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©Luisella Planeta Leoni

Die Körpersprache der Hunde richtig deuten

Damit das Zusammenleben mit deinem Hund gut funktioniert, ist es nicht nur wichtig, dass er dich versteht. Es ist essenziell für ein tolles Miteinander, dass auch du ihn verstehst. Das heißt nicht, nur sein Bellen richtig zu deuten. Es geht insbesondere um die Körpersprache deines Hundes. Über sie kommuniziert ein Hund in erster Linie. Wir haben für dich die wichtigsten Signale deines Hundes zusammengestellt.

Inhaltsverzeichnis:

Die Hundesprache ohne Wau und Wuff richtig verstehen

Grundsätzlich kannst du bei der Körpersprache deines Hundes Mimik, Körperhaltungen und Bewegungen unterscheiden. Viele Signale hängen auch von den körperlichen (anatomischen) Möglichkeiten des Hundes, seiner Rasse, ab. Zudem ist jeder Hund ein Individuum und hat seine persönlichen Ausdrucksmöglichkeiten. Da Hunde ihre Signale schnell an die Reaktionen ihres Gegenübers anpassen, ist es viel wichtiger, die Grundhaltung wahrzunehmen, damit du Stimmung, Emotionen und Verhalten besser einordnen kannst.

Wenn dein Hund die Ohren spitzt

Die Ohrenhaltung wird sehr stark von der Rasse des Hundes beeinflusst. Manche haben eben Schlappohren. Dennoch kann sie innere Haltungen ausdrücken.
  • Aufmerksam oder neutral: Die Ohren sind aufgerichtet oder nach vorn gerichtet.
  • Gespannt aufmerksam und konzentriert: Beim Fixieren von Beute sind die Ohren sehr weit nach vorne gedreht, angespannt und können mitunter leicht vibrieren.
  • Aufmerksam und zugleich unsicher: Ohren sind aufrecht oder in verschiedene Richtungen gedreht, häufig auch nach hinten, sehr beweglich.
  • Unsicher oder unterwürfig (submissiv): Ohren sind nach hinten geklappt und liegen am Kopf an.
  • Defensiv aggressiv: Die Ohren sind seitlich nach hinten gezogen oder geklappt. Die Stellung kann aber, je nach Situation, sehr schnell wechseln.
  • Offensiv aggressiv: Ohren sind steif nach vorne gerichtet.

Die Augen - Pupillengröße und Blick 

Auch, wenn die Pupillengröße wesentlich vom Lichteinfall abhängt: Starre Pupillen in Kombination mit einem fixierendem Blick sind definitiv als Drohung zu deuten. Ist ein Hund aber entspannt und freundlich gesinnt, so hat er große Pupillen und einen sanften Ausdruck. Mit der Blickrichtung sendet ein Hund wichtige Signale.
  • Aufmerksamkeit: Der Blick ist direkt und weich.
  • Drohung: Der Hund starrt dir regelrecht mit einem direkten Blick in die Augen.
  • Unterwerfung oder Angst: Der Blick des Hundes ist seitlich abgewendet bei ebenfalls abgewendetem Kopf. Die Augen sind dabei halbgeschlossen, blinzelnd[1].

Im Gesicht deines Hundes lesen

Viele Einzelsignale wie die Spannung und Stellung der Augenlider, der Augenbrauen, die Stellung des Augapfels, die Spannung der Gesichtshaut und mehr tragen zum Ausdruck des Hundegesichts bei. Leicht erkennbare und meist ausreichend verständliche Signale sind:
  • Unsicherheit, Ängstlichkeit: Die Lefzen sind weit nach hinten gezogen mit Spannungsfalten bis zu den Ohren. Oft beginnt der Hund in einer solchen Situation zu hecheln.
  • Drohung: Du kannst dann ein Zittern und das Hochziehen der Lefzen beobachten. Zudem runzelt der Hund die Nase leicht und zeigt die Zähne.
  • Defensive Drohung: Der Hund zieht die Lefzen hoch und viele Zähne werden sichtbar. Der Mundwinkel ist spitz und mit geöffnetem Fang sehr weit nach hinten gezogen.
  • Offensive Drohung: Auch hier zieht der Hund die Lefzen hoch. Die Nase ist deutlich gerunzelt. Der Fang ist mit kurzem stumpfem Mundwinkel geöffnet.
  • Lächeln oder lachen: Der Hund zieht die Lefzen vor allem im Bereich der Schneidezähne (Incisivi) hoch und das bei einem entspannten Ausdruck, so dass er auf uns freudig wirkt.

Kopf- und Körperhaltung als Sprachrohr für Emotionen

Wie beim Menschen werden auch beim Hund eine Vielzahl von Emotionen mit der Kopf- oder Körperhaltung kommuniziert.
  • Bei Angst und Unsicherheit verhält sich ein Hund defensiv. Er zieht den Kopf ein und dreht ihn weg. Die Haltung ist tief. Der Hund versucht, seine Silhouette zu verkleinern und kauert sich zusammen.
  • Ist der Hund offensiv aggressiv, streckt er den Kopf nach vorne oder der Hals ist aufrechter als normal.
  • Will der Hund beschwichtigen, ist der Kopf seitlich weggedreht, die Haltung ist tief oder schräg nach oben gerichtet.
  • Ist der Hund selbstbewusst, offensiv-aggressiv, versucht er, sich zu vergrößern. Das macht er durch Strecken der Beine, vor allem der Hinterbeine. Seine Haltung ist sehr aufrecht, das Gewicht ist eher nach vorne verlagert.
  • Bei der defensiven Abwehr kann die Haltung vorne hoch und hinten tief sein. Das Gewicht wird dadurch nach hinten verlagert.
  • Bei der statischen Erkundung (Exploration) ist eine niedrige Haltung bei sehr weit nach vorne gestrecktem Kopf und eingeknickten Hinterbeinen beim Hund zu beobachten. Der Hund ist jederzeit bereit zum Rückzug.
  • Wenn der Hund zum Spiel auffordern will, ist der Vorderkörper nach unten durchgedrückt. Die Vorderpfoten werden nach vorne geschoben und das Hinterteil hochgehoben.
  • Bei der aktiven Beschwichtigung ist die Haltung des Hundes niedrig bis kriechend. Der Körper ist etwas seitlich gedreht.
  • Bei der passiven Beschwichtigung oder auch der Unterwerfung (Submission) liegt der Hund seitlich oder auf dem Rücken. Der Bauch wird frei präsentiert, der Hund verharrt bewegungslos.

Die Haltung der Rute hat viele Bedeutungen

Die individuellen Ausdrucksmöglichkeiten hängen hier auch, wie bei den Ohren, von der Anatomie des Hundes ab. Neben der Höhe der Schwanzhaltung ist es vor allem auch die Art der Bewegung, die aufschlussreich ist. Grundsätzlich zeigt das Wedeln nämlich nur einen Erregungszustand des Hundes. Sei es nun positiv oder negativ. Beim Schwanzwedeln ist also die gesamte Körpersprache zu beachten, um die Körpersprache richtig zu deuten.
  • Neutral, wenig selbstbewusst, defensiv oder auf der Jagd: Die Schwanzhaltung ist niedrig oder schlichtweg einfach hängend beziehungsweise wie angewachsen.
  • Selbstbewusst, imponierend, aggressiv: Die Rutenhaltung ist dann sehr hoch, bis über die Rückenlinie.
  • Bei angespannter Erregung, Imponiergehabe und ist ein langsames, stakkatoartiges, fast steifes Wedeln mit hohem Schwanz zu beobachten.
  • Bei Freude, Spiel, aber auch bei angespannter Erregung, Aggression in Abhängigkeit von den restlichen Signalen und vom Kontext zeigen Hunde ein schnelles Wedeln mit neutralem bis hohem Schwanz.
  • Ist der Hund ängstlich, beschwichtigend oder unterwürfig (submissiv), ist der Schwanz eingezogen zwischen den Beinen oder am Bauch.
  • Bei Beschwichtigung oder einer unterwürfigen (submissiven) Begrüßung wedelt der Hund mit niedrigem oder eingezogenem Schwanz.

Die Bewegungen des Hundes signalisieren viel

Alle Kommunikationssignale des Hundes bestehen aus Bewegungen. Das Ausdrucksverhalten ist nie statisch, sondern dynamisch und immer von der Situation abhängig.

Das Aufreiten auf andere Hunde oder Menschen, seltener Katzen, ist sexuell motiviert und dann mit einer Erektion und Beckenbewegungen verbunden. Das ist natürlich super unangenehm und peinlich. Erst recht, wenn noch andere Personen dabei sind. Dennoch ist es natürlich und im Spiel sozial motiviert, um einen Herausforderer und seine Reaktion anzutesten. Zudem ist es ein Ritual, um die eigene soziale Position zu bestätigen.

Pfote und/oder Kopf auflegen bei einem anderen Hund auf den Rücken oder beim Besitzer beispielsweise auf die Oberschenkel. Das hat jeder schon mal gesehen. Im Spiel dient es dazu, einen Herausforderer und seine Position anzutesten. Beim Flirt wird auf diese Weise die Bereitschaft der Hündin geprüft. Als individuelles Ritual zwischen Mensch und Hund dient es zur Kontaktaufnahme oder Forderung. Beispielsweise von Leckerlis.

Anrempeln kann ein absichtlicher, mehr oder weniger heftiger Körperkontakt sein, um die Standfestigkeit des Gegenübers zu testen. Die Unterscheidung zwischen versehentlich und absichtlich ist dabei immens wichtig.

Intentionsbewegungen sind nicht zu unterschätzen, denn sie sind absichtlich nur angedeutete Bewegungen, die nicht bis zum Ende ihrer Funktion gehen, sondern die Handlung nur ahnen lassen. Sie teilen dem Gegenüber die Bereitschaft zu einer bestimmten Handlung mit, so zum Beispiel in die Luft schnappen.

@Johannes Bruchhäuser

Beschwichtigungssignale bei Hunden

Beschwichtigungssignale sind eine Vielzahl an Haltungen und Bewegungen, die in einer sozialen Begegnung zwischen Hunden von vornherein beschwichtigend oder beruhigend wirken sollen. Es handelt sich dabei um Zeichen des Zögerns, des Zweifels, der Ungewissheit oder Angst, die vordergründig eigentlich keine kommunikative Bedeutung haben. Diese Reaktionen kann ein Hund beispielsweise in jeder fremden Umgebung zeigen, die Ungewissheit oder Unsicherheit verursacht. Beispiele für Beschwichtigungssignale beim Hund:
  • Gähnen
  • Kratzen
  • Nase ablecken  
  • Blinzeln
  • Kopf abwenden 
  • Körper abwenden 
  • Schnüffeln
Mit Blickkontakt in einer Begegnung:
  • Hinsetzen
  • Hinlegen
  • In einem Bogen aufeinander zugehen
  • Langsam aufeinander zugehen

Eigne dir eine hundefreundliche Körpersprache an

Vielleicht ist es dir selbst schon passiert, oder Freunden und Bekannten von dir: Hunde können es als bedrohlich empfinden, wenn Fremde zügig und direkt auf sie zugehen, sie direkt anschauen, sich über sie beugen und dann auch noch von oben herab zu ihnen hinuntergreifen, um sie zu streicheln. Das kann zu unangenehmen Situationen führen. Dabei ist es ganz einfach zu vermeiden. Insbesondere bei der ersten Kontaktaufnahme mit dem Hund, sollte man sich erst einmal hinhocken, Oberkörper und Gesicht leicht abwenden und den Hund zu sich locken. Das Streicheln sollte nicht alsTätscheln oben auf den Kopf, sondern eher als Kraulen, wie etwa unter dem Hals, erfolgen[2]. Für viele Hunde ist es aber kein Problem, weil sie gelernt haben, dass das Kopfstreicheln keine Drohgebärde ist.
  • Mache es dir zur Gewohnheit, fremde Hunde grundsätzlich mit einer aus Hundesicht vertrauenserweckenden Körperhaltung zu begrüßen.
  • Statt auf den Hund frontal zuzugehen und sich über ihn zu beugen, lässt du den Hund zu dir kommen.
  • Wende den Oberkörper zur Seite und schaue den Hund nicht direkt an, wenn er offenbar unsicher ist. Hilft das immer noch nicht, gehe in die Hocke.
  • Unsichere Hunde sollten nie von oben getätschelt werden.

vetevo-Fazit

Ängstlichkeit wird bei einem Hund häufig als normal hingenommen, ist es aber nicht. Häufige und geradezu permanente Angstzustände verursachen einen hohen Leidensdruck bei einem Hund. Ein Hund mit einer ängstlichen Grundstimmung bringt daher die Voraussetzung (Prädisposition) für alle Angststörungen mit [3]. Beobachte deinen Hund deshalb genau und sollten zu viele Auffälligkeiten auftreten, suche einen Tierarzt auf.

vetevo - Aus Liebe zum Tier.

1. Körpersprache. In: Schroll S, Dehasse J, Hrsg. Verhaltensmedizin beim Hund. 2., überarbeitete und erweiterteAuflage. Stuttgart: Enke Verlag; 2016 [zurück]
2. Vertrauensbildende Maßnahmen im Praxisalltag. In: Schneider B, Döring D, Ketter D, Hrsg. Kleintiere stressarm behandeln. 2. Auflage [zurück]
3. Spezielle Propädeutik. In: Schroll S, Dehasse J, Hrsg. Verhaltensmedizin beim Hund. 2., überarbeitete und erweiterte Auflage. Stuttgart: Enke Verlag; 2016 [zurück]
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