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©Eszter Hornyai

Bindehautentzündung (Konjunktivitis) bei Hunden

Dein Hund blinzelt dich gerade besonders oft an und reibt sich mit den Pfoten oder an deinem Teppich die Augen? Was auf den ersten Blick niedlich aussieht, ist möglicherweise Teil der unangenehmen Symptomatik einer Bindehautentzündung und muss dringend behandelt werden, damit keine schwerwiegenden Komplikationen auftreten. Wir haben dir hier zusammengefasst, was du über Ursachen, Symptome, Behandlung und die richtige Vorsorge wissen musst.

Inhaltsverzeichnis:

Was ist eine Bindehautentzündung?

Die Bindehautentzündung, auch Konjunktivitis genannt, ist eine der häufigsten Augenerkrankungen bei Hunden. Sie ist nicht nur sehr unangenehm für deinen Hund, sondern kann unbehandelt chronisch werden und zu schweren Komplikationen bis hin zur Blindheit führen. Da es zahlreiche Möglichkeiten gibt, wie unsere Vierbeiner sich eine solche Entzündung einfangen können, ist beinahe jeder Hund irgendwann einmal davon betroffen.

In den meisten Fällen handelt es sich um eine unkomplizierte Erkrankung, die bei zügiger und passender Behandlung innerhalb von wenigen Tagen bis zu etwa zwei Wochen ausgeheilt ist. Die Konjunktivitis kann sowohl einseitig vorkommen als auch beide Augen betreffen. Wenn das eine Auge betroffen ist, steckt sich das zweite oftmals an. Da die Symptome sehr unangenehm sind und die Erkrankung in einigen Fällen ansteckend ist, ist eine schnelle und gezielte Behandlung der beste Schutz vor ernsthaften Komplikationen. 

Wie entsteht die Bindehautentzündung?

Eine Bindehautentzündung tritt sowohl als eigenständige Erkrankung als auch als Begleitsymptom anderer Infektionen (z. B. Staupe), Stoffwechselkrankheiten oder krebsartiger Veränderungen des Auges auf.

Die Bindehaut dient dazu, das Auge vor Fremdkörpern und Erregern zu schützen und die Tränenflüssigkeit zu verteilen, die das Auge feucht hält und somit Reibung verhindert und gleichzeitig einen Schutzfilm bildet. 

Sie umgibt den sichtbaren, weißen Teil des Augapfels, während sie selbst durchsichtig ist. Bei einer Entzündung steigt die Durchblutung dieses Bereichs stark an, aufgrund von Reizung oder um die Infektion abzuwehren – und so röten sich die Augen deines Hundes typischerweise stark. 

Eine Bindehautentzündung bei Hunden kann durch ganz verschiedene Ursachen ausgelöst werden. Grob kann man zwei Arten der Bindehautentzündung unterscheiden: die infektiös bedingte und die nicht infektiös bedingte Konjunktivitis. Von dieser Unterscheidung hängt ab, ob die Erkrankung ansteckend ist. 

Im ersten Fall wird die Bindehautentzündung durch unterschiedliche Erreger ausgelöst. Sowohl Bakterien als auch Viren, Pilze oder Parasiten kommen in Frage. In diesen Fällen besteht eine Ansteckungsgefahr für andere Hunde und Menschen. Deshalb solltest du dir die Hände waschen, nachdem du mit den Augen deines Hundes in Berührung gekommen bist. 

Bei der nicht-infektiösen Bindehautentzündung sind Reizungen durch äußere Einflüsse (beispielsweise Staub, Zugluft, Zigarettenrauch), Verletzungen der Hornhaut durch Fremdkörper, sowie Allergien Auslöser für die Entzündung. Auch verstopfte Tränenkanäle gehören zu den möglichen Ursachen. Eine Ansteckungsgefahr besteht dann weder für Tier noch für Mensch, doch die Entzündung ist selbstverständlich genauso schmerzhaft und sollte schnellstens behandelt werden. Hinzu kommt, dass ein bereits entzündetes Auge anfälliger für Erreger jeglicher Art ist. 

Zudem gibt es zwei Unterarten der nicht infektiösen Bindehautentzündung:  
  • Die Konjunktivitis Follicularis (auch Follikulose genannt), die vor allem junge Hunde bis zu 3 Jahren betrifft
  • Die Keratokonjunktivitis Sicca, mit der ältere Vierbeiner oft zu kämpfen haben  
Bei der Follikulose vermehren und vergrößern sich die Lymphknötchen auf der Innenseite der Nickhaut meist durch Reizung (Wind, Staub o. ä.). Eigentlich sind diese Knötchen ein wichtiger Teil des Immunsystems des Auges. Durch ihre Vergrößerung führen sie allerdings zu Reibung, die wiederum eine Bindehautentzündung hervorrufen kann. 

Die Keratokonjunktivitis Sicca ist auch als Syndrom des trockenen Auges bekannt. Hier wird meistens einfach zu wenig Tränenflüssigkeit produziert oder die Zusammensetzung der Tränenflüssigkeit ist verändert, sodass die Flüssigkeit zu schnell verdunstet. 

Ganz allgemein gibt es zudem einige Rassen, die generell anfälliger für Bindehautentzündungen sind. Dies liegt an bestimmten Zuchtmerkmalen, wie genetisch bedingten Fehlstellungen des Augenlids, einer zu schmalen Lidspalte oder sehr nah am Auge wachsender Behaarung. Zu den betroffenen Rassen zählen u. a. Französische Bulldoggen, Cockerspaniels, Deutsche Doggen sowie der Mops

Symptome

Um eine Bindehautentzündung bei deinem Hund zu erkennen, solltest du dir regelmäßig die Augen deines Vierbeiners genau ansehen und auf folgende Symptome achten:
  • Gerötete Augen
  • Schwellung im Augenbereich 
  • Tränende, unter Umständen eitrig verklebte Augen 
  • Schmerzempfindlichkeit der Augenregion 
  • Lichtempfindlichkeit
  • Reiben der Augen mit den Pfoten oder an Gegenständen 
  • Vermehrtes Blinzeln oder halbgeschlossene Augen 
Die Bindehautentzündung verursacht Schmerzen und starken Juckreiz, den viele Hunde durch Reiben der Augen mit den Pfoten oder auch am Wohnzimmerteppich zu lindern versuchen.

Häufiges Blinzeln sowie dauerhaft zusammengekniffene Augen sind ebenfalls Hinweise auf eine Entzündung der Bindehaut. Unter Umständen fällt dir auch auf, dass dein Hund dir ausweicht, wenn du sein Gesicht berühren möchtest. 

Kommen Symptome wie Fieber, Abgeschlagenheit, Durchfall oder Erbrechen hinzu, könnte dies darauf hindeuten, dass die Bindehautentzündung selbst ein Symptom einer zugrundeliegenden anderen Erkrankung darstellt. 
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Diagnose

Ohne Behandlung kann eine prinzipiell unkomplizierte Bindehautentzündung sich chronifizieren und schwere Folgen haben, die die Augen deines Hundes langfristig schädigen. Im allerschlimmsten Fall ist sogar eine Erblindung möglich. Aus diesem Grund ist es ratsam den Tierarzt deines Vertrauens aufzusuchen, sobald du Symptome bemerkst, die auf eine Konjunktivitis hindeuten.

Der Tierarzt wird dich zuerst einmal nach den beobachteten Symptomen, möglichen Fremdkörpereinwirkungen oder Allergien befragen. Darauf folgt eine genaue Untersuchung der Augen deines Hundes, um mögliche Fehlstellungen, Verletzungen sowie festsitzende Fremdkörper auszuschließen. Mit einem sogenannten Fluorescein-Test werden auch kleinste Verletzungen des Auges sichtbar. Hierfür träufelt der Tierarzt einen Tropfen des Farbstoffs Fluorescein in das betroffene Auge. Während eine intakte Hornhaut nach Abfluss der Flüssigkeit farblos bzw. weiß bleibt, färben sich vorhandene Verletzungen grün. Dieser Farbstoff kann auch genutzt werden, um die Durchlässigkeit der Tränenkanäle zu prüfen. Außerdem bringt ein Abstrich des Augenausflusses Klarheit. Hierbei können infektiöse Erreger im Labor nachgewiesen und dann gezielt behandelt werden.

Da zu trockene Augen ebenfalls Auslöser der Bindehautentzündung sein können, bietet sich der Schirmer-Tränentest an, um herauszufinden, ob genug Tränenflüssigkeit produziert wird. Hierfür klemmt man einen speziellen Teststreifen in den unteren Bindehautsack und bekommt nach etwas einer Minute das Ergebnis – aber keine Sorge, dieses Prozedere ist für deinen Vierbeiner absolut schmerzfrei. 

Behandlung

Die Behandlung richtet sich in Art, Dauer und Kostenpunkt nach der Ursache der Entzündung. Ist eine simple Reizung des Auges durch Staub o. ä. oder auch ein kleiner Fremdkörper der Auslöser, reicht gegebenenfalls die Spülung mit einer speziell dafür vorgesehenen Lösung über mehrere Tage hinweg. Da durch die vorhandene Reizung Bakterien ein leichteres Spiel haben, kommt auch hier oftmals bereits ein Antibiotikum zum Einsatz.

Handelt es sich um eine infektiöse Konjunktivitis, wählt der Arzt je nach auslösendem Erreger den passenden Wirkstoff. Bei bakteriellen Infektionen kommen Antibiotika zum Einsatz. Pilze sind mit Antimykotika in den Griff zu bekommen und bei einem Parasitenbefall wird ein passendes Antiparasitikum verordnet. 

Liegt eine virale Infektion zugrunde, behandelt der Arzt die Symptome, bis das Immunsystems deines Hundes die Erreger bekämpft hat. Sollte eine allergische Reaktion der Auslöser der Entzündung sein, treten Antihistaminika oder auch kortisonhaltige Medikamente auf den Plan. 

In den meisten Fällen wird der passende Wirkstoff in Form von Augentropfen oder speziellen Augensalben verabreicht, mit denen du deinen Hund dann selbst zu Hause behandelst. Achtung: Augenpräparate enthalten oft keine Konservierungsstoffe und sind somit nicht unbegrenzt haltbar. Nach etwa 4 Wochen solltest du sie nicht mehr verwenden. Zudem ist es ratsam, dir die Anwendung von deinem Tierarzt in der Praxis einmal zeigen zu lassen.  

Wichtig!

Geöffnete Medikamente müssen oftmals im Kühlschrank aufbewahrt werden. Damit die Verabreichung von Augensalbe oder -tropfen für deinen Vierbeiner nicht allzu unangenehm ist, wärme das Medikament 10 Minuten vor Gabe in deiner Hosentasche auf. Zudem solltest du auf jeden Fall beachten, dass nach dem Öffnen, die Medikamente innerhalb eines kurzen Zeitraums verabreicht werden dürfen. Informiere dich am besten bei deinem Tierarzt oder lies in der Packungsbeilage wie lange.

Helfen Hausmittel bei einer Bindehautentzündung?

Um diese Frage zu beantworten sollte man klar unterscheiden, ob es sich lediglich um eine leichte Reizung der Augen nach einem langen Spaziergang durch Wind und Wetter handelt oder ob bereits eine waschechte Entzündung vorliegt: Während eine anfängliche Reizung durchaus erstmal mit Hausmitteln versorgt werden kann, solltest du bei deutlichen Symptomen direkt den Tierarzt aufsuchen.

Bei leicht geröteten Augen aufgrund von Wind, Zugluft oder Schmutz hilft es das betroffene Auge vorsichtig mit speziellen Lösungen zu spülen. Hierfür eignet sich die Pflanze Euphrasia (Augentrost) besonders gut. Auch Salbei, Eichenrinde, Calendula oder Fenchel können Linderung verschaffen, aber Achtung: Von selbst gebrauten Spülungen solltest du absehen, da diese nicht steril sind und zu Hause nie wirklich komplett gefiltert werden können. Die winzigen Partikel, die auch nach dem Filtern im Aufguss verbleiben, können sich im Auge deines Hundes festsetzen und die Reizung verschlimmern. 

Bindehautentzündung vorbeugen

Damit dein Hund erst gar keine Bindehautentzündung bekommt, ist es ratsam dafür zu sorgen, dass sein Immunsystem grundsätzlich bestmöglich aufgestellt ist. Achte zudem darauf, dass dein Hund möglichst weder Zigarettenrauch noch Zugluft ausgesetzt ist. Sollten gehäuft Augenreizungen nach den Spaziergängen zur Pollensaison auftreten, ziehe eine Allergie in Betracht und meide (soweit möglich) die Auslöser - hier hilft der Allergietest für Hunde.

Zudem lohnt sich die regelmäßige Kontrolle der Hundeaugen auf Fremdkörper und Reizungen – so fällt dir sofort auf, falls etwas nicht stimmen sollte. Auf diese Weise gewöhnt sich dein Hund auch daran von dir untersucht zu werden, was als Medical Training sowohl den regelmäßigen Arztbesuch als auch eine zukünftige Medikamentengabe erleichtern wird. Unter Umständen können auch homöopathische Mittel zur Vorsorge hilfreich sein – besprich dieses Thema am besten mit deinem Tierarzt. 

vetevo-Fazit

Die Bindehautentzündung ist eine der häufigsten Augenerkrankungen bei Hunden und heilt bei richtiger Behandlung innerhalb relativ kurzer Zeit aus. 

Trotzdem sollte man sie nicht auf die leichte Schulter nehmen, denn unbehandelt können Komplikationen eintreten, die die Augen deines Hundes dauerhaft schädigen können. Generell solltest du den Augenbereich deines Hundes regelmäßig kontrollieren und ihm typische Auslöser wie Zugluft oder Zigarettenrauch ersparen – dies gilt umso mehr, wenn dein Hund zu einer besonders häufig betroffenen Rasse gehört. 

Da es zahlreiche Ursachen für diese unangenehme Erkrankung gibt, ist es ratsam deinen Hund zum Tierarzt zu bringen, sobald du Symptome bemerkst – nur so kann die passende Behandlung gefunden werden, sodass es deinem Hund im Handumdrehen wieder besser geht. 
  
vetevo - Aus Liebe zum Tier.

Quellen:

  1. Augenlider, Palpebrae, und Bindehaut, Tunica conjunctiva. In: Salomon F, Geyer H, Gille U, Hrsg. Anatomie für die Tiermedizin. 3., aktualisierte und erweiterte Auflage. Stuttgart: Enke Verlag; 2015. doi:10.1055/b-003-125820
  2. Bindehautkatarrh (Konjunktivitis). In: Kohn B, Schwarz G, Hrsg. Praktikum der Hundeklinik. 12.,aktualisierte Auflage. Stuttgart: Enke Verlag; 2017. doi:10.1055/b-004-140269 
  3. Follikelkatarrh (Conjunctivitis follicularis). In: Kohn B, Schwarz G, Hrsg. Praktikum der Hundeklinik. 12., aktualisierte Auflage. Stuttgart: Enke Verlag; 2017. doi:10.1055/b-004-140269 
  4. Konjunktivitis. In: Schrey C, Hrsg. Leitsymptome und Leitbefunde bei Hund und Katze. 4., aktualisierte Auflage. Stuttgart: Georg Thieme Verlag ; 2019. doi:10.1055/b-006-163305 
  5. Primäre Konjunktivitis. In: Sigrist N, Hrsg. Notfallmedizin für Hund und Katze. 1. Auflage. Stuttgart: Enke Verlag; 2017. doi:10.1055/b-004-129977      
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