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©Gianni Crestani

Inkontinenz beim Hund - das musst du dazu wissen

Tröpfchen hier, Pfützen da und das Hundebett ist auch eingenässt - der Hund ist inkontinent. Meist taucht das Symptom bei älteren, kastrierten Hündinnen auf. Doch Blasenschwäche kann auch andere Ursachen haben, die durch einen Tierarzt abgeklärt werden müssen. Das Gute: Du wirst wahrscheinlich etwas dagegen tun können, denn Inkontinenz ist oft behandelbar.

Inhaltsverzeichnis:

7 Ursachen für eine Blasenschwäche beim Hund?

Inkontinenz hat nichts mit Unsauberkeit zu tun. Harninkontinenz kommt vor allem bei Hündinnen im Alter häufig vor. Als Ursachen spielen sowohl neurogene als auch hormonelle Störungen sowie Bindegewebsveränderungen eine Rolle, oft in Kombination mit Übergewicht. Die mit Abstand häufigste Ursache für eine Blasensphinkterschwäche (Schwäche des Schließmuskels der Harnröhre) ist der Hormonausfall nach einer Kastration [1].

Eine Blasenschwäche kann neben der Folgeerscheinung einer Kastration noch weitere Gründe haben:
  • In der Blase oder den Harnwegen können sich Tumore, Polypen oder Harnsteine (Urolithen) gebildet haben.
  • Die Nerven, die die Blase kontrollieren, können Infolge eines Unfalls verletzt werden.
  • Ein Bandscheibenvorfall oder schlichtweg eine Blasenentzündung können zudem ursächlich sein.
  • Andere Erkrankungen mit verstärkter Wasseraufnahme wie eine Lebererkrankung, Morbus Cushing (Im Körper wird zu viel Kortisol produziert, welches eine dämpfende Wirkung auf das Immunsystem hat) oder Diabetes können ebenfalls mit einer Inkontinenz einhergehen.
  • Bei älteren Hunden kann Inkontinenz auch durch Altersdemenz (kognitive Dysfunktion) oder eingeschränkte Beweglichkeit mit Schmerzen auftreten.
  • Bei Welpen und Junghunden können angeborene Anomalien des Urogenitaltraktes oder Verhaltensprobleme der Grund für die Blasenschwäche sein.
  • Speziell beim Rüden ist Inkontinenz oftmals ein Symptom bei Erkrankungen der Prostata. Entzündungen, Abszesse, Zysten, Vergrößerungen der Prostata und Tumore können die Blasenschwäche auslösen.

Rassen mit Prädisposition für Inkontinenz

Ein ektopischer Harnleiter ist beispielsweise eine angeborene Fehlbildung, bei der ein oder beide Harnleiter nicht an ihrem eigentlichen Platz in die Harnblase münden. Die Tiere zeigen oft Inkontinenz. Hündinnen sind dabei häufiger betroffen als Rüden. Hunderassen mit einer scheinbaren Prädisposition für diese Anomalien sind:
  • Entlebucher Sennenhund
  • Briard
  • Labrador Retriever
  • Golden Retriever
  • Siberian Husky
  • Neufundländer
  • West Highland White Terrier
  • Foxterrier
  • Neufundländer
  • Pudel

Was ist Dranginkontinenz beim Hund?

Dranginkontinenz ist ein unwiderstehlicher Harndrang, der mit unwillkürlichem Urinverlust einhergeht und durch eine irritierte oder hyperaktive Blasenmuskulatur bei intaktem Schließmuskel der Harnröhre (Sphinktersystem) verursacht wird. Auslöser können Blasen- und Harnwegentzündungen, Harnsteine oder auch Neubildungen von Gewebe (Blasenneoplasien) sein. Eine weitere Form von Dranginkontinenz ist mechanisch bedingt. Eine narbige, entzündliche oder durch einen chronisch partiellen Verschluss (Obstruktion) verdickte Blasenwand behindert durch ihre Inelastizität die normale Blasenfüllung. Das Fassungsvermögen der Blase kann auch durch raumeinnehmende Zysten, gutartige Geschwülste des Bindegewebes (Fibrome) oder gutartige Weichteiltumore (Myome) eingeschränkt sein und eine Inkontinenz bei intaktem Schließmuskel der Harnröhre (Sphinktersystem) hervorrufen[4]. Dranginkontinenz wird deshalb von der echten Inkontinenz unterschieden. Urinuntersuchungen wie auch Untersuchungen mit Röntgen und Ultraschall sichern dies ab[5].

Symptome - Wie äußert sich eine Blasenschwäche?

Schon bei mittlerer Blasenfüllung oder beim Ansteigen des Druckes im Bauchraum (intraabdominal), beim Ablegen, Aufstehen, Treppensteigen, Husten und mehr, hält der Schließmuskel der Harnröhre (Sphinkter) dem Druck nicht mehr stand und es geht unwillkürlich Harn ab. Bei manchen Hündinnen kommt es aber auch nur während des Schlafens zum unkontrollierten Harnabgang.
  • Der meist plötzliche und unbewusste Urinverlust tritt in unterschiedliche Mengen oft im Schlaf oder beim Aufstehen auf.
  • Permanentes Tropfen von Urin kann bei Welpen mit angeborenen Anomalien beobachtet werden.
  • Ein verstärkter Harndrang taucht bei Blasenentzündungen auf.
  • Zu Harn- und Kotabsatz in der Wohnung kann es bei Hunden mit Alzheimer (kognitive Dysfunktion) kommen.

Wie wird Inkontinenz beim Hund behandelt?

Es gibt verschiedene Medikamente zur Stärkung des Schließmuskels der Harnröhre. Diese werden allein oder in Kombination mit beispielsweise Östrogenen, Ephedrin oder Phenylpropanolamin gereicht. Zudem verschreibt dein Tierarzt Antibiotika bei Infektionen der harnableitenden Organe.

Chirurgischer Eingriff

Manchmal führt kein Weg an einer Operation zur Behandlung von etwa Blasensteinen oder Bandscheibenproblemen vorbei. Durch eine chirurgische Verlagerung der ableitenden Harnwege kann man versuchen, eine Harnröhrensphinkter-Inkompetenz zu therapieren. Der Erfolg ist hier aber meist nur temporär.

Alternative Behandlungsmöglichkeiten

Homöopathie ist für viele Glaubenssache, aber sicherlich (begleitend) kein Fehler. So werden vom Homöopathen für Tiere bei Inkontinenz folgende Globuli gerne gegeben:
  • Cantharis bei Blasenentzündungen
  • Causticum Hahnemanni bei Inkontinenz
  • Gelsemium oder Phosphorus bei nervösem Urinieren von Junghunden

Wie gehe ich mit der Inkontinenz meines Hundes um?

Hab viel Geduld! Der Hund kann nichts dafür, und es ist ihm zudem auch unangenehm. Inkontinenz hat nichts mit Unsauberkeit oder Dominanzverhalten zu tun. Ausschimpfen und ihn mit der Nase in die Pfütze stupsen ist also so ziemlich das Letzte, was du tun solltest. Du kannst deinem Vierbeiner helfen, indem du mit ihm öfters Gassi gehst als normal, auch in der Nacht. Schränke die Trinkwassermenge für deinen Hund auf keinen Fall ein, denn diese hat nichts mit der Inkontinenz zu tun. Zudem trinken ältere Hunde sowieso mehr und sollen es auch.

Wasserdichte Unterlagen, Hundewindeln und Bauchbänder

Statte die Lieblingsplätze deines Hundes - ob Schlafplatz, im Körbchen, auf der Couch oder im Auto - mit wasserdichten Unterlagen aus. So sparst du dir viel Wascherei und die Reinigung von Polstern. Lege dir zudem Hundewindeln zu. Hundewindeln sind vor allem in der Nacht gut geeignet, um den Urin aufzufangen. Wenn du deinen Hund erst noch an die Windel gewöhnen musst, dann gehe behutsam vor und vergiss nicht, deinen Hund zu loben und zu belohnen, wenn er sie trägt. Die Windeln gibt es in waschbaren Varianten und als Einmalwindeln. Welche Variante, waschbare Windel oder Wegwerfwindel, für deinen Vierbeiner die beste ist, musst du mit Ausprobieren selbst herausfinden. Die Windeln müssen natürlich regelmäßig gewechselt werden. Denn wie bei einem Baby, ist es auch bei deinem Hund wichtig, die Haut möglichst trocken zu halten. 

Für tröpfelnde Rüden gibt es spezielle Bauchbänder, auch Rüdenwindel genannt. Sie verhindern das Auslaufen des Urins und werden mit einer Einlage einfach um den Bauch und den Penis des Rüden gewickelt und beispielsweise mit einem Klettverschluss geschlossen. Als Einlage kann auch eine einfache Slip-Einlage benutzt werden.

Blasenschwäche und Stubenreinheit

Unsauberkeit hat nichts mit Inkontinenz zu tun, auch wenn das Ergebnis trotzdem oft dasselbe ist: Tropfen, Pfützen und Lachen wohin man schaut. Umso wichtiger ist es, dass Stubenreinheit von Anfang an gelernt wird: Es ist wichtig, bereits mit den Welpen oft spazieren zu gehen, damit sie passende Orte kennenlernen, um ihr Geschäft zu verrichten. Wird dies vernachlässigt, dann hat der Hund Ausscheidungsorte nicht sicher gelernt. Die Folge: Es kommt zu Unsauberkeit im Haus. 

Auch Hunde, die auf so kleinem Raum (Zwingerhaltung und Laborhunde) gehalten werden, dass sie den Ausscheidungs- und Aufenthaltsort nicht richtig trennen können, lernen die Stubenreinheit ebenfalls nicht. Typischerweise signalisieren diese Hunde nicht oder nur unregelmäßig oder undeutlich, dass sie hinaus wollen[6]. Die Chancen, einen solchen Hund stubenrein zu bekommen, stehen eher schlecht. Unsauberkeit ist ansonsten prinzipiell therapierbar und dabei abhängig von der Ursache. Bei nicht oder nur mangelhaft erlernter Stubenreinheit empfiehlt sich ein Stubenreinheitstraining: Viel Gassi gehen und überschwänglich loben, wenn das Geschäft wie gewünscht verrichtet wurde. Tabu ist, den Hund für das eine oder andere Malheur zu bestrafen. Am besten ignorierst du es einfach und putzt es auch erst weg, wenn der Hund es nicht sehen kann[7].

vetevo-Fazit

Inkontinenz bei Hunden ist kein schöner Zustand und keineswegs die Absicht des Hundes, dich zu ärgern oder zu provozieren. Inkontinenz ist auch nicht mit Unsauberkeit zu verwechseln. Inkontinenz ist Hunden meist selbst sehr unangenehm. Oft ist Blasenschwäche eine Begleiterscheinung des natürlichen Alterungsprozesses oder von chronischen Krankheiten. Sollte dein Hund also öfter Pfützen hinterlassen, suche unbedingt deinen Arzt auf, damit er der Ursache auf den Grund geht und Maßnahmen einleiten kann. Du selbst kannst zu Hause oder auch im Auto mit wasserdichten Unterlagen sowie Hundewindeln und Bauchbändern vorerst ein wenig Abhilfe schaffen.

vetevo - Aus Liebe zum Tier.

1. Inkontinenz der Hündin. In: Brendieck-Worm C, Melzig M, Hrsg. Phytotherapie in der Tiermedizin. 1. Auflage. Stuttgart: Thieme; 2018 [zurück]
2. Ektopische Harnleiter. In: du Plessis W, Hrsg. Sono-Grundkurs für Tiermediziner. 1. Auflage. Stuttgart: Schattauer GmbH; 2013[zurück]
3. Pohl S, Kiefer I. Die Ureterektopie des Hundes. kleintier konkret 2015; 18(05): 21 - 29. [zurück]
4. Zwangs- oder Urgeinkontinenz (Dranginkontinenz, Hyperkontraktilität, bladder storage dysfunction). In: Kohn B, Schwarz G, Hrsg. Praktikum der Hundeklinik. 12., aktualisierte Auflage. Stuttgart: Enke Verlag; 2017. [zurück]
5. Inkontinenz. In: Eul-Matern C, Hrsg. Akupunktur bei Krankheiten von Hund und Katze. 1. Auflage. Stuttgart: Sonntag Verlag; 2015.  [zurück]
6. Unsauberkeit. In: Schneider B, Ketter D, Hrsg. Verhaltensmedizin bei Hund und Katze. 1. Auflage. Stuttgart: Schattauer GmbH; 2016.  [zurück]
7. Fehlende Stubenreinheit. In: Damm A, Hrsg. VetSkills. 2., vollständig aktualisierte und erweiterte Auflage. Stuttgart: Schattauer GmbH; 2012.  [zurück]
Bekannt aus: