Grauer Star (Katarakt) beim Hund

©Moshe Harosh

Grauer Star (Katarakt) beim Hund

Die visuelle Wahrnehmung eines Hundes ist auf das Erfassen von Nahrung ausgerichtet. Sie muss, sowohl am Tag als auch in der Nacht, jede noch so kleine Bewegung aufnehmen können. Erblindet ein Hund, beeinflusst das somit sein komplettes Leben. Der Graue Star (Katarakt) - eine der häufigsten Ursachen für eine Erblindung - ist aber kein Dauerzustand mehr. Die Erkrankung kann durch eine Operation meist vollständig behandelt werden.

Inhaltsverzeichnis:

Was ist Grauer Star? Wie beeinträchtigt diese Krankheit unsere Hunde?

Grauer Star oder Katarakt ist eine Linsentrübung im Auge des Hundes. Wenn die Linse getrübt ist, beeinträchtigt dies das Sehvermögen des Hundes entweder vollständig oder partiell. Sind beide Augen betroffen, kommt es zu einer vollständigen Blindheit.

Nicht nur ältere Hunde sind von dieser Krankheit betroffen. Der graue Star kann auch durch eine angeborene Erberkrankung im Auge des Hundes entstehen. Hierbei gibt es Rassen, die häufiger betroffen sind als Andere.

Beispielsweise gehören Golden Retriever und Labrador Retriever, Pudel, Zwergschnauzer, Afghane oder der Boston Terrier zu den Trägern des genetischen Defekts. Das schließt auch Mischlinge mit ein, die aus diesen Rassen entstanden sind.

Die Ursachen der Linsentrübung

Normalerweise ist die transparente Linse für die Lichtbrechung verantwortlich. Durch sie werden Objekte auf der Netzhaut sichtbar gemacht. Der Auslöser einer Trübung ist ein erhöhter Wasseranteil in der durchsichtigen Linse, der die Linsenfasern aufquellen lässt. Die normalerweise geordneten Fasern geraten durch das Aufquellen aus ihrer ursprünglichen Ordnung und verlieren so ihre Transparenz.

Eine Trübung der Linse heißt jedoch nicht automatisch, dass dein Hund erblindet. Mit steigendem Alter ist es normal, dass sich seine Linse trübt und verändert. Bei der sogenannten Nukleosklerose ordnen sich die Fasern der inneren Linse nicht mehr parallel zueinander an, und verlieren ihre Transparenz. Dadurch erscheinen die Augen älterer Hunde zunehmend milchig.

Die primäre Katarakt ist ein genetischer Defekt, der angeboren ist oder vererbt wird. Neben reinrassigen Hunden, können auch Mischlinge diesen Defekt in sich tragen. Bei dieser Erkrankung beeinflusst die Trübung das Sichtfeld des Hundes entweder teilweise oder vollständig.

Weitere Ursachen für den grauen Star können Verletzungen oder andere Erkrankungen sein. Zum Beispiel sind Augenentzündungen an der Netzhaut, sowie Verletzungen der Hornhaut mögliche Auslöser der Katarakt. Stoffwechselerkrankungen wie zum Beispiel Diabetes mellitus verstärken ebenfalls häufig die Wasseransammlung in der Linse und führen so zum Grauen Star.

Grauer Star erkennen - auf welche Symptome sollte ich achten?

Das eindeutigste Anzeichen für Grauer Star befindet sich in der Linse des Hundes. Am Anfang der Erkrankung färbt sich die Linse langsam blau-gräulich und wirkt stumpf. Mit fortschreitender Zeit wird sie immer heller, bis sie letztendlich komplett weiß erscheint.

Die Symptome von Grauer Star werden allerdings meist erst erkannt, wenn beide Augen zu gleichen Teilen betroffen sind. Erst dann findet sich der Hund nicht mehr zurecht und wirkt besonders in fremder Umgebung orientierungslos. Ist das Sehvermögen des Hundes beeinflusst, macht sich dies relativ spät bemerkbar.

Die meisten Hunde sind selbst mit einer vollkommenen Erblindung sicher unterwegs, sodass sie dem Besitzer vorerst nicht auffällt. Die ausgeprägten Sinne eines Hundes unterstützen ihn bei der weiteren Orientierung, insbesondere in seiner gewohnten Umgebung. Somit verschleiert sich das Ausmaß der Beeinträchtigung.

Bis beide Augen in gleicher Weise getrübt sind, können ein paar Wochen, Monate oder sogar Jahre vergehen.

Hat mein Hund Schmerzen während der Linsentrübung?

Normalerweise empfindet der Hund keine Schmerzen bei einer Linsentrübung. Es kann jedoch passieren, dass die Linse zunehmend brüchig wird, und das Linseneiweiß dadurch ins Innere des Auges eintritt. Der Versuch des Körpers den Fremdkörper zu bekämpfen, endet in einer schmerzhaften Entzündung, genannt Uveitis.

Grauer Star kann, neben einer Uveitis, auch zu einer Linsenluxation führen. Das bedeutet eine Verlagerung der Linse in die vordere Augenkammer oder gar in die Pupille. Die Linse wird von Fasern gehalten, die aber im Laufe der Krankheit reißen. Eine Folge der Linsenluxation ist ein erhöhter Augeninnendruck, der wiederum zum Grünen Star (Glaukom) führen kann.

Uveitis und Linsenluxation sind schmerzhaft. Solltest du bemerken, dass dein Hund Schwierigkeiten dabei hat seine Augen aufzuhalten, sie geschwollen sind und sich Sekret daran befindet, dann muss das untersucht werden. Die Behandlung erfolgt durch Medikamente oder eine Operation.

Kann man Grauer Star vorbeugen?

Bei älteren Hunden oder einer primären Kataraktbildung gibt es keine Möglichkeit der Vorbeugung. Um einen angeborenen Defekt zu erkennen, ist ein Erbkrankheiten Test erforderlich. Ist dieser positiv, sollte beim Ausbruch der Krankheit eine Operation in Erwägung gezogen werden.

Wird der Hund auffällig, indem er mehr trinkt, häufiger uriniert oder seine Augen entzündet sind, kann der Ursprung eine andere Erkrankung wie Diabetes sein. Bei Nichtbehandlung oder einer verzögerten Behandlung, könnte diese Grauer Star hervorrufen. Um vorzubeugen, muss die Grunderkrankung schnell diagnostiziert werden.  

Was hilft bei Grauer Star?

Eine rein medikamentöse Behandlung gibt es für Hunde mit Grauer Star nicht. Durch einen Augenarzt sollte eine Operation vollzogen werden, die das Augenlicht des Hundes erfolgreich wiederherstellen kann. Der Arzt entfernt dabei die getrübte Linse und ersetzt diese mit einer Kunstlinse.

Bevor der Hund operiert wird, solltest du einen Spezialisten aufsuchen. Dieser untersucht ihn zunächst auf Grunderkrankungen und scannt die Augen von allen Seiten, um den Ursprung der Katarakt zu ermitteln. Sowohl der Glaskörperraum und Fundus müssen mittels eines Ultraschalls geprüft werden, als auch die Funktion der Netzhaut mittels eines ERGs. Das Ergebnis dieser Untersuchung dient zur Erstellung der Therapie und entscheidet über die Art der Operation.

Ist eine Grunderkrankung die Ursache der Beeinträchtigung, kann vorerst eine Behandlung mit Medikamenten angestrebt werden. Auch andere Augenerkrankungen in Form von Entzündungen können auf diese Weise behandelt werden.

Wichtig für eine erfolgreiche Behandlung der Linsentrübung ist das frühzeitige Erkennen einer Veränderung des Auges, und die Kontrolle durch einen auf Augen spezialisierten Tierarzt. Bei dem geringsten Verdacht solltest du bereits agieren, da Abwarten das Fortschreiten der Krankheit begünstigt.

Grauer Star - ist eine Operation notwendig?

Eine Operation des Auges ist fast immer ratsam, wenn die Linse getrübt ist. Im besten Fall kann der Hund innerhalb von 2-3 Tagen nach einem chirurgischen Eingriff wieder sehen.

Die Entscheidung, ob eine Operation notwendig ist oder nicht, hängt von der Voruntersuchung ab. Dabei beschließt der Arzt, inwiefern dadurch eine Verbesserung der Sehkraft gewährleistet werden kann. Besteht die Chance auf Besserung oder Heilung, sollte der Hund auf jeden Fall operiert werden.

Kommt der Augenarzt zu dem Schluss, dass eine Operation keine Wirkung zeigen würde, muss dein Hund lebenslang mit Augentropfen versorgt werden. Diese sollen möglichen Entzündungen vorbeugen ggf. eindämmen. Wenn sich die Netzhaut deines Hundes bereits gelöst hat, oder eine andere Erkrankung die Ursache für die Trübung ist, macht eine Operation vorerst keinen Sinn. Uveitis und Linsenluxation müssen sofort behandelt werden.

Die Linsentrübung kann innerhalb kürzester Zeit operativ entfernt werden. Es ist eine ambulante Behandlung. Um den Eingriff so angenehm wie möglich zu gestalten, wird dein Hund in eine Vollnarkose versetzt. Nach der Operation kannst du deinen Hund im Aufwachraum abholen und mit nach Hause nehmen.

Nach der Operation musst du deinen Hund für zwei bis drei Wochen intensiv Betreuen. In dieser Zeit müssen ihm regelmäßig seine Medikamente verabreicht und die Kontrolluntersuchungen eingehalten werden. Das Risiko des Eingriffs liegt bei unter 10 Prozent.

vetevo-Fazit

Grauer Star ist eine durchaus therapierbare Krankheit. Die getrübte Sehkraft kann durch eine Operation an der Linse deutlich verbessert werden. Sollte die Linsentrübung nicht durch eine Operation behandelt werden können, muss dein Hund im Falle einer Entzündung medikamentös behandelt werden und regelmäßig zu einer ärztlichen Kontrolle.

vetevo - Aus Liebe zum Tier.

Quellen:

  1. Kongenitale Katarakt (Cataracta congenita). In: Walde I, Nell B, Schäffer E et al., Hrsg. Augenheilkunde. 3., überarbeitete und erweiterte Auflage. Stuttgart: Schattauer GmbH; 2008.
  2. Katarakt. In: Vormwald K, Hrsg. Praxisbuch für Tierheilpraktiker. 1. Auflage. Stuttgart: Sonntag Verlag; 2016.
  3. Augenkrankheiten. In: Kohn B, Schwarz G, Hrsg. Praktikum der Hundeklinik. 12., aktualisierte Auflage. Stuttgart: Enke Verlag; 2017.
  4. Katarakt (Grauer Star, Cataracta lentis). In: Walde I, Nell B, Schäffer E et al., Hrsg. Augenheilkunde. 3., überarbeitete und erweiterte Auflage. Stuttgart: Schattauer GmbH; 2008.
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