Giardien beim Hund

@Pezibear

Giardien beim Hund: Ursachen, Symptome und Therapie

Welpen, junge Hunde und Katzen sind besonders anfällig für Giardien-Infektionen. Aber auch erwachsene Tiere und sogar Menschen können befallen werden. Erfahre hier, wie du dich und deinen Hund schützen kannst.

Inhaltsverzeichnis:


Was sind Giardien?

Giardien sind einzellige Dünndarm-Parasiten, die sich durch Zellteilung fortpflanzen. Sie gehören zu den häufigsten Ursachen für immer wiederkehrende Magen-Darm-Krankheiten. Die häufigsten Symptome eines Giardien-Befalls sind Durchfall und Erbrechen.

Um sich fortzubewegen sind sie mit fadenförmigen Gebilden (Geißeln) ausgestattet. Im Laufe ihres Lebens durchlaufen Giardien zwei Phasen: sie wachsen und vermehren sich in der ersten Phase (vegetative Trophozoiten) und in der zweiten Phase werden sie inaktiv (diagnostische Zysten). In der zweiten Phase erfolgt die Infektion anderer Wirte.
Abbildung: Das Aussehen von Giardien
  • 2 Zellkerne
  • 2 dünne Achsenstäbe
  • 4 Geißelpaare
  • 1 gebogenes Mediankörperchen (gelb)
Giardien wurden früher als “Urtierchen” bezeichnet, weil sie Merkmale von echten Lebewesen tragen. Beim Blick ins Mikroskop erscheinen die zwei Zellkerne wie Kulleraugen. Ein komplettes Gesicht kommt zustande, da sie außerdem einen vermeintlichen Smiley-Mund haben. Sie sind nicht nur nett anzusehen, sie sind auch uralt und machen der Welt schon lange zu schaffen. Wahrscheinlich hatten schon unsere Vorfahren und sogar die Dinos mit ihnen zu kämpfen. 

Also absolut kein neues Problem oder etwa eine neue Seuche, wie Giardien auf einigen Internetseiten trotzdem dargestellt werden. 

Der Körper kann sich in der Regel relativ gut gegen Giardien verteidigen. Ausnahmen gibt es allerdings immer. Und wie so oft in der Medizin gilt auch hier wieder mal: “Die Dosis macht das Gift”.

Was sind die Ursachen für eine Giardien-Infektion?

Abbildung: Hund Giardien Lebenszyklus - vetevo
Abbildung: Hund Giardien Lebenszyklus - vetevo
Wenn Hunde und vor allem Welpen Durchfall haben, ist die Ursache häufig eine Infektion mit Darmparasiten. Dazu zählen auch die Giardien. 

In der Fortpflanzungsphase sind die Giardienzysten in einer inaktiven Phase und besonders widerstandsfähig. Sie überleben bis zu mehreren Wochen im Boden und in der Umwelt. Somit gelangen sie auch in Wasser oder haften an vermeintlich “Schmackhaftem” an, was der Hund draußen beschnüffelt und vielleicht auch frisst. 

Bei Kotuntersuchungen sind die Zysten besonders gut nachzuweisen, weshalb man diese Phase auch diagnostisches Stadium nennt.

Wie stecken sich Hunde mit Giardien an?

Hunde stecken sich über die Aufnahme von Giardienzysten aus dem Kot infizierter Hunde an, wenn sie beispielsweise daran schnüffeln. Die minimale “Infektionsdosis” beträgt dabei 10-100 Zysten. Die ca. 10x7 µm großen Zysten befinden sich zu diesem Zeitpunkt in der Fortpflanzungsphase.

Wurden die Zysten über den Mund aufgenommen, gelangen sie über den Magen in den Darm und die Wachstumsphase beginnt. Die Zysten entwickeln sich hier zur ausgewachsenen Form weiter (Trophozoiten) und besiedeln die Darmschleimhaut.

Giardien pflanzen sich durch Zellteilung fort. Schnell kommt es also zu einer extremen Vermehrung im Darm. Bevor der Giardiennachwuchs nun ausgeschieden wird und in die Umwelt gelangt, bildet sich eine für die Parasiten lebenswichtige Schutzhülle, die eine große Widerstandsfähigkeit gegen Umwelteinflüsse wie Hitze, Kälte oder Trockenheit (Tenazität) bietet. 

Dank dieser Schutzhülle können Giardien bis zu mehreren Wochen auf Spielzeug, dem Boden, Decken oder auch im Wasser überleben und weitere Tiere bei oraler Aufnahme anstecken.

Eine Behandlung gegen Giardien muss somit immer zeitgleich mit Desinfektionsmaßnahmen erfolgen. Bevor eine Behandlung in Erwägung gezogen wird, solltest du testen, ob dein Hund überhaupt Giardien hat. Dafür kannst du ganz einfach mit dem vetevo Giardientest eine Kotuntersuchung durchführen.

Sind Giardien übertragbar auf den Menschen?

Giardieninfektionen sind bei Haustieren sehr weit verbreitet. Etwa jeder fünfte Hund und jede zehnte Katze ist mit Giardien infiziert, bei Welpen und Jungtieren sogar bis zu 70%, weil die Darmflora noch nicht gut ausgebildet ist und der natürliche Schutz fehlt. Menschen können sich zwar anstecken, allerdings geschieht dies seltener.

Die größte Ansteckungsgefahr bei Menschen ist mangelnde Hygiene.

Giardien werden nach ihren Genotypen (die Gesamtheit der Gene, die im Zellkern gespeichert werden) in die unterschiedlichen Gruppen eingeordnet - G. duodenalis (Genotyp A), G.enterica (Genotyp B), G. canis (Genotyp C/D), G. cati (Genotyp F).
Genotypen Hund - Subspezies A1, B3; C und D
Genotypen Katze - Subspezies A1 und F
Genotypen Mensch - Subspezies A1 und B3
Wie an der Tabelle zu erkennen ist, gibt es Überschneidungen der Genotypen. Spezielle Arten von Giardien sind auf den Menschen übertragbar. Solche von Tier auf Mensch (oder anders herum) übertragbare Infektionen werden Zoonose genannt. Um ein Risiko besser einschätzen zu können, muss herausgefunden werden, um welchen Stamm es sich handelt. Dies kann in Speziallabors erfolgen.

Giardien-Infektionen beim Menschen sind meldepflichtig

Die Erkrankung des Menschen durch Giardien (Giardiasis), ob über den Hund oder eine andere kontaminierte Stelle, ist eine meldepflichtige Darmerkrankung, die gemäß der Statistik des Robert-Koch-Instituts jährlich mehrere tausend Infektionen beim Menschen in Deutschland umfasst. 

In Berlin gab es über 500 Fälle in 2018, weltweit über 200 Millionen. Eine Giardien-Infektion äußert sich mit Durchfällen und Erbrechen. Insbesondere bei Kindern kann eine Infektion zu heftigen Symptomen, sowie Mangelernährung und Wachstumsstörungen führen.

Besonders gefürchtet ist die Giardien-Infektion unter Reisenden als Reise-Diarrhöe, oder auch “Montezumas Rache” genannt. Um eine Infektion zu verhindern, sollten Lebensmittel vor dem Verzehr unbedingt gründlich gewaschen werden. Als besonders gefährdet gelten zudem Menschen mit einem geschwächten Immunsystem wie Schwangere, Kinder, Kranke und ältere Personen.

Symptome - Wie erkenne ich Giardien beim Hund?

Giardien verursachen hartnäckigen Durchfall. Der Kot kann auch Schleimbeimischungen und gelegentlich sogar Blut enthalten. Erbrechen gehört ebenfalls zu den Symptomen. Wenn Giardien lange im Darm ausharren wird der Hund schlapp, will sich nur wenig bewegen und verweigert sogar Leckerlies. Es kommt zur Abmagerung.

Welche Hunde sind besonders gefährdet?

Vor allem Welpen und jüngere Hunde haben am meisten mit Giardieninfektionen zu kämpfen. Sie sind besonders empfindlich, da sich das Immunsystem erst in der Lernphase befindet. 

In ihrem jungen Leben sind sie noch nie mit dem Erreger in Berührung gekommen und sind ihm somit schutzlos ausgeliefert. Die Abwehrzellen sind erst dabei, sich aufzubauen. Gerade Welpen haben oft besonders hartnäckige Durchfälle und dehydrieren schnell.

Wieso sind Giardieninfektionen nicht so leicht zu erkennen?

Eine Infektion kann auch ganz ohne typische Symptome ablaufen. Bei erwachsenen Hunden entwickelt sich oft eine “automatische Erregerabwehr” (Immunität), sodass sie im Allgemeinen ziemlich gut mit einer Giardieninfektion klarkommen. Manchmal kommt es zu immer wiederkehrendem Durchfall. Oftmals bleibt der Parasit allerdings auch ein stiller Begleiter. 

Doch auch diese stillen Giardienträger sind problematisch. Denn der Parasit wird regelmäßig ausgeschieden und andere Hunde können sich dadurch anstecken.

@nancy sticke

Diagnose - Wie kann ich meinen Hund testen? 

Wie schon erwähnt können die stillen Giardienträger Probleme bereiten und als Ansteckungsquelle für andere dienen. Deswegen ist es angeraten, auch symptomlose Hunde regelmäßig auf Giardien zu überprüfen. Das geht ganz einfach.
Um eine Infektion nachzuweisen, wird eine Kotprobe genau unter die Lupe genommen. Es gibt zwei gängige Methoden:

Kombinierte Sedimentation / Flotation

Mithilfe von verschiedenen Flüssigkeiten, Teströhrchen und einer Zentrifuge werden die Fremdmaterialien im Kot von den Wurmeiern, nach denen man sucht, getrennt. Anschließend wird der Teil zentrifugiert, in dem sich die Giardien-Eier befinden. Diese setzen sich sodann als Sediment ab. Das Sediment wird auf einem kleinen Objektträger aus Glas gegeben, mikroskopiert und bei Wurmbefall werden die Wurmeier identifiziert.

Giardien Antigentest

Hierbei handelt es sich um ein komplexeres Testverfahren, das auf einem ähnlichen Prinzip wie das ELISA Verfahren (Enzyme-linked Immunosorbent Assay) basiert. Es macht sich das Schlüssel-Schloss-Prinzip zunutze. Der Schlüssel ist ein sogenanntes Antigen. Das Schloss ist ein sogenannter Antikörper. 

In dem Schnelltest befinden sich viele Antikörper, welche mittels Schlüssel-Schloss-Prinzip die nachzuweisenden Giardienzysten (Antigene) binden und diese Bindung mithilfe einer chemischen Reaktion farblich kenntlich machen.

Therapie-Dauer und was tun bei einem Giardienbefall?

Für die Behandlung von Giardien sind nur zwei Medikamente zugelassen: solche mit dem Wirkstoff Fenbendazol (50 mg je kg Körpergewicht an mindestens fünf aufeinander folgenden Tagen, dann drei Tage Pause , dann nochmal täglich für fünf Tage) und dem Wirkstoff Metronidazol (50 mg je kg Körpergewicht täglich über fünf bis sieben Tage). 

Diese können entweder durch Pasten, Kau- oder Filmtabletten eingegeben werden. Wichtig bei der Behandlung ist die passende Dosierung und die geeignete Dauer.

Außerdem solltest du die richtige Schonkost auswählen und den Patienten kohlenhydratarm ernähren. Denn Reis oder ähnliche kohlenhydratreiche Schonkost, die man normalerweise gerne bei Durchfall füttert, ist ein gefundenes Fressen für die Giardien, die sich dann erst richtig vermehren. 

Es ist auch wichtig, dass du deinen Hund gründlich wäschst, vor allem rund um die Hinterbeine. So kannst du die Parasiten, die am Fell sitzen, entfernen.

Nach drei bis vier Wochen soll der Behandlungserfolg mittels Kotprobe überprüft werden. Leider wird die Resistenzlage zunehmend kritischer und gerade der Wirkstoff Fenbendazol verliert an Effektivität. Deswegen ist es sehr wichtig, bei jeder Anwendung verschiedene Präparate mit unterschiedlichen Wirkstoffen anzuwenden. 

Ein weiterer sehr wichtiger Punkt ist, bei einem Befall auch Partnertiere im eigenen Haushalt oder tägliche Spielgefährten mitzubehandeln. Denn manchmal ist der Hunde- oder Katzenkumpel infiziert und scheidet Giardien aus, ohne dass er selbst Symptome hat, weil sein Immunsystem sie noch gut in Schach hält.

Bei Giardienbefund sollte nach der Behandlung eine Kontrolluntersuchung auf Würmer und Giardien durchgeführt werden. Gegebenenfalls muss eine Wiederholungsbehandlung mit Zeitabstand erfolgen.

Wie kann ich mich und meinen Hund vor Giardien schützen?

Strenge Hygiene schützt vor Rückfall

Wie bereits erwähnt sind Giardien sehr hartnäckig. Da ausgeschiedene Zysten in der Umwelt noch über Wochen und Monate infektiös sind, bieten sie zusätzlich eine sehr hohe Reinfektionsgefahr. Als vorbeugenden Schutz ist gute Hygiene das A und O.

Deswegen gilt es beim Spazierengehen immer darauf zu achten, genug Plastiktütchen zum Einsammeln des Geschäftes mitzunehmen. Denn es ist nicht nur sehr unschön und rücksichtslos, den Kot auf der Straße liegen zu lassen, sondern birgt auch Ansteckungsgefahr. Besonders gilt das für Spielplätze und Sandkästen, die für Kinder zugänglich sind. 

Da sich Giardien besonders wohl im Wasser fühlen, kann auch alles Feuchte eine Infektionsquelle sein.

Tipps zum Schutz vor Giardien

  • Stundenweise frisches Wasser zum Trinken bereitstellen
  • Futter- und Trinknäpfe täglich mit kochendem Wasser oder in der Spülmaschine bei über 65°C spülen
  • Hunde möglichst von Badestellen und “öffentlichen” Trinknäpfen vor Cafés und Co. fernhalten
  • Hundedecken und -kissen regelmäßig heiß bei über 65°C waschen 
  • Spielsachen regelmäßig mit kochendem Wasser oder in der Spülmaschine bei über 65°C waschen
  • Böden regelmäßig reinigen und vollständig abtrocknen lassen
  • Regelmäßiges Baden mit beispielsweise chlorhexidingluconhaltigen Shampoos, um alle Kotreste aus dem Fell zu entfernen. Zusätzlich kann bei langhaarigen Hunden der “Po-Bereich” ein wenig geschoren werden, um das Anhaften zu verhindern

Die Kotprobe zum Schutz und Kontrolle, um sicherzugehen

Wir haben bereits zum Thema “Würmer” über diese super Methode informiert. Dabei wird regelmäßig der Kot von drei aufeinanderfolgenden Tagen eingesammelt, weggeschickt und auf Parasiten kontrolliert. So kannst du sicher sein, dass dein Hund Giardien-frei ist. 

Hat dein Hund seit längerer Zeit Durchfall, sollte definitiv eine Kotuntersuchung in Erwägung gezogen werden. Im Labor wird der Kot deines Hundes auf Giardien überprüft. Denn die übliche Wurmkur im Abstand von drei Monaten würde einen Giardienbefall in keinster Weise “mitbehandeln”. 

@TeroVesalainen

Gibt es alternative Behandlungsmöglichkeiten?

Immer wieder liest man von der Moroschen Möhrensuppe, Kräuterbuttermilch, Propolis und Kokosöl. Alle diese Hausmittelchen sollen dazu beitragen, das Immunsystem aufzubauen und somit die Selbstheilung fördern.

Die Morosche Möhrensuppe 
Diese wässrige Zubereitung aus der Karotte wird oftmals als Wundermittel beschrieben. Laut einer Studie der Universität Wien und Universitätspoliklinik für Kinder und Jugendliche Erlangen - Nürnberg wirken die sauren Oligosaccharid-Kohlenhydrate in der Vorsorge und Therapie von Magen-Darm Infektionen. Damit sich Keime im Körper ausbreiten können, müssen sie sich als zunächst “festbeißen”. Oligosaccharide haben die besondere Fähigkeit, diese Anhaftung (Adhärenz) auf der Darmschleimhaut zu verhindern. Somit kann es nicht zur Besiedlung kommen. 

Aber Giardien ernähren sich von Kohlenhydraten. Durch die vermehrte Fütterung von Karotten wird die Kohlenhydrat-Ration erhöht und die Giardien werden gestärkt.

Das Kokosöl
Kokosöl soll antimikrobiell wirken, das Immunsystem stärken, die Abwehrkräfte mobilisieren und gleichzeitig eine Darmflora schaffen, die von Giardien und anderen Parasiten als abstoßend empfunden wird. Bisher gibt es nur Studien mit Zecken und Bakterien, die die antimikrobielle Wirkungsweise (vor allem gegen Bakterien, Viren und Pilze) bestätigt. Allerdings wurden keine Tests mit Einzellern gemacht. Somit gibt es keinen wissenschaftlichen Nachweis für die Wirkung von Kokosöl gegen Parasiten wie Würmer und Giardien.

Es ist möglich, dass Kokosöl gegen Giardien hilft. Aber verlassen kannst du dich darauf nicht. 

Es gibt also Hausmittel mit unterstützender Wirkung für die Darmgesundheit, die auch gerne kombiniert werden können. Denn Karotten und Kokosöl haben noch keinem Hund geschadet. Versuchen kannst du es ja. Jedoch sind Hausmittel kein Ersatz für die medikamentöse Behandlung gegen Giardien und sollten lediglich die Behandlung unterstützen.

vetevo-Fazit

Giardien sind nicht zu unterschätzen. Unbehandelt quälen sie Hunde oft über mehrere Wochen mit Durchfall und können durch das Angreifen der Darmflora zur starken Gewichtsabnahme führen. Durch gezielte Behandlung mit zugelassenen Medikamenten sowie regelmäßige Kotuntersuchungen kannst du aber die Giardien loswerden. 

Bei Giardienbefall solltest du unbedingt auf die Hygiene achten. Mit regelmäßigem Reinigen von Näpfen, Decken und Spielzeug (über 65°C) kannst du sehr gut gegen Giardien vorgehen.

Also keep cool and start cleaning. Und übrigens, Giardien sind nicht die einzige Ursache für Durchfall beim Hund.

vetevo - Aus Liebe zum Tier.