vetevo

©Lars_Nissen_Photoart

Früherkennung der Hüft- und Ellenbogendysplasie beim Hund

Lahmen, Hinken, Humpeln, Hüpfen… ein komisches Gangbild kann auf sehr viele verschiedene Ursachen zurückgeführt werden. Die Hüftdysplasie (HD) und die Ellenbogendysplasie (ED) sind bei Hunden zwei häufig vorkommende Fehlentwicklungen der Gelenke.

Inhaltsverzeichnis:

Was ist eine Dysplasie?

Dysplasie wird aus dem griechischen mit Miss- oder Fehlbildung übersetzt und bezeichnet die fehlerhafte Ausbildung einer Gewebestruktur wie Knorpel oder Knochen. Daraus resultiert eine Fehlstellung, die sich wiederum auf den gesamten Körper auswirken kann und zu Problemen führt. Eine Dysplasie kann entweder angeboren sein oder sich im Laufe des Lebens entwickeln. Besonders im hohen Alter treten Folgeerscheinungen auf, da der Körper die Probleme nicht mehr ausgleichen kann.

Die Hüft- und Ellenbogendysplasie beim Hund

Neben der Hüftdysplasie (HD), ist die Ellenbogendysplasie (ED) eine der bedeutsamsten Erkrankungen des Bewegungsapparates beim Hund.

Wer ist besonders gefährdet? 

- schnellwachsende, große Rassen

  • Schäferhund

  • Golden- und Labrador Retriever

  • Berner Sennenhund

  • Großer Schweizer Sennenhund

  • Rottweiler

  • Neufundländer

  • Chow-Chow

  • Bordeaux-Dogge

  • immer mehr erkranken auch kleinere Rassen

- Hunde in der Wachstumsphase

- männliche Tiere

- falsch ernährte Tiere

Was ist die Ellenbogendysplasie?

Es gibt verschiedene Erkrankungen, die gemeinsam den Komplex der Ellenbogendysplasie bilden. Um diese Krankheiten besser verstehen zu können, müssen wir etwas weiter ausholen.

Isolierter Processus anconaeus (IPA)

Wer keinen medizinischen Hintergrund hat fragt sich jetzt, wovon zum Teufel hier die Rede ist. Dazu muss man wissen, dass in der Medizin jedes Fitzelchen irgendwo am Körper einen eigenen Namen hat – sollte es einmal abbrechen (oder wie in unserem Fall gar nicht erst anwachsen), muss man es ja schließlich benennen können. Beim „Processus anconaeus“ handelt es sich um einen kleinen Knochenvorsprung am Ellenbogenhöcker.

Entwickelt sich der Hundewelpe im mütterlichen Bauch, besteht sein gesamtes Skelett zunächst noch aus weichem Knorpel. Erst mit fortschreitendem Alter wird dieser Knorpel zu Knochen. Die langen Röhrenknochen an Armen und Beinen wachsen an Ihren jeweiligen Enden, den Wachstumsfugen (Epiphysen). Die Wachstumsfuge des Processus anconaeus sollte sich mit 16-20 Wochen geschlossen haben. Ist das nicht der Fall, wird er als „isoliert“ bezeichnet und wächst vermutlich nicht mehr an. Als Folge daraus ist das Ellenbogengelenk instabil und kann, wenn sich eine Arthrose entwickelt, starke Schmerzen verursachen. 

Fragmentierter Processus coronoideus medialis ulnae (FPC)

Der Processus coronoideus medialis ist ein anderer kleiner Knochenvorsprung an der Elle des Hundes. Er kann abbrechen, wenn die verschiedenen Knochen, die am Ellenbogengelenk beteiligt sind (also Oberarmknochen, Elle und Speiche) nicht richtig ineinander passen. Das entstandene Knochenstückchen (Knochenfragment) ist im Normalfall nicht schmerzhaft aber kann durch Reibung andere Knochen verletzen. Diese Krankheit entsteht etwa zwischen dem 5. und 12. Lebensmonat, wobei sie erst etwa ab dem 8. Lebensmonat auf Röntgenbildern zu erkennen ist.

Osteochondrosis dissecans (OCD)

Diese Erkrankung ist eine Entwicklungsstörung des Knorpels im Ellenbogengelenk. Näheres zur Funktion des Gelenkknorpels findest Du in unserem HD-Artikel! Bei der OCD funktionieren die Knorpelzellen an der „Trochlea humeri“ (die Gelenkfläche, mit der sich der Oberarm am Ellenbogengelenk beteiligt) nicht richtig. Sie bilden eine viel zu dicke Knorpelschicht auf den beteiligten Knochen aus. Dadurch sterben die unteren, am Knochen anliegenden, Knorpelschichten ab. Früher oder später wird auch der Knochen lädiert und verursacht große Schmerzen! Am häufigsten sind Hunde in der Hauptwachstumsphase, also im Alter von 3-6,5 Monaten, betroffen.

Wir halten dich auf dem Laufenden

Mit unserem Newsletter erhältst du immer wieder tierisch gute Tipps und Tricks rund um das Hundeleben.

Die Anzeichen einer Hüft- und Ellenbogendysplasie beim Hund

Die Vorboten der HD oder ED können sehr unterschiedlich sein. Merkmale für beide Krankheiten können folgende sein.

Bei Hüftdysplasie erkrankten Junghunden treten folgende Symptome auf:
  • plötzlicher Beginn der Problematik

  • mangelnde Spielfreude

  • schwankendes „watschelndes“ Gangbild

  • Vorderbeine machen “trabende” Bewegung, Hinterbeine „galoppieren“

  • Überkreuzung der Hintergliedmaße und breitbeiniges Gehen

  • Neufundländer

  • Instabilität der Hinterbeine

Typische Symptome für Ellenbogendysplasie sind:  
  • Lahmheit durch Einknicken auf der Vordergliedmaße, Kopfnicken

  • Schmerzhaftigkeit

  • Bewegungsunlust

  • bei IPA: Vorderpfoten nach außen gedreht

  • bei FPC und OCD: Vorderpfoten nach außen gedreht, breitbeiniger Stand

Wie testet man auf HD/ED?

Wenn man als Hundebesitzer auf HD und ED testet hat man die Gewissheit, dass der eigene Hund gesund und schmerzfrei ist. Falls sich dabei Anzeichen für eine HD oder ED zeigen, können verschiedene Maßnahmen zur Vorbeugung (Prophylaxe) ergriffen werden.

Außerdem ist der Test auf HD und ED sehr relevant für Hundezüchter. Der VDH (Verband für das Deutsche Hundewesen) schreibt vor, dass Hunde, die zur Zucht von manchen Rassen zugelassen werden sollen, HD/ED negativ getestet sein müssen. Dazu findet im Alter von etwa einem Jahr eine Röntgenuntersuchung statt. 

Früherkennung der Ellenbogendysplasie

Klassisches ED-Röntgen  

Dieses Röntgenverfahren gehört ebenfalls zur Zuchtuntersuchung mit 12 bis 15 Monaten. Dabei werden zwei verschiedene Aufnahmen gefertigt. 

Die erste Aufnahme zeigt das Ellenbogengelenk von der Seite. Bei der zweiten Aufnahme wird das Ellenbogengelenk von vorne nach hinten abgebildet. Diese Bilder werden von beiden Beinen angefertigt. 

Durch dieses Röntgenverfahren kann der Tierarzt genau bestimmen, ob der Hund an ED leidet und welche Form der Ellenbogendysplasie vorliegt.

Früherkennung der Hüftdysplasie

Das PennHIP-Verfahren

Das sogenannte PennHIP-Verfahren ist eine besondere Methode! Damit können erste Anzeichen der HD bereits im Alter von 4-5 Monaten erkannt werden. Und man weiß als Hundebesitzer, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass der im Verlauf seines Lebens noch an einer HD erkranken könnte.

Der große Vorteil bei einem derart jungen Hund besteht in verschiedensten effektiven Therapie- und Vorbeugemaßnahmen, die die Ausprägung der HD im Alter mindern.  

Auch hier werden Röntgenbilder erstellt. Um diese speziellen Röntgenbilder ohne Verwackeln zu erstellen, wird der Junghund in einer kurzen Narkose, also schlafend geröntgt. Dann werden drei verschiedene Bilder gefertigt, während die Beine des Hundes in unterschiedliche Haltungen gebracht werden. Einmal gestreckt nach hinten wie bei dem klassischen HD Röntgen und zwei spezielle Aufnahmen. Die Kompressionsaufnahme zeigt die Passform der Hüftgelenke, wie der Oberschenkelkopf und die Hüftpfanne zueinander passen. Mithilfe der Distraktionsaufnahme kann der Tierarzt feststellen wie “locker” die Gelenke sind. 

Leider gibt es in Deutschland nur wenige Tierärzte, die das Penn Hip Verfahren anbieten. 

Klassisches HD-Röntgen mit ca 1 Jahr

Das Klassische HD-Röntgen wird für die Zuchtuntersuchung bei Hunden zwischen 12 und 15 Monaten genutzt. Dabei werden die Hintergliedmaßen des Hundes in einer gestreckten und einer gebeugten Haltung abgelichtet. Für die meisten Zuchtvereine reicht das gestreckte Bild als Nachweis für HD-Freiheit aus. 

Palpation – die Problematik „erfühlen“

Bei dieser Untersuchungsmethode prüft der Tierarzt mit bestimmten Handgriffen, ob das Gelenk an einer Hüftdysplasie erkrankt ist. Der Hund liegt dabei in Vollnarkose, da das Verfahren sonst unangenehm wäre und der Hund seine Muskeln nicht entspannen würde. Die häufigste Methode ist der sogenannte Ortolani-Test, bei dem der Tierarzt das Bein des Hundes auf bestimmte Art und Weise festhält und Druck auf das Hüftgelenk ausübt. Gelingt es ihm dabei, das Gelenk aus seiner Form zu bringen, ist das ein sicherer Hinweis auf Hüftdysplasie.

Arthroskopie

Eine Arthroskopie beim jungen Hund ist sinnvoll, wenn bereits sichergestellt wurde, dass der Hund an Hüftdysplasie erkrankt ist. Zudem sollte das Gelenk bereits recht locker sein. In dem Fall kann die Arthroskopie Hinweise geben, wie die Behandlung weiter gestaltet werden soll.

Um eine Arthroskopie durchführen zu können, muss der Hund narkotisiert werden. Dann wird mit einem kleinen Schnitt durch Haut und darunter liegende Gelenkkapsel ein Kanal geschaffen. Durch diesen Kanal kann ein Arthroskop in das Gelenk eingeführt werden. Dann kann der Tierarzt beurteilen, ob der Gelenkknorpel bereits großen Schaden genommen hat.

Was hilft zum Vorbeugen der Hüft- und Ellenbogendysplasie?

Ja, HD und ED sind bis zu einem gewissen Punkt genetisch bedingt. Und ja, wenn Dein Welpe einer der großen, schnell wachsenden Rassen angehört, ist er gefährdet. Jetzt kommt allerdings die gute Nachricht! Du als Tierhalter hast Einfluss darauf, wie sich die Erkrankung äußert.

Eine altersgemäße Fütterung des Hundes

Ganz am Anfang der Laufbahn als Hundebesitzer kommt man schon mal ins Staunen, wenn der Hund tonnenweise frisst, wächst und wächst, aber noch immer mager aussieht. Das kann schon vorkommen. Ein junger Hund, der mit Kalorien überversorgt wird, geht nicht in die Breite, sondern erst einmal in die Höhe. Und da neigt man oft dazu, einen kleinen Denkfehler zu machen. Der Hund mag zwar nicht dick sein, allerdings ist er aufgrund seiner Größe viel zu schwer für sein Alter. Durch die hohe Nährstoffversorgung wachsen die Knochen immer mehr in die Länge, die Bänder und Sehnen sind allerdings im jungen Alter noch nicht für diese Belastung bereit! So werden sie immer mehr gedehnt und können irgendwann das Gelenk nicht mehr in seiner Form halten – das erste Zeichen für HD!

Natürlich gibt es auch junge Hunde, die einfach nur dick statt größer werden. Klar ist, dass Übergewicht genauso die Knochen und Bänder belastet, wie zu schnelles Wachstum. 

Außerdem muss die Mineralstoffversorgung im Futter Deines Welpen an seine Ansprüche angepasst sein. Speziell Calcium und Phosphor sollen richtig dosiert werden! In einem optimalen Trockenfutter sind 0,8-1,2% Calcium und 0,6-1% Phosphor enthalten. 

Wie füttere ich meinen Junghund richtig?

Die einfache Antwort lautet nach Packungsanweisung füttern, da die renommierten Futtermittelhersteller die für das Alter und die Größenordnung „perfekt passende“ Menge bestimmen. Hast du dennoch Zweifel kannst du auch von deinem Tierarzt die individuelle Futterration berechnen lassen. Außerdem ist das Wiegen des kleinen Kumpels eine gute Möglichkeit um das Gewicht im Auge zu halten! Sinnvoll ist ebenfalls, auf zu viele Leckerlies und Snacks zu verzichten. Du kannst stattdessen das Trockenfutter als Belohnung nutzen und diese Zwischenmahlzeiten vom Futter abziehen.  

Bewegung anpassen

Wenn Dein Welpe eine der HD- und ED-gefährdeten Rassen ist, ist es wichtig, seine Bewegungseinheiten gut zu dosieren und auf seinen Bewegungsapparat anzupassen. Was bedeutet das im Klartext?
  • auf weichen Untergründen spazieren gehen
  • Muskelaufbau durch Schwimmen, leichte Steigungen hinauf wandern, durchs hohe Gras gehen, da müssen die Beine gehoben werden
  • permanentes unkontrolliertes Toben lassen
  • Spring- und Drehbewegungen, abrupte Tempowechsel z.B beim Ballspielen
  • junge Hunde zu früh zu viel bewegen!

Hormonelle Imbalancen

Bei der Entwicklung von Hüft- und Ellenbogendysplasie können Sexual- und Schilddrüsenhormone eine Rolle spielen. Denn diese beiden Hormongruppen sind für Wachstumsvorgänge im Körper verantwortlich. Deshalb macht es Sinn, die Schilddrüsenwerte immer im Auge zu behalten. Alleine schon, weil Hunde häufig zu einer Schilddrüsen-Unterfunktion neigen und demzufolge schnell an Masse zulegen.

Weiterhin ist eine Frühkastration schädlich für die Entwicklung einer Hüft-, oder einer Ellenbogendysplasie. Fehlen die Geschlechtshormone, schließen sich die Wachstumsfugen später. Und was bedeutet das? Übermäßiges Längenwachstum der Knochen, genauso wie bei der Fehlernährung!  

Wir halten dich auf dem Laufenden

Mit unserem Newsletter erhältst du immer wieder tierisch gute Tipps und Tricks rund um das Hundeleben.

vetevo-Fazit

Die Hüft- und Ellenbogendysplasie sind Krankheiten, unter denen heutzutage einige Hunde leiden müssen. Du als Hundebesitzer kannst einen positiven Einfluss haben, ob sie Deinen Hund betreffen werden. Wenn Du dir einen Welpen beim Züchter kaufst, achte auf den Nachweis der HD / ED Freiheit der die Elterntiere. Das ist als Züchter von großen Rassen im VDH (Verband für das Deutsche Hundewesen) sogar Pflicht. Waren die Elterntiere deines Welpen gesund, ist die Chance für ihn, an HD oder ED zu erkranken, recht gering. 

Hast du Sorge, Dein Welpe könnte die Erbanlagen zur Entwicklung von HD und ED in sich tragen? Es gibt verschiedene Tests, die zeigen, ob sich eine Krankheit des Bewegungsapparats entwickelt. 

Mache Dir bewusst, auf welchen Faktor Du als Hundehalter direkt einwirken kannst - die Ernährung und Haltung Deines Welpen! Wir haben Dir bereits erläutert, was die No Go’s in der HD/ED-Vorbeugung sind. Diese Dinge solltest du verinnerlichen und wenn möglich vermeiden, dann haben Du und Dein kleiner Gefährte die besten Chancen, wackelfrei durchs Leben zu kommen! 
   
vetevo-Aus Liebe zum Tier.

Vorheriger Beitrag Nächster Beitrag

Bekannt aus: