,85 kg Mais. Zugleich ist Mais eiweiß- und rohfaserarm.

Wichtig!

Mais von 0,16 kg/100 kg Körpermasse und Mahlzeit sollten nicht überschritten werden.

Maiskörner müssen vor der Verfütterung wegen der geringen Stärkeverdaulichkeit fein geschrotet, oder noch besser besser wärmebehandelt werden.

Einen ähnlichen Futterwert wie Maiskörner erreichen rohfaserarme Maiskolbensilagen. Die enthaltene Stärke wird im Dünndarm besser als Maiskörnerstärke verdaut. Bei einwandfreier Qualität sind maximal 0,5 kg/100 kg Körpermasse des Pferdes als Mahlzeit vorzusehen.

Getrocknete ganze Maispflanzen mit weitgehend reifen Körnern sind als Maispellets erhältlich. Selbst bei einem Rohfasergehalt von 2% wird noch ein Energiegehalt von knapp 10,0 MJ ME/kg erreicht.

Mais wird trotz des Gehalts an Strukturstoffen als Kraftfutter gewertet.

Getreidefreies Futter

Eine Versorgung mit Getreide neben ausreichenden Mengen an Raufutter ist eigentlich gesund für ein Pferd. Dennoch führen die heutigen Haltungsbedingungen im Stall oftmals zu Übergewicht und einer Unterversorgung mit Raufutter sowie einer Überversorgung mit Kraftfutter. Und das steht in Widerspruch zu den natürlichen Lebensbedingungen eines Pferdes. Auch der Aufbau des Verdauungstraktes der Pferde spricht dabei Bände: Der sehr kleine Magen kann nur geringe Mengen Futter aufnehmen und der große Dickdarmabschnitt ist auf die Umsetzung von Rohfasern ausgerichtet. In der Natur frisst das Pferd zwar viele Stunden, aber nimmt dabei nur wenig Futter auf. Viele kleine Mahlzeiten sind also angesagt. Hauptnahrungsmittel von Pferden ist zudem eigentlich Gras. Der gesamte Verdauungstrakt ist auf dieses rohfaserreichen Futter ausgerichtet. Stärkehaltige Getreidekörner sind weniger gut geeignet, da ein Pferd nur wenige stärkespaltende Enzyme hat. Die Devise lautet also: Nur so viel Stärke wie wirklich nötig und so viel Raufutter wie möglich füttern!

Die Vorteile von stärke- und zuckerreduzierten, getreidefreien Futtermitteln

  • Entlasten den Magen-Darm-Trakt und reduzieren das Risiko für fütterungsbedingte Hufrehe
  • Eignen sich zur gezielten Gewichtsreduzierung bei und können auch gegen Stoffwechselerkrankungen wirken
Wenn dein Pferd viel Energie benötigt und trotzdem getreidefrei versorgt werden soll, kannst du ganz normale Pflanzenöle dem Futter beigeben.

Mash für Pferde - die warme Abwechslung

Mash für Pferde ist ein Brei aus Kleie, Leinsamen und Getreide, der mit heißen, warmen oder auch kaltem Wasser angerührt wird. Empfehlenswert ist Mash bei kalten Temperaturen, aber auch nach einer Kolik. Die enthaltene Kleie (äußere Schicht des Getreidekorns) schmeckt viele Pferden und fördert den Stuhlgang. Die schleimige Konsistenz der Leinsamen tut den Schleimhäuten im Magen-Darm-Trakt gut. Außerdem nehmen die Pferde mit Mash auch mehr Flüssigkeit auf. Ein großer Vorteil, wenn dein Pferd gerade bei kaltem Wetter weniger trinkt. Mash ist grundsätzlich eine leicht verdauliche Mahlzeit, die viele Pferde als willkommene Abwechslung gerne annehmen. Hin und wieder mal eine kleine Menge Mash zu füttern ist in der Regel unproblematisch.

Wie wird Mash gefüttert?

Du kannst Mash zusätzlich zum normalen Futter oder als Ersatz geben. Für ein erwachsenes Pferd ergibt ein 1/2-1 kg (Trockengewicht) eine Portion. Bei einem Pferd mit Übergewicht kannst du auch weniger füttern. Je nach Vorliebe deines Pferdes kannst du das Mash eher fest wie Pudding, Brei oder flüssig wie Suppe zubereiten. Flüssiges Mash wirkt abführend und eignet sich daher insbesondere nach einer Verstopfungskolik.

Wichtig!

Verfüttere Mash nie heiß. Manche Pferde sind einfach zu gierig und verbrennen sich das Maul.

Nahrungsergänzungsmittel für Pferde

Mineralfutter

Ergänzt werden sollte die Futterration durch einen Salzleckstein und das regelmäßige Angebot von Mineralfutter, um den Mineral- und Spurenelementebedarf sicherzustellen. Die Mineralienversorgung des Pferdes hängt vom angebotenen Raufutter ab. Um Mangelerscheinungen bei deinem Pferd vorzubeugen, solltest du Mineralfutter regelmäßig kurweise je nach Herstellerangabe angeboten werden. Im Stoffwechsel des Pferdes werden in diesen Zeiten die Mineralspeicher aufgefüllt. Das entspricht dem Mineral-Aufnahmeverhalten von Wildpferden, die phasenweise gezielt Plätze aufsuchen, an denen sie Erdboden fressen. An diesen Plätzen ist laut Untersuchungen die Erde besonders angereichert mit Mineralstoffen und Spurenelementen.

Auch bei Mineralfutter gilt, dass die meisten Pferde in unseren heutigen Haltungsbedingungen eher über- als unterversorgt sind. Die Zufütterung von Vitaminen ist bei den meisten Pferden nicht notwendig.

Bierhefe

Bei Verdauungsstörungen, Schädigungen der Darmflora oder Appetitlosigkeit bei Pferden wirkt das Füttern von Bierhefe oft positiv. Bierhefe zeichnet sich durch hohen Eiweiß- (ca. 50%) und vor allem B-Vitamin-Gehalt aus. Bierhefe ist in getrockneter Form erhältlich und wird Mischfuttern bis zu 5% hinzugefügt.

Bei Renn- und Turnierpferden mit kraftfutterreichen, aber strukturarmen Rationen kann Bierhefe (50 g/100 kg KM/Tag) die Versorgung mit B-Vitaminen (auch Biotin) verbessern. Auch bei Absatzfohlen wirkt sich die tägliche Fütterung von 100 g Trockenhefe günstig aus.

Ingwer für Pferde

Ingwer wirkt nicht nur beim Menschen entzündungshemmend, schmerzstillend und belebend. Gerade bei Schmerzen im Knochen- und Gelenkbereich ist Ingwer hoch wirksam. Im Allgemeinen vertragen Pferde Ingwer gut. Dennoch kann es in seltenen Fällen zu Koliken, Reizungen der Magenschleimhaut oder allergischen Symptomen kommen. Hat ein Pferd Magengeschwüre darf Ingwer auf gar keinen Fall gegeben werden.

Aber Vorsicht, Ingwer wirkt blutverdünnend. Also:
  • Nicht vor Operationen füttern
  • Nicht an trächtige Stuten verfüttern, die dadurch das Fohlen verlieren könnten

Wie viel Ingwer darf ich füttern?

Eine gute Anfangsdosis sind 3-5 g pro Tag. Diese Dosis kannst du dann wöchentlich erhöhen. Beobachte genau, ob eine Wirkung einsetzt, und finde so die ideale Dosierung für dein Pferd.

Da Ingwer über einen längeren Zeitraum mit einer relativ hohen Tagesdosis gefüttert werden sollte, macht Ingwer aus dem Supermarkt wenig Sinn. Bei Großhändlern erhältst du pulverisierten Ingwer in Kilo-Säcken. Bei einem Pferd wird eine Tagesdosis von 5-10 g empfohlen.

Saftfutter nur ab und zu

Saftfuttermittel wie Karotten oder Äpfel können als Belohnung auf dem Speiseplan gelegentlich angeboten werden:

2–3 Karotten oder 1–2 Äpfel pro Tag maximal.

Was darüber hinausgeht, stört die Darmflora. Der Stoffwechsel des Pferdes ist auf die langsame und gründliche Verwertung von Rohfaser ausgelegt, nicht von leicht verfügbaren Nährstoffen oder Ballaststofffen (Pektinen).

Getreidefütterung: Vorsicht bei Hafer und Gerste

Besondere Vorsicht ist grundsätzlich bei allen Pferden bei der Fütterung von geflocktem, getoastetem, gepopptem, extrudiertem Getreide geboten. Der Grund: Es lässt den Blutzuckerspiegel noch schneller ansteigen als ganzes oder gequetschtes Getreide. Ganzer oder gequetschter Hafer geht schneller als Zucker ins Blut als gequetschte Gerste. Dabei sollte beachtet werden, dass die meisten Robust-, Barock- und Kaltblutpferde sowie viele Araber Hafer nur schlecht verstoffwechseln. Hier kann man Quetschgerste als Getreideergänzung passend zur Arbeitsleistung anbieten. Warmblüter und Vollblüter vertragen Hafer im Allgemeinen gut.

3 typische Gesundheitsprobleme durch falsche Fütterung

Neben Koliken und Durchfällen kann die falsche Ernährung von Pferden insbesondere zu folgenden Krankheiten führen:

Hufrehe - was tun?

Eine Hufrehe kann viele Ursachen haben. Eine falsche, insbesondere kohlehydratreiche Fütterung ist eine davon. Mit Radikaldiäten, einer reinen Strohfütterung oder minimierten Heugabe als Gegenmaßnahme zu reagieren ist für ein Pferd mit akuter Hufrehe schädlich.Die Hufrehe kann noch verstärkt werden, da eingelagerte, fettlösliche Toxine in den Kreislauf gelangen und den Stoffwechsel zusätzlich belasten. Der radikale Futterentzug kann für ein Pferd sogar tödlich enden! Ebenso kann ein solches Futtermanagement schwere Koliken nach sich ziehen.

Bei Hufrehe müssen folgende Futtermittel vermieden werden
  • Rübenschnitzel (auch entmelassiert)
  • Karotten oder Äpfel
  • Futtermittel mit hohem Strukturanteil („Häcksel“)
Bei Hufrehe sollte das Pferd ausschließlich mageres Heu, Wasser, Mineralfutter und Salz zur Verfügung gestellt bekommen. Erst nach kompletter Ausheilung und mit Wiederaufnahme der gewohnten Aktivitäten sollte leistungsgerecht wieder Kraftfutter gegeben werden. Zudem sorgt die Fütterung von Prodic für eine schnelle Stabilisierung des Darmmilieus, das bei vielen Hufreheschüben mit ursächlich ist.

Equines Metabolisches Syndrom (EMS)

Falsche und übermäßige Fütterung bei gleichzeitig mangelnder Bewegung kann zu EMS (Equines Metabolisches Syndrom) beim Pferd führen. EMS ist eine herbeigeführte Störung des Energiestoffwechsels, eine Entgleisung des Kohlenhydrat- und Fettstoffwechsels mit chronischer Hyperinsulinämie und Ausbildung einer Insulinresistenz. Der Körper reagiert auf den erhöhten Blutzuckerspiegel mit immer größeren Mengen Insulin, was zu Beginn der Erkrankung noch ein gewisses Maß an Kompensation zulässt. Der daraus resultierende erhöhte Insulinspiegel ist aber auch wesentlich für die Entstehung von Hufrehe mitverantwortlich. Neben Überfütterung und mangelnder Bewegung kann auch eine genetische Veranlagung die Ausbildung der Erkrankung mit auslösen.

Sommerekzem

Das Sommerekzem ist zwar eine allergische Reaktion auf den Stich der Kriebelmücke, dennoch fällt bei der Vorgeschichte der Krankheit (Anamnese) häufig eine nicht-artgerechte Fütterung auf. Diese kann das Sommerekzem begünstigen:
  • Fütterung von silierten Futtermitteln (Heulage)
  • Lange Raufutterpausen
  • Große Kraftfuttergaben
  • Kraftfutter mit Strukturanteil
  • Zu viel Fütterung von Futtermitteln wie Karotten, Äpfeln, Rübenschnitzeln, Trester, Bananen, Leckerlis oder Brot
Häufig treten mehrere der Faktoren gemeinsam auf, oft in Kombination mit wenig Bewegung. Die Praxis hat gezeigt, dass bei Pferden mit Sommerekzem in aller Regel die Entgiftungsstörung KPU (Kryptopyrrolurie) vorhanden ist. Ein hoher Zuckergehalt im Futter verstärkt die Sommerekzem-Problematik, weil die Pferde verstärkt Buttersäure ausschwitzen und damit die Insekten anlocken.

vetevo-Fazit

Nicht umsonst sprechen Experten auch bei Pferden von Zivilisationskrankheiten, die unter anderem durch falsche Fütterung und den Haltungsbedingungen ausgelöst werden können. Im Herzen sind die Pferde von heute immer noch Wildpferde. Die Fütterung sollte daher weder von den Futtermitteln her noch der Art und Weise der Fütterung auf die leichte Schulter genommen werden. Kontrolliere deshalb möglichst genau, was und wie dein Pferd gefüttert wird und sorge dafür, dass seine heutige Lebensweise so gut wie möglich an seine ursprüngliche Lebensweise angepasst wird. Lege auch großen Wert darauf, dass dein Pferd für sein Raufutter “arbeiten” muss, mit den Portionen daher lange beschäftigt ist und nicht alles runterschlingt, damit es auch ein zufriedenes Pferd bleibt.

vetevo - Aus Liebe zum Tier.

1. Pferdefütterung – alles gar nicht so schwer! In: Feichtinger T, Hrsg. Biochemie nach Dr. Schüßler für Pferde. 2., unveränderte Auflage. Stuttgart: Sonntag Verlag; 2011. [zurück]
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