Wurmkur: Muss ich? Und wenn ja, wie oft?

vetevo: Wurmkur? Pflicht? Wie oft?
Svenja Kasselmann
Tierärztin bei vetevo

Lesezeit: 13 Min.

Würmer: Keiner will sie haben und doch schleichen Sie sich immer wieder in den Darm unserer Vierbeiner ein. Und das ohne, dass man es Hund und Co. unbedingt anmerkt. Aber wie oft muss man eigentlich entwurmen? Und muss es immer gleich die Wurmkur sein, oder gibt es zuverlässige Alternativen? Wirkt dieses Kokosöl wirklich?


Im vorangegangenen Beitrag (Verpasst? Lesen Sie hier) haben wir darüber geschrieben, dass die regelmäßige Entwurmung bei Wurmbefall wichtig für die Gesunderhaltung ist und dass es bei richtiger Anwendung eigentlich kaum Gefährdung für unsere Hunde gibt. Dennoch gibt es durchaus Möglichkeiten, die Häufigkeit einer Wurmkur für das einzelne Tier so weit wie möglich zu reduzieren. 

Wie häufig braucht mein Hund eine Wurmkur?

Mit dieser wichtigen und gar nicht so einfach zu beantwortenden Frage beschäftigt sich fortlaufend ein ganzes Expertenteam aus Parasitologen und Tierärzten, die ESCCAP (European Scientific Counsel Companion Animals Parasites). Weil Würmer ein echtes Gesundheitsrisiko für Mensch und Tier darstellen, gibt die ESCCAP regelmäßig aktuelle Infobroschüren und Tests zur Risikobestimmung, sowie wie oft eine Wurmkur gegeben werden sollte, aus.


Generell gilt: Wenn Sie sich an die Empfehlungen der ESCCAP halten, sind Sie und Ihr Liebling auf der sicheren Seite. Die Internetseite liefert zahlreiche Informationen dazu, wie das individuelle Risiko für eine Wurmerkrankung entsteht. Hier werden unter anderem Faktoren wie Kontakt mit anderen Hunden, Verzehr von rohem Fleisch sowie kleine Kinder im Haushalt berücksichtigt. Basierend auf diesen Informationen können Sie einen Test machen um das individuelle Risiko einschätzen zu können. Den Link zum Test finden Sie hier.

Die Empfehlungen reichen also je nach Haltung, Alter und Ernährung von 4 mal bis zu 12 mal im Jahr, was natürlich erst einmal sehr hoch erscheint. Aufgrund der hohen Reinfektion ist diese Empfehlung allerdings bei hochgefährdeten Hunden absolut gerechtfertigt.

Wenn Sie kein Freund davon sind, so zahlreiche Wurmkuren zu verabreichen ohne zu wissen, ob wirklich ein Wurmbefall vorliegt, hilft eine Kotuntersuchung.

Wie funktioniert die Kotuntersuchung auf Würmer beim Hund?

Eine Wurmkur ist streng genommen nur dann nötig, wenn wirklich ein Befall vorliegt. Eine “prophylaktische” Gabe funktioniert nicht, weil durch die Medikamente nur die zum Zeitpunkt der Gabe ausgewachsenen Würmer abgetötet werden.

Idealerweise verabreichen Sie also nur dann eine Wurmkur, wenn im Kot Ihres Lieblings Wurmeier oder Wurmlarven nachgewiesen wurden. Das Intervall zwischen den Kotuntersuchungen sollte sich dabei an dem Selbsttest oben im Text, oder an den ESCCAP-Empfehlungen orientieren.

Um einen Wurmbefall nachzuweisen muss im Labor genau hingeschaut werden. Und zwar mit Hilfe eines Mikroskops. Innerhalb von kurzer Zeit hat man das Ergebnis. Im besten Falle negativ, also ohne nachgewiesene Eier und Larven. Diese mikroskopische Kotuntersuchung wird immer beliebter- und das zu Recht! Einsammeln, wegschicken, anschauen lassen... nur im Bedarfsfall entwurmen. Super!

Achtung Flöhe!

Sie dienen als Zwischenwirte für einen der häufig vorkommenden Bandwürmer: Dipylidium caninum. Der Bandwurmbefall kann erneut auftreten! Deswegen: parallel Flöhe bekämpfen bzw. bei Flohbefall auch an die Entwurmung denken!


Wichtig hierbei ist allerdings, dass nicht bei jedem Kot absetzen des Hundes auch Wurmeier oder ausgewachsene Würmer in die Umwelt gelangen. Deswegen sollten unbedingt immer unterschiedliche Kotproben von mehreren Tagen untersucht werden!

Wenn dieser Punkt beachtet wird, dann ist diese Methode relativ sicher und aussagekräftig. So genannte "falsch negative" Ergebnisse können trotzdem auftreten. Falsch negativ bedeutet, dass im Test zwar keine Würmer nachgewiesen werden, aber trotzdem Würmer im Hund leben.

Eine Ursache für dieses Problem ist dabei die so genannte "Präpatenzzeit". Das ist die Zeit zwischen der Aufnahme von Wurmeiern oder -larven bis zu dem Zeitpunkt, wo die Würmer ausgewachsen sind und wieder Eier produzieren, die dann im Kot nachgewiesen werden können. Das bedeutet, dass im Falle einer Wurminfektion die Würmer erst mit zeitlicher Verzögerung nachgewiesen werden können. Allerdings ist der Hund auch erst zu diesem Zeitpunkt eine mögliche Infektionsquelle für Artgenossen oder Menschen.

Im schlimmsten Falle lassen Sie Ihren Hund kurz vor Beginn der Eiausscheidung testen. Ein paar Tage danach ist Ihr Liebling also ansteckend und scheidet bis zur nächsten Kotuntersuchung Wurmeier aus, an denen Sie und auch andere Hunde sich anstecken können.

Aus der Überlegung ergibt sich, dass zwischen den Kotuntersuchungen keine allzu lange Zeit vergehen sollte. Wenn Sie ganz sicher gehen möchten, geben Sie 14 Tage nach dem ersten Test eine zweite Untersuchung in Auftrag.

Die Kotuntersuchung ist im Vergleich zur Wurmkur teurer und mit höherem Aufwand verbunden. Mit der Investition erkaufen Sie Ihrem Hund aber im Falle, dass keine Würmer nachgewiesen werden können, eine gesparte Medikamentengabe.

Sollte ihr Tierarzt des Vertrauens keine Kotuntersuchung anbieten, gibt es mittlerweile anwenderfreundliche Testkits online. Die lassen die Kotprobe quasi zum Spaziergang werden.

Zum Wurmtest kommen Sie hier

Kokosöl, eine echte Alternative zur Wurmkur?

Viele Hundebesitzer haben Sorge vor Nebenwirkungen und viele Wissenschaftler vor möglich auftretenden Resistenzen (was in Schafsbeständen schon lannge ein Problem darstellt). Seit längerer Zeit stolpert man im Internet immer wieder über Artikel zum Thema „alternative Mittel gegen Würmer“ und andere Parasiten wie Zecken und Milben.

Es gibt endlose Listen von Mittelchen die gegen den Wurmbefall helfen sollen. Diese reichen von Grapefruitextrakt über Karotten, Ananas, Papaya, Schwarzkümmel, Kürbiskerne, Oregano sowie Kokosöl und Flocken, Rhabarberwurzel, Weißkohlsaft bis hin zu Thymiantee.


Kokosöl

Am meist diskutiert wird über das Kokosöl. Es ist gut zugänglich, leicht zu verabreichen und soll noch viele weitere positive Auswirkungen haben.

Doch was steckt dahinter? Denn was einige als „Hokuspokus“ beschimpfen, wird nicht nur von Alternativmedizinern und „Kokos-Öl-Liebhabern“ unterstützt sondern nun auch von einigen Universitätsprofessoren bestätigt. Was ist nun richtig oder falsch? Oder gibt es wie so oft zwischen der schwarzen und weißen Ansicht eine graue dazwischen?

Kokosöl soll antimikrobiell wirken, das Immunsystem stärken, die Abwehrkräfte mobilisieren und gleichzeitig eine Darmflora schaffen, die von Würmern als abstoßend empfunden wird.

Es gibt sogar Quellen die behaupten, dass Würmer vom Festsaugen an der Darmwand gehindert und sogar abgetötet werden. Oftmals wird es in der Kombination mit Rizinusöl gegeben welches ein natürliches Abführmittel ist und die Darmentleerung beschleunigt.

Schauen wir uns mal die Bestandteile des Wunder-Fetts an.

Kokosöl ist ein weißes bis gelblich-weißes Pflanzenfett, das aus Kopra, dem Nährgewebe der Kokosnuss (Frucht der Kokospalme), gewonnen wird. Es zeichnet sich durch einen sehr hohen Anteil an gesättigten Fettsäuren aus.

Dabei besteht es hauptsächlich aus besonderen Fettverbindungen, den Triglyceriden, gesättigten Fettsäure-Resten und den einfach ungesättigten Ölsäure-Resten, die in dieser Form in “normalem” Öl nicht zu finden sind. Ebenfalls enthalten sind Spuren von Mineralien, Aminosäuren, Vitamin E und Lactone. Wird das Öl jedoch raffiniert, so geht das Vitamin E verloren.

Weitere relevante Stoffe sind Caprylsäure, Laurinsäure und Myristinsäure.

Und hier wird es interessant! Nach einigen Quellen soll wohl Laurinsäure die Zellwände der Parasiten auflösen und Myristinsäure die Darmschleimhaut schützen.

Leider ist es sehr schwierig diese Informationen zu überprüfen weil die Studien, über die alle im Internet reden, schwierig zu finden sind und nicht von allen eingesehen werden können. Und zu jeder Studie gibt es auch eine Gegenstudie. Generell ist allerdings zu sagen, dass Forschungen mit Naturprodukten oftmals vernachlässigt werden. Deswegen kann es gut sein, dass die besagten Stoffe die besagte Wirkung haben, allerdings noch keine Studien diesbezüglich durchgeführt wurden.

Bezogen auf Kokosöl wurden bisher Studien mit Zecken und Bakterien gemacht, die herausgefunden haben, dass Kokosöl antimikrobielle Wirkungsweisen hat. Hier steht die Laurinsäure im Fokus. Problematisch zu sehen ist allerdings die Menge. Um eine wirksame Dosis zu erzielen, müssten relativ große Mengen Kokosöl im Abstand von 2-6 Stunden auf die gesamte Haut des Hundes verteilt werden. Dadurch kann es zu schwerwiegenden Störungen der Hautfunktion kommen.

Unterm Strich können wir zum derzeitigen Zeitpunkt nur sagen: Es kann schon sein, dass Kokosöl gegen Würmer hilft. Aber verlassen kann man sich nicht darauf!

Andere Quellen warnen sogar vor dem übermäßigen Konsum. Sie weisen auf die Aussage der deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) hin, welche besagt, dass aufgrund der hohen Konzentration von gesättigten Fettsäuren es zu gesundheitlichen Problemen wie Herzkreislaufstörungen kommen kann.

Deswegen können wir uns auch hier wie so oft auf das gute alte Paracelsus-Prinzip berufen: “Die Dosis macht das Gift” (“Sola dosis facit venenum”). Liegen - wie beim Kokosöl zur Zeit nicht klar ersichtlich - wirksame und giftige Dosis zu nahe beieinander, wird der medizinische Einsatz schwierig.

Bis wir also genaue Studien zur Wirkweise von Caprylsäure, Laurinsäure und Co haben raten wir von der alleinigen Entwurmung mit Kokosöl ab. Gegen eine unterstützende Verabreichung in ungefährlichen Mengen spricht zunächst nichts.

Entsprechend wird bei akuten Symptomen wie Appetitlosigkeit, stumpfes Fell etc. auch auf den „Pro-Kokosöl Seiten“ zu einer traditionellen Entwurmung geraten, da das Öl zwar darmsanierend wirkt und somit für eine Harmonisierung der Darmflora beiträgt, jedoch nicht als Ersatzmedikament verstanden werden kann.

Insofern sollte der Versuch dieser “natürlichen” Variante unbedingt in Kombination mit einer regelmäßigen Überprüfung durch Kotproben durchgeführt!

vetevo Fazit

Als Hundebesitzer/in stehen Sie in Sachen Würmer in der Verantwortung für die Gesundheit Ihres Hundes und seines Umfelds! Und diese Verantwortung kann nur gemeinsam mit den Hundebesitzer/innen Ihres Umfeldes getragen werden, denn: Bekämpfung von Würmern funktioniert nur im Konsens. Und dafür müssen alle Tierbesitzer an einem Strang ziehen, denn eine Infektion oder Wieder-Infektion passiert schneller als man gucken kann.

Wenn Ihr Tier Würmer hat, dann liegt es sehr nahe, dass auch der liebste Spielgefährte angesteckt wird. Auch Partnertiere müssen kontrolliert werden und gleichzeitig behandelt werden.

Deswegen ist es sehr wichtig regelmäßig zu kontrollieren oder im Falle der Fälle auch zu handeln.

Besonders zu erwähnen:

Menschen im Allgemeinen, besonders jedoch kleine Kinder sind gefährdet für Wurminfektionen, da diese häufig engen Kontakt zu ihren liebsten Vierbeinern haben.

Neben den “normalen” Symptomen gibt es auch einen Zusammenhang mit allergischen Reaktionen wie Asthma, Bronchitis und Ekzemen. Zwar ließ der Rückschluss zu, dass das Aufwachsen eines Kindes mit einer Katze oder einem Hund das Immunsystem positiv stimuliert und im Erwachsenenalter dann seltener mit Allergien zu rechnen ist. Bei einer Infektion des Kindes mit Spulwurmlarven drehen sich diese Faktoren jedoch genau um: die Kinder bekommen dann häufiger allergisches Asthma, Ekzeme und Folgeerkrankungen. So können verirrte Spulwurmlarven auch ins Auge oder ins zentrale Nervensystem gelangen und dort Schäden anrichten.

Würmer werden also viel zu oft absolut unterschätzt! Und deswegen ist es sehr wichtig, dass Sie sich, die Menschen und besonders Kinder in Ihrer Umwelt schützen.

vetevo – Aus Liebe zum Tier


AGB Impressum Datenschutz

©2018 vetevo GmbH, Torstraße 23, 10119 Berlin

AGB
Impressum
Datenschutz

©2018 vetevo GmbH, Torstraße 23, 10119 Berlin

Sie haben Fragen? Zögern Sie nicht uns anzurufen.
030 - 577 024 910
Mo. bis Fr. von 09:00 bis 20:00 Uhr

Insert Content Template or Symbol