Kokzidien bei Hund und Katze - Titelbild

Kokzidien bei Hund und Katze - über Toxoplasmose, Kryptosporidiose und Co.

Durchfall - ein sehr unangenehmes Symptom, egal ob bei Hund, Katze oder Mensch. Doch wo kommt der Durchfall her? Häufig sind kleine, einzellige Parasiten schuld: Kokzidien!

Neben Giardien gehören sie zu den Haupt-Durchfallverursachern bei Welpen und Junghunden. Außerdem sind sie nicht nur bei Hunden zu finden, sondern können auch bei Menschen zu Durchfallerkrankungen und weiteren gesundheitlichen Folgen führen. Hier erfährst du, was diese kleinen fiesen Festbeißer sind, wie du Symptome bei einem Kokzidienbefall erkennst und sie besiegen kannst.

Inhaltsverzeichnis:

Was sind Kokzidien?

Kokzidien sind einzellige Parasiten, die so ziemlich jedes Wirbeltier befallen können und die es auch fast überall gibt. Sie befallen alles und jeden. Und durch die unzähligen Unterarten haben sich die fiesen Festbeißer auf die verschiedensten Tiere und Lebensumstände angepasst. Manche Kokzidien-Arten leben und vermehren sich nur in einem Wirt, andere brauchen einen zweiten zur Entwicklung, den sogenannten Zwischenwirt - zum Beispiel Zecken. Ein falsch infizierter Wirt, in dem sich die Kokzidien nicht vermehren können, nennt man Fehlwirt. Hier haben die Kokzidien eine geniale Überlebensstrategie entwickelt. Sie wandern in Körper des Fehlwirts herum und bilden Zysten oder Bläschen, in denen sie sich abkapseln und warten. Sie waren nur darauf, daß der Fehlwirt irgendwann vom Wirt gefressen wird. So kann sich übrigens auch der Mensch infizieren, also aufgepasst mit rohem Fleisch!

Welche Haustiere infizieren sich häufig mit Kokzidien?

Geflügel ist sehr häufig betroffen aber auch Hunde, Katzen und Kaninchen. Besonders Jungtiere sind anfällig für die Kokzidien Besiedelung im Darm. Grund dafür sind die Abwehrkräfte, die sich erst in der Aufbauphase befinden. Auch bereits geschwächte, kranke, tragende oder alte Tiere sind beliebte Wirte. Werden Tiere in enger Gemeinschaft zusammengehalten, wie zum Beispiel in Zwingern, ist die Gefahr einer Ansteckung größer.

Symptome - Wie erkenne ich eine Kokzidieninfektion?

Bekannt sind die lieben Kokzidien vor allen Dingen für ihre Vorliebe für den Befall des Magen-Darm Traktes und dem daraus resultierenden Durchfall. Teilweise kommt es jedoch gar nicht zu Symptomen beim Hauptwirt Hund und Katze, nur bei jungen oder geschwächten Tieren. Es kann zu einer Kokzidieninfektion eines so genannten Fehlwirtes kommen - auch der Mensch gehört dazu! Dieser Fehlwirt ist eigentlich kein geeigneter Wirtsorganismus. Der Parasit kann ihn zwar befallen, aber sich nicht weiterentwickeln. Bei diesem Befall kommt es jedoch zu wesentlich schlimmeren Auswirkungen, da die kleinen Festbeißer sich jetzt nicht mehr nur festbeißen, sondern sogar eine Wanderung durch den Körper beginnen können. So kann es zur Besiedelung von verschiedenen Organen und Ausbildung von Blasen im Gewebe (Zysten) kommen. Entzündungen die wiederum Fieber, Schwäche, Abmagerung und Muskelschmerzen auslösen, können die Folge sein. Dies ist eine ganz geniale Überlebensstrategie. Abgekapselt in den Zysten, zum Beispiel im Muskel des Fehlwirtes, warten die kleinen Monster nur darauf, dass der Fehlwirt vom Wirt gefressen wird. Umso wichtiger ist es, sich darüber durch eine Kotuntersuchung zu informieren.

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Zoonose-Gefahr - Die Ansteckungsgefahr für den Menschen wird unterschätzt!

Das A und O beim Schutz vor Kokzidieninfektionen durch Kokzidien ist und bleibt die persönliche Hygiene. Das Konzept von Haupt-, Zwischen- und Fehlwirt bringt nicht nur Verwirrung mit sich, sondern auch eine Gefahr: Viele Infektionen bleiben unbemerkt! Besonders die Toxoplasmose, welche von Toxoplasma gondii ausgelöst wird, ist eine sehr weit verbreitete Krankheit unter anderem von Hund und Katze. Toxoplasmen sind weltweit verbreitet und können bei dem Fehlwirt Mensch besonders im Falle einer Schwangerschaft große Schäden anrichten. Menschen stecken sich hauptsächlich über mit Katzenkot verunreinigte Lebensmittel, Wasser und Erde oder direkt über den Kot, z. B. beim Reinigen des Katzenklos, an. Eine Kokzidieninfektion kann aber auch durch den Verzehr von rohem Fleisch erfolgen. Die Toxoplasmose ist eine Infektionskrankheit, die beim Menschen zu Beschwerden wie Fieber, Mattigkeit sowie Kopf- und Gliederschmerzen führen kann. Diese Symptome sind ziemlich unspezifisch. Wichtig ist allerdings, dass eine Infektion während der Schwangerschaft gravierend für das Ungeborene ausgehen kann. Es kann zu Fehlgeburten sowie zu schweren Missbildungen des Kindes kommen. Falls du also schwanger sein solltest oder die Familienplanung gerade ansteht und du eine Katze hast, dann solltest du dich bei deinem Frauenarzt beraten lassen. Zum Glück sind nur ein Prozent aller Katzen in Deutschland Ausscheider. 

Aber auch Cryptospora Infektionen durch verunreinigtes Trinkwasser oder Lebensmittel sind besonders in nicht Industrieländern und somit bei reisebegeisterten Weltenbummlern ein echtes Durchfallrisiko. Nach der Zubereitung von Frischfleisch sollte man unbedingt die Hände waschen! Gartenarbeiten sollten nur mit Handschuhen durchgeführt werden, da Kryptosporidien sehr gerne und lange in einem feuchten Milieu überleben können. Gemüse sowie Obst sollten ebenso immer gewaschen werden.

Diagnose

Da die Symptome teilweise sehr unterschiedlich sind bzw. die Hauptwirte Hund und Katze oftmals keine Symptome einer Kokzidien-Infektion zeigen, ist es sehr wichtig, eine Diagnose durch präzise Nachweisverfahren durchzuführen. Um deinen Liebsten zu testen gibt es den guten alten Kottest. Hier werden die blasenförmigen Oozysten durch das Flotationsverfahren vom übrigen Kot abgetrennt und durch ein Mikroskop sichtbar gemacht. Dieses Verfahren basiert auf dem gleichen Prinzip wie das Baden im Toten Meer! Man gibt einfach Flüssigkeit mit einem höheren spezifischen Gewicht (Kochsalz-, Zucker- oder Zinksulfatwasser) dazu und wartet ab, bis die Eier beginnen wie durchgekochte italienische Gnocchi an der Oberfläche aufzutreiben. Durch ein kleines Objektgläschen werden sie dann von der Oberfläche abgenommen und mit dem Mikroskop betrachtet.

Therapie

Bei der Therapie der Hauptwirte werden die so genannten “Anticoccidia “ eingesetzt. Doch leider helfen diese Mittelchen nicht immer, da die verschiedenen Subspezies auch verschiedene Eigenschaften haben und somit auch unterschiedlich angreifbar sind. 
  • Bei Isospora spp. kann eine Therapie mit geeigneten Medikamenten viel bewirken. Vor allem Welpen und Jungtiere erkranken ja häufig und müssen bestenfalls mit einem Kombinationspräparat aus zwei Wirkstoffen (Toltrazuril und Emodepsid) behandelt werden. Dazu muss das direkte Umfeld des Tieres gründlich gereinigt und desinfiziert werden. Denn sonst passiert es häufig, dass sich Hunde und Katzen nach der Behandlung sofort wieder infizieren.

  • Bei Toxoplasma Infektionen wird mit einem Antibiotikum namens Clindamycin gearbeitet.

  • Bei Kryptosporidien setzt man hingegen auf die spontane Heilung. Starke Symptome werden durch Flüssigkeitsausgleich und krampflösende Medikamente gelindert.

Prophylaxe und Hygiene

Deswegen solltest Du immer darauf achten, beim Spazieren gehen jedes einzelne Geschäft aufzusammeln, damit es nicht als Ansteckungsquelle für andere dient. Auch zu Hause kannst Du mit simplen Vorgehensweisen die erneute Infektion stoppen. Reinige das Spielzeug, Futter und Wassernäpfe, genauso wie Decken und Kissen regelmäßig mit heißem Wasser (>65°C). Falls du deinem Liebling selbst Essen zubereitest, dann sollte das Fleisch entweder zuerst gekocht werden (70°C über 5-10 Minuten) oder beim BARFen mindestens 4 Tage bei -20°C eingefroren werden. Denn nur so können alle “Parasitenbläschen” von Isospora, Toxoplasma, Neospora, Hammondia und Sarcocystis abgetötet werden.

Kontrolliere den Kot Deines vierbeinigen Begleiters regelmäßig auf Parasiten! Denn nur weil du nichts siehst, bedeutet das nicht, dass keine da sind. Nur durch spezielle Verfahren können die Kleinstlebewesen dargestellt werden. Hier kannst du mehr über Hygienemaßnahmen bei Würmern und Parasiten lesen.

vetevo-Fazit

Durchfall kann viele verschiedene Ursachen haben. Magen-Darmparasiten jeglicher Art gehören definitiv ganz oben auf die Liste. Das “Schöne” bei diesen Parasiten ist jedoch, dass die Gesundheit des Tieres zu fast 100% wiederhergestellt werden kann ohne Schäden zurückzulassen. In der Fachsprache nennt man das “Prognosis quod rehabiltationem“. Die lästigen Mitbewohner müssen lediglich verschwinden. Doch das ist leider bei den lieben kleinen Kokzidien gar nicht so leicht wie man denken könnte! Denn die Hygiene ist ein sehr wichtiger Faktor zur Genesung des Vierbeiners. Durch ihren speziellen Entwicklungszyklus können Kokzidienoozysten ziemlich gut in der Umgebung überleben. Das ist ein großes Problem! Denn die Wieder-Infektionsrate ist dadurch sehr hoch! Um sicher zu gehen, dass die Kokzidien wirklich verschwinden, musst du den Frühjahrsputz so einige Male wiederholen. Besonders wenn es um die eigene Gesundheit geht, solltest du das Ganze wirklich ernst nehmen. Denn beim Vierbeiner kommt es meist nur zu Durchfall. Jedoch gibt es beim Menschen wirklich drastische Krankheiten, die durch Kokzidien ausgelöst werden können. Besonders wenn du oder ein Familienmitglied schwanger ist, solltest du dich vom Tierarzt und auch von deinem Hausarzt bzw. Gynäkologen beraten lassen!

vetevo - Aus Liebe zum Tier
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