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Hufkrankheiten beim Pferd

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Zum Leben eines Pferdebesitzers gehört neben der Hufpflege auch der Umgang mit verschiedenen Hufkrankheiten. Im Nachfolgenden geben wir dir einen umfassenden Überblick zu den 7 häufigsten Hufkrankheiten, ihren Symptomen und Behandlungen.

Inhaltsverzeichnis:

Die häufigsten Ursachen für Hufkrankheiten

Hufkrankheiten können aufgrund verschiedener Ursachen entstehen. Dabei muss nicht immer eine Infektion der Auslöser sein. Auch Fehl- und Überbelastungen oder nicht artgerechte Haltungs- und Futterbedingungen können eine Hufkrankheit beim Pferd verursachen. In den meisten Fällen stecken folgende Ursachen hinter einer Huferkrankung:

  • Fehlstellung der Hufe oder Gliedmaßen
  • Über- oder Fehlbelastung (z. B. durch zu viel Bewegung oder Übergewicht)
  • bakterielle und virale Infektionen
  • Infektionen durch Pilze oder Parasiten
  • falsche Fütterung
  • unsauberer Stall
  • fehlerhafte Beschlagung der Hufe bzw. ausbleibende Korrektur durch den Hufschmied
  • mangelnde Hufpflege

Traumata der Hufsohle

Die Verletzung der Hufsohle ist eine der häufigsten Huferkrankungen beim Pferd, bei der die Sohle auf mechanischem Wege beschädigt wird. Tritt sich dein Pferd bspw. während eines Ausritts einen Fremdkörper (z. B. Stein, Stock, Nagel, Glas) ein, spricht man auch von einem „Nageltritt“. Je nach Eintrittsstelle und Tiefe muss man davon ausgehen, dass nicht nur die Sohle, sondern auch die Lederhaut (oder bei sehr tiefen Verletzungen sogar der Knochen) beschädigt wurde und eine Infektionsgefahr besteht.

Ist das hintere Drittel der Hufsohle betroffen, können neben Lederhaut und Knochen auch Beugesehne oder sogar das Hufgelenk in Mitleidenschaft geraten. Abgesehen von den starken Schmerzen besteht hierbei ein hohes Infektionsrisiko, was unbehandelt dramatische Folgen haben kann. Traumata der Hufsohle sollten daher schnellstmöglich tierärztlich behandelt werden.

Symptome

Hat sich dein Pferd einen sogenannten Nageltritt zugezogen, gilt es, schnellstmöglich den Tierarzt zu kontaktieren. Die häufigsten Anzeichen für eine Verletzung der Hufsohle sind:

  • starke Schmerzen beim Auftreten
  • plötzliche Lahmheit
  • evtl. Blutung (dann ist die Huflederhaut betroffen)

Behandlung

Ein Trauma der Hufsohle gilt als Notfall und sollte schnellstmöglich behandelt werden. Der Tierarzt versucht zunächst den Fremdkörper zu entfernen, falls dieser noch im Huf steckt. Dafür schneidet er das Horn rund um die betroffene Stelle frei und entfernt den Fremdkörper. Im Falle einer Gelenkverletzung muss das Hufgelenk außerdem gespült werden. Im Anschluss daran säubert der Tierarzt die Wunde und legt einen Verband an. Um Infektionen vorzubeugen, kann die Gabe eines Antibiotikums sinnvoll sein. An den darauffolgenden Tagen muss der Verband regelmäßig gewechselt und die Wunde gereinigt werden.

Strahlfäule

Bei der Strahlfäule handelt es sich um eine bakterielle Infektion des Strahls, die am häufigsten aufgrund mangelnder Huf- und Stallpflege entsteht. Ein unsauberer, feuchtwarmer Stall mit Futter- und Fäkalienresten bietet den perfekten Ansiedlungsort für Bakterien. Steht dein Pferd über lange Zeit in seiner Box, erfährt es darüber hinaus zu wenig Hufpflege oder ist es vielleicht sogar falsch beschlagen, ist das Risiko einer Strahlfäule hoch. Die Fäulnisbakterien siedeln sich im Strahlhorn an und zersetzen dieses nach und nach.

Hufrehe

Bei der Hufrehe handelt es sich um eine schmerzhafte Entzündung der Lederhaut. Man unterscheidet zwischen hormonbedingter, toxinbedingter und mechanisch ausgelöster Hufrehe. Die Hufrehe lässt sich in verschiedene Stadien unterteilen, die meist von erheblichen Schmerzen begleitet werden.

White Line Disease

Bei der White Line Disease handelt es sich um eine Erkrankung der Weißen Linie, die durch Bakterien oder Pilze ausgelöst wird. Wie bei der Strahlfäule kommt es hier zum Absterben des Gewebes, was bei fehlender Behandlung zu einer hohlen oder losen Wand, einem Hufgeschwür und einer streng riechenden Hornveränderung führen kann. Die White Line Disease entsteht häufig in Folge mangelnder Hufbearbeitung und -pflege. Die Erkrankung kann, muss aber nicht gemeinsam mit anderen Fäulniserkrankungen (wie Strahlfäule) einhergehen.

Symptome

Die White Line Disease wird häufig zufällig während der Hufpflege oder der Bearbeitung durch den Hufschmied entdeckt. Je länger die Erkrankung unbehandelt bleibt, desto mehr Hufhorn wird zerstört, was zu folgenden Symptomen führen kann:

  • verschiedene Grade der Lahmheit
  • Fieber
  • Eiteransammlung zwischen Lederhaut und Hornsohle
  • dunkle, faulig riechende Hornverfärbungen

Behandlung

Mittels einer gründlichen Begutachtung des Hufes sowie einer bakteriologischen bzw. mykologischen Laboruntersuchung kann der Tierarzt die Diagnose der White Line Disease stellen. Um diese umfassend und nachhaltig zu behandeln, empfiehlt es sich, mit einem Hufschmied zusammenzuarbeiten. Da die Heilung oft ein langwieriger Prozess ist, muss die Hufmechanik permanent dem Pferd und seiner Umgebung angepasst werden. Zunächst werden die Hufplatten oder andere Beschläge, die die Hufmechanik einschränken, entfernt.

Damit der Huf heilen kann, sollte dein Pferd – wenn möglich – auf Barhuf umgestellt werden. Im zweiten Schritt desinfiziert der Hufschmied den betroffenen Bereich und entfernt schließlich das gesamte infizierte und abgestorbene Gewebe. Besteht ein zusätzliches Infektionsrisiko durch eindringende Keime, verschreibt der Tierarzt zusätzlich Antibiotika. Die Stall- und Hufhygiene steht sowohl während der Behandlung als auch zur Vorbeugung einer erneuten White Line Disease im Vordergrund.

Hohle Wand beim Pferd

Bei der hohlen Wand handelt es sich um eine Hufwandablösung. Innerhalb der Hufwand entsteht ein Hohlraum meist zwischen Röhrchen- und Blättchenhornschicht. Ausgelöst wird eine hohle Wand oftmals durch traumatische Verletzungen, Erschütterungen und Spannungen. Eine hohle Wand kann z. B. plötzlich durch eine starke Prellung entstehen oder die schleichende Folge einer Infektion bzw. einer eitrigen Huflederhautentzündung sein.

Symptome

Am ehesten wird die hohle Wand in Folge einer anderen Huferkrankung wie z. B. der Hufrehe erkannt, da in diesem Fall die Lahmheit des Pferdes gründlich untersucht wird. Ansonsten entdeckt der Hufschmied sie meist nur während der Abnahme des Eisens durch Beklopfen des Hufes (Perkussionsschall). Ist eine größere Fläche von der Hornablösung betroffen, entsteht häufig eine Stützbeinlahmheit.

Behandlung

Die Behandlung einer hohlen Wand ist häufig ein aufwendiger und zeitintensiver Prozess, der folgende Schritte vorsieht:

  1. Reinigung, Desinfektion und ggf. Ausschneiden des Hohlraumes
  2. Anlegen eines orthopädischen Hufbeschlags (z. B. einer Entlastungsrinne)
  3. Ausfüllen des Defekts mit geteertem Werg
  4. ggf. Anbringung eines Verbands (je nach Größe, Tiefe und Infektionsgrad)
  5. Beschlag mit einem geschlossenen Hufeisen mit breiter Tragfläche
  6. Zufütterung von Biotin

Hornspalten und -kluften beim Pferd

Von einer Hornspalte spricht man, wenn es im Bereich der Hornwand in vertikaler Richtung der Hornröhrchen zu einem Riss kommt. Tiermediziner unterscheiden hierbei zwischen oberflächlichen, tiefen und durchdringenden Hornspalten. Spalten im Horn entstehen häufig durch:

  • fehlerhafte, mangelnde oder zu seltene Beschlagung
  • übermäßig starke Belastung einzelner Hufabschnitte
  • ungleichmäßiges Abnutzen der Hufeisen oder der Griffe und Stollen
  • Verlust eines Stollens
  • schlechte Hornqualität oder -beschaffenheit

Eine Hornkluft hingegen meint einen Defekt in der Hornwand, der horizontal der Hornröhrchen parallel zum Kronrand bis an die Wandlederhaut reichen kann. Häufig entsteht die Hornkluft in Folge eines Kronentritts, bei dem die Kronlederhaut verletzt wurde, sich das Horn ablöste oder die Hornproduktion gestört wurde. Aber auch eingetretene Holzstücke oder Eiteraufbrüche bei Hufabszessen können eine Hornkluft verursachen.

Symptome

Sowohl die Hornkluft als auch der Hornspalt machen sich häufig durch eine Lahmheit beim Pferd bemerkbar. Geht den Hufkrankheiten eine andere Erkrankung voraus, können auch Schmerzen oder Eiteransammlungen Begleitsymptome sein.

Behandlung

Wesentlich für die Heilung einer Hornkluft und eines Hornspalts sind die sachgemäße Zubereitung der Hufe sowie eine angemessene Beschlagung.

Das Ziel der Behandlungen besteht darin, wieder ein normales Hornwachstum zu erreichen. Da vorhandene Spalten im Hufhorn nicht wieder zusammenwachsen, kann die Heilung nur durch das Nachwasen eines neuen, zusammenhängenden Wandhorns erreicht werden. Um die Kronlederhaut zu entlasten, kürzt der Tierarzt bzw. Hufschmied den Tragrand rund um den Hornspalt. Geht der Hornspalt nicht komplett durch den Huf, können Schnitte quer oberhalb des Spaltes gesetzt werden. Dadurch wird verhindert, dass die Verletzung sich vertieft und das Horn kann stabil nachwachsen. Eine Hornkluft hingegen verschließt er mit Huflederkitt, Kunsthorn oder Wachs. Dies funktioniert jedoch nur, wenn sie trocken und nicht infektiös ist. Barhuf-Pferde können während der Behandlung beschlagen werden, wobei der Hufschmied dann nicht im Bereich der Hornkluft nagelt.

Angeborene Fehlstellungen an Trachten und Huf

Fehlstellungen des Hufes entstehen nicht erst im Laufe der Zeit durch übermäßige Belastungen, Erkrankungen oder Beschlagsfehler. Fehlstellungen der Gliedmaßen, Trachten und Hufe können ebenfalls angeboren sein. Zu den häufigsten angeborenen Fehlstellungen gehören:

  • Zwanghufe
  • Sehnenstelzfüße
  • Beugefehlstellungen (z. B. Bockhufe)
  • winkelige Gliedmaßenfehlstellungen (O- und X-beinige Stellungen)
  • Streckfehlstellungen (z. B. Durchtrittigkeit)

Symptome

Angeborene Fehlstellungen sieht man als Pferdehalter für gewöhnlich sofort. Das Fohlen zeigt ein deutlich verändertes Gangbild, teilweise sind die Hufe oder Gliedmaßen überstreckt, verdreht oder nicht ausreichend ausgebildet. Beim angeborenen Bockhuf können neben dem Hufgelenk auch noch andere Gelenke eine Fehlstellung aufweisen, die das Fohlen infolgedessen nicht ausstrecken kann. Den angeborenen Zwanghuf erkennt man anhand des deutlichen Größenunterschiedes zu den anderen Hufen (viel kleiner). Im Falle eines Sehnenstelzfußes ist die Beugesehne stark verkürzt, was es dem Fohlen fast unmöglich macht, sein Fesselgelenk ganz auszustrecken.

Behandlung

Inwiefern eine angeborene Fehlstellung behandelt werden kann, hängt vom Schweregrad ab. Leichte bis mittlere Fehlstellungen können durch altersgerechte Bewegung und orthopädische Hufbeschläge, Verbände oder medikamentöse Therapien behandelt werden. Mindestens genauso wichtig ist die fohlengerechte Ernährung und Pflege. Denn nur, wenn das Fohlen alle essenziellen Nährstoffe erhält, kann es altersgerecht wachsen. Sind mehrere Gliedmaßen von einer Fehlstellung betroffen, solltest du es zusätzlich beim Stehen und Trinken am Euter unterstützen. Bei schweren Fehlstellungen hilft meist nur ein chirurgischer Eingriff.

vetevo Fazit

„Ohne Huf kein Pferd“, besagt ein altes Sprichwort – und es stimmt: Ein kranker Huf mindert die Lebensqualität deines Pferdes und schränkt es immens in seiner Bewegung ein. Hufkrankheiten sollten stets ernst genommen und schnellstmöglich von einem Tierarzt und Hufschmied behandelt werden. Da sie häufig mit mangelnder Huf- und Stallpflege einhergehen, legt eine artgerechte Haltung den Grundstein für einen gesunden Pferdehuf.

vetevo - aus Liebe zum Tier.

Quellen:

  • Zivilisationskrankheiten des Pferdes. Fritz C, Maleh S, Hrsg. 2., aktualisierte Auflage. Stuttgart: Thieme; 2020. doi:10.1055/b-006-166356
  • Erkrankungen der Klauen und Zehen des Rindes. Fiedler A, Maierl J, Nuss K, Hrsg. 2., überarbeitete und aktualisierte Auflage. Stuttgart: Thieme; 2019. doi:10.1055/b-006-161627
  • Lahmheitsuntersuchung beim Pferd. Röcken M, Stadtbäumer G, Becker M, Hrsg. 1. Auflage. Stuttgart: Thieme; 2018. doi:10.1055/b-004-129695
  • Der Huf. Litzke L, Hrsg. 7., vollständig überarbeitete Auflage. Stuttgart: Thieme; 2019. doi:10.1055/b-006-161628

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