Warum fressen Hunde Kot? - Titelbild

©Pezibear

Hilfe! Mein Hund frisst Hundekot. Warum und was kann ich dagegen tun?

Wer seinen Hund beim Kotfressen gesehen hat, wird bestätigen: Es ist einfach nur eklig, abstoßend und befremdlich. Erst recht, wenn der Hund ja eigentlich Familienmitglied ist, das gerne mit einem auf dem Sofa kuschelt und unvermittelt Küsschen gibt! Mit für Mensch und Tier gefährlichen Krankheitserregern. Doch woher kommt das, dass Hunde Kot oder auch andere Dinge, die auf dem Boden liegen, unbedingt fressen wollen?

Inhaltsverzeichnis:

Es ist gar nicht so ungewöhnlich: Viele Hunde fressen mehr oder weniger oft Kot von Pferden, Rindern, Schafen oder auch von anderen Hunden, Katzen und sogar Menschen, wenn sich die Gelegenheit dazu bietet. Das Fressen von Kot ist bis zu einem gewissen Grad ein ganz normales Verhalten. Doch warum tun sie das?

Warum fressen Hunde Kot?

Teilweise wird ein Nährstoffmangel an B-Vitaminen und Eiweiß vermutet. Doch selbst bei ausgewogener Fütterung wird dieses Verhalten beobachtet. Da das Fressen von Kot (Koprophagie) bei fast allen Tierarten vorkommt, ist sie nur bei exzessivem Auftreten als bedenklich einzustufen. 

Durch Aufnahme von Kot anderer Hunde entsteht das Risiko durch Aufnahme von Wurmeiern und anderen Parasiten oder evtl. auch Bakterien oder Viren aber auch Reste von Medikamenten, die der andere Hund bekommen haben könnte. Die bei fast allen Hunden zu beobachtende gelegentliche Aufnahme von Rinder- oder Schafkot ist prinzipiell unproblematisch. Bei Pferdeäpfeln ist jedoch größte Vorsicht geboten, da Reste von Pferdeentwurmungsmitteln enthalten sein könnten, die für den Hund extrem gefährlich werden können.

Warum fressen Welpen Kot?

Muttertiere fressen in den ersten Tagen nach der Geburt den Kot ihrer Welpen, um sich auf diesem Weg Mineralstoffe und Enzyme zu holen. Dieses Verhalten adaptieren Welpen manchmal ganz einfach. Welpen fressen Kot aber auch spielerisch, wenn sie auf Entdeckungstour gehen. Sie finden alles interessant, was sie auf ihrem Weg finden und nehmen es gerne in den Mund. Das gehört zur natürlichen Welpenentwicklung, genau wie im Rahmen der Hygieneerziehung jetzt ein Abbruchsignal wie ein deutliches “Nein” ein absolutes Muss ist. Stelle schon aus diesem Grund immer sicher, dass die Welpenbox sauber ist und dass aus dem bloßen Schnüffeln nicht das Fressen von Kot wird. Deshalb ist es auch so wichtig, Welpen von anfang an, spielerisch und stressfrei dazu zu erziehen, nicht an Kot oder Aas zu gehen. Stelle dir nur vor, dein Welpe würde an einer fast nicht mehr erkennbaren toten Ratte knabbern, die vergiftet wurde.

Wenn Kotfressen krankheitsbedingt ist

Vermehrtes Kotfressen (Koprophagie) kann auf Haltungsprobleme, Verhaltensstörungen, einen Mangelzustand oder Erkrankungen des Verdauungsapparates, Parasitosen oder eine allgemeine Polyphagie hindeuten. Krankheitsbedingtes Kotfressen wird beobachtet, wenn beispielsweise die Funktion der Bauchspeicheldrüse gestört ist. Dieses ist durch entsprechende Untersuchungen abzuklären und kann heute effektiv behandelt werden. In manchen Fällen scheinen Stresssituationen Koprophagie auszulösen.

Wie du das Kotfressen deinem Hund abgewöhnen kannst

Wenn du deinem Hund das Kotfressen abgewöhnen willst, ist das eine echte Herausforderung. Es wird dich viel Geduld kosten, denn Hunde finden Kot schlichtweg attraktiv. Dennoch solltest du folgende Maßnahmen konsequent durchziehen:
  • Leine deinen Hund beim Gassigehen an, damit er erst gar keine Gelegenheit zum Fressen hat.
  • Lege ihm gegebenenfalls auch einen Maulkorb an.
  • Wenn dein Hund sein Geschäft gemacht hat, beseitige die Hinterlassenschaft sofort.
  • Bringe deinem Hund zudem bei, direkt nach dem Geschäft zu dir zu kommen.
  • Belohne ihn immer, wenn er Kot liegen lässt, und versuche auf diese Art eine Gegenkonditionierung zu bewirken.
  • Wenn du deinen Hund trotzdem mal beim Kotfressen erwischst, nicht laut und hektisch werden. Dein Hund könnte es als Bestätigung empfinden, da er deine Aufmerksamkeit bekommen hat.
Das Angebot an weiteren Behandlungen ist groß. So wird zum Teil geraten, bittere Substanz unter den Kot zu mischen, damit der Hund von dem veränderten Geschmack abgestoßen wird. Wenn sicher ist, dass eine Verhaltensstörung vorliegt, werden auch psychoaktive Medikamente wie das Antidepressivum Clomipramin zum Teil eingesetzt.

Schüßler-Salze und Homöopathie

Auch wenn nicht jeder Hund auf die Wirkweise anspricht, sind folgende Maßnahmen sicher kein Fehler.
  • Tieren, die Kot, aber auch Taschentücher und Papier fressen, hilft Calcium phosphoricum D6, da unter Umständen ein Kalkmangel vorliegt. Das betrifft sehr oft Tiere im Wachstum.
  • Alumina D8 kann dem Kotfressen ebenfalls entgegenwirken, wahlweise auch Acidum nitricum D6, wenn die Tiere zudem an verputzten Wänden nagen.

Hausmittel gegen das Fressen von Kot

Gib deinem Hund vor dem Gassigehen stinkigen Käse zum Fressen, wie etwa Harzer Käse, Romadur oder Limburger. Damit ist er dann hoffentlich erstmal bedient und der Appetit auf Kot kommt unterwegs gar nicht erst auf.

Oder mische ein Stück Ananas ins Futter. Die in der Ananas enthaltenen Enzyme sollen den Appetit verhindern. Du kannst auch einen Schuss Ananassaft (ungesüßten Direktsaft) ins Futter beimischen. Zudem können Pansen, Blättermagen, Bananen, Hefe, Hefeflocken oder Bierhefe ins tägliche Futter beigemischt werden, um die Gier nach Kot auszumerzen oder wenigstens zu mindern. All diese Maßnahmen sollen das Verlangen nach stinkendem Futter mindern.

Überdurchschnittlicher Wurmbefall als Folge des Kotfressens

Gerade das Kotfressen erhöht natürlich die Gefahr eines Wurmbefalls und Wurmkuren müssen eventuell öfter durchgeführt werden als dir lieb ist. Ob eine Wurmkur wirklich notwendig ist, kannst du dank eines Wurmtests.
Was du noch tun kannst:
  • Medizinische Abklärung aller denkbaren Ursachen und Behandlung der diagnostizierten Erkrankungen.
  • Abklärung von Ernährungsproblemen und Abstellung von Mangelerscheinungen.
  • Möglichst gänzliche Vermeidung der typischen Kotaufnahme-Momente.
  • Verhaltenstherapie hinsichtlich der Kotaufnahme, denn manchmal ist es eine langjährige, sehr fest verankerte Gewohnheit.
  • Konsequente Hygiene-Erziehung ist zudem das A und O.
  • Auch der Einsatz von Hausmitteln ist auf jeden Fall einen Versuch wert.

vetevo-Fazit

Auch, wenn wir es abstoßend finden: Bei den meisten Hunden ist Kotfressen ein ganz normales Verhalten und meistens nicht weiter schlimm. Wenn es allerdings von manchmal abweicht und Standard zu sein scheint, steckt eventuell eine Verhaltensstörung oder ein gesundheitliches Problem wie eine Mangelerscheinung dahinter. Wenn du Veränderungen beim Kot deines Hundes und vor allem auch eine Appetitsteigerung mit übermäßig viel Trinken und Urinieren beobachtest, dann suche unbedingt deinen Tierarzt auf. Ist das Kotfressen verhaltensbedingt oder erlernt, wirst du viel Geduld brauchen, um es deinem Hund abzugewöhnen. Belohne deshalb deinen Hund immer mit einem Leckerli, wenn er Kot und andere unerwünschte Gegenstände liegen lässt und nicht frisst. Langfristig gelingt auf diese Weise vielleicht eine Gegenkonditionierung. Vergiss zudem nicht, dass kotfressende Hunde regelmäßig auf Magen-Darm-Parasiten untersucht und gegebenenfalls entwurmt werden sollten. Die gefressenen Exkremente sind ein prädestinierter Ansteckungsherd mit Würmern und anderen Parasiten.

vetevo - Aus Liebe zum Tier.

Quellen:

Allotriophagie (Pica), Koprophagie, Grasfressen. In: Kohn B, Schwarz G, Hrsg. Praktikum der Hundeklinik. 12., aktualisierte Auflage. Stuttgart: Enke Verlag; 2017
Aufnahme von Kot, Gras u. a. Fremdmaterialien. In: Zentek J, Hrsg. Ernährung des Hundes. 8., aktualisierte Auflage. Stuttgart: Enke Verlag; 2016
Bekannt aus: