Alles, was du wissen musst, wenn dein Pferd lahmt

Lahmheiten gehören zu den häufigsten Pferdekrankheiten. Sie können vielfältige Ursachen haben und werden in verschiedene Schweregrade eingeteilt. Je nachdem, wie früh du die Lahmheit deines Pferdes erkennst und diese vom Tierarzt behandeln lässt, unterscheiden sich der Behandlungsverlauf und die Heilung. Wir zeigen dir nachfolgend, was du tun kannst, wenn dein Pferd lahmt.

Inhaltsverzeichnis:

Die verschiedenen Schweregrade von Lahmheit

Lahmheit ist häufig auf Schmerzen zurückzuführen und wird in drei Lahmheitsgraden beschrieben. Je nach Intensität des Schmerzes unterscheiden Tierärzte zwischen gering-, mittel- und hochgradiger Lahmheit. Handelt es sich bei deinem Pferd um eine Stützbeinlahmheit, greifen Ärzte oftmals auf eine 5-stufige Einteilung zurück, die eine genauere Differenzierung ermöglichen soll:

  1. Schwach sichtbare Lahmheit mit teils undeutlichen Schritten
  2. Geringe, aber erkennbare Lahmheit
  3. Mittlere, klar erkennbare Lahmheit (mit Ausgleichsbewegungen)
  4. schwere Lahmheit mit planer Fußung
  5. schwere Lahmheit ohne Fußung oder nur Zehenspitzenfußung

Da das Pferd versucht, den Schmerz während der Bewegung zu meiden oder unfähig ist, die normale Bewegung durchzuführen, verändert sich sein Gangbild, anhand dessen die Lahmheiten zu erkennen sind.

Stütz- und Hangbeinlahmheit

Die Lahmheit an sich ist keine Erkrankung, sondern ein Symptom, das auf eine Erkrankung hinweist. Tierärzte unterscheiden zwischen Stütz-, Hangbein- und gemischter Lahmheit.

Bei Lahmheiten während der Hangphase treten Schmerzen oder Störungen beim Vorsetzen der Gliedmaßen auf. Die Hangbeinlahmheit kommt jedoch eher selten vor. Am häufigsten treten Lahmheiten während der Stützbeinphase (Aufsetzen der Gliedmaßen) auf und sind vorwiegend durch Erkrankungen in den unteren Gliedmaßenabschnitten bedingt. Schmerzt sowohl das Stützen als auch das Vorsetzen, spricht man von einer gemischten Lahmheit.

Woran erkenne ich ein lahmendes Pferd?

Du kannst sowohl im Stehen als auch in der Bewegung erkennen, ob dein Pferd lahmt. Das stetige Entlasten oder Vorstellen einer Gliedmaße kann ein erster Hinweis sein. Ein lahmendes Pferd erkennst du u. a. am:

  • Fall auf das gesunde Bein während der Bewegung
  • Kopfnicken während der Bewegung zur Gewichtsverlagerung
  • gestörten Rhythmus der Hufe
  • sogenannten „Schildern“ (Entlastung eines Beines durch Aufsetzen der Hufspitze)
  • Veränderte Reitwilligkeit
  • Kruppenbewegung (bei Hinterhandlahmheit mit Schmerzen verbunden)

Hast du den Verdacht, dass dein Pferd lahmen könnte, solltest du es auf jeden Fall tiermedizinischem Fachpersonal vorstellen.

Mögliche Ursachen

Ein Symptom kann nur durch die Bekämpfung seiner Ursache beseitigt werden. Dies gilt auch für Lahmheiten beim Pferd. Die häufigsten Ursachen sind:

  • Hufprobleme
  • Gelenkprobleme
  • Stumpfe Traumata
  • Nacken- und Rückenprobleme
  • Bakterielle und virale Infektionen

Hufprobleme

Eine Verletzung oder Erkrankung der Hufe ist eine häufige Ursache für Lahmheit beim Pferd. Tritt sich dein Tier beispielsweise einen Fremdkörper ein, kann dieser zu schmerzhaften Verletzungen führen. Aber auch ein falscher Hufbeschlag behindert dein Pferd bei der Bewegung seiner Gliedmaßen. Darüber hinaus gibt es einige Huferkrankungen, die dein Pferd lahmen lassen können, wie z. B.:

  • Hornsäulen (abnormale Hornbildung an der Innenfläche der Hornwand)
  • Hufrehe (Laminitis)
  • Hufabszesse

Gelenkprobleme

Liegt das Problem der Lahmheit nicht im Huf, hilft es, den Blick auf einen anderen Bereich der Gliedmaßen zu richten. Gelenkprobleme können unterschiedliche Ursachen haben – angefangen bei falscher Ernährung und Überbelastung bis hin zu Abbauprozessen im Alter. Da Gelenkerkrankungen fast immer mit Schmerzen oder Bewegungseinschränkungen einhergehen, ist es nicht ungewöhnlich, dass das Pferd lahmt. Auch Entzündungen in den Gelenken können zur Veränderung des Gangbildes führen. Sie entstehen beispielsweise durch Überlastung und starken Druck. Zu den häufigsten Gelenkproblemen eines Pferdes gehören:

  • Entzündung von Hufrolle oder Hufgelenk
  • Spat
  • Arthrosen
  • Fesselträgerschäden oder Zerrungen
  • Schäden am Kreuzdarmbeingelenk
  • Karpaltunnelsyndrom

Stumpfe Traumata

Pferde sind bewegungsaktive Tiere und eine artgerechte Haltung verlangt, dass sie sich angemessen auslasten können. Sowohl beim Ausritt oder auf der Wiese als auch im Training oder bei einem Wettkampf kann es zu stumpfen Traumata aufgrund von Unfällen, Stößen oder Stürzen kommen. Verstauchungen und Frakturen sind häufig sehr schmerzhaft und brauchen eine gewisse Regenerations- und Ruhezeit. Insbesondere Brüche benötigen eine spezifische Behandlung. Auch Muskelzerrungen sind häufige Folgen eines stumpfen Traumas. Im Gegensatz zu Frakturen heilen sie zwar schneller, benötigen jedoch ebenfalls Zeit und Ruhe zur Heilung.

Nacken- und Rückenprobleme

Muskuläre Verspannungen im Nacken- und Rückenbereich sind nicht nur unangenehm. Sie können auch die Mobilität deines Pferdes erheblich einschränken und die Ursache für Lahmheit sein. Verletzungen und Fehlstellungen führen nicht selten zu Verhärtungen in der Muskulatur, die dann auch der Reiter spürt. Probleme im Wirbelsäulenbereich wirken sich auf den gesamten Organismus aus und bedürfen einer tierärztlichen Diagnose und Behandlung, auch durch Physiotherapeuten oder Osteopathen.

Bakterielle und virale Infektionen

Dringen Mikroorganismen (wie Bakterien, Viren, Parasitzen etc.) in den Körper deines Pferdes ein und vermehren sich dort, spricht man von einer Infektion. Zu den bekanntesten unter ihnen zählt die Borreliose, die sich beim Pferd bereits im zweiten Stadium durch Lahmheit zeigen kann. Parasiten wie z. B. Zecken sind Überträger dieser Infektionskrankheit. Diese Infektionen können dazu führen, dass dein Pferd lahmt. Typische Infektionen und Inflammationen sind:

  • Borreliose
  • Equine Herpesvirus Typ 1 (EHV-1)
  • Sehnenschäden (Fesselträgererkrankung)
  • Entzündungen im Fesselgelenk

Mein Pferd lahmt – was kann ich tun?

Wenn du bei deinem Pferd eine deutliche Lahmheit erkennst, gilt es zunächst, einen Gang zurückzuschalten. Das heißt ganz konkret: Stallruhe. Zusätzliche Bewegung und Belastung schmerzt dein Pferd und führt zu unnötigen Reizungen. Bis dein Tierarzt dein Pferd nicht untersucht und behandelt hat, solltest du aufs Reiten verzichten und die Gliedmaßen deines Tieres schonen.

Zur Schmerzminderung und Entspannung können auch homöopathische Mittel helfen. Diese solltest du aber nur in Absprache mit einem Tierheilpraktiker verwenden. Dieser kennt das breitgefächerte Angebot homöopathischer und natürlicher Mittel und kann die notwendige Dosierung für dein Pferd bestimmen.

Wann sollte ich zum Tierarzt?

Hinter einer Lahmheit muss nicht immer eine Erkrankung stecken. Auch eine falsche oder ungleichmäßige Hufbearbeitung kann Störgefühle beim Gehen verursachen. Dein Pferd ist dabei meist schmerzfrei. Dennoch sollte der Beschlag entsprechend korrigiert werden. Ansonsten gilt: Schalte deinen Tierarzt ein, sobald du den Verdacht hast, dass sich die Gangart deines Pferdes verändert hat und es lahmt.

Erste Hilfe, bis der Tierarzt kommt

Sowohl bei plötzlicher als auch bei schrittweise entstandener Lahmheit solltest du zuallererst dein Pferd ruhig halten und seine Gliedmaßen nicht weiter belasten. Kommst du beispielsweise von einem Ritt und dein Pferd lahmt plötzlich, solltest du unter seinem Huf nachschauen, ob du eine Verletzung erkennen kannst.

Bei Schwellungen kann das Kühlen mit Wasser eine hilfreiche Maßnahme sein. Ist dein Pferd deutlich lahm oder erkennst du sogar eine offene Wunde, solltest du umgehend deinen Tierarzt anrufen. Auch bei leichten und wiederkehrenden Lahmheiten ist es empfehlenswert, einen Experten zu kontaktieren. Nur dieser kann die genaue Ursache ausfindig machen und eine entsprechende Behandlung einleiten.

Die Diagnose

Will dein Tierarzt eine Diagnose stellen, wird er dein Pferd im Schritt oder Trab longieren lassen. Diese symmetrischen Gangarten ermöglichen es ihm, Unterschiede und Arhythmien zwischen den gegenüberliegenden Gliedmaßen zu erkennen.

Darüber hinaus überprüft der Tierarzt die Gelenke, den Nacken und den Rücken des Pferdes, tastet die Beine ab und macht eine sogenannte Beugeprobe. Das bedeutet, dass er das Bein des Pferdes abwinkelt und es sogleich lostraben lässt. Dadurch werden Lahmheiten schneller erkannt. Zu guter Letzt können auch MRT-, Ultraschall- oder Röntgenaufnahmen und diagnostische Anästhesien Aufschluss über den Grund für die Lahmheit geben.

Die Therapie

Welche Therapie für dein lahmendes Pferd die richtige ist, hängt ganz vom Auslöser ab. Wichtig ist in erster Linie Geduld, da die Heilung unter Umständen einige Zeit dauern kann. Bei Stauchungen, Prellungen, Entzündungen oder Reizungen kann Kühlen die Heilung unterstützen. Je nach Diagnose können Antibiotika, Entzündungshemmer und schmerzstillende Medikamente zum Einsatz kommen.

Da die Ursachen für Lahmheiten sehr vielfältig sind, gibt es auch keine Pauschallösung für die Therapie. Ob dein Pferd mäßige oder lieber gar keine Bewegung bekommen sollte, muss daher individuell bestimmt werden. Handelt es sich um schwere Verletzungen oder Erkrankungen, wird deinem Pferd die Boxenruhe verschrieben, sodass die Gliedmaßen genügend Zeit für die Regeneration haben.

Auch ein individueller Trainingsplan von Tierarzt kann sinnvoll sein, wenn die Sehnen und Muskeln deines Pferdes kontrollierte Bewegungen brauchen. Neben Ruhe, angemessener Bewegung und ggf. medikamentöser Behandlung ist es von Vorteil, die Ernährung und evtl. die Futtermenge deines Pferdes anzupassen.

Warum du regelmäßig einen Hufschmied aufsuchen solltest

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Hufe deines Pferdes zu schützen und zu pflegen. Auch wenn dein Tier vielleicht keine Hufeisen trägt, sondern Barhuf läuft, solltest du seine Hufe regelmäßig pflegen lassen. Wie in vielen Lebensbereichen gilt auch hier: Eine kontinuierliche, regelmäßige Pflege schützt vor späteren Erkrankungen und Verletzungen.

Bekommt dein Hufschmied dein Pferd regelmäßig zu Gesicht kann er Veränderungen am Huf schnell erkennen und korrigieren, bevor ein gesundheitliches Problem entsteht. Denn seine Arbeit geht weit über das bloße Beschlagen hinaus: Dein Hufschmied überprüft die Hornqualität und beurteilt die Hufgesundheit deines Pferdes. Vor dem Beschlagen fertigt er Probeschnitte an, glättet Unebenheiten und korrigiert ungleichmäßige Abnutzungen (für mehr Stabilität der Sehnen und Gelenke). Überflüssiges Horn wird entfernt und die Hornwände gekürzt, um Risse oder Splitter zu vermeiden.

Bei normalem Abrieb solltest du diese Leistungen ca. alle 6 bis 8 Wochen in Anspruch nehmen. Hat dein Pferd orthopädische Probleme oder läuft es die Hufe ungleichmäßig ab, empfiehlt es sich, diese alle 3 bis 4 Wochen korrigieren zu lassen.

So kannst du Lahmheiten beim Pferd vorbeugen

Die artgerechte Haltung deines Pferdes ist die beste Voraussetzung für ein gesundes Pferdeleben. Zwar gibt es keine Garantie dafür, dass dein Pferd niemals lahmen wird, doch du kannst einige Dinge zur Vorbeugung unternehmen.

Egal, ob dein Pferd mit Eisen beschlagen ist oder Barhuf läuft – die regelmäßige Hufpflege, bei der du auch deinen Hufschmied zurate ziehen solltest, ist unabdingbar.

Vor allem für Pferde mit veränderter Hufform oder orthopädischen Problemen ist ein korrekter Beschlag wichtig. Außerdem solltest du die Hufe deines Pferdes täglich reinigen und von Fremdkörpern befreien. Verwende regelmäßig Huffette oder -öle, um die Hufe zu befeuchten und die Hornschicht elastisch zu halten.

Um Überlastungen zu vermeiden, solltest du außerdem dein Pferd warmreiten, damit sich die Gelenkflüssigkeit gleichmäßig verteilen und den Knorpel schützen kann. Plötzliche oder hektische Bewegungen (wie Kaltstarts) können zur Überlastung der Sehnen führen und sollten deshalb umgangen werden. Eine gesunde Ernährung legt den Grundstein für ein vitales Pferdeleben und kann mithilfe von Nahrungsergänzungsmitteln für Sehnen und Gelenke optimiert werden.

vetevo Fazit

Warum dein Pferd lahmt, kann unterschiedliche Ursachen haben. Die Lahmheit ist dabei nur ein Symptom und geht häufig mit Schmerzen einher. Der Besuch beim Tierarzt ist daher wichtig, um der Ursache auf den Grund zu gehen und eine angemessene Behandlung einzuleiten.

Um einer Lahmheit vorzubeugen, bilden artgerechte Hufpflege, Ernährung und Haltung die Basis für ein gesundes Pferdeleben.

vetevo - aus Liebe zum Tier.

Quellen:

  • M., Stadtbäumer G., Becker M., Hrsg.: Lahmheitsuntersuchung beim Pferd. 1. Auflage. Stuttgart: Thieme; 2018. doi:10.1055/b-004-129695
  • Litzke L., Hrsg.: Der Huf. 7., vollständig überarbeitete Auflage. Stuttgart: Thieme; 2019. doi:10.1055/b-006-161628

Code: NEU20